Catechismus

8 Die Sakramente

Sakramente sind grundlegende Gnadenmitteilungen Gottes. Es sind heilige Handlungen, die am Menschen vollzogen werden, damit er das Heil erlangt, in die Lebensgemeinschaft mit Gott aufgenommen zu werden und in ihr erhalten zu bleiben. Der Empfang der drei Sakramente eröffnet die Möglichkeit, bei der Wiederkunft Christi mit dem Herrn vereint zu werden.

Das Heil in den Sakramenten gründet in Menschwerdung, Opfertod und Auferstehung Jesu Christi sowie in Sendung und Wirken des Heiligen Geistes.

Der Begriff „Sakrament“ findet sich im Neuen Testament nicht. Das Wort „mysterion“, das in einigen altlateinischen Bibelübersetzungen mit „sacramentum“ wiedergegeben wird, ist ursprünglich ohne Bezug zu den Handlungen, die später als „Sakrament“ bezeichnet werden. „Mysterion“ meint in der Antike eine geheime Angelegenheit, die nur Eingeweihten zugänglich ist.

„Sacramentum“ bedeutet im römischen Verständnis unter anderem „Fahneneid“, „Weihe“ und „Kaution“. Im Laufe des zweiten und dritten Jahrhunderts n.Chr. werden „mysterion“ und „sacramentum“ zur Bezeichnung von rituellen Handlungen. So wird beispielsweise bei Tertullian (* um 160, † um 220) zwar nicht der Taufakt, wohl aber das Taufgelöbnis und das Glaubensbekenntnis mit der soldatischen Eidesformel in Zusammenhang gebracht. Den wesentlichen Beitrag zum Sakramentsverständnis liefert in der Spätantike der Kirchenlehrer Augustinus (* 354, † 430): Ein Sakrament kommt zustande durch die Verbindung eines sichtbaren Elements mit einem Wort, das auf die hinter diesem Wort stehende Wirklichkeit verweist.

Ein Sakrament kommt durch vier aufeinander bezogene Größen rechtmäßig zustande:

  • Zeichen (lat.: „signum“ / „materia“), das ist der Ritus oder das sichtbare Element,

  • Inhalt (lat.: „res“ / „forma“), die Gegenwart des Heils,

  • Spender (Vermittler des Sakraments),

  • Glaube (des Empfangenden), damit das Sakrament zum Heil empfangen wird.

Die Gültigkeit der Sakramente hängt nicht mit ihrer Deutung zusammen oder mit dem Verständnis, das man von ihnen hat, sondern allein mit den vier oben genannten Größen. Zeichen („signum“) und Inhalt („res“) werden durch das Wort („verbum“) — das durch den Spender gesprochene Stiftungs- oder Weihewort — miteinander verknüpft.

Da es sich hierbei nicht um ein magisches, gleichsam automatisches Geschehen handelt, ist der Glaube des empfangenden Menschen Voraussetzung, damit das Sakrament seine Heilswirkung entfalten kann. Allerdings macht auch der Unglaube das Sakrament nicht ungültig, denn was Gott tut, kann der ungläubige Empfänger nicht aufheben.

Die rechte Sakramentsverwaltung obliegt den Aposteln. Sie sind von Christus beauftragt, die Sakramente in sachgemäßer Weise zugänglich zu machen. Auch wenn nicht alle Sakramente von ihnen oder den von ihnen Beauftragten gespendet werden, stehen Sakramente doch in einem apostolischen Bezug.

Es gibt drei Sakramente (1Joh 5,6-8): Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl. Sie sind von Jesus Christus eingesetzt. [13]

Durch die Heilige Wassertaufe gelangt der Mensch in ein erstes Näheverhältnis zu Gott — er wird ein Christ und gehört durch seinen Glauben und sein Bekenntnis zu Christus der Kirche an (siehe 8.1). Durch die Heilige Versiegelung schenkt Gott dem Getauften die Gabe des Heiligen Geistes. Beide Sakramente gemeinsam bilden die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. Durch sie erlangt der Mensch die Gotteskindschaft und ist berufen, bei der Wiederkunft Christi zur Schar der Erstlinge zu zählen (siehe 8.3). Das Heilige Abendmahl erhält den Wiedergeborenen in der innigen Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus. Dazu muss dieses Sakrament stets neu gläubig empfangen werden (siehe 8.2).

Die Sakramente werden auch Kindern gespendet (Mt 19,14).

[13] Vgl. Mt 28,19.20; Joh 3,5; Lk 22,19.20; Joh 6,53-58; 1Kor 11,23-26; zur Unterscheidung zwischen Heiliger Wassertaufe und Heiliger Versiegelung siehe Apg 8,14-17; 19,1-6.

EXTRAKT Nach oben

Sakramente sind grundlegende Gnadenmitteilungen Gottes. (8)

Das Heil in den Sakramenten gründet in Menschwerdung, Opfertod und Auferstehung Jesu Christi sowie in Sendung und Wirken des Heiligen Geistes. Die rechte Sakramentsverwaltung obliegt den von Christus gesandten Aposteln. (8)

Ein Sakrament kommt zustande durch die Verbindung eines sichtbaren Elements mit einem Wort, das auf die hinter diesem Wort stehende Wirklichkeit verweist. (8)

Ein Sakrament kommt durch vier aufeinander bezogene Größen zustande: Zeichen, Inhalt, Spender und Glaube. (8)

Der Glaube ist Voraussetzung, damit das Sakrament seine Heilswirkung entfaltet. (8)

Jesus Christus hat drei Sakramente eingesetzt: Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl. (8)

8.1 Die Heilige Wassertaufe Nach oben

Die Heilige Wassertaufe ist die erste und grundlegende sakramentale Gnadenmitteilung des dreieinigen Gottes an den Menschen, der an Jesus Christus glaubt. Durch sie geschieht die Abwaschung der Erbsünde; der Gläubige wird aus der Gottferne herausgeführt. Gleichwohl bleibt seine Geneigtheit zur Sünde (Konkupiszenz) bestehen.

Durch die Heilige Wassertaufe hat der Täufling Anteil an dem Verdienst, das Jesus Christus mit seinem Opfertod für die Menschen erworben hat. So gelangt der Mensch in ein erstes Näheverhältnis zu Gott — er wird Christ. Damit ist er auch eingefügt in die Kirche, also in die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben und ihn als ihren Herrn bekennen.

Entsprechend heißt es im sechsten Glaubensartikel: „Ich glaube, dass die Heilige Taufe mit Wasser der erste Schritt zur Erneuerung des Menschen im Heiligen Geist ist und dass dadurch der Täufling aufgenommen wird in die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben und ihn als ihren Herrn bekennen.“

8.1.1 Bezeichnung für das Sakrament Nach oben

Der Begriff „Taufe“ ist die Übersetzung des griechischen Worts „baptizein“ = „eintauchen“. In urchristlicher Zeit wurden Taufen wohl vor allem durch Eintauchen ins Wasser vollzogen.

8.1.2 Biblische Grundlegung der Heiligen Wassertaufe Nach oben

Als Vorläufer der Wassertaufe können die rituellen Waschungen gesehen werden, die im mosaischen Gesetz an verschiedenen Stellen belegt sind. Sie führten zu einer kultischen Reinigung solcher Menschen, die aufgrund körperlicher Befindlichkeiten als unrein galten. Diese Waschungen hatten jedoch keinen bundesschließenden Charakter.

8.1.2.1 Alttestamentliche Hinweise auf die Heilige Wassertaufe Nach oben

Wie für die anderen Sakramente, so finden sich auch für die Heilige Wassertaufe Hinweise im Alten Testament.

Die Rettung Noahs und seiner Familie in der Arche wird in 1. Petrus 3,20.21 als „Vorbild der Taufe“ und Hinweis auf das zukünftige Heil gesehen. Auch der Durchzug der Israeliten durchs Schilfmeer, also ihre Befreiung aus der ägyptischen Gefangenschaft, wird in der christlichen Tradition als Hinweis auf die Befreiung verstanden, die durch die Wassertaufe geschieht.

Das mosaische Gesetz unterscheidet streng zwischen „rein“ und „unrein“. Wasser ist eines der Mittel, um kultische Reinheit herzustellen. Kultisch unreine Menschen mussten sich einem Reinigungsbad unterziehen (3Mo 13-15).

Hesekiel 16,9 erwähnt ein Waschen mit Wasser und Salben mit Öl, durch das Jerusalem in einen Bund des Heils hineingenommen wurde. Dies kann als Hinweis auf die Heilige Wassertaufe und die Heilige Versiegelung verstanden werden.

Ebenso kann das Geschehen bei dem aramäischen Hauptmann Naaman auf die Taufe bezogen werden: Auf Geheiß des Propheten Elisa wusch sich der Aussätzige durch siebenmaliges Untertauchen im Jordan, und die Krankheit wich (2Kön 5,1-14). Dies lässt sich als Sinnbild für das Abwaschen der Erbsünde in der Taufe verstehen.

8.1.2.2 Heilige Wassertaufe im Neuen Testament Nach oben

Im Neuen Testament wird unter „Taufe“ oft eine zweigliedrige Taufe — die mit Wasser und die mit Heiligem Geist — verstanden (Apg 8,14 ff.; 10,47; 19,1-6; Tit 3,5). Heilige Wassertaufe und Heilige Geistestaufe sind also einander zugeordnet.

Jesus Christus unterzog sich der Taufe durch Johannes, um zu zeigen, auf welchem Weg Gerechtigkeit vor Gott erlangt werden kann (Mt 3,15). Die Taufe zur Buße, die Johannes der Täufer praktizierte, führt so zur Heiligen Wassertaufe hin. Der Gottessohn erniedrigte sich selbst und stellte sich dem Sünder gleich (Phil 2,7). Jesus Christus gab so dem in Sünde verstrickten Menschen ein Beispiel.

Zugleich wurde bei Jesu Taufe deutlich, wer er ist: der Sohn Gottes. Der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ist gegenwärtig — das Geheimnis der Dreieinigkeit beginnt sich zu enthüllen. Die Gottessohnschaft Jesu wird kundgetan (Mt 3,17; Mk 1,10.11).

Seinen Opfertod hat Jesus Christus ebenfalls als „Taufe“ bezeichnet; das Opfer am Kreuz und die Heilige Wassertaufe sind aufeinander bezogen (Lk 12,50).

Der Missionsbefehl, den der Auferstandene gab, macht deutlich, dass das Taufen — in Form von Wasser- und Geistestaufe — zu den Aufgaben der Apostel gehört: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Die Taufe geht also vom dreieinigen Gott aus; sie ist nicht Werk des Menschen, sondern Gottes Heilshandeln am Menschen.

Nach der Pfingstpredigt riefen die Apostel diejenigen, die zum Glauben gekommen waren, auf: „Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes“ (Apg 2,38). Auf diese Weise wurden die Gläubigen in die Gemeinde eingefügt (Apg 2,41).

8.1.3 Heilsnotwendigkeit der Heiligen Wassertaufe Nach oben

Die Heilige Wassertaufe ist unerlässlich, um des Heils teilhaftig zu werden. Sie ist der erste Schritt auf dem Weg zur völligen Erlösung. Von daher eröffnet die Heilige Wassertaufe den Weg zur ewigen Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott.

8.1.3.1 Heilige Wassertaufe als Tat Gottes Nach oben

Die Heilige Wassertaufe ist keine gleichnishafte oder symbolische Handlung, sondern tatsächliche Zuwendung Gottes. Durch dieses Geschehen wird das Verhältnis des Menschen zu Gott grundlegend verändert. Das ganze Wesen des Menschen ist von der Wirkung der Heiligen Wassertaufe betroffen.

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Die Heilige Wassertaufe ist die erste und grundlegende sakramentale Gnadenmitteilung des dreieinigen Gottes an den Menschen, der an Jesus Christus glaubt. (8.1)

Durch die Heilige Wassertaufe gelangt der Täufling in ein erstes Näheverhältnis zu Gott — er wird Christ und ist damit in die Kirche eingefügt. (8.1)

Im Neuen Testament wird unter „Taufe“ oft eine zweigliedrige Taufe mit Wasser und mit Heiligem Geist verstanden. Heilige Wassertaufe und Heilige Geistestaufe sind also einander zugeordnet. (8.1.2.2)

Um zu zeigen, auf welchem Weg Gerechtigkeit vor Gott erlangt werden kann, unterzog sich Jesus Christus der Taufe durch Johannes den Täufer. (8.1.2.2)

Der Missionsbefehl, den der Auferstandene gab, macht deutlich, dass das Taufen — in Form von Wasser- und Geistestaufe — zu den Aufgaben der Apostel gehört. Die Taufe ist Gottes Heilshandeln am Menschen. (8.1.2.2)

Die Heilige Wassertaufe ist heilsnotwendig. (8.1.3)

Sie ist keine gleichnishafte oder symbolische Handlung, sondern tatsächliche Zuwendung Gottes, durch die das Verhältnis des Menschen zu Gott grundlegend verändert wird. (8.1.3.1)

8.1.3.2 Abwaschung der Erbsünde Nach oben

Erbsünde[14] (Ursünde) meint den Zustand des Getrenntseins des Menschen von Gott, also die Gottferne, die durch den Sündenfall entstanden ist. Durch seinen Ungehorsam hat der Mensch die dauerhafte, unmittelbare Gemeinschaft mit seinem Schöpfer verloren.

Seit dem Sündenfall lasten Sünde und Gottferne als Grundbefindlichkeit auf allen Menschen (1Mo 3,23.24; Ps 51,7; Röm 5,18.19). Das bedeutet, dass jeder Mensch von Beginn an, vor jeder Tat und jedem Gedanken, Sünder ist, also selbst dann, wenn eine individuelle Sünde noch nicht vorliegt. Durch die Taufe wird die Erbsünde abgewaschen. Das Bild des Abwaschens bringt zum Ausdruck, dass Gott den Zustand des dauerhaften Getrenntseins von ihm und damit die Gottferne aufhebt: Er schenkt dem Menschen ein erstes Näheverhältnis und die Möglichkeit, mit ihm Gemeinschaft zu haben. Die Geneigtheit des Menschen zur Sünde als weitere Folge des Sündenfalls bleibt trotz der Taufe bestehen.

[14] Die Lehre von der Erbsünde wurde zuerst aufgrund des biblischen Zeugnisses von Augustinus formuliert. Die Erbsünde hat ihren Grund in der Ursünde von Adam und Eva. Der biblische Ausgangspunkt für die Erbsündenlehre ist Psalm 51,7 und Römer 5,12.

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Erbsünde“ (Ursünde) meint den Zustand des Getrenntseins des Menschen von Gott, also die Gottferne, die durch den Sündenfall entstanden ist. Seit dem Sündenfall lasten Sünde und Gottferne als Grundbefindlichkeit auf allen Menschen. (8.1.3.2)

Durch die Wassertaufe wird die Erbsünde abgewaschen, der Gläubige aus der Gottferne herausgeführt. Seine Geneigtheit zur Sünde (Konkupiszenz) bleibt bestehen. (8.1.3.2)

8.1.4 Die formgerechte Heilige Wassertaufe Nach oben

Die Elemente der drei Sakramente sind von Gott verordnet. Die beiden tragenden Elemente der Heiligen Wassertaufe sind das Wasser und das Wort in der trinitarischen Formel: „Ich taufe dich in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ So gespendet, kann die Heilige Wassertaufe beim Glaubenden ihre Wirkung entfalten.

Das Wasser, äußeres Zeichen der inneren Reinigung, bedarf der heiligenden Weihe, um es aus dem Bereich des Profanen in den des Heiligen emporzuheben. Deswegen wird es vor dem Taufakt in dem Namen des dreieinigen Gottes ausgesondert. Danach zeichnet der Taufende mit dem geweihten Wasser dreimal ein Kreuz auf die Stirn des Täuflings und tauft — unter Handauflegung — in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das Kreuzzeichen versinnbildlicht das Heil in Christus und die durch seinen Opfertod bewirkte Erlösung; die dreimalige Zeichnung des Kreuzes auf der Stirn des Täuflings ist Hinweis auf den dreieinigen Gott.

8.1.5 Voraussetzungen für den Empfang der Heiligen Wassertaufe Nach oben

Jeder Mensch kann die Heilige Wassertaufe empfangen; sie wird in der Neuapostolischen Kirche Erwachsenen und Kindern durch einen Apostel oder durch einen priesterlichen Amtsträger gespendet. Voraussetzung ist, dass der Glaube an Jesus Christus und sein Evangelium bekundet wird.

Bei der Taufe von Kindern müssen die Eltern bzw. die Personen, die die Verantwortung für die religiöse Erziehung des Kindes übernehmen, ihren Glauben an Jesus Christus bekennen und geloben, den Täufling dem Evangelium entsprechend zu erziehen. Der Praxis der Kindertaufe liegt die Einsicht zugrunde, dass Kindern die Segnungen Gottes zugänglich gemacht werden sollen; auch sie bedürfen der Gnade des Herrn und ihnen ist das Himmelreich erschlossen (Mk 10,14).

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Die beiden tragenden Elemente der Heiligen Wassertaufe sind das Wasser und das Wort in der trinitarischen Formel. Das Wasser wird in dem Namen des dreieinigen Gottes ausgesondert. Danach zeichnet der Taufende mit dem Wasser dreimal ein Kreuz auf die Stirn des Täuflings und tauft in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. (8.1.4)

Jeder Mensch kann die Heilige Wassertaufe empfangen. Voraussetzung ist, dass der Glaube an Jesus Christus und sein Evangelium bekundet wird. (8.1.5)

Bei der Taufe von Kindern müssen die Personen, die die Verantwortung für die religiöse Erziehung haben, ihren Glauben an Jesus Christus bekennen und geloben, den Täufling dem Evangelium entsprechend zu erziehen. (8.1.5)

8.1.6 Auswirkungen der Heiligen Wassertaufe Nach oben

Der Mensch, der an Jesus Christus glaubt und ihn bekennt, wird mit der Heiligen Wassertaufe in die Kirche Christi eingefügt und hat somit Gemeinschaft mit Jesus Christus. Die trinitarisch vollzogene Heilige Wassertaufe verbindet die Christen miteinander.

Die Heilige Wassertaufe ist — ähnlich wie die Beschneidung im Alten Bund — ein Bundeszeichen. Durch sie wird der Mensch in den Neuen Bund aufgenommen und kann nun die weiteren Bundeszeichen empfangen: Dem Getauften steht der Zugang zur Heiligen Versiegelung offen. Der in der Neuapostolischen Kirche Getaufte ist berechtigt, auf Dauer das Heilige Abendmahl zu empfangen.

Der Getaufte hat Teil am Tod Jesu Christi und an dessen neuem Leben. Er vollzieht — geistig gesehen — mit, was an Jesus Christus geschehen ist. Wie Christus für die Sünden der Menschen am Kreuz gestorben ist, soll der Mensch „der Sünde sterben“, indem er ihr entsagt. Die Taufe bezieht den Gläubigen in das Erlösungswirken Christi ein, sodass Christi Tod auf Golgatha auch des Täuflings „Tod“ wird: Dies bedeutet das Ende des Lebens in der Gottferne und den Beginn des Lebens in Christus. Die Taufe vermittelt Kräfte, den Kampf gegen die Sünde zu führen (Röm 6,3-8; Kol 2,12.13).

Die Taufe ist ein „Anziehen Christi“. Mit ihr erfolgt der erste Schritt auf dem Weg zur Erneuerung des inneren Menschen. „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“ (Gal 3,27). Diesem Bild liegt das Ablegen des alten Lebenswandels und das „Anziehen“ der Tugenden Christi zugrunde. Es beschreibt, was im Begriff „Buße“ zum Ausdruck kommt: Abkehr vom alten Wesen und Hinwendung zum Herrn. Es geht also darum, ein Leben nach Gottes Willen zu führen. Der Getaufte gelobt, sein Leben unter der Herrschaft Christi zu gestalten.

8.1.7 Heilige Wassertaufe und Glaube Nach oben

Die Heilige Wassertaufe wird, wie alle anderen Sakramente, auf den Glauben hin gespendet. Sakrament und Glaube gehören zusammen: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden“ (Mk 16,16). Der Glaube des Menschen ist sowohl Voraussetzung für den Empfang des Sakraments als auch Antwort auf das Handeln Gottes.

Der Unglaube, in den der Getaufte fallen kann, vermag die Gültigkeit der Heiligen Wassertaufe nicht aufzuheben. Eine gültig gespendete Heilige Wassertaufe wird nicht wiederholt.

8.1.8 Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung Nach oben

Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung sind zwar einander zugeordnet, aber zwei unterschiedliche Sakramente. In der Apostelgeschichte wird berichtet, dass die Heilige Wassertaufe und die Taufe mit Heiligem Geist in zwei eigenständigen Handlungen vollzogen wurden (Apg 2,38.39; 8,12-17; 10,44-48; 19,5.6).

Durch die Hinnahme der beiden Sakramente Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung geschieht die Wiedergeburt aus Wasser und Geist (Joh 3,5).

8.1.9 Heilige Wassertaufe und Nachfolge Christi Nach oben

Bei der Heiligen Wassertaufe gelobt der Gläubige, sich ernsthaft zu bemühen, die Sünde zu meiden und sein Leben in der Nachfolge Christi zu führen. Die Nachfolge, in die der Täufling gerufen wird, besteht in der Ausrichtung am Leben und Wesen Jesu Christi, entsprechend seinen Worten: „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir“ (Mt 16,24).

8.1.10 Heilige Wassertaufe und Apostelamt Nach oben

In Matthäus 28,18-20 erteilt der Auferstandene seinen Aposteln den Taufbefehl. Sakramentsverwaltung und Apostelamt stehen in einem unauflösbaren Verhältnis. Während die Heilige Versiegelung nach dem Zeugnis der Schrift nur von Aposteln gespendet wurde, sind mehrere Belege dafür vorhanden, dass die Heilige Wassertaufe nicht ausschließlich von Aposteln vollzogen wurde (u.a. Apg 8,38). Die Vollmacht, mit Wasser zu taufen, haben auch die priesterlichen Ämter in der Neuapostolischen Kirche.

Allerdings ist nicht nur die von Aposteln und den von ihnen ordinierten Amtsträgern gespendete Heilige Wassertaufe gültig: Da sie der Kirche als ganzer anvertraut ist, hat die in anderen Kirchen rite vollzogene Taufe Gültigkeit (siehe 6.4.4).

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Die trinitarisch vollzogene Taufe verbindet die Christen miteinander. (8.1.6)

Die Taufe ist ein Bundeszeichen. Durch sie wird der Mensch in den Neuen Bund aufgenommen. Sie ist der erste Schritt auf dem Weg zur Erneuerung des inneren Menschen. Der Getaufte hat Teil am Tod Jesu Christi und an dessen neuem Leben. (8.1.6)

Eine gültig gespendete Heilige Wassertaufe wird nicht wiederholt. (8.1.7)

Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung sind zwei einander zugeordnete unterschiedliche Sakramente. Durch ihre Hinnahme geschieht die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. (8.1.8)

Der Auferstandene erteilte seinen Aposteln den Taufbefehl. In der Neuapostolischen Kirche haben die Apostel die Vollmacht, mit Wasser zu taufen, auch den priesterlichen Ämtern übertragen. (8.1.10)

Da die Taufe der Kirche als ganzer anvertraut ist, hat die in anderen Kirchen rite vollzogene Taufe Gültigkeit. (8.1.10)

8.2 Das Heilige Abendmahl Nach oben

Im neuapostolischen Glaubensbekenntnis lautet der siebte Artikel: „Ich glaube, dass das Heilige Abendmahl zum Gedächtnis an das einmal gebrachte, vollgültige Opfer, an das bittere Leiden und Sterben Christi, vom Herrn selbst eingesetzt ist. Der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls verbürgt uns die Lebensgemeinschaft mit Christus Jesus, unserm Herrn. Es wird mit ungesäuertem Brot und Wein gefeiert; beides muss von einem vom Apostel bevollmächtigten Amtsträger ausgesondert und gespendet werden.“

Das Heilige Abendmahl ist dasjenige der drei Sakramente, das dem Menschen immer wieder zugänglich gemacht und gespendet wird. Inhalt und Bedeutung des Heiligen Abendmahls lassen sich lehrmäßig und rational nicht erschöpfend erschließen. Es steht in engem Zusammenhang mit dem Geheimnis der Person Jesu Christi.

Im Heiligen Abendmahl werden die Wirklichkeit Gottes und seine Hinwendung zum Menschen unmittelbar erfahrbar. Das Heilige Abendmahl ist das zentrale Geschehen im Gottesdienst. Es nimmt auch im Bewusstsein und Leben des Gläubigen eine wesentliche Stellung ein.

8.2.1 Bezeichnungen für das Sakrament Nach oben

Es gibt für das Sakrament des Leibes und Blutes Christi verschiedene Bezeichnungen, wodurch unterschiedliche Aspekte hervorgehoben werden:

  • Heiliges Abendmahl“ verweist auf die Einsetzung des Sakraments durch Jesus Christus in der Gemeinschaft mit seinen Aposteln am Abend vor seiner Kreuzigung.

  • Eucharistie“ kommt von dem griechischen „eucharistein“, was „Danksagung“ bedeutet. Den Dank an Gott sprach Jesus Christus bei der Einsetzung des Heiligen Abendmahls aus (Lk 22,19). Die Danksagung im Heiligen Abendmahl ruft den Gläubigen zu einer umfassenden Dankbarkeit auf, insbesondere für das Opfer und Verdienst Jesu Christi, aber auch für Erlösung und Heiligung.

  • „Mahl des Herrn“ ist eine Bezeichnung für das Abendmahl, die darauf verweist, dass Jesus der Herr ist (siehe 3.4.6.2) und als solcher das Mahl gestiftet hat und zu dessen Feier einlädt.

  • Brotbrechen“ weist auf das Passamahl hin, das Jesus Christus bei der Stiftung des Abendmahls praktizierte (Mt 26,26). Wie kennzeichnend das Brotbrechen für Jesus war, wird daran deutlich, dass dadurch die Emmausjünger den Auferstandenen erkannten (Lk 24,13-31). „Brotbrechen“ nannten die ersten Christen ihre Mahlgemeinschaft, durch die Einheit und Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht wurden (Apg 2,42.46).

8.2.2 Alttestamentliche Hinweise auf das Heilige Abendmahl Nach oben

Im Alten Testament gibt es nicht nur viele Verweise auf den Sohn Gottes, sein Leiden und Opfer, sondern es werden auch Geschehnisse mit einem gewissen Bezug zum Heiligen Abendmahl berichtet. Im Rückblick können diese als Hinweise auf das von Jesus Christus gestiftete Sakrament verstanden werden. Durch sie wird deutlich, wie eng Alter und Neuer Bund aufeinander bezogen sind.

In 1. Mose 14,18-20 wird die Begegnung Abrahams mit dem Priesterkönig Melchisedek geschildert: Melchisedek, den der Hebräerbrief als Verweis auf Jesus Christus deutet, segnet Abraham und bringt ihm auch Brot und Wein (Vers 18). „Brot und Wein“ lassen an die Elemente des Heiligen Abendmahls denken. Dieser Zusammenhang wird noch deutlicher durch Hebräer 5,10, wo Jesus Christus „ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks“ genannt wird.

Als weiterer alttestamentlicher Hinweis auf das Heilige Abendmahl kann die Speisung der Israeliten mit Manna während der Wüstenwanderung angesehen werden (2Mo 16,4-36). Manna wird als „Brot vom Himmel“ bezeichnet (Vers 4). Gemäß Johannes 6,35 nennt sich Jesus Christus das „Brot des Lebens“. Im Manna wird gleichsam etwas Größeres verheißen, eine Speise, die nicht nur den Leib, sondern den ganzen Menschen kräftigt und ihm zum Heil dient.

8.2.3 Jesu Speisungswunder und Heiliges Abendmahl Nach oben

Die Evangelien bezeugen, dass Jesus Christus mit den Sündern gegessen und getrunken hat. Im Unterschied zu den Pharisäern und Schriftgelehrten hatte er mit denen Mahlgemeinschaft, die nach dem mosaischen Gesetz als unrein galten und daher vom Umgang mit den Frommen ausgeschlossen waren (Mk 2,13-17).

Nicht nur, dass Jesus mit anderen aß — es wird in den Evangelien auch berichtet, dass er für Speise sorgte. Seine Speisungswunder, zum Beispiel die Speisung der Fünftausend (Joh 6,1-15), die Speisung der Viertausend (Mt 15,32-38), aber auch das Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-11), sind Zeichen des Reiches Gottes, das den Menschen in Jesus Christus nahegekommen ist. Die irdische Speisung weist über das Sättigungsmahl hinaus auf das Heil in Christus. Dies wird deutlich durch die Worte des Herrn, als er die Speisung der Fünftausend in Beziehung setzte mit der Aussage, er selbst sei „das Brot des Lebens“ (Joh 6,26-51).

8.2.4 Das Passamahl Nach oben

Das erste Passamahl hielten die Israeliten auf Gottes Geheiß am Abend vor dem Auszug aus Ägypten. Fehlerlose Lämmer wurden geschlachtet und zubereitet. Dazu aßen die Israeliten ungesäuertes Brot. Das Blut des Lammes, mit dem die Türpfosten bestrichen wurden, war das Zeichen zur Verschonung vor der zehnten Plage, die über Ägypten kommen sollte, dem Tod der Erstgeburt (2Mo 12).

Gott gebot, das Passamahl jährlich zum Gedächtnis an die Befreiung aus Ägypten zu feiern.

Die Gemeinsamkeiten zwischen Passamahl und Abendmahl sind offensichtlich: Beide sind ein Gedächtnismahl, in dem Brot ein unverzichtbarer Bestandteil ist. Der Kelch mit Wein, der am Ende der Passamahlfeier getrunken wird, symbolisiert die Freude, die durch die Befreiung aus der ägyptischen Gefangenschaft entstanden ist. Das Blut des Passalammes erwirkte die Rettung der Erstgeburt unter den Israeliten — damit wird auf Jesus Christus als das „Lamm Gottes“, das geopfert wird, verwiesen: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ (Joh 1,29; vgl. 1Petr 1,19).

Im Passamahl wird der Befreiung der Israeliten aus der Gefangenschaft der Ägypter gedacht. Auf Befreiung in einem viel umfassenderen Sinn deutet das Heilige Abendmahl hin, nämlich auf die Erlösung der Menschen aus der Knechtschaft der Sünde durch das Opfer Christi und auf die Errettung vor dem ewigen Tod.

8.2.5 Die Stiftung des Heiligen Abendmahls durch Jesus Christus Nach oben

Bereits bevor Jesus Christus das Heilige Abendmahl im Kreis seiner Apostel einsetzte, sagte er: „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch“ (Joh 6,53). „Fleisch und Blut“ verweisen auf das Heilige Abendmahl, dessen Heilsnotwendigkeit der Herr mit diesen Worten herausstellte. Ebenfalls bedeutsam sind die weiteren Hinweise des Herrn: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben [...]. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“ (Joh 6,54.56).

In den synoptischen Evangelien wird berichtet, dass Jesus Christus anlässlich des Passafestes mit seinen Aposteln ein gemeinsames Mahl hielt. In Matthäus 26,26-29 wird geschildert, wie der Herr das Heilige Abendmahl einsetzte: „Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach´s und gab´s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich“ (Mk 14,22-25; Lk 22,14-20). Während der Bericht im Markus-Evangelium weitgehend mit dem bei Matthäus übereinstimmt, finden sich im Bericht des Lukas-Evangeliums die Zusätze „... das tut zu meinem Gedächtnis“ und „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut“ (Lk 22,19.20).

Mit den Worten „Das tut zu meinem Gedächtnis“ erteilte der Herr seinen Aposteln Auftrag und Vollmacht, Heiliges Abendmahl in der Weise zu vollziehen, wie er es selbst getan hatte.

8.2.6 Das Abendmahl im ersten Korintherbrief Nach oben

Ein Zeugnis für die Feier des Heiligen Abendmahls und für die Einsetzungsworte Jesu, die dabei gesprochen wurden, findet sich in 1. Korinther 11,17-32. In diesem Text wird zunächst bezeugt, dass Abendmahlsfeiern zur religiösen Praxis der frühen Christengemeinden zählten. Apostel Paulus zitiert die in Korinth verwendeten Einsetzungsworte zum Heiligen Abendmahl. Hier wird deutlich, dass ein Wortlaut vorgegeben war: „Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe.“ Danach folgen die Einsetzungsworte: „Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach´s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1Kor 11,23-26).

Der Text schildert die Situation, in der die Stiftung des Abendmahls stattfand, und gibt Jesu Worte wieder. Das Gedenken an das einmalige heilsgeschichtliche Ereignis schließt die Einsetzungsworte mit ein. Dort, wo Abendmahl gefeiert wird, wird auch an diese Nacht, in der Jesus verraten wurde, erinnert.

Das Brechen des Brots und der Dank (gr.: „eucharistein“) an Gott gehören ebenfalls zusammen. Zugleich wird Jesu Deutung von Brot und Wein wiedergegeben: Das Brot ist nicht nur Passabrot, sondern „mein Leib, der für euch gegeben wird“. Auch der Kelch enthält nicht nur den Wein, der beim Passamahl üblich war, sondern „er ist der neue Bund in meinem Blut“. Der eine Kelch mit Wein, der bei der Abendmahlsfeier gereicht wurde, vergegenwärtigt den im Tod Jesu begründeten Neuen Bund. Wer aus dem Kelch trinkt, empfängt das Blut Jesu Christi, also den Herrn selbst. Zum Abschluss des Textes werden die Bedeutung der Verkündigung des einmal geschehenen Todes und die Bedeutung der Wiederkunft Christi hervorgehoben. Ebenfalls wird die Bedeutung des Heiligen Abendmahls für die Lebensgemeinschaft mit dem Herrn unterstrichen: „Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist´s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben“ (1Kor 10,16.17).

8.2.7 Bedeutung von Brot und Wein Nach oben

Die Elemente Brot und Wein, die für das Sakrament konstitutiv sind, gehören in den Bereich der Nahrung, des Festes und des israelitischen Gottesdienstes.

Brot ist Zeichen für die menschliche Ernährung überhaupt. Die Speisung mit Brot, die damit verbundenen Wunder im Alten und Neuen Testament zeigen, dass es Gott um den ganzen Menschen geht, nicht um einen Teil — nicht nur um den Leib, nicht nur um die Seele. Auch innerhalb des Gottesdienstes war dem Brot durch das mosaische Gesetz eine wichtige Funktion zugewiesen: Zwölf Schaubrote („Brote des Angesichts“) wurden auf einen Tisch vor dem Vorhang zum Allerheiligsten gelegt. Sie wurden jeweils am Sabbat von den Priestern gegessen und durch neue Brote ersetzt (2Mo 25,30).

Auch im Wein wird zunächst einmal das ursprüngliche und kreatürliche Angewiesensein des Menschen auf Nahrung angedeutet. Wein gehörte im alten Israel zu den Getränken, die man auf einem Fest zu sich nahm. Der Wein ist in Israel auch Symbol für Freude und für das zukünftige Heil (Jes 55,1).

EXTRAKT Nach oben

Das Heilige Abendmahl ist dasjenige Sakrament, das dem Menschen immer wieder gespendet wird. Es ist das zentrale Geschehen im Gottesdienst. (8.2)

Das Heilige Abendmahl wird auch „Eucharistie“ („Danksagung“) „Mahl des Herrn“, „Brotbrechen“ genannt. (8.2.1)

Schon im Alten Testament sind Hinweise auf das Heilige Abendmahl enthalten. (8.2.2)

Passamahl sowie Abendmahl sind ein Gedächtnismahl, in dem Brot ein unverzichtbarer Bestandteil ist. Im Passamahl wird der Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft gedacht. Das Heilige Abendmahl deutet auf Befreiung in einem viel umfassenderen Sinn hin, nämlich auf die Erlösung der Menschen aus der Knechtschaft der Sünde. (8.2.4)

Anlässlich des Passafestes hielt Jesus Christus mit seinen Aposteln ein gemeinsames Mahl. Dabei setzte er das Heilige Abendmahl ein. (8.2.5)

Das älteste Zeugnis für die Feier des Heiligen Abendmahls und für die Einsetzungsworte, die Jesus dabei gesprochen hat, findet sich in 1. Korinther 11. Dabei wird auch an die Situation erinnert, in der die Stiftung des Abendmahls stattfand. (8.2.6)

Die Elemente Brot und Wein sind für das Sakrament konstitutiv. (8.2.7)

Brot ist Zeichen für die menschliche Ernährung überhaupt. Im Wein wird ebenfalls das Angewiesensein des Menschen auf Nahrung angedeutet. Wein ist in Israel auch Symbol für Freude und für das zukünftige Heil. (8.2.7)

8.2.8 Das Heilige Abendmahl als Gedächtnismahl Nach oben

Das Heilige Abendmahl ist Gedächtnismahl, denn bei ihm wird zunächst des Todes Jesu Christi als eines einzigartigen und für alle Zeiten gültigen Geschehens gedacht. Die Erinnerung an dieses Geschehen ist wichtig, weil durch sie betont wird, dass Jesus Christus wahrer Mensch ist, der einen wirklichen Tod zu erleiden hatte. Erinnert wird auch an die Situation der Stiftung des Abendmahls im Kreis der Apostel. Sie hebt deren Bedeutung für die rechte Verwaltung des Heiligen Abendmahls hervor. Die Erinnerung reicht jedoch noch weiter, nämlich bis zu der Auferstehung des Herrn — deshalb ist das Abendmahl auch ein österliches Mahl — und bis zu seiner Himmelfahrt. Jeder, der Heiliges Abendmahl feiert, hat Teil an diesem Gedenken und seiner Verkündigung, bis Jesus Christus wiederkommt.

Dabei geht es also nicht nur um eine in die Vergangenheit gerichtete Erinnerung, sondern auch um das Bewusstsein der gegenwärtigen Anwesenheit Christi und seines zukünftigen Reichs.

8.2.9 Das Heilige Abendmahl als Bekenntnismahl Nach oben

Das Heilige Abendmahl ist Bekenntnismahl, wie aus den Worten „... verkündigt ihr den Tod des Herrn“ hervorgeht (1Kor 11,26). Das Bekenntnis zu Tod, Auferstehung und Wiederkunft Jesu Christi gehört zum Grundbekenntnis des christlichen Glaubens. Dieses Bekenntnis wird von all jenen eingefordert, die am Heiligen Abendmahl teilnehmen und es zum Heil genießen wollen.

Wer auf Dauer am Heiligen Abendmahl in der Neuapostolischen Kirche teilnimmt, sollte sich bewusst sein, dass er damit öffentlich sein Bekenntnis zum Glauben an Wirken und Vollmacht der heute tätigen Apostel Jesu zum Ausdruck bringt (siehe 2.4 und 8.2.21).

Die Betonung des Bekenntnischarakters des Heiligen Mahls dient auch dazu, einem leichtfertigen oder nur formalen Umgang mit diesem Sakrament entgegenzuwirken.

8.2.10 Das Heilige Abendmahl als Gemeinschaftsmahl Nach oben

Das Heilige Abendmahl ist in dreifacher Hinsicht ein Gemeinschaftsmahl:

  • Gemeinschaft schließt der menschgewordene und verherrlichte Gottessohn in der Abendmahlsfeier zunächst mit seinen Aposteln. Darin erfährt die ursprüngliche Situation bei der Stiftung des Heiligen Abendmahls ihre Wiederholung.

  • Gemeinschaft schließt der Auferstandene in der Abendmahlsfeier aber auch mit dem Gläubigen, der das Mahl würdig und zu seinem Heil genießt.

  • Gemeinschaft im Heiligen Abendmahl hat zudem die gottesdienstliche Gemeinde untereinander.

8.2.11 Das Heilige Abendmahl als endzeitliches Mahl Nach oben

Das Heilige Abendmahl hat einen endzeitlichen, also eschatologischen Charakter, denn es steht in engem Zusammenhang mit dem Hochzeitsmahl im Himmel. In Jesus Christus ist das Reich Gottes nahe herbeigekommen. Entsprechend seiner Aussage „Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt“ (Lk 22,18), steht die Abendmahlsgemeinde in Erwartung dieser Verheißung, deren Erfüllung sich in der Abendmahlsgemeinschaft ankündigt. Bis zur zukünftigen und endgültigen Vereinigung von Braut und Bräutigam (siehe 10.2) erlebt die Gemeinde innigste Gemeinschaft mit dem Herrn im Heiligen Abendmahl.

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Das Heilige Abendmahl ist Gedächtnismahl: Bei ihm wird des Todes Jesu Christi als eines einzigartigen und für alle Zeiten gültigen Geschehens gedacht. Die Erinnerung geht über die Auferstehung des Herrn und seine Himmelfahrt hinaus und umfasst auch das Bewusstsein der gegenwärtigen Anwesenheit Christi und seines zukünftigen Reichs. (8.2.8)

Das Heilige Abendmahl ist Bekenntnis zu Tod, Auferstehung und Wiederkunft Jesu Christi. Dieses Bekenntnis wird von allen eingefordert, die es genießen wollen. (8.2.9)

Wer auf Dauer am Heiligen Abendmahl in der Neuapostolischen Kirche teilnimmt, sollte sich bewusst sein, dass er sich damit auch zum Glauben an die heute tätigen Apostel Jesu bekennt. (8.2.9)

Im Heiligen Abendmahl schließt Jesus Christus zunächst mit seinen Aposteln und dann mit den Gläubigen Gemeinschaft. Gemeinschaft im Heiligen Abendmahl hat zudem die gottesdienstliche Gemeinde untereinander. (8.2.10)

Das Heilige Abendmahl hat endzeitlichen Charakter: Es steht in engem Zusammenhang mit dem Hochzeitsmahl im Himmel. Bis zur endgültigen Vereinigung von Braut und Bräutigam erlebt die Gemeinde innigste Gemeinschaft mit Jesus Christus im Heiligen Abendmahl. (8.2.11)

8.2.12 Die wahre Gegenwart von Leib und Blut Christi im Heiligen Abendmahl Nach oben

Die Elemente Brot und Wein werden durch die Aussonderung (Konsekration) und das Sprechen der Einsetzungsworte in ihrer Substanz nicht verändert. Vielmehr tritt die Substanz von Leib und Blut hinzu (Konsubstantiation). Es findet also keine Verwandlung der Substanzen (Transsubstantiation) statt.

Das Heilige Abendmahl steht in engem Zusammenhang damit, dass Jesus Christus eine menschliche und eine göttliche Natur hat, die beide unvermischt und ungetrennt in ihm bestehen (siehe 3.4). Von dort ist das Verhältnis von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi zu verstehen: Nach der Aussonderung besteht eine Parallele zwischen den Entsprechungen „Brot und Wein — menschliche Natur Christi“ sowie „Leib und Blut — göttliche Natur Christi“.

Innerhalb des Heiligen Abendmahls entsprechen Brot und Wein der menschlichen Natur und Leib und Blut der göttlichen Natur Christi. Dementsprechend kann es auch nicht zu einer Transsubstantiation von Brot und Wein kommen. Vielmehr bleiben auch nach der Aussonderung Brot und Wein in ihrer natürlichen Substanz erhalten. Brot und Wein sind nicht lediglich Metaphern oder Symbole für Leib und Blut Christi; vielmehr sind Leib und Blut Christi wahrhaft anwesend (Realpräsenz). Zur Substanz von Brot und Wein tritt durch das weihende Wort, das ein Apostel oder ein von ihm bevollmächtigter priesterlicher Amtsträger spricht, die Substanz von Leib und Blut Christi hinzu.

Die äußere Gestalt (Akzidenz) der Abendmahlselemente ändert sich durch dieses Geschehen nicht. Wie Jesus während seines Erdenlebens als Mensch sichtbar war, so sind im Abendmahl Brot und Wein sichtbar. Die Abendmahlselemente haben jedoch nach der Aussonderung — analog zu den beiden Naturen Jesu Christi — eine doppelte Substanz, nämlich die von Brot und Wein und jene von Leib und Blut Christi. In den Abendmahlselementen ist der Gottessohn nun wahrhaft gegenwärtig: in seiner Gottheit und in seinem Menschsein.

Es ist bei den Abendmahlselementen allerdings nicht so, dass das Brot allein dem Leib und der Wein allein dem Blut Christi entspricht. Vielmehr sind in jedem der beiden Elemente — im Brot und im Wein — Leib und Blut Christi vollständig gegenwärtig.

In den ausgesonderten Hostien bleiben Leib und Blut Christi gegenwärtig, bis sie die für sie bestimmten Empfänger erreicht haben. Nach dem Gottesdienst werden die nicht dargereichten Hostien mit Ehrfurcht und Sorgfalt behandelt.

8.2.13 Die wahre Gegenwart des Opfers Jesu Christi im Heiligen Abendmahl Nach oben

Im Heiligen Abendmahl sind nicht nur Leib und Blut Christi gegenwärtig, sondern auch das Opfer Jesu Christi selbst ist wirklich gegenwärtig. Doch ist es nur einmal gebracht worden und wird im Heiligen Abendmahl nicht wiederholt. Auch wird im Heiligen Abendmahl nicht nur daran erinnert, vielmehr ist während der Abendmahlsfeier Jesus Christus als der Gekreuzigte, der Auferstandene und der Wiederkommende mitten in der Gemeinde. Damit ist auch sein einmal gebrachtes Opfer gegenwärtig, indem es in seiner Wirkung dem Einzelnen den Zugang zum Heil ermöglicht. So vergegenwärtigt die Abendmahlsfeier den Teilnehmern immer wieder den Opfertod des Herrn, und sie können diesen überzeugt verkündigen (1Kor 11,26).

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Brot und Wein werden durch die Konsekration und das Sprechen der Einsetzungsworte in ihrer Substanz nicht verändert. Vielmehr tritt die Substanz von Leib und Blut Jesu hinzu (Konsubstantiation). (8.2.12)

Innerhalb des Heiligen Abendmahls entsprechen Brot und Wein der menschlichen Natur und Leib und Blut der göttlichen Natur Christi. (8.2.12)

Brot und Wein sind nicht Metaphern oder Symbole für Leib und Blut Christi; vielmehr sind Leib und Blut Christi wahrhaft anwesend (Realpräsenz). (8.2.12)

Auch das Opfer Jesu Christi ist im Heiligen Abendmahl gegenwärtig. (8.2.13)

8.2.14 Verhältnis von Sündenvergebung und Heiligem Abendmahl Nach oben

Sündenvergebung und Heiliges Abendmahl stehen in einem engen Bezug zueinander. Sowohl die Vergebung der Sünden als auch das Heilige Abendmahl gründen auf dem Opfer Christi (Apg 13,37.38). Jesus Christus hat das Heilige Abendmahl auf sein Opfer hin gestiftet: „Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,28). Dieses Wort des Herrn macht zugleich deutlich, dass er sein Opfer gebracht hat, um die Menschen von Sünden zu erlösen.

Christus hat seine Apostel bevollmächtigt, die Vergebung der Sünden zu verkündigen (siehe 7.6.2) und Heiliges Abendmahl zu halten, wie er selbst es mit ihnen getan hat (Lk 22,19).

Wenngleich das Opfer Christi im Heiligen Abendmahl gegenwärtig wird, so wird in dem Sakrament doch nicht zugleich auch die Vergebung der Sünden bewirkt. Vielmehr dient die Sündenvergebung vor der Aussonderung der Abendmahlselemente auch dazu, den würdigen Genuss des Heiligen Abendmahls zu ermöglichen.

8.2.15 Heiliges Abendmahl und Apostelamt Nach oben

Jesus Christus hat das Heilige Abendmahl im Kreis der Apostel gestiftet und es ihnen anvertraut. Er hat sie beauftragt, das Evangelium zu predigen und die Sakramente zu spenden. Im Hebräerbrief wird veranschaulicht, dass Jesus Christus der wahre Hohepriester ist, der sich selbst als Opfer darbringt. Vollzieht der Apostel oder der von ihm bevollmächtigte priesterliche Amtsträger die Aussonderung, so geschieht dies im Auftrag und in Vollmacht Jesu Christi. Dabei bewirkt der Heilige Geist die wahre Anwesenheit des Gottessohnes, seines Leibes und Blutes im Heiligen Abendmahl. Auch in diesem Sinn sind die Apostel Jesu „Haushalter über Gottes Geheimnisse“ (1Kor 4,1).

Wo der Heilige Geist durch das von Jesus Christus begründete und bevollmächtigte Amt wirkt, kommt die sakramentale Wirklichkeit zustande.

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Sündenvergebung und Heiliges Abendmahl stehen in engem Bezug zueinander. Beide gründen auf dem Opfer Jesu Christi. Wenngleich das Opfer Christi im Heiligen Abendmahl gegenwärtig wird, so wird in dem Sakrament doch nicht zugleich auch die Vergebung der Sünden bewirkt. (8.2.14)

Die Vergebung der Sünden dient auch dazu, den würdigen Genuss des Heiligen Abendmahls zu ermöglichen. (8.2.14)

Jesus Christus hat das Heilige Abendmahl im Kreis der Apostel gestiftet und es ihnen anvertraut. (8.2.15)

Wo der Heilige Geist durch das von Jesus Christus begründete und bevollmächtigte Amt wirkt, kommt die sakramentale Wirklichkeit zustande. (8.2.15)

8.2.16 Die Aussonderungsworte zum Heiligen Abendmahl Nach oben

Der bevollmächtigte Amtsträger spricht zur Aussonderung des Heiligen Abendmahls einen liturgisch festgelegten Text, der auf 1. Korinther 11,23 ff. und Matthäus 26,26 ff. basiert:

„In dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, sondere ich aus Brot und Wein zum Heiligen Abendmahl und lege darauf das einmal gebrachte, ewig gültige Opfer Jesu Christi. Denn der Herr nahm Brot und Wein, dankte und sprach Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das ist mein Blut des Neuen Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Esst und trinkt! Das tut zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von diesem Wein trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er wiederkommt. Amen.“

8.2.17 Feier und Empfang des Heiligen Abendmahls Nach oben

Das Sakrament des Heiligen Abendmahls wird gespendet, indem Leib und Blut Jesu Christi in der ausgesonderten Hostie mit den Worten dargereicht werden: „Der Leib und das Blut Jesu für dich gegeben.“ Von daher wird die Bezeichnung „Heiliges Abendmahl“ zunächst für die ausgesonderte und dargereichte Hostie verwendet (Brot und Wein als Sakramentsmittel).

Da auch die Aussonderung der Hostien sowie deren Darreichung zum Sakrament gehören, dient der Begriff „Heiliges Abendmahl“ im weiteren Sinn als Bezeichnung für die gesamte Handlung der Aussonderung und Darreichung (Sakramentshandlung).

Die Gemeinde ist aufgerufen, das Heilige Abendmahl wegen seiner hohen Bedeutung in Andacht, Glauben und völliger Hinwendung zu Christus zu feiern.

8.2.18 Voraussetzungen zum Genuss des Heiligen Abendmahls Nach oben

Grundvoraussetzungen zum würdigen Genuss des Heiligen Abendmahls sind ein Heil verlangendes, bußfertiges Herz und Glaube. Unglaube macht zwar das Sakrament nicht ungültig, doch ist Glaube Voraussetzung dafür, dass es zum Heil und Segen wirken kann. Unglaube beim Empfang des Sakraments kann in Verbindung gebracht werden mit 1. Korinther 11,29: „Denn wer so isst und trinkt, dass er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.“

Wer dem Leiden und Sterben Christi gleichgültig gegenübersteht oder bei der Feier des Sakraments lediglich einer Gewohnheit folgt und so am Heiligen Abendmahl teilnimmt, läuft Gefahr, es unwürdig zu genießen.

8.2.19 Art und Weise des Empfangs des Heiligen Abendmahls Nach oben

Das Heilige Abendmahl wird sowohl von den Amtsträgern als auch von der Gemeinde in beiderlei Gestalt empfangen, also in Brot und Wein.

In der Neuapostolischen Kirche werden seit 1917 die beiden Abendmahlselemente in Form einer mit Wein beträufelten Hostie gemeinsam gereicht.

8.2.20 Wirkungen des Heiligen Abendmahls Nach oben

Wer würdig das Heilige Abendmahl genießt, erhält Anteil an dem durch Jesus Christus mit seinem Opfer erworbenen Verdienst. Der durch die Heilige Wassertaufe begründete Anteil am Neuen Bund und am Verdienst Christi wird im Genuss des Heiligen Abendmahls fortwährend bekräftigt.

Das Heilige Abendmahl verbürgt darüber hinaus die Lebensgemeinschaft mit dem Gottessohn. Es ist sichtbarer Ausdruck und Bestärkung des Lebens mit Jesus Christus. Mit seinem Leib und Blut teilt Christus dem Glaubenden von seinem Wesen mit — das sich durch vollkommene Überwinderkraft auszeichnet —, sodass der Gläubige in Christus lebt.

Aufgrund der wirklichen Gegenwart von Leib und Blut Christi schafft der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls die wahre Gemeinschaft mit dem Herrn und somit die Einheit der Gläubigen, der Lebenden und Toten, untereinander (Joh 17,20.21). Dies wird auch in 1. Korinther 10,17 ausgedrückt: „Denn ein Brot ist´s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.“ Diese Einheit der Gläubigen, die durch das Heilige Abendmahl gestiftet wird, ist die mit Jesus Christus, mit den von ihm gesandten Aposteln und allen aus Wasser und Geist Wiedergeborenen. In dieser Abendmahlsgemeinschaft treten also das wahre Wesen und die wahre Gestalt der Kirche Christi deutlich hervor (siehe 6.5).

Das Heilige Abendmahl ist zugleich ein wesentliches Mittel zur Vorbereitung auf den Tag der Wiederkunft Christi.

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Der bevollmächtigte Amtsträger spricht zur Aussonderung des Heiligen Abendmahls einen liturgisch festgelegten Text, der auf 1. Korinther 11,23 ff. und Matthäus 26,26 ff. basiert. (8.2.16)

Leib und Blut Jesu Christi werden in der ausgesonderten Hostie dargereicht. (8.2.17)

Grundvoraussetzungen zum würdigen Genuss des Heiligen Abendmahls sind Heilsverlangen, Bußfertigkeit und Glaube. (8.2.18)

Brot und Wein werden in der Neuapostolischen Kirche in Form einer mit Wein beträufelten Hostie gereicht. (8.2.19)

Der durch die Wassertaufe begründete Anteil am Verdienst Christi wird im Genuss des Heiligen Abendmahls fortwährend bekräftigt. Das Heilige Abendmahl verbürgt die Lebensgemeinschaft mit dem Gottessohn und schafft Einheit der Gläubigen untereinander. (8.2.20)

Das Heilige Abendmahl ist wesentliches Mittel zur Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi. (8.2.20)

8.2.21 Berechtigung zur Teilnahme am Heiligen Abendmahl Nach oben

Berechtigt zur dauerhaften Teilnahme am Heiligen Abendmahl sind die in der Neuapostolischen Kirche Getauften, die Aufgenommenen und die Versiegelten. Diese bekennen sich zu den Inhalten der neuapostolischen Glaubensartikel (siehe 2.4).

Eine wesentliche Voraussetzung für den Empfang des Heiligen Abendmahls ist die Heilige Wassertaufe; das Heilige Abendmahl soll nur von Getauften genommen werden.

Wenngleich in der Regel nur neuapostolische Christen das Heilige Abendmahl empfangen, kann auch formgerecht getauften Christen (siehe 8.1.4) der gastweise Zugang zum Heiligen Abendmahl gewährt werden. Es sollte ihnen deutlich gemacht werden, dass es sich beim Heiligen Abendmahl um ein Bekenntnismahl zum gestorbenen, auferstandenen und wiederkommenden Gottessohn handelt.

Durch den Austritt bzw. den Ausschluss aus der Neuapostolischen Kirche erlischt zugleich die Zulassung zum Heiligen Abendmahl. Mit dem Wiedereintritt in die Neuapostolische Kirche wird die Wiederzulassung zum Heiligen Abendmahl erteilt.

8.2.22 Abendmahlsfeiern der Kirchen Nach oben

Wo das bevollmächtigte Apostelamt wirkt, treten im Heiligen Abendmahl zu Brot und Wein Leib und Blut Christi hinzu. Auch in den Feiern anderer Kirchen sind wichtige Elemente des Heiligen Abendmahls vorhanden, wird doch dort ebenfalls des Todes und der Auferstehung Jesu Christi gläubig und dankbar gedacht.

Neuapostolische Christen sollten bedenken, dass sie sich durch eine dauerhafte Teilnahme an der Abendmahlsfeier anderer Kirchen im Grunde zu deren Lehre bekennen.

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Berechtigt zur dauerhaften Teilnahme sind die in der Neuapostolischen Kirche Getauften, die Aufgenommenen und die Versiegelten. Wesentliche Voraussetzung ist die Heilige Wassertaufe. Formgerecht getaufte Christen können gastweise Zugang zum Heiligen Abendmahl erhalten. (8.2.21)

Durch Austritt bzw. Ausschluss aus der Neuapostolischen Kirche erlischt die Berechtigung, am Heiligen Abendmahl teilzunehmen. (8.2.21)

In den Abendmahlsfeiern anderer Kirchen sind wichtige Elemente des Heiligen Abendmahls vorhanden. Es wird dort des Todes und der Auferstehung Jesu Christi gläubig und dankbar gedacht. (8.2.22)

8.3 Die Heilige Versiegelung Nach oben

Die Heilige Versiegelung ist das Sakrament, durch das der Gläubige unter Handauflegung und Gebet eines Apostels die Gabe des Heiligen Geistes empfängt und ein Gotteskind mit der Berufung zur Erstlingsschaft wird. Dementsprechend heißt es im achten Glaubensartikel: „Ich glaube, dass die mit Wasser Getauften durch einen Apostel die Gabe des Heiligen Geistes empfangen müssen, um die Gotteskindschaft und die Voraussetzungen zur Erstlingsschaft zu erlangen.“

8.3.1 Zum Begriff „Versiegelung“ Nach oben

Der Begriff „Versiegelung“ verweist auf die Verwendung eines Siegels. Mit einem Siegel werden wichtige Dokumente beurkundet und mit Autorität versehen; es dokumentiert Echtheit. Geheim zu haltende Schriften werden durch Siegel verschlossen. Mit dem Siegel bezeichnet der Eigentümer seinen Besitz; es ist Garantie, dass die dahinter stehende Autorität Schutz und Unversehrtheit gewährt.

Diese Bedeutungsaspekte sind in der Bezeichnung des Sakraments der Geistestaufe angelegt. Darüber hinaus wird in den neutestamentlichen Briefen „versiegelt werden“ als Hinnahme der Gabe des Heiligen Geistes verstanden:

  • „Gott ist´s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat“ (2Kor 1,21.22).

  • „In ihm [Christus] seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit — in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist“ (Eph 1,13).

  • „Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung“ (Eph 4,30).

Auch in der Offenbarung finden sich Hinweise auf die Versiegelung als Eigentumszeichen bzw. eschatologisches Heilszeichen (Offb 7,3; 22,4).

8.3.2 Verheißung des Heiligen Geistes im Alten Testament Nach oben

In der Zeit des Alten Bundes wirkte der Heilige Geist in einzelnen, von Gott für bestimmte Aufgaben ersehenen Menschen. So beriefen sich die Propheten mit den Worten „So spricht der Herr“ auf göttliche Autorität und Weisung. Gottes Geist erweckte in ihnen die Gedanken, die den Predigten von Gericht und Heil zugrunde liegen.

Die Propheten salbten im Auftrag Gottes auch Könige, die das erwählte Volk regieren sollten; so wurde zum Beispiel David von Samuel zum König gesalbt (1Sam 16,12.13). Mit dieser Handlung war Davids Königswürde gleichsam „besiegelt“. Darüber hinaus heißt es, dass der Geist Gottes über David geriet. Nach Psalm 51,13 betete der König nach begangener Sünde, Gott möge den Heiligen Geist nicht von ihm nehmen.

Des Weiteren finden sich alttestamentliche Hinweise auf eine Zukunft, in der Gottes Geist ausgegossen würde — nun nicht mehr über einzelne, sondern über viele Menschen: „Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. Auch will ich zur selben Zeit über Knechte und Mägde meinen Geist ausgießen“ (Joel 3,1.2). Vergleichbare Verheißungen finden sich bei anderen Propheten; so zum Beispiel in Hesekiel 36,27: „Ich will meinen Geist in euch geben.“ In der Predigt zu Pfingsten wies Apostel Petrus darauf hin, dass sich die Verheißung des Propheten Joel nun erfüllt habe (Apg 2,15 ff.).

8.3.3 Jesu Salbung mit dem Heiligen Geist Nach oben

Wie die beiden anderen Sakramente hat auch die Heilige Versiegelung ihren Grund im Leben und Handeln Jesu Christi. Von ihm, dem Menschensohn, heißt es in Johannes 6,27, dass „das Siegel Gottes des Vaters“ auf ihm sei.

Nach Jesu Taufe im Jordan bezeugte Johannes der Täufer: „Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.“ Dies war das dem Täufer von Gott verheißene Erkennungszeichen für den, „der mit dem Heiligen Geist tauft [...] Dieser ist Gottes Sohn“ (Joh 1,29-34).

Dieses Geschehnis wird auch in Matthäus 3,16 beschrieben: „Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.“ Die Herabkunft des Heiligen Geistes auf Jesus geschah nach vollzogener Taufe; es sind zwei unterschiedliche Akte wahrnehmbar. Der Heilige Geist und die Stimme Gottes proklamieren die Gottessohnschaft Jesu. Die Salbung Jesu mit Heiligem Geist ist Legitimation seiner Messianität, zugleich ist sie Hinweis auf das spätere Sakrament.

Auf diesen beiden Geschehnissen — Taufe mit Wasser und Salbung mit Heiligem Geist — gründet unter anderem das Verständnis über den Zusammenhang zwischen Heiliger Wassertaufe und Heiliger Versiegelung. Sie gehören zusammen, sind aufeinander bezogen — und doch sind es zwei voneinander zu unterscheidende Sakramente.

Auch Apostelgeschichte 10,37.38 unterstreicht, dass die Heilige Versiegelung in der Salbung Jesu ihr Vorbild hat: „Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft.“

8.3.4 Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten Nach oben

In den Abschiedsreden verhieß Jesus Christus seinen Aposteln mehrfach die Sendung des Heiligen Geistes, so zum Beispiel: „Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir“ (Joh 15,26). Diese Verheißung erfüllte sich zu Pfingsten, als die Apostel mit den Jüngern und Jüngerinnen erfüllt wurden von Heiligem Geist (Apg 2,1-4).

In den beiden grundlegenden Geschehnissen handelte Gott unmittelbar; darin ist das Sakrament der Heiligen Versiegelung zeichenhaft vorgebildet: Mit Heiligem Geist versiegelte er Jesus und bezeugte, dass dieser der Sohn Gottes ist. Mit Heiligem Geist versiegelte er die Apostel und die Gläubigen, die mit ihnen Gemeinschaft hatten.

Denen, die nach der Pfingstpredigt zum Glauben an Christus gelangt waren, antwortete Petrus auf die Frage, was sie tun sollten: „Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes“ (Apg 2,38). Daran zeigt sich, dass die Heilige Wassertaufe Voraussetzung zum Empfang Heiligen Geistes ist.

Eine Ausnahme bildet das Geschehen beim Hauptmann Kornelius: Gott gab Ungetauften unmittelbar Heiligen Geist, um Apostel Petrus zu zeigen, dass das Heil nunmehr auch den Heiden zugänglich ist. Daher wurde in diesem Sonderfall die Heilige Wassertaufe erst nach der Geistmitteilung durchgeführt (Apg 10).

8.3.5 Weitere neutestamentliche Zeugnisse zur Heiligen Versiegelung Nach oben

Nach dem Zeugnis der Schrift ist die Heilige Versiegelung an das Apostelamt gebunden. Philippus hatte in Samarien gepredigt und die getauft, die an das Evangelium glaubten: „Als aber die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrus und Johannes. Die kamen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist“ (Apg 8,12 ff.). Simon, der Magier, „sah, dass der Heilige Geist gegeben wurde, wenn die Apostel die Hände auflegten“ (Apg 8,18). In dieser Begebenheit werden die Sakramente Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung, das heißt Empfang der Gabe des Heiligen Geistes, deutlich voneinander abgegrenzt.

Ein weiteres Geschehen belegt die Unterscheidung von Wassertaufe und Empfang Heiligen Geistes: In Ephesus waren Jünger, die bislang nur die Taufe des Johannes empfangen hatten, auf den Namen des Herrn Jesus getauft worden. Als danach „Paulus die Hände auf sie legte, kam der Heilige Geist auf sie“ (Apg 19,1-6).

Diese Schilderungen bezeugen, dass bis auf die erwähnten Ausnahmen die Gabe des Heiligen Geistes allein durch Apostel vermittelt wurde. Im Weiteren wird deutlich: Erst nachdem die Wassertaufe vollzogen war, wurde die Gabe des Heiligen Geistes gespendet.

8.3.6 Die formgerechte Spendung der Heiligen Versiegelung Nach oben

Während bei der Heiligen Wassertaufe das Wasser und beim Heiligen Abendmahl Brot und Wein die sichtbaren Elemente sind, ist dies bei der Heiligen Versiegelung — dem neutestamentlichen Zeugnis entsprechend — der Gestus der Handauflegung durch den Apostel. Ebenso gehört das Gebet des Apostels zur formgerechten Spendung dieses Sakraments.

Das Sakrament der Heiligen Versiegelung, der Geistestaufe, wird ausschließlich von Aposteln gespendet.

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In der Heiligen Versiegelung empfängt der Gläubige die Gabe des Heiligen Geistes. (8.3)

Die Herabkunft des Heiligen Geistes auf Jesus geschah nach vollzogener Taufe. Die Salbung Jesu mit Heiligem Geist ist Legitimation seiner Messianität und Hinweis auf das Sakrament der Versiegelung. (8.3.3)

Die durch Jesus verheißene Sendung des Heiligen Geistes erfüllte sich zu Pfingsten. (8.3.4)

Nach dem Zeugnis der Schrift ist die Heilige Versiegelung an das Apostelamt gebunden. (8.3.5)

Die Gabe des Heiligen Geistes wurde erst nach vollzogener Wassertaufe gespendet. (8.3.5)

Das Sakrament der Heiligen Versiegelung wird ausschließlich von Aposteln gespendet, mit dem Gestus der Handauflegung und einem Gebet. (8.3.6)

8.3.7 Voraussetzungen für den Empfang der Heiligen Versiegelung Nach oben

Die Heilige Versiegelung setzt beim Empfangenden Glauben an den dreieinigen Gott und die von Jesus Christus gesandten Apostel voraus. Er muss zuvor formgerecht mit Wasser getauft worden sein (siehe 8.1); er muss seinen Glauben bekennen und geloben, Christus nachzufolgen. Im Erlösungswerk des Herrn erfährt er die Vorbereitung auf die baldige Wiederkunft Christi.

Die Heilige Versiegelung wird Erwachsenen und Kindern gespendet. Bei der Heiligen Versiegelung von Kindern müssen die Eltern bzw. die zur religiösen Erziehung Berechtigten stellvertretend den erforderlichen Glauben bekennen und eine Erziehung im neuapostolischen Glauben geloben.

8.3.8 Heilige Versiegelung als Tat Gottes Nach oben

Wie die Heilige Wassertaufe, so ist auch die Heilige Versiegelung Tat Gottes am Menschen. In der Heiligen Versiegelung wird das vollendet, was in der Heiligen Wassertaufe begonnen worden ist: die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. Beide Sakramente sind Gnadenakte Gottes am Menschen, die nur einmal vollzogen werden. Das darin empfangene Leben wird vor allem durch den regelmäßigen Genuss des Heiligen Abendmahls genährt und erhalten.

Die neue Kreatur (2Kor 5,17), die durch die Wiedergeburt geschaffen wird, verweist auf Heiligung und Neuschöpfung, die durch Gott, den Heiligen Geist, geschieht.

8.3.9 Auswirkungen der Heiligen Versiegelung Nach oben

Durch das Sakrament der Heiligen Versiegelung wird der getaufte Gläubige mit Heiligem Geist, mit Gotteskraft, erfüllt (siehe 3.5.2).

Durch die Heilige Versiegelung nimmt Gottes Geist bleibend Wohnung im Menschen — Gott selber schenkt Anteil an seinem Wesen: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Röm 5,5). Das in der Wassertaufe begründete erste Näheverhältnis des Menschen zu Gott erhält mit der Gotteskindschaft eine neue Qualität.

Durch die Wiedergeburt aus Wasser und Geist wird der Glaubende darüber hinaus von Gott zur Erstlingsschaft berufen. Die Wiedergeburt hat also im Blick auf das Reich Gottes einen gegenwärtigen und einen zukünftigen Aspekt (Joh 3,5).

Die gegenwärtige Auswirkung der Wiedergeburt, die Gotteskindschaft, stellt gleichsam eine Vorwegnahme der Erstlingsschaft, der „königlichen Priesterschaft“, dar (1Petr 2,9). „Gotteskindschaft“ in diesem Sinne ist also jene Situation des Menschen vor Gott, die durch den Empfang aller Sakramente, durch den Glauben an die rechte Predigt des Evangeliums und die Ausrichtung des Lebens auf die Wiederkunft Christi gekennzeichnet ist.

Der „kindliche Geist“, der durch die Versiegelung im Menschen Wirksamkeit entfaltet, spricht Gott vertrauensvoll mit „Abba, lieber Vater!“ an. Der Heilige Geist bezeugt denen, die ihn empfangen haben, dass sie Gottes Kinder sind (Röm 8,16). Das geschieht im Gewissen (siehe 4.2.1.3), aber auch in der Verkündigung im Gottesdienst.

Der Gläubige übereignet sich bei der Heiligen Versiegelung dem dreieinigen Gott, und Gott nimmt ihn als sein Eigentum an. Das bedeutet: Der Wiedergeborene wird Gottes Erbe und Miterbe Christi. Er ist berufen, mit Christus zu leiden, und ihm ist verheißen, mit Christus zur Herrlichkeit erhoben zu werden (Röm 8,15-18).

Mit der Heiligen Versiegelung vollendet sich die in der Heiligen Wassertaufe begonnene Übereignung an Christus. Der Glaubende erhält jene geistliche Belebung, die ihn in die Gemeinschaft mit dem wiederkommenden Herrn führt (Jak 1,18; Offb 14,4). Damit gehört er zu denen, die Gott innerhalb der Kirche durch die Apostel auf die Wiederkunft Christi zur Hochzeit im Himmel vorbereitet (Offb 19,7.8).

Die dauerhafte Präsenz Heiligen Geistes im Menschen hat auch tief greifende, wahrnehmbare Auswirkungen auf das irdische Leben: Gibt der Versiegelte dem Heiligen Geist Raum zur Entfaltung, entwickeln sich göttliche Tugenden, wie sie von Apostel Paulus bildhaft als „Frucht“ des Heiligen Geistes bezeichnet werden (Gal 5,22.23).

Der Heilige Geist erweist sich als Licht, in dem Erkenntnis über göttliche Zusammenhänge möglich wird. Er ist Tröster und Beistand. Der Heilige Geist ist dem Versiegelten ebenfalls Mahner, er schärft sein Gewissen und gibt Orientierung auf dem Weg zum Ziel des Glaubens.

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Voraussetzungen für den Empfang der Heiligen Versiegelung sind der Glaube an den dreieinigen Gott, die vollzogene Wassertaufe sowie der Glaube an die von Jesus Christus gesandten Apostel. (8.3.7)

In der Versiegelung wird die durch Gott in der Wassertaufe begonnene Wiedergeburt aus Wasser und Geist vollendet. Die neue Kreatur, die durch die Wiedergeburt geschaffen wird, verweist auf Heiligung und Neuschöpfung; sie geschehen durch Gott, den Heiligen Geist. (8.3.8)

Bei der Heiligen Versiegelung wird der Mensch bleibend mit Heiligem Geist erfüllt. (8.3.9)

Auswirkung der Wiedergeburt aus Wasser und Geist ist die Gotteskindschaft sowie die Berufung zur Erstlingsschaft. Gibt der Versiegelte dem Heiligen Geist Raum zur Entfaltung, entwickeln sich göttliche Tugenden. (8.3.9)