Katechismus

5 Gottes Gebote

Gott hat den Menschen Gebote gegeben, in denen er seinen Willen zu ihrem Wohl kundtut.

5.1 Leben im Glauben nach Gottes Geboten Nach oben

Glaube an Gott wirkt sich auf das gesamte Leben des Menschen entscheidend aus. Der Gläubige strebt danach, durch sein Denken und Handeln dem Willen Gottes zu entsprechen. Er erkennt in Gott den Urheber einer gerechten Ordnung.

Damit sich die Menschen in dieser Ordnung bewegen können, hat ihnen Gott als ihr Schöpfer Gebote gegeben. In den Geboten kommt Gottes Wille zum Ausdruck, wie die Beziehung zu ihm gestaltet werden soll. Ferner bilden sie die Grundlage für ein gedeihliches Miteinander der Menschen.

Weil der Gläubige Gott als seinen Herrn anerkennt und im Bewusstsein der Allwissenheit Gottes dessen Fügungen vertraut, fragt er nach Gottes Willen und bemüht sich, ihm den eigenen Willen unterzuordnen.

Bereits in der Zeit des Alten Testaments ließen Männer und Frauen ihr Handeln vom Glauben bestimmen; in Hebräer 11 sind Beispiele genannt. Diese Zeugen des Glaubens sind auch Vorbilder für Christen. Hebräer 12,1 mahnt, die Sünde abzulegen, „die uns ständig umstrickt“, und im Kampf gegen die Sünde mutig den Weg des Glaubens zu gehen.

Größtes Vorbild ist Jesus Christus, der Anfänger und Vollender des Glaubens. Er war mit seinem Vater eins und stellte seinen Willen stets unter den Willen Gottes (Lk 22,42). Sein bedingungsloser Gehorsam, das Halten all dessen, was ihm der Vater geboten hatte, ruft zur Nachfolge und fordert einen Lebenswandel nach seinem Vorbild: „Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe“ (Joh 15,10). So ist Jesus Christus für alle, die ihm in gläubigem Gehorsam nachfolgen, Urheber des ewigen Heils (Hebr 5,8.9).

Zum Glauben des Christen gehört die Erkenntnis, dass das Heil über den Empfang der Sakramente erlangt wird. Die Hinnahme dieser göttlichen Heilstaten und die Erwartung der baldigen Wiederkunft Christi lassenabsagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken“ (Tit 2,12-14).

Fromm in dieser Welt lebenmeint, aus kindlichem Vertrauen, frei von Scheinheiligkeit und Heuchelei, das Denken und Handeln nach Gottes Willen auszurichten. Grundlage des kindlichen Vertrauens in den himmlischen Vater ist seine Liebe zum Menschen. Im Glaubensgehorsam ordnet sich der Mensch dem göttlichen Willen unter.

DenGehorsam des Glaubensim Namen Jesu aufzurichten ist Aufgabe des Apostelamts (Röm 1,5; 16,25.26). Wer in diesem Gehorsam steht, richtet sein Leben nach der Lehre Christi aus (Röm 6,17). Das ist wahres Leben im Glauben nach Gottes Geboten. Auf diese Weise kommt die Liebe des Menschen zu Gott zum Ausdruck.

EXTRAKT Nach oben

In den Geboten kommt Gottes Wille zum Ausdruck, wie die Beziehung zu ihm gestaltet werden soll. Sie bilden überdies die Grundlage für ein gedeihliches Miteinander der Menschen. (5.1)

Im Glauben nimmt der Mensch Gott als seinen Herrn an; er vertraut ihm und strebt danach, durch sein Denken und Handeln dem Willen Gottes zu entsprechen. (5.1)

Jesu unbedingter Gehorsam zu seinem Vater ruft zur Nachfolge und fordert einen Lebenswandel nach seinem Vorbild. (5.1)

5.2 Gottes Gebote — Ausdruck seiner Liebe Nach oben

Gott ist die Liebe (1Joh 4,16), und seine Gebote sind Ausdruck seiner Liebe. Zweck der Gebote ist es, den Menschen zu helfen, im Einklang mit Gottes Willen und in ihrem Verhältnis untereinander harmonisch leben zu können. Gottes Gebote sollen anleiten zuLiebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben“ (1Tim 1,5).

Gott hat den Menschen erschaffen und gesegnet. Er liebt ihn von Anfang an. Seine bewahrende Liebe dauert auch zum gefallenen Geschöpf an. Das gesamte Heilswirken Gottes gründet auf seiner Liebe. Aus Liebe hat er das Volk Israel erwählt (5Mo 7,7.8). In den Geboten tut er diesem Volk, durch das alle Völker gesegnet werden sollen, zur Bewahrung seinen Willen kund und schenktals höchsten Ausdruck seiner Liebe zur Welt (Joh 3,16) — in dieses Volk hinein seinen Sohn Jesus Christus.

Auf die herausragende Bedeutung, die Gott der Liebe bereits in der Gesetzgebung und prophetischen Verkündigung im Alten Bund zumisst, verweist auch Jesus Christus. Auf die Frage nach demhöchsten Gebot im Gesetz“ (Mt 22,36) antwortet er mit zwei Zitaten aus dem mosaischen Gesetz: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Mt 22,37-40).

Jesus Christus ist der Abschluss des Alten Bundes und der Beginn des Neuen Bundes. Im Neuen Bund hat Gott dem Menschen die Möglichkeit erschlossen, sein Kind zu werden und ureigenes göttliches Wesen, die Liebe, zu empfangen: „... die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Röm 5,5). Diese innewohnende Liebe zu Gott verhilft zur Erkenntnis, dass sich in Gottes Geboten seine Liebe zeigt. Dies führt dazu, die Gebote nicht aus Furcht vor Strafe, sondern aus Liebe zum himmlischen Vater zu erfüllen: „Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer“ (1Joh 5,2.3; vgl. Joh 14,15.21.23).

5.2.1 Die Liebe zu Gott Nach oben

Die Liebe des Menschen zu Gott und zum Nächsten gründet in Gott. Liebe ist Wesen des Schöpfers und deshalb ewig: Göttliche Liebe besteht vor allem Geschaffenen und wird nicht enden. Von Gott, durch Gott und zu Gott sind alle Dinge (Röm 11,36).

Aus der Liebe, die Gott den Menschen zuwendet, erwächst im Gläubigen der Wunsch, diese Liebe zu erwidern (1Joh 4,19). Wie der Glaube die Antwort des Menschen auf Gottes Offenbarung ist, so ist seine Liebe zu Gott Antwort auf die empfangene Liebe Gottes.

Sirach 1,14 besagt: „Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.“ Wer Gott liebt, sehnt sich danach, in die Gemeinschaft mit ihm zu gelangen. Dazu hilft insbesondere, dass Gottes Liebe durch den Heiligen Geist in die Herzen der Wiedergeborenen ausgegossen ist (Röm 5,5). Mit dem würdigen Genuss des Heiligen Abendmahls wird die Liebe zu Gott gestärkt. So kann sie im Wiedergeborenen zunehmen und ihn immer mehr durchdringen.

Wer Gott liebt, strebt nach der Liebe (1Kor 14,1). Gott zu lieben ist ein Gebot, das den ganzen Menschen betrifft und vollen Einsatz fordert: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften" (Mk 12,30). Das zu erfüllen gibt dem Leben Inhalt und Sinn.

Die Liebe zu Gott soll das Wesen des Menschen prägen und sein Verhalten bestimmen.

EXTRAKT Nach oben

Gottes Gebote sind Ausdruck seiner Liebe. Ihr Zweck ist es, den Menschen zu helfen, im Einklang mit Gottes Willen und in ihrem Verhältnis untereinander harmonisch leben zu können. (5.2)

Die Erkenntnis der Liebe Gottes in seinen Geboten führt dazu, die Gebote nicht aus Furcht vor Strafe zu halten, sondern aus Liebe zu ihm zu erfüllen. (5.2)

5.2.2 Nächstenliebe — die Liebe zum Mitmenschen Nach oben

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3Mo 19,18). Das mosaische Gesetz sah alsNächstenin erster Linie den Angehörigen des Volkes Israel; allein in diesem Rahmen hatte zunächst das Gebot Gültigkeit. Eine Ausweitung erfuhr es allerdings darin, dass es auch Fremdlinge schützen sollte, die im Land der Israeliten wohnten (3Mo 19,33.34).

Der Sohn Gottes hat die Gebote aus 3. Mose 19,18 und 5. Mose 6,5 verbunden zum Doppelgebot der Liebe (Mt 22,37-39).

Am Beispiel vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37) erweist sich, dass Jesus die Begrenzung des Gebots der Nächstenliebe auf Israel aufgehoben hat. Er zeigte den Nächsten zum einen als denjenigen, der hilfsbedürftig ist. Offen bleibt, ob es sich um einen Israeliten oder einen Heiden handelt: „Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab ...“ Der Nächste ist zum anderen derjenige, der hilftim Gleichnis ein Angehöriger eines von den Israeliten verachteten Volkes, ein Samariter. Es wird deutlich: In dem Augenblick, in dem ein Mensch sich dem anderen zuwendet, wird jeder dem anderen der Nächste. Der Nächste kann also jeder Mensch sein, mit dem wir in Beziehung kommen.

Daraus lässt sich folgern, dass auch der Geltungsbereich der Zehn Gebote (Dekalog) auszuweiten ist und sie für alle Menschen Gültigkeit haben.

Die meisten der Zehn Gebote betreffen den Nächsten (2Mo 20,12-17): Dies wird unterstrichen durch die Tatsache, dass der Sohn Gottes gegenüber dem reichen Jüngling das Gebot der Nächstenliebe neben einige Gebote aus dem Dekalog stellte (Mt 19,18.19).

Apostel Paulus sieht die Vorschriften, die sich auf den Mitmenschen beziehen, im Gebot der Nächstenliebe vereinigt (Röm 13,8-10). Diese Erkenntnis beruht auf dem Wort des Herrn, dass sich im Doppelgebot der Liebedas ganze Gesetz und die Propheten" finden (Mt 22,37-40). Diese Aussage steht auch in der Bergpredigt, im Zusammenhang mit dergoldenen Regel“: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten" (Mt 7,12).

Jeder Mensch kann der Nächste des anderen sein. Wie konsequent Jesus das meint, geht ebenfalls aus der Bergpredigt hervor, wo er fordert, selbst den Feind zu lieben (Mt 5,44).

Die Liebe zum Nächsten spornt dazu an, Barmherzigkeit allen gegenüber zu üben, wenn sie der Barmherzigkeit bedürfen. Praktizierte Nächstenliebe findet sich zum Beispiel im uneigennützigen Einsatz zum Wohl anderer, vorrangig solcher, die in irgendeiner Weise benachteiligt sind.

Nachfolger Christi sind nicht nur zur Nächstenliebe in irdischen Belangen gerufen, sondern auch dazu, Menschen auf das Evangelium Christi hinzuweisen. Das ist Liebemit der Tat und mit der Wahrheit“ (1Joh 3,18). In diesem Zusammenhang steht auch die Fürbitte für Entschlafene.

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Mt 22,39) — diese Worte Jesu sprechen dem Menschen das Recht zu, an sich selbst zu denken; andererseits setzt der Herr damit dem Egoismus klare Grenzen und fordert dazu auf, allen Mitmenschen liebevoll zu begegnen.

Praktizierte Nächstenliebe in jeglicher Form verdient hohe Anerkennung. Je mehr sie angewandt wird, desto mehr Not wird gelindert, desto harmonischer gestaltet sich das Zusammenleben. Die Lehre Jesu zeigt auf, dass Nächstenliebe durch die Liebe zu Gott zur ganzen Entfaltung kommt.

5.2.3 Nächstenliebe — die Liebe in der Gemeinde Nach oben

Die Nächstenliebe soll sich insbesondere in der Gemeinde zeigen: „Jeder von uns lebe so, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten und zur Erbauung" (Röm 15,2). Jesus lehrt: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe [...]. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Joh 13,34.35). Die Liebe der Nachfolger Christi zueinander ist also ein Erkennungszeichen der Gemeinde des Herrn.

Der Maßstab, der für ihre Liebe angesetzt ist, geht über diegoldene Regelin Matthäus 7,12 hinaus: Jeder soll den anderen so lieben wie Christus die Seinen. Diese Liebe zeigte sich in der ersten christlichen Gemeinde darin, dass die Menge der Gläubigenein Herz und eine Seelewar (Apg 4,32). Allerdings wurden die Gemeinden immer wieder zu Versöhnlichkeit, Friedfertigkeit und Liebe gemahnt.

1. Johannes 4,7 ff. stellt das Gebot der Liebe untereinander in Zusammenhang mit dem Gebot der Liebe zu Gott. Der Apostel schildert die Erscheinung des liebenden Gottes zu den Menschen in der Sendung seines Sohnes und im Opfer Christi und folgert daraus: „Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.“ Er geht den Gedankengang konsequent weiter: Wer sagt, er liebe Gott, seinen Bruder aber hasst, ist ein Lügner. Daraus wird der Schluss gezogen: „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“

Die Liebe zu Gott äußert sich demnach auch in liebevoller Hinwendung zu Bruder und Schwester in der Gemeinde, unabhängig von der Wesensart oder der sozialen Stellung. Apostel Jakobus bezeichnet es als unvereinbar mit demGlauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit", wenn innerhalb der Gemeinde Unterschiede gemacht werden. In welche Richtung auch immer Vorurteile in der Gemeinde gehensie verstoßen gegen das Gebot der Liebe zum Nächsten. Jakobus schließt daraus: „... wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde“ (Jak 2,1-9).

DieLiebe untereinanderbewahrt vor Unversöhnlichkeit, Vorurteilen, abschätziger Betrachtung einzelner Gemeindemitglieder. Verlangt schon das Gebot der Liebe zum Nächsten, dem Mitmenschen beizustehen und in Notsituationen zu helfen, so soll sich das vornehmlich in der Gemeinde beweisen: „Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“ (Gal 6,10).

DieLiebe untereinanderist eine besondere Kraft, die den Zusammenhalt in der Gemeinde festigt und Wärme ins Gemeindeleben bringt. Sie verhindert, dass Konfliktedie in jeder menschlichen Gemeinschaft auftretenzu dauerhaften Auseinandersetzungen führen. Sie befähigt dazu, Bruder und Schwester so anzunehmen, wie sie sind (Röm 15,7). Auch wenn die Vorstellungen, Denkstrukturen und Verhaltensweisen von Gemeindemitgliedern den anderen unverständlich sind, führt das nicht zu deren Abwertung oder Ausgrenzung, sondern findet Toleranz.

Eine solche Liebe öffnet darüber hinaus den Blick für die Tatsache, dass der andere auch zu den Auserwählten Gottes, denHeiligen und Geliebten“, zählt. Aus dieser Erkenntnis erwächst für alle die Aufgabe, einander mit herzlichem Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld zu begegnen. Ist Grund zur Klage da, wird Vergebung angestrebt nach dem Wort: „... wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ Apostel Paulus gibt den Rat: „Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit“ (Kol 3,12-14).

Jede Ortsgemeinde kann unter dem Bild vom Leib Christi gesehen werden; der Einzelne, der zur Gemeinde zählt, ist ein Glied an diesem Leib. So sind alle Gemeindemitglieder miteinander verbunden und einander durch das gemeinsame Haupt verpflichtet: Gott hat den Leib zusammengefügt, damit die Glieder füreinander sorgen. Jeder dient dem Wohl des Ganzen, indem er Anteil am Leben des anderen nimmt; Mitempfinden im Leid und Gönnen von Gutem sind selbstverständlich: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.“ Alle sollen sich bewusst machen: „Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied“ (1Kor 12,26.27).

Apostel Paulus weist der Gemeinde im ersten Korintherbrief im 13. Kapitel den Weg der Liebe; er endet mit den Worten: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Wird die Liebe in der Gemeinde gelebt, sind die Auswirkungen weitreichender, als es alle Gaben, Befähigungen, Erkenntnisse und alles Wissen vermögen.

EXTRAKT Nach oben

Das mosaische Gesetz sieht als Nächsten in erster Linie den Angehörigen des Volkes Israel. Jesus hebt, wie das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeigt, diese Begrenzung auf: Jeder Mensch kann der Nächste des anderen sein. (5.2.2)

In der Bergpredigt fordert Jesus, selbst Feinde zu lieben. (5.2.2)

Die Liebe zum Nächsten setzt dem Egoismus Grenzen. Sie spornt zur Barmherzigkeit allen gegenüber an. Nachfolger Christi sind nicht nur zur Nächstenliebe in irdischen Belangen gerufen, sondern auch dazu, Menschen auf das Evangelium Christi hinzuweisen. In diesem Zusammenhang steht auch die Fürbitte für Entschlafene. (5.2.2)

Nächstenliebe kommt durch die Liebe zu Gott zur völligen Entfaltung. (5.2.2)

Der Maßstab für die Liebe der Nachfolger Christi zueinander geht über diegoldene Regel“ („Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!") hinaus: Jeder soll den anderen so lieben, wie Christus die Seinen. Diese Liebe bewahrt vor Unversöhnlichkeit, Vorurteilen, abschätziger Betrachtung, da sie Bruder und Schwester so annimmt, wie sie sind. (5.2.3)

5.3 Die Zehn Gebote Nach oben

Die Zehn Gebote bilden den Kern des mosaischen Gesetzes, der fünf Bücher Mose (Thora). Sie bringen zum Ausdruck, welches Verhalten Gott gefällt und welches ihm missfällt. Aus ihnen lassen sich konkrete Hinweise ableiten, wie sich die von Jesus Christus gebotene Liebe zu Gott und zum Nächsten auf die Lebenspraxis auswirken soll.

In den Zehn Geboten wendet sich Gott an alle Menschen und nimmt den Einzelnen in die persönliche Verantwortung für sein Verhalten und seine Lebensführung.

5.3.1 Zum Begriff „Gebot“ Nach oben

Die BezeichnungZehn Gebotebzw. „Dekalogist abgeleitet von der biblischen FormulierungZehn Worte“ („deka logoi“) in 2. Mose 34,28 und 5. Mose 10,4.

5.3.1.1 Zur Zählung Nach oben

Die Bibel legt die Zahl der Gebote auf zehn fest, nummeriert sie jedoch nicht. Daraus haben sich unterschiedliche Zählweisen ergeben. Die in der Neuapostolischen Kirche gebräuchliche Zählweise geht auf eine Tradition aus dem vierten Jahrhundert n.Chr. zurück.

5.3.1.2 Die Zehn Gebote im Alten Testament Nach oben

Den Zehn Geboten kommt innerhalb des mosaischen Gesetzes eine herausragende Bedeutung zu: Nur sie verkündet Gott dem Volk Israel hörbar am Berg Sinai (5Mo 5,22), nur sie werden auf steinerne Gesetzestafeln geschrieben (2Mo 34,28).

Die Verkündung der Zehn Gebote gehört zu dem Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat. Damit hat er den zuvor mit Abraham, Isaak und Jakob eingegangenen Bund erneuert (5Mo 5,2.3). In 5. Mose 4,13 heißt es: „Er [Gott] verkündigte euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nämlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.“

Das Halten der Gebote war Bundespflicht der Israeliten und wurde von Gott gesegnet (5Mo 7,7-16). Bereits die Kinder im Volk Israel lernten sie auswendig (5Mo 6,6-9). Bis heute haben die Zehn Gebote ihre hohe Bedeutung im Judentum behalten.

5.3.1.3 Die Zehn Gebote im Neuen Testament Nach oben

Im Neuen Testament erhalten die Zehn Gebote durch den Sohn Gottes Bekräftigung und einen vertieften Sinngehalt. Jesus Christus zeigt sich in seinen Äußerungen als Herr über die Gebote, ja über das ganze Gesetz (Mt 12,8). Seine Aussage gegenüber dem reichen Jüngling macht deutlich, dass das ewige Leben nur erlangt werden kann, wenn der Mensch über das Halten der Gebote hinaus Christus nachfolgt (Mt 19,16-22; Mk 10,17-21).

Jesus Christus eröffnet eine neue Sicht auf das mosaische Gesetz (siehe 4.8)mithin auch auf die Zehn Gebote. Apostel Paulus hat den Sinn des mosaischen Gesetzes nach dem Verständnis des Alten Testaments auf die Formel gebracht: „Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm 3,20).

Bereits die Übertretung eines einzigen dieser Gebote lässt den Menschen am ganzen Gesetz schuldig werden (Jak 2,10). Demzufolge brechen alle Menschen das Gesetzalle Menschen sind Sünder.

Das Gesetz ermöglicht es, die Sünde zu erkennen. Begangene Sünden zu tilgen ermöglicht einzig Christi Opfer, die Grundlage des Neuen Bundes.

Die Zehn Gebote gelten auch im Neuen Bund; sie sind für alle Menschen verpflichtend. Das veränderte Verständnis der Zehn Gebote im Neuen Bund liegt auch darin begründet, dass entsprechend den Prophezeiungen in Jeremia 31,33.34 Gottes Gesetz nun nicht auf steinerne Tafeln, sondern ins Herz gegeben und in den Sinn geschrieben ist. Mit der Erfüllung des Gebots der Liebe zu Gott und zum Nächsten wird das ganze Gesetz erfüllt (Röm 13,8-10).

5.3.1.4 Der Wortlaut Nach oben

Der heute gebräuchliche Wortlaut der Zehn Gebote ist nicht deckungsgleich mit dem in der Bibel enthaltenen Text; einer einfachen, sinnwahrenden und einprägsamen Form wird der Vorzug gegeben.

Die Zehn Gebote im heute gebräuchlichen Wortlaut Nach oben

1. Gebot

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

2. Gebot

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

3. Gebot

Du sollst den Feiertag heiligen.

4. Gebot

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden.

5. Gebot

Du sollst nicht töten.

6. Gebot

Du sollst nicht ehebrechen.

7. Gebot

Du sollst nicht stehlen.

8. Gebot

Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

9. Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

10. Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.

Die Zehn Gebote gemäß 2. Mose 20,2-17 Nach oben

1. Gebot

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!

Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

2. Gebot

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

3. Gebot

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.

Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage.

Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.

4. Gebot

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

5. Gebot

Du sollst nicht töten.

6. Gebot

Du sollst nicht ehebrechen.

7. Gebot

Du sollst nicht stehlen.

8. Gebot

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

9. Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

10. Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

Die Zehn Gebote gemäß 5. Mose 5,6-21 Nach oben

1. Gebot

Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen.

Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

2. Gebot

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

3. Gebot

Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat.

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du. Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der Herr, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm.

Darum hat dir der Herr, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst.

4. Gebot

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir's wohlgehe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

5. Gebot

Du sollst nicht töten.

6. Gebot

Du sollst nicht ehebrechen.

7. Gebot

Du sollst nicht stehlen.

8. Gebot

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

9. Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.

10. Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.

EXTRAKT Nach oben

Die Zehn Gebote bilden den Kern des mosaischen Gesetzes. In ihnen wendet sich Gott an alle Menschen. (5.3)

Die Verkündung der Zehn Gebote, deren Einhaltung Pflicht war, gehört zu dem Bund Gottes mit Israel. (5.3.1.2)

Jesus Christus eröffnete eine neue Sicht auf das mosaische Gesetz und somit auf die Zehn Gebote; sie gelten auch im Neuen Bund. (5.3.1.3)

Der Text der Zehn Gebote ist zweimal in der Heiligen Schrift vorhanden: 2. Mose 20,2-17 und 5. Mose 5,6-21. (5.3.1.4)

5.3.2 Das erste Gebot Nach oben

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Nach oben

5.3.2.1 Gott — Herr und Wohltäter Nach oben

Ich bin der Herr, dein Gott“ — dies steht wie eine Einleitung über allen folgenden Geboten und bringt zum Ausdruck, dass Gott Herr über alles ist. Ihm, dem Schöpfer aller Dinge, kommt uneingeschränkte Souveränität zu. Er setzt Recht durch sein Wort; ihm ist Gehorsam zu leisten.

Von diesem Bewusstsein zeugt das Alte Testament im Gesetz, in den Psalmen und in den Propheten. Im Neuen Testament wird herausgestellt: Christus ist Herr, sein göttlicher Wille ist verpflichtend.

Gott ist aber nicht allein Herrscher, sondern auch Bewahrer. In seinem Segen erweist er sich als Wohltäter aller Menschen.

5.3.2.2 Gott führt aus der Knechtschaft Nach oben

Obwohl Gott absoluter Souverän ist und niemandem Rechenschaft schuldig ist, begründet er den Israeliten seine Forderung nach Gehorsam: Er hat Israelaus der Knechtschaft“, aus der Sklaverei in Ägypten, herausgeführt; er ist der in die Freiheit leitende, der erlösende Gott.

Gott, der das Volk Israel aus irdischer Fremdherrschaft befreite, offenbart sich in seinem Sohn Jesus Christus als Wohltäter für alle Menschen in weit höherem Sinn: Aus Liebe sendet Gott seinen Sohn. Dieser opfert aus Liebe im Gehorsam sein sündloses Leben am