Catechismus

8 Die Sakramente

Sakramente sind grundlegende Gnadenmitteilungen Gottes. Es sind heilige Handlungen, die am Menschen vollzogen werden, damit er das Heil erlangt, in die Lebensgemeinschaft mit Gott aufgenommen zu werden und in ihr erhalten zu bleiben. Der Empfang der drei Sakramente eröffnet die Möglichkeit, bei der Wiederkunft Christi mit dem Herrn vereint zu werden.

Das Heil in den Sakramenten gründet in Menschwerdung, Opfertod und Auferstehung Jesu Christi sowie in Sendung und Wirken des Heiligen Geistes.

Der BegriffSakramentfindet sich im Neuen Testament nicht. Das Wortmysterion“, das in einigen altlateinischen Bibelübersetzungen mitsacramentumwiedergegeben wird, ist ursprünglich ohne Bezug zu den Handlungen, die später alsSakramentbezeichnet werden. „Mysterionmeint in der Antike eine geheime Angelegenheit, die nur Eingeweihten zugänglich ist.

Sacramentumbedeutet im römischen Verständnis unter anderemFahneneid“, „WeiheundKaution“. Im Laufe des zweiten und dritten Jahrhunderts n.Chr. werdenmysterionundsacramentumzur Bezeichnung von rituellen Handlungen. So wird beispielsweise bei Tertullian (* um 160, † um 220) zwar nicht der Taufakt, wohl aber das Taufgelöbnis und das Glaubensbekenntnis mit der soldatischen Eidesformel in Zusammenhang gebracht. Den wesentlichen Beitrag zum Sakramentsverständnis liefert in der Spätantike der Kirchenlehrer Augustinus (* 354, † 430): Ein Sakrament kommt zustande durch die Verbindung eines sichtbaren Elements mit einem Wort, das auf die hinter diesem Wort stehende Wirklichkeit verweist.

Ein Sakrament kommt durch vier aufeinander bezogene Größen rechtmäßig zustande:

  • Zeichen (lat.: „signum“ / „materia“), das ist der Ritus oder das sichtbare Element,

  • Inhalt (lat.: „res“ / „forma“), die Gegenwart des Heils,

  • Spender (Vermittler des Sakraments),

  • Glaube (des Empfangenden), damit das Sakrament zum Heil empfangen wird.

Die Gültigkeit der Sakramente hängt nicht mit ihrer Deutung zusammen oder mit dem Verständnis, das man von ihnen hat, sondern allein mit den vier oben genannten Größen. Zeichen („signum“) und Inhalt („res“) werden durch das Wort („verbum“) — das durch den Spender gesprochene Stiftungs- oder Weihewortmiteinander verknüpft.

Da es sich hierbei nicht um ein magisches, gleichsam automatisches Geschehen handelt, ist der Glaube des empfangenden Menschen Voraussetzung, damit das Sakrament seine Heilswirkung entfalten kann. Allerdings macht auch der Unglaube das Sakrament nicht ungültig, denn was Gott tut, kann der ungläubige Empfänger nicht aufheben.

Die rechte Sakramentsverwaltung obliegt den Aposteln. Sie sind von Christus beauftragt, die Sakramente in sachgemäßer Weise zugänglich zu machen. Auch wenn nicht alle Sakramente von ihnen oder den von ihnen Beauftragten gespendet werden, stehen Sakramente doch in einem apostolischen Bezug.

Es gibt drei Sakramente (1Joh 5,6-8): Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl. Sie sind von Jesus Christus eingesetzt. [13]

Durch die Heilige Wassertaufe gelangt der Mensch in ein erstes Näheverhältnis zu Gotter wird ein Christ und gehört durch seinen Glauben und sein Bekenntnis zu Christus der Kirche an (siehe 8.1). Durch die Heilige Versiegelung schenkt Gott dem Getauften die Gabe des Heiligen Geistes. Beide Sakramente gemeinsam bilden die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. Durch sie erlangt der Mensch die Gotteskindschaft und ist berufen, bei der Wiederkunft Christi zur Schar der Erstlinge zu zählen (siehe 8.3). Das Heilige Abendmahl erhält den Wiedergeborenen in der innigen Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus. Dazu muss dieses Sakrament stets neu gläubig empfangen werden (siehe 8.2).

Die Sakramente werden auch Kindern gespendet (Mt 19,14).

[13] Vgl. Mt 28,19.20; Joh 3,5; Lk 22,19.20; Joh 6,53-58; 1Kor 11,23-26; zur Unterscheidung zwischen Heiliger Wassertaufe und Heiliger Versiegelung siehe Apg 8,14-17; 19,1-6.

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Sakramente sind grundlegende Gnadenmitteilungen Gottes. (8)

Das Heil in den Sakramenten gründet in Menschwerdung, Opfertod und Auferstehung Jesu Christi sowie in Sendung und Wirken des Heiligen Geistes. Die rechte Sakramentsverwaltung obliegt den von Christus gesandten Aposteln. (8)

Ein Sakrament kommt zustande durch die Verbindung eines sichtbaren Elements mit einem Wort, das auf die hinter diesem Wort stehende Wirklichkeit verweist. (8)

Ein Sakrament kommt durch vier aufeinander bezogene Größen zustande: Zeichen, Inhalt, Spender und Glaube. (8)

Der Glaube ist Voraussetzung, damit das Sakrament seine Heilswirkung entfaltet. (8)

Jesus Christus hat drei Sakramente eingesetzt: Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl. (8)

8.1 Die Heilige Wassertaufe Nach oben

Die Heilige Wassertaufe ist die erste und grundlegende sakramentale Gnadenmitteilung des dreieinigen Gottes an den Menschen, der an Jesus Christus glaubt. Durch sie geschieht die Abwaschung der Erbsünde; der Gläubige wird aus der Gottferne herausgeführt. Gleichwohl bleibt seine Geneigtheit zur Sünde (Konkupiszenz) bestehen.

Durch die Heilige Wassertaufe hat der Täufling Anteil an dem Verdienst, das Jesus Christus mit seinem Opfertod für die Menschen erworben hat. So gelangt der Mensch in ein erstes Näheverhältnis zu Gotter wird Christ. Damit ist er auch eingefügt in die Kirche, also in die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben und ihn als ihren Herrn bekennen.

Entsprechend heißt es im sechsten Glaubensartikel: „Ich glaube, dass die Heilige Taufe mit Wasser der erste Schritt zur Erneuerung des Menschen im Heiligen Geist ist und dass dadurch der Täufling aufgenommen wird in die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben und ihn als ihren Herrn bekennen.“

8.1.1 Bezeichnung für das Sakrament Nach oben

Der BegriffTaufeist die Übersetzung des griechischen Wortsbaptizein“ = „eintauchen“. In urchristlicher Zeit wurden Taufen wohl vor allem durch Eintauchen ins Wasser vollzogen.

8.1.2 Biblische Grundlegung der Heiligen Wassertaufe Nach oben

Als Vorläufer der Wassertaufe können die rituellen Waschungen gesehen werden, die im mosaischen Gesetz an verschiedenen Stellen belegt sind. Sie führten zu einer kultischen Reinigung solcher Menschen, die aufgrund körperlicher Befindlichkeiten als unrein galten. Diese Waschungen hatten jedoch keinen bundesschließenden Charakter.

8.1.2.1 Alttestamentliche Hinweise auf die Heilige Wassertaufe Nach oben

Wie für die anderen Sakramente, so finden sich auch für die Heilige Wassertaufe Hinweise im Alten Testament.

Die Rettung Noahs und seiner Familie in der Arche wird in 1. Petrus 3,20.21 alsVorbild der Taufeund Hinweis auf das zukünftige Heil gesehen. Auch der Durchzug der Israeliten durchs Schilfmeer, also ihre Befreiung aus der ägyptischen Gefangenschaft, wird in der christlichen Tradition als Hinweis auf die Befreiung verstanden, die durch die Wassertaufe geschieht.

Das mosaische Gesetz unterscheidet streng zwischenreinundunrein“. Wasser ist eines der Mittel, um kultische Reinheit herzustellen. Kultisch unreine Menschen mussten sich einem Reinigungsbad unterziehen (3Mo 13-15).

Hesekiel 16,9 erwähnt ein Waschen mit Wasser und Salben mit Öl, durch das Jerusalem in einen Bund des Heils hineingenommen wurde. Dies kann als Hinweis auf die Heilige Wassertaufe und die Heilige Versiegelung verstanden werden.

Ebenso kann das Geschehen bei dem aramäischen Hauptmann Naaman auf die Taufe bezogen werden: Auf Geheiß des Propheten Elisa wusch sich der Aussätzige durch siebenmaliges Untertauchen im Jordan, und die Krankheit wich (2Kön 5,1-14). Dies lässt sich als Sinnbild für das Abwaschen der Erbsünde in der Taufe verstehen.

8.1.2.2 Heilige Wassertaufe im Neuen Testament Nach oben

Im Neuen Testament wird unterTaufeoft eine zweigliedrige Taufedie mit Wasser und die mit Heiligem Geistverstanden (Apg 8,14 ff.; 10,47; 19,1-6; Tit 3,5). Heilige Wassertaufe und Heilige Geistestaufe sind also einander zugeordnet.

Jesus Christus unterzog sich der Taufe durch Johannes, um zu zeigen, auf welchem Weg Gerechtigkeit vor Gott erlangt werden kann (Mt 3,15). Die Taufe zur Buße, die Johannes der Täufer praktizierte, führt so zur Heiligen Wassertaufe hin. Der Gottessohn erniedrigte sich selbst und stellte sich dem Sünder gleich (Phil 2,7). Jesus Christus gab so dem in Sünde verstrickten Menschen ein Beispiel.

Zugleich wurde bei Jesu Taufe deutlich, wer er ist: der Sohn Gottes. Der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ist gegenwärtigdas Geheimnis der Dreieinigkeit beginnt sich zu enthüllen. Die Gottessohnschaft Jesu wird kundgetan (Mt 3,17; Mk 1,10.11).

Seinen Opfertod hat Jesus Christus ebenfalls alsTaufebezeichnet; das Opfer am Kreuz und die Heilige Wassertaufe sind aufeinander bezogen (Lk 12,50).

Der Missionsbefehl, den der Auferstandene gab, macht deutlich, dass das Taufenin Form von Wasser- und Geistestaufezu den Aufgaben der Apostel gehört: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Die Taufe geht also vom dreieinigen Gott aus; sie ist nicht Werk des Menschen, sondern Gottes Heilshandeln am Menschen.

Nach der Pfingstpredigt riefen die Apostel diejenigen, die zum Glauben gekommen waren, auf: „Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes“ (Apg 2,38). Auf diese Weise wurden die Gläubigen in die Gemeinde eingefügt (Apg 2,41).

8.1.3 Heilsnotwendigkeit der Heiligen Wassertaufe Nach oben

Die Heilige Wassertaufe ist unerlässlich, um des Heils teilhaftig zu werden. Sie ist der erste Schritt auf dem Weg zur völligen Erlösung. Von daher eröffnet die Heilige Wassertaufe den Weg zur ewigen Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott.

8.1.3.1 Heilige Wassertaufe als Tat Gottes Nach oben

Die Heilige Wassertaufe ist keine gleichnishafte oder symbolische Handlung, sondern tatsächliche Zuwendung Gottes. Durch dieses Geschehen wird das Verhältnis des Menschen zu Gott grundlegend verändert. Das ganze Wesen des Menschen ist von der Wirkung der Heiligen Wassertaufe betroffen.

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Die Heilige Wassertaufe ist die erste und grundlegende sakramentale Gnadenmitteilung des dreieinigen Gottes an den Menschen, der an Jesus Christus glaubt. (8.1)

Durch die Heilige Wassertaufe gelangt der Täufling in ein erstes Näheverhältnis zu Gotter wird Christ und ist damit in die Kirche eingefügt. (8.1)

Im Neuen Testament wird unterTaufeoft eine zweigliedrige Taufe mit Wasser und mit Heiligem Geist verstanden. Heilige Wassertaufe und Heilige Geistestaufe sind also einander zugeordnet. (8.1.2.2)

Um zu zeigen, auf welchem Weg Gerechtigkeit vor Gott erlangt werden kann, unterzog sich Jesus Christus der Taufe durch Johannes den Täufer. (8.1.2.2)

Der Missionsbefehl, den der Auferstandene gab, macht deutlich, dass das Taufenin Form von Wasser- und Geistestaufezu den Aufgaben der Apostel gehört. Die Taufe ist Gottes Heilshandeln am Menschen. (8.1.2.2)

Die Heilige Wassertaufe ist heilsnotwendig. (8.1.3)

Sie ist keine gleichnishafte oder symbolische Handlung, sondern tatsächliche Zuwendung Gottes, durch die das Verhältnis des Menschen zu Gott grundlegend verändert wird. (8.1.3.1)

8.1.3.2 Abwaschung der Erbsünde Nach oben

Erbsünde[14] (Ursünde) meint den Zustand des Getrenntseins des Menschen von Gott, also die Gottferne, die durch den Sündenfall entstanden ist. Durch seinen Ungehorsam hat der Mensch die dauerhafte, unmittelbare Gemeinschaft mit seinem Schöpfer verloren.

Seit dem Sündenfall lasten Sünde und Gottferne als Grundbefindlichkeit auf allen Menschen (1Mo 3,23.24; Ps 51,7; Röm 5,18.19). Das bedeutet, dass jeder Mensch von Beginn an, vor jeder Tat und jedem Gedanken, Sünder ist, also selbst dann, wenn eine individuelle Sünde noch nicht vorliegt. Durch die Taufe wird die Erbsünde abgewaschen. Das Bild des Abwaschens bringt zum Ausdruck, dass Gott den Zustand des dauerhaften Getrenntseins von ihm und damit die Gottferne aufhebt: Er schenkt dem Menschen ein erstes Näheverhältnis und die Möglichkeit, mit ihm Gemeinschaft zu haben. Die Geneigtheit des Menschen zur Sünde als weitere Folge des Sündenfalls bleibt trotz der Taufe bestehen.

[14] Die Lehre von der Erbsünde wurde zuerst aufgrund des biblischen Zeugnisses von Augustinus formuliert. Die Erbsünde hat ihren Grund in der Ursünde von Adam und Eva. Der biblische Ausgangspunkt für die Erbsündenlehre ist Psalm 51,7 und Römer 5,12.

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Erbsünde“ (Ursünde) meint den Zustand des Getrenntseins des Menschen von Gott, also die Gottferne, die durch den Sündenfall entstanden ist. Seit dem Sündenfall lasten Sünde und Gottferne als Grundbefindlichkeit auf allen Menschen. (8.1.3.2)

Durch die Wassertaufe wird die Erbsünde abgewaschen, der Gläubige aus der Gottferne herausgeführt. Seine Geneigtheit zur Sünde (Konkupiszenz) bleibt bestehen. (8.1.3.2)

8.1.4 Die formgerechte Heilige Wassertaufe Nach oben

Die Elemente der drei Sakramente sind von Gott verordnet. Die beiden tragenden Elemente der Heiligen Wassertaufe sind das Wasser und das Wort in der trinitarischen Formel: „Ich taufe dich in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ So gespendet, kann die Heilige Wassertaufe beim Glaubenden ihre Wirkung entfalten.

Das Wasser, äußeres Zeichen der inneren Reinigung, bedarf der heiligenden Weihe, um es aus dem Bereich des Profanen in den des Heiligen emporzuheben. Deswegen wird es vor dem Taufakt in dem Namen des dreieinigen Gottes ausgesondert. Danach zeichnet der Taufende mit dem geweihten Wasser dreimal ein Kreuz auf die Stirn des Täuflings und tauftunter Handauflegungin dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das Kreuzzeichen versinnbildlicht das Heil in Christus und die durch seinen Opfertod bewirkte Erlösung; die dreimalige Zeichnung des Kreuzes auf der Stirn des Täuflings ist Hinweis auf den dreieinigen Gott.

8.1.5 Voraussetzungen für den Empfang der Heiligen Wassertaufe Nach oben

Jeder Mensch kann die Heilige Wassertaufe empfangen; sie wird in der Neuapostolischen Kirche Erwachsenen und Kindern durch einen Apostel oder durch einen priesterlichen Amtsträger gespendet. Voraussetzung ist, dass der Glaube an Jesus Christus und sein Evangelium bekundet wird.

Bei der Taufe von Kindern müssen die Eltern bzw. die Personen, die die Verantwortung für die religiöse Erziehung des Kindes übernehmen, ihren Glauben an Jesus Christus bekennen und geloben, den Täufling dem Evangelium entsprechend zu erziehen. Der Praxis der Kindertaufe liegt die Einsicht zugrunde, dass Kindern die Segnungen Gottes zugänglich gemacht werden sollen; auch sie bedürfen der Gnade des Herrn und ihnen ist das Himmelreich erschlossen (Mk 10,14).

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Die beiden tragenden Elemente der Heiligen Wassertaufe sind das Wasser und das Wort in der trinitarischen Formel. Das Wasser wird in dem Namen des dreieinigen Gottes ausgesondert. Danach zeichnet der Taufende mit dem Wasser dreimal ein Kreuz auf die Stirn des Täuflings und tauft in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. (8.1.4)

Jeder Mensch kann die Heilige Wassertaufe empfangen. Voraussetzung ist, dass der Glaube an Jesus Christus und sein Evangelium bekundet wird. (8.1.5)

Bei der Taufe von Kindern müssen die Personen, die die Verantwortung für die religiöse Erziehung haben, ihren Glauben an Jesus Christus bekennen und geloben, den Täufling dem Evangelium entsprechend zu erziehen. (8.1.5)

8.1.6 Auswirkungen der Heiligen Wassertaufe Nach oben

Der Mensch, der an Jesus Christus glaubt und ihn bekennt, wird mit der Heiligen Wassertaufe in die Kirche Christi eingefügt und hat somit Gemeinschaft mit Jesus Christus. Die trinitarisch vollzogene Heilige Wassertaufe verbindet die Christen miteinander.

Die Heilige Wassertaufe istähnlich wie die Beschneidung im Alten Bundein Bundeszeichen. Durch sie wird der Mensch in den Neuen Bund aufgenommen und kann nun die weiteren Bundeszeichen empfangen: Dem Getauften steht der Zugang zur Heiligen Versiegelung offen. Der in der Neuapostolischen Kirche Getaufte ist berechtigt, auf Dauer das Heilige Abendmahl zu empfangen.

Der Getaufte hat Teil am Tod Jesu Christi und an dessen neuem Leben. Er vollziehtgeistig gesehenmit, was an Jesus Christus geschehen ist. Wie Christus für die Sünden der Menschen am Kreuz gestorben ist, soll der Menschder Sünde sterben“, indem er ihr entsagt. Die Taufe bezieht den Gläubigen in das Erlösungswirken Christi ein, sodass Christi Tod auf Golgatha auch des TäuflingsTodwird: Dies bedeutet das Ende des Lebens in der Gottferne und den Beginn des Lebens in Christus. Die Taufe vermittelt Kräfte, den Kampf gegen die Sünde zu führen (Röm 6,3-8; Kol 2,12.13).

Die Taufe ist einAnziehen Christi“. Mit ihr erfolgt der erste Schritt auf dem Weg zur Erneuerung des inneren Menschen. „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“ (Gal 3,27). Diesem Bild liegt das Ablegen des alten Lebenswandels und dasAnziehender Tugenden Christi zugrunde. Es beschreibt, was im BegriffBußezum Ausdruck kommt: Abkehr vom alten Wesen und Hinwendung zum Herrn. Es geht also darum, ein Leben nach Gottes Willen zu führen. Der Getaufte gelobt, sein Leben unter der Herrschaft Christi zu gestalten.

8.1.7 Heilige Wassertaufe und Glaube Nach oben

Die Heilige Wassertaufe wird, wie alle anderen Sakramente, auf den Glauben hin gespendet. Sakrament und Glaube gehören zusammen: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden“ (Mk 16,16). Der Glaube des Menschen ist sowohl Voraussetzung für den Empfang des Sakraments als auch Antwort auf das Handeln Gottes.

Der Unglaube, in den der Getaufte fallen kann, vermag die Gültigkeit der Heiligen Wassertaufe nicht aufzuheben. Eine gültig gespendete Heilige Wassertaufe wird nicht wiederholt.

8.1.8 Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung Nach oben

Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung sind zwar einander zugeordnet, aber zwei unterschiedliche Sakramente. In der Apostelgeschichte wird berichtet, dass die Heilige Wassertaufe und die Taufe mit Heiligem Geist in zwei eigenständigen Handlungen vollzogen wurden (Apg 2,38.39; 8,12-17; 10,44-48; 19,5.6).

Durch die Hinnahme der beiden Sakramente Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung geschieht die Wiedergeburt aus Wasser und Geist (Joh 3,5).

8.1.9 Heilige Wassertaufe und Nachfolge Christi Nach oben

Bei der Heiligen Wassertaufe gelobt der Gläubige, sich ernsthaft zu bemühen, die Sünde zu meiden und sein Leben in der Nachfolge Christi zu führen. Die Nachfolge, in die der Täufling gerufen wird, besteht in der Ausrichtung am Leben und Wesen Jesu Christi, entsprechend seinen Worten: „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir“ (Mt 16,24).

8.1.10 Heilige Wassertaufe und Apostelamt Nach oben

In Matthäus 28,18-20 erteilt der Auferstandene seinen Aposteln den Taufbefehl. Sakramentsverwaltung und Apostelamt stehen in einem unauflösbaren Verhältnis. Während die Heilige Versiegelung nach dem Zeugnis der Schrift nur von Aposteln gespendet wurde, sind mehrere Belege dafür vorhanden, dass die Heilige Wassertaufe nicht ausschließlich von Aposteln vollzogen wurde (u.a. Apg 8,38). Die Vollmacht, mit Wasser zu taufen, haben auch die priesterlichen Ämter in der Neuapostolischen Kirche.

Allerdings ist nicht nur die von Aposteln und den von ihnen ordinierten Amtsträgern gespendete Heilige Wassertaufe gültig: Da sie der Kirche als ganzer anvertraut ist, hat die in anderen Kirchen rite vollzogene Taufe Gültigkeit (siehe 6.4.4).

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Die trinitarisch vollzogene Taufe verbindet die Christen miteinander. (8.1.6)

Die Taufe ist ein Bundeszeichen. Durch sie wird der Mensch in den Neuen Bund aufgenommen. Sie ist der erste Schritt auf dem Weg zur Erneuerung des inneren Menschen. Der Getaufte hat Teil am Tod Jesu Christi und an dessen neuem Leben. (8.1.6)

Eine gültig gespendete Heilige Wassertaufe wird nicht wiederholt. (8.1.7)

Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung sind zwei einander zugeordnete unterschiedliche Sakramente. Durch ihre Hinnahme geschieht die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. (8.1.8)

Der Auferstandene erteilte seinen Aposteln den Taufbefehl. In der Neuapostolischen Kirche haben die Apostel die Vollmacht, mit Wasser zu taufen, auch den priesterlichen Ämtern übertragen. (8.1.10)

Da die Taufe der Kirche als ganzer anvertraut ist, hat die in anderen Kirchen rite vollzogene Taufe Gültigkeit. (8.1.10)

8.2 Das Heilige Abendmahl Nach oben

Im neuapostolischen Glaubensbekenntnis lautet der siebte Artikel: „Ich glaube, dass das Heilige Abendmahl zum Gedächtnis an das einmal gebrachte, vollgültige Opfer, an das bittere Leiden und Sterben Christi, vom Herrn selbst eingesetzt ist. Der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls verbürgt uns die Lebensgemeinschaft mit Christus Jesus, unserm Herrn. Es wird mit ungesäuertem Brot und Wein gefeiert; beides muss von einem vom Apostel bevollmächtigten Amtsträger ausgesondert und gespendet werden.“

Das Heilige Abendmahl ist dasjenige der drei Sakramente, das dem Menschen immer wieder zugänglich gemacht und gespendet wird. Inhalt und Bedeutung des Heiligen Abendmahls lassen sich lehrmäßig und rational nicht erschöpfend erschließen. Es steht in engem Zusammenhang mit dem Geheimnis der Person Jesu Christi.

Im Heiligen Abendmahl werden die Wirklichkeit Gottes und seine Hinwendung zum Menschen unmittelbar erfahrbar. Das Heilige Abendmahl ist das zentrale Geschehen im Gottesdienst. Es nimmt auch im Bewusstsein und Leben des Gläubigen eine wesentliche Stellung ein.

8.2.1 Bezeichnungen für das Sakrament Nach oben

Es gibt für das Sakrament des Leibes und Blutes Christi verschiedene Bezeichnungen, wodurch unterschiedliche Aspekte hervorgehoben werden:

  • Heiliges Abendmahlverweist auf die Einsetzung des Sakraments durch Jesus Christus in der Gemeinschaft mit seinen Aposteln am Abend vor seiner Kreuzigung.

  • Eucharistiekommt von dem griechischeneucharistein“, wasDanksagungbedeutet. Den Dank an Gott sprach Jesus Christus bei der Einsetzung des Heiligen Abendmahls aus (Lk 22,19). Die Danksagung im Heiligen Abendmahl ruft den Gläubigen zu einer umfassenden Dankbarkeit auf, insbesondere für das Opfer und Verdienst Jesu Christi, aber auch für Erlösung und Heiligung.

  • Mahl des Herrnist eine Bezeichnung für das Abendmahl, die darauf verweist, dass Jesus der Herr ist (siehe 3.4.6.2) und als solcher das Mahl gestiftet hat und zu dessen Feier einlädt.

  • Brotbrechenweist auf das Passamahl hin, das Jesus Christus bei der Stiftung des Abendmahls praktizierte (Mt 26,26). Wie kennzeichnend das Brotbrechen für Jesus war, wird daran deutlich, dass dadurch die Emmausjünger den Auferstandenen erkannten (Lk 24,13-31). „Brotbrechennannten die ersten Christen ihre Mahlgemeinschaft, durch die Einheit und Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht wurden (Apg 2,42.46).

8.2.2 Alttestamentliche Hinweise auf das Heilige Abendmahl Nach oben

Im Alten Testament gibt es nicht nur viele Verweise auf den Sohn Gottes, sein Leiden und Opfer, sondern es werden auch Geschehnisse mit einem gewissen Bezug zum Heiligen Abendmahl berichtet. Im Rückblick können diese als Hinweise auf das von Jesus Christus gestiftete Sakrament verstanden werden. Durch sie wird deutlich, wie eng Alter und Neuer Bund aufeinander bezogen sind.

In 1. Mose 14,18-20 wird die Begegnung Abrahams mit dem Priesterkönig Melchisedek geschildert: Melchisedek, den der Hebräerbrief als Verweis auf Jesus Christus deutet, segnet Abraham und bringt ihm auch Brot und Wein (Vers 18). „Brot und Weinlassen an die Elemente des Heiligen Abendmahls denken. Dieser Zusammenhang wird noch deutlicher durch Hebräer 5,10, wo Jesus Christusein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeksgenannt wird.

Als weiterer alttestamentlicher Hinweis auf das Heilige Abendmahl kann die Speisung der Israeliten mit Manna während der Wüstenwanderung angesehen werden (2Mo 16,4-36). Manna wird alsBrot vom Himmelbezeichnet (Vers 4). Gemäß Johannes 6,35 nennt sich Jesus Christus dasBrot des Lebens“. Im Manna wird gleichsam etwas Größeres verheißen, eine Speise, die nicht nur den Leib, sondern den ganzen Menschen kräftigt und ihm zum Heil dient.

8.2.3 Jesu Speisungswunder und Heiliges Abendmahl Nach oben

Die Evangelien bezeugen, dass Jesus Christus mit den Sündern gegessen und getrunken hat. Im Unterschied zu den Pharisäern und Schriftgelehrten hatte er mit denen Mahlgemeinschaft, die nach dem mosaischen Gesetz als unrein galten und daher vom Umgang mit den Frommen ausgeschlossen waren (Mk 2,13-17).

Nicht nur, dass Jesus mit anderen es wird in den Evangelien auch berichtet, dass er für Speise sorgte. Seine Speisungswunder, zum Beispiel die Speisung der Fünftausend (Joh 6,1-15), die Speisung der Viertausend (Mt 15,32-38), aber auch das Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-11), sind Zeichen des Reiches Gottes, das den Menschen in Jesus Christus nahegekommen ist. Die irdische Speisung weist über das Sättigungsmahl hinaus auf das Heil in Christus. Dies wird deutlich durch die Worte des Herrn, als er die Speisung der Fünftausend in Beziehung setzte mit der Aussage, er selbst seidas Brot des Lebens“ (Joh 6,26-51).

8.2.4 Das Passamahl Nach oben

Das erste Passamahl hielten die Israeliten auf Gottes Geheiß am Abend vor dem Auszug aus Ägypten. Fehlerlose Lämmer wurden geschlachtet und zubereitet. Dazu aßen die Israeliten ungesäuertes Brot. Das Blut des Lammes, mit dem die Türpfosten bestrichen wurden, war das Zeichen zur Verschonung vor der zehnten Plage, die über Ägypten kommen sollte, dem Tod der Erstgeburt (2Mo 12).

Gott gebot, das Passamahl jährlich zum Gedächtnis an die Befreiung aus Ägypten zu feiern.

Die Gemeinsamkeiten zwischen Passamahl und Abendmahl sind offensichtlich: Beide sind ein Gedächtnismahl, in dem Brot ein unverzichtbarer Bestandteil ist. Der Kelch mit Wein, der am Ende der Passamahlfeier getrunken wird, symbolisiert die Freude, die durch die Befreiung aus der ägyptischen Gefangenschaft entstanden ist. Das Blut des Passalammes erwirkte die Rettung der Erstgeburt unter den Israelitendamit wird auf Jesus Christus als dasLamm Gottes“, das geopfert wird, verwiesen: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ (Joh 1,29; vgl. 1Petr 1,19).

Im Passamahl wird der Befreiung der Israeliten aus der Gefangenschaft der Ägypter gedacht. Auf Befreiung in einem viel umfassenderen Sinn deutet das Heilige Abendmahl hin, nämlich auf die Erlösung der Menschen aus der Knechtschaft der Sünde durch das Opfer Christi und auf die Errettung vor dem ewigen Tod.

8.2.5 Die Stiftung des Heiligen Abendmahls durch Jesus Christus Nach oben

Bereits bevor Jesus Christus das Heilige Abendmahl im Kreis seiner Apostel einsetzte, sagte er: „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch“ (Joh 6,53). „Fleisch und Blutverweisen auf das Heilige Abendmahl, dessen Heilsnotwendigkeit der Herr mit diesen Worten herausstellte. Ebenfalls bedeutsam sind die weiteren Hinweise des Herrn: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben [...]. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“ (Joh 6,54.56).

In den synoptischen Evangelien wird berichtet, dass Jesus Christus anlässlich des Passafestes mit seinen Aposteln ein gemeinsames Mahl hielt. In Matthäus 26,26-29 wird geschildert, wie der Herr das Heilige Abendmahl einsetzte: „Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach´s und gab´s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich“ (Mk 14,22-25; Lk 22,14-20). Während der Bericht im Markus-Evangelium weitgehend mit dem bei Matthäus übereinstimmt, finden sich im Bericht des Lukas-Evangeliums die Zusätze „... das tut zu meinem GedächtnisundDieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut“ (Lk 22,19.20).

Mit den WortenDas tut zu meinem Gedächtniserteilte der Herr seinen Aposteln Auftrag und Vollmacht, Heiliges Abendmahl in der Weise zu vollziehen, wie er es selbst getan hatte.

8.2.6 Das Abendmahl im ersten Korintherbrief Nach oben

Ein Zeugnis für die Feier des Heiligen Abendmahls und für die Einsetzungsworte Jesu, die dabei gesprochen wurden, findet sich in 1. Korinther 11,17-32. In diesem Text wird zunächst bezeugt, dass Abendmahlsfeiern zur religiösen Praxis der frühen Christengemeinden zählten. Apostel Paulus zitiert die in Korinth verwendeten Einsetzungsworte zum Heiligen Abendmahl. Hier wird deutlich, dass ein Wortlaut vorgegeben war: „Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe.“ Danach folgen die Einsetzungsworte: „Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach´s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot