Catechismus

3 Der dreieinige Gott

Vater, Sohn und Heiliger Geist sind der eine Gott. Dass Gott von Ewigkeit dreieinig ist, bezeugt die Selbstoffenbarung Gottes innerhalb der Heilsgeschichte, die deutlich macht, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist von Anfang an sind, schaffen, wirken und erhalten.

Im Alten Bund offenbarte sich vor allem Gott, der Vater, während das Wirken des Sohnes und des Heiligen Geistes den Menschen weitgehend noch verborgen blieb. Aus der Sicht des Neuen Testaments bekundete Apostel Paulus, dass der Gottessohn schon beim Zug des Volkes Israel durch die Wüste gegenwärtig war (1Kor 10,4). Ferner heißt es in Markus 12,36 und Hebräer 3,7, dass der Heilige Geist bereits im Alten Bund gesprochen hat.

Die Menschwerdung, der Tod und die Auferstehung des Gottessohnes sowie die Sendung des Heiligen Geistes lassen Gott als den Dreieinigen erkennen. Jesus Christus stellt in Johannes 16,13-15 die Wirkungen der Dreieinigkeit Gottes heraus: Was dem Sohn gehört, gehört auch dem Vater, und was der Heilige Geist verkündigt, nimmt er vom Vater und vom Sohn.

Der dreieinige Gott ist ein Gott der Gemeinschaft von Vater, Sohn und Geist; diese seine Gemeinschaft möchte er dem Menschen zugänglich machen.

3.1 Das Wesen Gottes Nach oben

Gott ist in seinem Wesen und Wirken von uns Menschen mit dem Verstand nicht zu erfassen — Zugang zu Gott, seiner Allmacht und Größe ist allein durch den Glauben möglich. Jesus Christus hat den Menschen Gott als liebenden, barmherzigen und gnädigen Vater offenbar und erlebbar gemacht. Weitere Offenbarungen von Gott gibt der Heilige Geist, der den Gläubigen in die Tiefen der Gottheit führt (1Kor 2,6-16).

Merkmale des Wesens Gottes sind: Er ist der Eine (Einzige), der Heilige, der Allmächtige, der Ewige, der Liebende, der Gnädige, der Gerechte, der Vollkommene. Gott ist nicht unbekannt, nicht verborgen; er neigt sich den Menschen zu, spricht zu ihnen und gewährt ihnen, zu ihm zu sprechen.

Die Beschreibung von göttlichen Wesensmerkmalen will die Vollkommenheit und Absolutheit Gottes zum Ausdruck bringen, doch müssen jegliche aus der menschlichen Erfahrungswelt entlehnten Begriffe hinter der Wirklichkeit Gottes zurückbleiben.

3.1.1 Ein Gott in drei Personen Nach oben

Die Dreieinigkeit Gottes ist ein Geheimnis. In der trinitarischen Formel „In dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ wird nicht die Mehrzahl „die Namen“, sondern die Einzahl „der Name“ benutzt: Der eine Gott ist der Dreieine. Jesus hat in seinen Worten an die Apostel die Dreieinigkeit Gottes erkennbar gemacht; sie sollten „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19) taufen. Wenn von Gott als „dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist“ gesprochen wird, dann sind damit nicht drei unterschiedliche Götter gemeint, sondern drei Personen (Hypostasen), die der eine Gott sind.

3.1.2 Gott, der Eine Nach oben

Der Glaube an den einen Gott gehört zu den grundlegenden Bekenntnissen des Alten und Neuen Testaments. Gott sprach Mose gegenüber von der Einheit und Treue zu sich selbst, die sich in seinem Namen ausdrückt: „Ich werde sein, der ich sein werde“ (2Mo 3,14). Das Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes — „der Herr ist unser Gott, der Herr allein“ (5Mo 6,4) — hat das alte Bundesvolk durch seine Geschichte begleitet.

Wenngleich es schon im ersten Gebot mit aller Klarheit heißt: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“ (2Mo 20,3), war es für Israel doch ein langer Weg, bis das Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes alle anderen Götter und deren Anbetung ausschloss; immer wieder mussten die Propheten dem Volk die Verehrung fremder Götter vorwerfen. In Jesaja 45,21.22 finden sich die Worte Gottes: „Es ist sonst kein Gott außer mir, ein gerechter Gott und Heiland, und es ist keiner außer mir. Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott, und sonst keiner mehr.“ Nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft trat das Bekenntnis zu dem einzigen Gott (Monotheismus) als wesentliches Unterscheidungsmerkmal von den Heiden ins Bewusstsein der Juden. Der Glaube, der im Buch der Weisheit ausgesprochen wird, ist kennzeichnend für das Judentum bis heute: „Es gibt außer dir keinen Gott“ (Weish 12,13).

Dieses Bekenntnis ist auch im christlichen Glauben von den frühesten Gemeinden an bis in die Gegenwart hinein verankert. Apostel Paulus vertrat den Monotheismus ohne jede Einschränkung. Mit Blick auf die Vielgötterei (Polytheismus) der griechischen und römischen Religionen schrieb er: „So wissen wir, dass es [...] keinen Gott als den einen“ gibt (1Kor 8,4).

3.1.3 Gott, der Heilige Nach oben

Im Alten Testament wird Gott wiederholt „der Heilige“ genannt (Jes 43,3; Jer 50,29; Hab 1,12). Heiligkeit — damit sind Majestät, Unantastbarkeit, Abgeschiedensein vom Profanen gemeint — gehört zum Wesen Gottes, zu seinem Sein und Walten. Dies wird in Offenbarung 4,8 mit den Worten bezeugt: „Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt“ (vgl. Jes 6,3). Sein Wort und Wille sind ebenso heilig.

Die Nähe Gottes, die Gegenwart des Heiligen, die in der Heilsgeschichte wiederholt erlebt wird, gebietet Ehrfurcht vor ihm. Dass Gottes Nähe heilig und Ehrfurcht gebietend ist, erfuhr Mose, als er den brennenden Dornbusch sah und die Stimme Gottes vernahm: „Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!“ (2Mo 3,5). Die Heiligkeit Gottes heiligt den Ort, die Stätte seiner Offenbarung.

Die Teilhabe an der Heiligkeit Gottes ist Geschenk und Aufgabe zugleich: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott“ (3Mo 19,2; vgl. 1Petr 1,15.16). So ist jeder einzelne Gläubige aufgerufen, nach der Heiligkeit zu streben, die aus der Heiligkeit Gottes erwächst. Dadurch „heiligt“ er den Namen Gottes, wie es auch im Gebet „Unser Vater“ zum Ausdruck kommt: „Dein Name werde geheiligt“ (Mt 6,9).

3.1.4 Gott, der Allmächtige Nach oben

Mit dem Bekenntnis im ersten Glaubensartikel „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde“ wird bezeugt: Gott vermag alles, nichts ist ihm unmöglich, für ihn gibt es keinerlei Begrenzungen bei der Durchsetzung seines Willens. In Psalm 135,6 wird dies so ausgedrückt: „Alles, was er will, das tut er im Himmel und auf Erden, im Meer und in allen Tiefen.“

Deutlich zeigt sich den Menschen auch in der Schöpfung die Allmacht Gottes. Allein durch sein Wort ist alles aus Nichts geschaffen (Hebr 11,3). Gott setzt in seiner Allmacht Anfang und Ende: „Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige“ (Offb 1,8). So wird auch die neue Schöpfung Ausdruck von Gottes Allmacht sein.

Auch Jesus Christus sprach von der Allmacht Gottes: „Alle Dinge sind möglich bei Gott“ (Mk 10,27); ebenso wurde sie von Engeln bezeugt: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich“ (Lk 1,37).

Zur Allmacht Gottes gehören Allwissenheit und Allgegenwart. Die Allwissenheit Gottes wird in Psalm 139,2-4 angesprochen: „Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest.“ Im selben Psalm wird zudem auf die Allgegenwart Gottes hingewiesen: „Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten“ (Verse 8-10).

3.1.5 Gott, der Ewige Nach oben

Gott, „der Ewige“, hat weder Anfang noch Ende. Zeitliche Begrenzungen gibt es für ihn nicht. „Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Ps 90,2). Gott ist Schöpfer und Herr der Zeit: Anders als die materielle Welt, die der Zeitlichkeit unterliegt, bestimmt Gott souverän über die Zeit, schenkt Zeit oder nimmt sie auch.

Gottes Ewigkeit übersteigt den menschlichen Erfahrungshorizont. Sie ist unendlich, jedoch keine Zeitlosigkeit. Vielmehr sind vor Gott Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen präsent. Dass Gott über die Zeitdimensionen erhaben ist und über ihnen steht, klingt in 2. Petrus 3,8 an: „Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.“

3.1.6 Gott, der Liebende Nach oben

Im Alten wie im Neuen Bund zeigt sich Gott als der Liebende. Aus Liebe hat er das Volk Israel erwählt und aus der ägyptischen Gefangenschaft befreit. Gott offenbarte sich aber nicht allein dem Volk Israel in seiner geschichtlichen Tat als Liebender, sondern schließlich in Jesus Christus der gesamten Menschheit: So sehr hat Gott die Welt geliebt, „dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3,16).

Gott wendet sich nicht nur der Welt liebend zu, sondern Gott ist die Liebe (1Joh 4,16).

3.1.7 Gott, der Gnädige und Gerechte Nach oben

Gott ist der Gnädige. Seine Gnade ist Teil seiner Gerechtigkeit. Er erweist den Menschen Gnade, Barmherzigkeit, Geduld und Güte (Ps 103,8). Gott gewährt nach seiner Gerechtigkeit seinem Volk Gnade, selbst wenn es auf Abwege gerät oder den Bund nicht hält: „Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser“ (Jes 54,8).

Dass Gott der Gnädige ist, zeigt sich im Neuen Bund daran, dass er sich dem in Sünde verstrickten Menschen zuwendet und Sünde vergibt. Apostel Paulus bezeugt, dass Gott in Christus war und die Welt mit sich selber versöhnte (2Kor 5,19). Aus Gnaden spricht Gott den Ungerechten gerecht; der Sünder wird der Vergebung teilhaftig, der Heilsbedürftige erfährt Heil, also Erlösung.

Gott ist gerecht: „Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht“ (5Mo 32,4). Aussagen wie „Der Sünde Sold ist der Tod“ (Röm 6,23) oder „Allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht“ (Offb 16,7) machen seine Gerechtigkeit deutlich. Er ist derjenige, der im Neuen Bund dem Sünder ohne Verdienst Gerechtigkeit durch Jesus Christus schenkt (Röm 3,24-26; 5,18).

3.1.8 Gott, der Vollkommene Nach oben

Gott ist vollkommen. Er bedarf keiner Verbesserung, irgendeiner Veränderung oder Weiterentwicklung. Er ist der Unwandelbare und von allen Bedingungen und Zwängen Freie. Sein Tun geschieht nicht aufgrund von äußerer Notwendigkeit, sondern allein aufgrund seines völlig souveränen Willens.

Mose gegenüber gab sich Gott als der mit sich völlig Identische und Vollkommene zu erkennen: „Ich werde sein, der ich sein werde“ (2Mo 3,14).

Vollkommenheit und Gutsein Gottes stehen in einem engen Verhältnis: Alles, was in Gott geschieht, alles, was von ihm ausgeht oder geschaffen wird, ist vollkommen und gut. Gottes Vollkommenheit zeigt sich auch darin, dass es zwischen Willen und Tat, zwischen Absicht und Verwirklichung keinerlei Differenz gibt. Bei Gott findet sich auch kein Misslingen oder etwas, das in sich unvollkommen wäre. Die Schöpfung hat Anteil an Gottes Vollkommenheit und Gutsein, von daher befindet Gott seine Schöpfung als „sehr gut“ (1Mo 1,31).

Zur Vollkommenheit Gottes gehört auch die Wahrheit. Bei Gott finden sich keine Lüge, Täuschung oder Unsicherheit. „Dein Wort ist nichts als Wahrheit“ (Ps 119,160). Das göttliche Wort ist zuverlässig, Gott bindet sich an seine Zusagen und ist treu.

Die Wahrheit Gottes korrespondiert mit der Weisheit. Gott regiert und erfüllt die gesamte Schöpfung mit ihr: „Kraftvoll erstreckt sie sich von einem Ende zum andern und regiert das All vortrefflich“ (Weish 8,1).

Unmittelbar erfahrbar wird Gottes Vollkommenheit in Jesus Christus, „dem Anfänger und Vollender des Glaubens“ (Hebr 12,2), denn er ist in seinem Sprechen und Handeln vollkommen. Jesus Christus ist das Vorbild und der Lehrer für die Vollkommenheit, die der Mensch anstreben soll (Phil 2,5).

Das „vorgesteckte Ziel“, „der Siegespreis der himmlischen Berufung“ (Phil 3,12-16) — also die Vollkommenheit —, ist eschatologischer Natur. Vollkommenheit kann vom sündhaften Menschen wohl angestrebt, doch nicht verwirklicht werden. Durch die Annahme bei der Wiederkunft Christi und die Teilhabe an der neuen Schöpfung schenkt Gott dem Menschen schließlich umfassenden Anteil an seiner Vollkommenheit.

EXTRAKT Nach oben

Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind der eine Gott, der von Anfang ist, schafft, wirkt und erhält. (3)

Gott ist in seinem Wesen und Wirken vom Menschen mit dem Verstand nicht zu erfassen — Zugang zu ihm ist allein durch den Glauben möglich. (3.1)

Der eine Gott ist der Dreieine: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Damit sind nicht drei Götter gemeint, sondern drei Personen (Hypostasen). (3.1.1)

Der Glaube an den einen Gott (Monotheismus) gehört zu den grundlegenden Bekenntnissen des Alten und Neuen Testaments und ist im christlichen Glauben von den frühesten apostolischen Gemeinden an bis in die Gegenwart hinein verankert. (3.1.2)

Heiligkeit — Majestät, Unantastbarkeit, Abgeschiedensein vom Profanen — gehört zum Wesen Gottes, zu seinem Sein und Walten. Sein Wort und Wille sind ebenso heilig. (3.1.3)

Gott vermag alles, für ihn gibt es keinerlei Begrenzungen. Zu seiner Allmacht gehören Allwissenheit und Allgegenwart. (3.1.4)

Gott hat weder Anfang noch Ende. Gottes Ewigkeit ist unendlich, jedoch keine Zeitlosigkeit. Er ist Schöpfer der Zeit und über alle Zeitdimensionen erhaben. Vor ihm sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen präsent. (3.1.5)

Gott ist die Liebe. Er zeigt sich auch in der Geschichte als der Liebende. Dies wird vor allem deutlich in der Hingabe seines Sohnes für die gesamte Menschheit. (3.1.6)

Gott ist der Gnädige und der Gerechte. Seine Gnade zeigt sich auch daran, dass er Sünde vergibt. Er schenkt dem Sünder Gerechtigkeit durch Jesus Christus. (3.1.7)

Gott ist der Vollkommene. Seine Werke und Wege sind ohne Mangel. Sein Tun geschieht allein aufgrund seines völlig souveränen Willens. Gott bindet sich an seine Zusagen und ist treu. Unmittelbar erfahrbar wird Gottes Vollkommenheit in Jesus Christus. (3.1.8)

3.2 Gott — Vater, Sohn und Heiliger Geist Nach oben

Gott hat sich selbst offenbart als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist. So lässt sich Gott als der Dreieinige erkennen. Diese Selbstoffenbarung Gottes bildet die Grundlage der Lehre von der Dreieinigkeit (Trinität). Gottes Wirken in der Geschichte und der Schöpfung findet jeweils als das des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes statt. Gott offenbart sich als Schöpfer, als Erlöser und Versöhner und als Neuschöpfer. Im Leben Jesu — bei seiner Taufe, Verklärung, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt — sowie bei der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten gab Gott sein dreieiniges Wesen kund: Er ist Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Das Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes kommt im Alten und Neuen Testament in unterschiedlicher Weise zur Sprache. Dabei findet sich aber in der Heiligen Schrift weder der Begriff noch eine Lehre von der Dreieinigkeit. Sie wurde in der frühen Kirche aufgrund biblischer Zeugnisse erkannt und formuliert.

3.2.1 Hinweise auf den dreieinigen Gott im Alten Testament Nach oben

Ein erster Hinweis auf das Wirken des dreieinigen Gottes steht im ersten Schöpfungsbericht (1Mo 1,1-31; 2,1-4). Dort wird gesagt: „Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ (1Mo 1,2), sowie: „Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“ (1Mo 1,26). Die im hebräischen Text verwendete Gottesbezeichnung „Elohim“ ist Mehrzahl, bedeutet „das Göttliche“ und auch „Götter“ und ist im Licht des Evangeliums als Hinweis auf den dreieinigen Gott zu verstehen.

Die unterschiedlichen göttlichen Manifestationen „Engel des Herrn“ (1Mo 16,7-11.13; 2Mo 3,2-5; Ri 6,11-16), „Geist Gottes“ oder „Geist des Herrn“ (Ri 3,10; 1Sam 16,13) werden als Andeutungen des Geheimnisses der Dreieinigkeit Gottes aufgefasst. Auch sprechen dazu die Begebenheiten und Hinweise, in denen die Dreizahl erscheint:

  • Die drei Gottesboten, die zu Abraham kommen (1Mo 18), werden in der christlichen Tradition als Andeutung des Geheimnisses der göttlichen Dreieinigkeit verstanden.

  • Ebenso wird das Wirken des dreieinigen Gottes aus dem Aaronitischen Priestersegen in Mose 6,24-26 gedeutet: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“

  • Auch der dreifache Lobpreis des Engels in der Berufungsvision des Propheten Jesaja wird als Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes angesehen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ (Jes 6,3).

3.2.2 Hinweise auf den dreieinigen Gott im Neuen Testament Nach oben

Wenn sich auch im Neuen Testament keine ausformulierte Lehre von der Trinität findet, sind doch Geschehnisse und Formulierungen überliefert, die die göttliche Dreieinigkeit in ihrer heilsgeschichtlichen Wirksamkeit deutlich machen. Ein Beispiel für die Gegenwart des dreieinigen Gottes findet sich gleich zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu, als bei seiner Taufe der Vater und der Heilige Geist die Sendung des Mensch gewordenen Gottessohnes bezeugen: „Alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (Mk 1,10.11). Der Gottessohn, so zeigt sich an dieser Stelle, wirkt in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist.

Vater, Sohn und Heiliger Geist werden auch im Taufbefehl genannt, den Jesus Christus vor seiner Himmelfahrt den Aposteln gab (Mt 28,18.19).

Hinweise auf die Zusammengehörigkeit der göttlichen Personen finden sich im Johannes-Evangelium, wenn von der Einheit des Sohnes mit dem Vater die Rede ist und Jesus Christus spricht: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30; vgl. Joh 1,1.18). Auch die Verheißung des Heiligen Geistes verweist auf die Trinität Gottes (Joh 16,13-15).

In den Briefen des Neuen Testaments gibt es weitere Hinweise auf die Dreieinigkeit Gottes. Sie finden sich im Lobpreis Gottes oder auch in Segensformeln. So heißt es in 1. Korinther 12,4-6: „Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.“ Die Einzigkeit Gottes wird hier ebenso angesprochen wie die unterschiedlichen personalen Selbstoffenbarungen. Dass das Wirken Gottes Hinweise auf sein trinitarisches Wesen enthält, bezeugt auch Epheser 4,4-6: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“ Auch in 1. Petrus 1,2 wird vom Heilshandeln des dreieinigen Gottes gesprochen: „[...] die Gott, der Vater, ausersehen hat durch die Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi.“

Einen deutlichen Verweis auf die Dreieinigkeit Gottes stellt die Segensformel am Schluss des zweiten Korintherbriefs dar: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2Kor 13,13).

3.2.3 Entwicklung der Lehre von der Dreieinigkeit Nach oben

Das Erkennen der Dreieinigkeit Gottes und ihre Darstellung in Lehrsätzen setzten schon kurz nach Abfassung der neutestamentlichen Schriften ein. Um diese Zusammenhänge sprachlich zu fassen, wurden antike philosophische Begriffe wie „Person“ oder „Hypostase“ sowie „Substanz“ benutzt. Eine Lehre von der Dreieinigkeit zu formulieren, diente zum einen dazu, die aus dem Glauben gewonnene Erkenntnis zu versprachlichen; zum anderen ging es darum, den Glauben vor Irrlehren zu schützen, die ein Gottesbild zu vermitteln suchten, das dem des neutestamentlichen Zeugnisses nicht entsprach. Die Lehre von der Dreieinigkeit wurde auf den ersten Konzilien des vierten und fünften Jahrhunderts ausformuliert.

Der Begriff „Trinität“ wurde von Theophilos von Antiochia, der in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts lebte, geprägt; der Kirchenlehrer Tertullian (* um 160, † um 220) machte ihn populär. Tertullian betonte die Einheit Gottes — „eine [göttliche] Substanz [in] drei Personen“ (lat.: „una substantia tres personae“) — und bezog erstmals den Begriff „Person“ auf Vater, Sohn und Heiligen Geist.

Auf dem Konzil von Nizäa (325) wurde die göttliche Wesenseinheit von Vater und Sohn ausdrücklich festgehalten. Unmittelbaren Anlass hierfür gab die Lehre des Arius († 336), der behauptete, dass der präexistente Sohn vom Vater aus dem Nichts erschaffen worden, also die erste Schöpfertat Gottes gewesen sei. Dagegen bestand das Konzil darauf, dass der Sohn kein Geschöpf, sondern von Ewigkeit her Teil der Dreieinigkeit Gottes ist.

Diese als „Arianischer Streit“ bekannte Kontroverse war mit dem Konzil von Nizäa nicht beendet, sondern zog sich bis zum Konzil von Konstantinopel (381) hin. Auf diesem Konzil wurde zum Ausdruck gebracht, dass der Heilige Geist ebenso Person und wahrer Gott ist wie der Vater und der Sohn.

In den darauffolgenden Jahren wurde bis auf wenige Ausnahmen die Trinitätslehre in der Christenheit allgemein anerkannt. Allerdings waren die Überlegungen zur Trinitätslehre noch nicht abgeschlossen. Vor allem durch den Einfluss des Kirchenvaters Augustinus (* 354, † 430) wurde später in der Westkirche betont, dass der Heilige Geist gleichermaßen vom Vater und vom Sohn ausgehe. Dagegen beharrte die Ostkirche auf einer älteren Fassung des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel, die besagt, dass der Heilige Geist vom Vater durch den Sohn ausgehe.

Die Reformatoren haben den Glauben an die Dreieinigkeit Gottes von der alten Kirche (zweites bis sechstes Jahrhundert) übernommen. Die Lehre von der Trinität ist — bis auf die oben genannte abweichende Auffassung über den Heiligen Geist — allen christlichen Kirchen gemein. Sie gehört zu den grundlegenden Aussagen des christlichen Glaubens und ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den beiden anderen abrahamitischen Religionen, dem Judentum und dem Islam.

Auf der elften Kirchensynode von Toledo (675) wurde verkündigt: „Der Vater ist dasselbe wie der Sohn, der Sohn dasselbe wie der Vater, der Vater und der Sohn dasselbe wie der Heilige Geist, nämlich von Natur ein Gott.“

3.2.4 Die Einheit der drei göttlichen Personen Nach oben

Christen bekennen den einen dreieinigen Gott. Jede der göttlichen Personen — Vater, Sohn und Heiliger Geist — ist wahrer Gott. Der christliche Glaube besagt, dass Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, schon immer, das heißt von Ewigkeit her, ist.

„Vater“, „Sohn“ und „Heiliger Geist“ sind demnach nicht nur Namen, die unterschiedliche Seins- oder Offenbarungsweisen Gottes bezeichnen, sondern die drei Namen stehen für die in ihrem Sein voneinander verschiedenen göttlichen Personen. Tatsächlich ist der Vater nicht derselbe wie der Sohn, und der Sohn ist nicht derselbe wie der Vater; der Heilige Geist ist nicht derselbe wie der Vater oder der Sohn: Denn der Vater ist der Zeugende, der Sohn ist der Gezeugte und der Heilige Geist ist der aus beiden Hervorgehende.

Die drei göttlichen Personen beziehen sich immerwährend aufeinander und sind ewig eins. Die Verschiedenheit der drei göttlichen Personen zerteilt die Einheit Gottes nicht, denn sie sind eine Natur bzw. Substanz. In ihnen gibt es keinen Gegensatz des Willens. Der Vater ist ganz im Sohn, ganz im Heiligen Geist; der Sohn ist ganz im Vater, ganz im Heiligen Geist; der Heilige Geist ist ganz im Vater, ganz im Sohn.

Christen bekennen, dass alle Taten Gottes in Schöpfung, Erlösung und Neuschöpfung Taten des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes sind. Zwar sind alle göttlichen Taten zugleich Taten des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, doch nicht immer in gleicher Weise. Zwar ist die Schöpfung das Werk Gottes, des Vaters, und Gottes, des Sohnes, nicht aber ist Gott, der Vater, oder Gott, der Heilige Geist, Mensch geworden, sondern allein Gott, der Sohn. Nicht der Vater oder der Sohn, sondern allein der Heilige Geist ist ausgegossen. In der christlichen Tradition wird den drei göttlichen Personen jeweils ein Schwerpunkt zugeordnet (Appropriation): Gott, der Vater, ist Schöpfer, der Sohn Erlöser und der Heilige Geist Neuschöpfer.

EXTRAKT Nach oben

Gottes Wirken in Schöpfung und Geschichte ist Handeln des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. (3.2)

Hinweise auf die Dreieinigkeit Gottes finden sich im ersten Schöpfungsbericht, in den drei Gottesboten bei Abraham, im dreifachen Aaronitischen Segen und im dreifachen Lobpreis des Engels in der Berufungsvision des Propheten Jesaja. (3.2.1)

Ein Beispiel für die Gegenwart des dreieinigen Gottes findet sich bei der Taufe Jesu, bei der der Vater und der Heilige Geist die Sendung des Sohnes bezeugen. Vater, Sohn und Heiliger Geist werden auch in Jesu Taufbefehl genannt sowie in der Segensformel in 2. Korinther 13,13. (3.2.2)

Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist auf den Konzilien des vierten und fünften Jahrhunderts formuliert worden. Auf dem Konzil von Nizäa wurde die göttliche Wesenseinheit von Vater und Sohn verbindliche Lehre. Auf dem Konzil von Konstantinopel wurde die Wesenseinheit des Heiligen Geistes mit dem Vater und dem Sohn festgeschrieben. (3.2.3)

„Vater“, „Sohn“ und „Heiliger Geist“ sind in ihrem Sein verschiedene göttliche Personen, sie beziehen sich immerwährend aufeinander und sind ewig eins. (3.2.4)

In der christlichen Tradition wird den drei göttlichen Personen jeweils ein Schwerpunkt zugeordnet: Gott, der Vater, ist Schöpfer, Gott, der Sohn, ist Erlöser, Gott, der Heilige Geist, ist Neuschöpfer. (3.2.4)

3.3 Gott, der Vater Nach oben

Gott offenbart sich als Vater in nicht zu überbietender Weise in der Menschwerdung Gottes, des Sohnes: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. [...] Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt“ (Joh 1,14.18). Von Ewigkeit her zeugt Gott, der Vater, seinen eingeborenen (das heißt: einzig geborenen) Sohn (siehe 3.4.1). Dieses Geheimnis erschließt sich nur dem, dem es der Sohn offenbart: „Niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will“ (Mt 11,27).

Wenn der Glaubende den Begriff „Vater“ im Zusammenhang mit Gott verwendet, verbinden sich damit die Gesichtspunkte des Erschaffens, der Autorität und der Fürsorge. Gott ist Ursprung und Erhalter des von ihm Geschaffenen. Insofern darf jeder Mensch Gott, der sein Schöpfer ist, als Vater ansprechen.

In alttestamentlicher Zeit offenbarte sich Gott als liebender und sorgender Vater in Hinsicht auf das Volk Israel. Zu Mose sagte er: „Und du sollst zu ihm [dem Pharao] sagen: So spricht der Herr: Israel ist mein erstgeborener Sohn; und ich gebiete dir, dass du meinen Sohn ziehen lässt, dass er mir diene“ (2Mo 4,22.23). Das Volk Israel nennt Gott „Vater“ (5Mo 32,6; Jer 31,9). Als Jesus in der Bergpredigt zu den Juden sprach, bezeichnete er Gott ebenfalls als ihren Vater (Mt 5,16). Er forderte dazu auf, Gott mit den Worten anzurufen: „Unser Vater im Himmel“ (Mt 6,9).

Jesus Christus hat den Menschen den Weg eröffnet, durch die Wiedergeburt aus Wasser und Geist Kinder und somit Erben des Allerhöchsten zu werden (Eph 1,5; Tit 3,5-7; Röm 8,14-17). Damit haben die Begriffe „Vater“ und „Kind“ eine neue Dimension gewonnen. In 1. Johannes 3,1 wird die väterliche Liebe Gottes als Grund dafür genannt, dass der Wiedergeborene sich seines Kindschaftsverhältnisses gewiss sein darf: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen — und wir sind es auch!“

3.3.1 Gott, der Schöpfer Nach oben

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (1Mo 1,1). Diese Aussage aus dem ersten Vers der Heiligen Schrift spricht eine Grundwahrheit aus, die im ersten Glaubensartikel bekannt wird. Gott hat die himmlischen Welten sowie das All geschaffen und dabei der Erde im Universum ihren Platz gegeben: Hier ist Gott Mensch geworden.

Aus Gottes Schöpfungswirken ist alles hervorgegangen, was existiert. Zum einen hat Gott aus dem Nichts („creatio ex nihilo“) und ohne Vorbild, also vollkommen frei geschaffen: „Gott [...] ruft das, was nicht ist, dass es sei“ (Röm 4,17; vgl. Hebr 11,3). Zum anderen hat er Dinge und Lebewesen aus der von ihm geschaffenen Materie gestaltet (1Mo 2,7.8.19). Ihm ist alles Geschaffene unterworfen.

Die Schöpfung und ihre Ordnung legen Zeugnis ab von Gottes Weisheit, von deren Größe der Mensch sich keine Vorstellung machen kann. Bewundernd ruft der Psalmist aus: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter“ (Ps 104,24).

Im Neuen Testament wird offenbar, dass Gott alles durch seinen Sohn geschaffen hat. Dies geht vor allem aus dem Beginn des Johannes-Evangeliums hervor: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist“ (Joh 1,1-3; vgl. Kol 1,16; Hebr 1,2) (siehe 3.4.2).

Wie der Vater und der Sohn ist auch der Heilige Geist Schöpfer. Dies klingt in den Worten an: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“ (1Mo 1,26).

Der dreieinige Gott hat durch sein Wort die materielle Welt geschaffen, er erhält ihren Bestand und lenkt sie. Insofern ist in der Schöpfung nicht nur das Geheimnis des Ursprungs und des Anfangs enthalten, sondern ebenso des Fortgangs und der Zukunft. In allem zeigt sich die stetige Fürsorge des Schöpfers: „Denn du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast; denn du hast ja nichts bereitet, gegen das du Hass gehabt hättest. Wie könnte etwas bleiben, wenn du nicht wolltest? Oder wie könnte erhalten werden, was du nicht gerufen hättest? Du schonst aber alles; denn es gehört dir, Herr, du Freund des Lebens, und dein unvergänglicher Geist ist in allem“ (Weish 11,24-12,1).

EXTRAKT Nach oben

Gott offenbart sich als Vater in nicht zu überbietender Weise in der Menschwerdung Gottes, des Sohnes. (3.3)

Wird der Begriff „Vater“ im Zusammenhang mit Gott verwendet, verbinden sich damit die Gesichtspunkte des Erschaffens, der Autorität und der Fürsorge. (3.3)

Gott hat durch sein Wort alles geschaffen, was existiert. Zum einen hat Gott aus dem Nichts und ohne Vorbild geschaffen. Zum anderen hat er Dinge und Lebewesen aus der von ihm geschaffenen Materie gestaltet. Ihm ist alles Geschaffene unterworfen. Er erhält die Schöpfung und lenkt sie. (3.3.1)

3.3.1.1 Die unsichtbare Schöpfung Nach oben

Eine unsichtbare Welt — Bereiche, Vorgänge, Zustände und Wesen außerhalb der materiellen Welt — wird in der Heiligen Schrift vielfach bezeugt. Sie ist von Gott geschaffen und wird „unsichtbare Schöpfung“ genannt. Zuweilen wird dafür auch der Begriff „Jenseits“ verwendet, wodurch betont wird, dass die unsichtbare Schöpfung jenseits des menschlichen Wahrnehmungsvermögens ist. Ihre Geheimnisse entziehen sich — wie Gott selbst — menschlichem Forschen. Jedoch können dem Menschen Einblicke in die unsichtbare Schöpfung durch göttliche Offenbarungen gewährt werden.

Die unsichtbare Welt lässt sich mit menschlichen Begriffen eigentlich nicht beschreiben, da diese auf die menschliche Erfahrungswelt (das Sichtbare) bezogen sind. Dennoch verwendet die Heilige Schrift derartige Begriffe, um in bildhafter Sprache Aussagen zum Unsichtbaren zu machen.

Aus dem biblischen Bericht ist festzuhalten: Zur unsichtbaren Schöpfung zählen das Reich, in dem Gott thront (Offb 4 und 5), die Engel (siehe 3.3.1.1.1), die unsterbliche Seele des Menschen (siehe 3.3.4) sowie das Reich des Todes (siehe 9). Der Teufel, Widersacher Gottes und Feind der Menschen, sowie sein Anhang gehören ebenfalls zur unsichtbaren Welt, wenngleich sie nicht als böse geschaffen sind (siehe 4.1 und 4.1.2).

3.3.1.1.1 Die Engel Nach oben

Der Begriff „Engel“ ist die Übersetzung des hebräischen Wortes „malak“ bzw. des griechischen Wortes „angelos“. Beide Wörter werden in den jeweiligen hebräischen oder griechischen Texten der Heiligen Schrift hin und wieder in der allgemeinen Bedeutung „Bote, Gesandter“ gebraucht, hauptsächlich aber für himmlische Gottesboten verwendet [4].

Aufgabe der Engel ist es, Gott anzubeten, seine Aufträge zu erfüllen und ihm dadurch zu dienen. Engel können nach Gottes Willen im Einzelfall sichtbar werden. Die Heilige Schrift berichtet davon, dass Engel auf Gottes Geheiß Menschen Botschaften überbrachten. Vielfach ist bezeugt, dass Engel auch den Menschen dienten, indem sie ihnen in Gottes Auftrag Hilfe oder Schutz boten. Sie sind „allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen“ (Hebr 1,14). Matthäus 18,10 deutet darauf hin, dass Kindern Engel zugeordnet sind, die allezeit das Angesicht Gottes sehen.

Die den Menschen durch Engel erbrachten Dienste gründen immer auf dem Willen Gottes. Deshalb kommt nicht den Engeln Dank oder Verehrung zu, sondern allein Gott: „Ich bin Rafael, einer von den sieben Engeln, die vor dem Herrn stehen. [...] Denn nach Gottes Willen ist es geschehen, dass ich bei euch gewesen bin; darum lobt und preist ihn!“ (Tob 12,15.18).

Von der großen Anzahl der Engel vermittelt die Formulierung „Menge der himmlischen Heerscharen“ in Lukas 2,13 einen gewissen Eindruck; ebenso der Hinweis Jesu in Matthäus 26,53, sein Vater könne ihm sogleich mehr als zwölf Legionen Engel senden. Die Engel werden als „starke Helden“ bezeichnet (Ps 103,20) und als heilige und majestätische Wesen beschrieben. Sie können bei den Menschen auch Erschrecken und Furcht auslösen (Lk 1,11.12.29; 2,9.10).

Zudem berichtet die Heilige Schrift von den Cherubim, die nach dem Sündenfall den Zugang zum Baum des Lebens bewachen (1Mo 3,24), und von den Serafim, die der Prophet Jesaja in einer Vision sah, wie sie am Throne Gottes dienen (Jes 6,2-7).

Die biblische Darstellung lässt darauf schließen, dass es in der Engelwelt Rangstufen gibt: Man liest vom Engelfürsten oder Erzengel Michael (Dan 10,13; 12,1; Jud 9) sowie von Gabriel und Rafael, die vor Gott stehen (Lk 1,19; Tob 12,15) und demzufolge eine herausgehobene Stellung zu haben scheinen. Genaue Aufschlüsse über Ordnungen in der Engelwelt gibt die Heilige Schrift nicht.

Gottes Liebe zu den Menschen zeigt sich unter anderem darin, dass er Engel auch den Menschen dienen lässt.

[4] Ein Beispiel dafür, dass in der Heiligen Schrift auch Menschen als „Engel“ bezeichnet werden, findet sich in den Kapiteln 2 und 3 der Offenbarung. Unter den dort genannten „Engeln der Gemeinden“ sind die jeweiligen Vorsteher zu verstehen.

3.3.1.1.2 Bedeutung des Unsichtbaren für das Leben des Menschen Nach oben

Von großer Bedeutung für den Menschen ist der Glaube, dass Seele und Geist nach seinem leiblichen Tod im Jenseits ewig fortbestehen (1Petr 3,19; 1Kor 15). Die Haltung, die der Mensch auf Erden gegenüber Gott einnimmt, hat Auswirkungen auf sein Dasein im Jenseits. Diese Einsicht kann dazu beitragen, den Versuchungen des Teufels zu widerstehen und ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen.

In diesem Sinne ist eine Beschäftigung mit dem Jenseitigen, dem Unsichtbaren, förderlich. Hingegen entspricht die Beschäftigung mit dem Unsichtbaren in Form von Geisterbeschwörung oder Totenbefragung nicht dem Willen Gottes (5Mo 18,10.11; 1Sam 28).

Das Besondere des Unsichtbaren macht Apostel Paulus deutlich: „Unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig“ (2Kor 4,17.18).

EXTRAKT Nach oben

Eine unsichtbare Welt (unsichtbare Schöpfung, Jenseits) wird in der Heiligen Schrift vielfach bezeugt. Zu ihr zählen das Reich, in dem Gott thront, die Engel, die unsterbliche Seele des Menschen sowie das Reich des Todes. Auch der Teufel und sein Anhang gehören zur unsichtbaren Welt. (3.3.1.1)

Unter „Engeln“ sind in erster Linie himmlische Gottesboten zu verstehen, deren Aufgabe es ist, Gott anzubeten und ihm zu dienen. In der Engelwelt gibt es nach biblischer Darstellung Rangstufen, „Engelfürsten“ oder „Erzengel“. Genaue Aufschlüsse über Ordnungen in der Engelwelt gibt die Heilige Schrift nicht. (3.3.1.1.1)

In der unsichtbaren Welt bestehen Seele und Geist des Menschen ewig fort. Diese Einsicht kann dazu beitragen, in Versuchungen zu widerstehen und ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen. (3.3.1.1.2)

3.3.1.2 Die sichtbare Schöpfung Nach oben

Die Heilige Schrift bezeugt, dass Gott die sichtbare Welt in sechs „Schöpfungstagen“ erschaffen hat. Darunter sind nicht näher bestimmte Zeiträume zu verstehen. Die Bibel berichtet, wie das vom Menschen Wahrnehmbare ins Dasein gerufen worden ist: Gott ist der Urheber der gesamten erfahrbaren Wirklichkeit. Auf sein Wort hin entstanden Himmel und Erde, das Licht, die Gestalt der Erde, Sonne, Mond und Sterne, die Pflanzen und Tiere sowie der Mensch — und alles war sehr gut (1Mo 1,31).

Obwohl die Schöpfung unter die Folge des Sündenfalls gekommen ist, bleibt es doch bei ihrer grundlegend positiven Bewertung durch Gott. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass er über die Ordnung wacht, die er seiner Schöpfung gegeben hat (1Mo 8,22). So legt die sichtbare Schöpfung — auch im Zustand ihres Gefallenseins — beredtes Zeugnis ab von Gott, dem Schöpfer (Röm 1,20). Auch tritt Gott durch die Menschwerdung in die materielle Schöpfung ein.

Gott hat den Menschen ihren Lebensraum zugewiesen und ihnen den Auftrag erteilt, über die Erde zu herrschen und sie zu bewahren (1Mo 1,2-30; Ps 8,7). Im Umgang mit der Schöpfung ist der Mensch Gott, dem Schöpfer, gegenüber verantwortlich. Er ist gehalten, alles Leben und den Lebensraum wertschätzend zu behandeln.

3.3.2 Der Mensch als Ebenbild Gottes Nach oben

Unter allen Kreaturen hat Gott dem Menschen eine herausragende Stellung verliehen und ihn dabei in eine enge Beziehung zu sich selbst gebracht: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau“ (1Mo 1,26.27).

Dabei zeichnet den Menschen aus, dass er gleichermaßen auf die sichtbare und die unsichtbare Schöpfung bezogen ist, denn er hat materielles und immaterielles Wesen aufgrund der göttlichen Tat: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen“ (1Mo 2,7). Gott gibt seinem vornehmsten Geschöpf Lebenskraft und gewährt ihm auch Anteil an göttlichen Wesensmerkmalen, wie Liebe, Personalität, Freiheit, Vernunft, Unsterblichkeit. Gott befähigt den Menschen, den Schöpfer zu erkennen, ihn zu lieben und zu preisen. Insofern ist der Mensch auf Gott ausgerichtet, auch wenn er den wahren Gott nicht immer erkennt und an seine Stelle etwas anderes setzt.

Weil Gott es ist, der dem Menschen sowohl leibliches als auch geistiges Wesen verliehen hat, kommt beidem eine zu respektierende Würde zu.

Ebenbildlichkeit“ bedeutet, dass der Mensch innerhalb der sichtbaren Schöpfung eine Ausnahmestellung hat: Er ist der von Gott Angesprochene und Geliebte.

Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen verweist darüber hinaus darauf, dass Gott in Jesus Christus, dem „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15), Mensch geworden ist. Jesus Christus ist der zweite „Adam“ (1Kor 15,45.47), an dem die Gottesebenbildlichkeit in vollkommener Weise ersehen werden kann.

Dass der Mensch zu Gottes Ebenbild geschaffen ist, besagt jedoch nicht, dass man von der Person des Menschen aus auf Gottes Wesen schließen könnte — das ist einzig bei Jesus Christus der Fall.

Gott hat den Menschen als ein mit Sprache begabtes Wesen erschaffen. Auch dies steht in Zusammenhang mit der Ebenbildlichkeit. Gott ist ein Sprechender von Ewigkeit her. Er hat durch das Wort alles gemacht und den Menschen bei seinem Namen gerufen. Im Vernehmen der göttlichen Ansprache nimmt der Mensch sich als Person wahr — am „Du“ Gottes wird der Mensch zum „Ich“. Er ist befähigt, Gott zu loben, sich ihm im Gebet mitzuteilen und auf Gottes Wort zu hören.

Auch die Möglichkeit, sich frei zu entscheiden, geht darauf zurück, dass der Mensch zu Gottes Ebenbild geschaffen ist. Mit dieser verliehenen Freiheit ist dem Menschen zugleich die Verantwortung für sein Handeln auferlegt. Er kommt unter die Folgen seines Tuns (1Mo 2,16.17).

Mann und Frau sind gleichermaßen Gottes Ebenbild, insofern sind beide ihrem Wesen nach gleich. Sie sind nicht nur miteinander, sondern auch füreinander erschaffen worden und haben denselben Auftrag: über die Erde zu „herrschen“, nämlich sie zu gestalten und zu bewahren. Die dem Menschen gewährte Vollmacht berechtigt ihn jedoch nicht, mit der Schöpfung willkürlich umzugehen. Vielmehr obliegt ihm, weil er Gottes Ebenbild ist, die Schöpfung so zu behandeln, wie es göttlichem Wesen entspricht: mit Weisheit, Güte und Liebe.

EXTRAKT Nach oben

Gott, der Urheber der gesamten erfahrbaren Wirklichkeit, hat dem Menschen seinen Lebensraum zugewiesen und den Auftrag erteilt, über die Erde zu herrschen und sie zu bewahren. Der Mensch ist gehalten, alles Leben und den Lebensraum wertschätzend zu behandeln. (3.3.1.2)

Gott hat den Menschen zu seinem Ebenbild erschaffen, der Mensch ist gleichermaßen auf die sichtbare und die unsichtbare Schöpfung bezogen. Gott gibt dem Menschen Lebenskraft („Odem“) und gewährt ihm Anteil an göttlichen Wesensmerkmalen. (3.3.2)

Ebenbildlichkeit“ bedeutet, dass der Mensch innerhalb der sichtbaren Schöpfung eine Ausnahmestellung hat: Er ist der von Gott Angesprochene und Geliebte. Mann und Frau sind gleichermaßen Gottes Ebenbild. (3.3.2)

3.3.3 Der Fall des Menschen Nach oben

Gott hat dem Menschen nach seiner Erschaffung unmittelbaren Umgang mit sich gewährt. Durch das Gebot, nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen, erzeigt er sich dem Menschen gegenüber als Herr und Gesetzgeber, der Gehorsam erwartet.

Durch den Einfluss des Bösen gerät der Mensch in Versuchung und erliegt ihr, indem er gegen das von Gott gegebene Gebot verstößt: Die Sünde ist in das Dasein des Menschen getreten; mit ihr verbunden ist die Trennung von Gott, der geistliche Tod. Dem Menschen wird dies deutlich im Erkennen seiner Blöße, für die er sich schämt (1Mo 3,7-10). Die Scham ist ein Zeichen dafür, dass das ursprüngliche Vertrauen des Menschen zu seinem Schöpfer zerstört ist. Der Ungehorsam des Menschen führt dazu, dass Gott ihn aus der bisherigen Gemeinschaft mit sich ausschließt.

Diese Trennung bewirkt, dass der Mensch nunmehr ein sorgenvolles Dasein auf Erden führen muss; es endet mit dem Tod des Leibes (1Mo 3,16-19). Den Zustand des Getrenntseins von Gott kann der Mensch von sich aus nicht aufheben.

Seit dem Sündenfall ist der Mensch sündhaft, das heißt in Sünde verstrickt und daher unfähig, sündlos zu leben. Er lebt, von Schmerzen und Sorgen begleitet, in einer Welt, auf der Gottes Fluch lastet. Furcht vor dem Tod prägt sein Leben (siehe 4.2.1).

In all dem kommt zum Ausdruck, dass die ursprüngliche Freiheit des Menschen eine entscheidende Einschränkung erfahren hat: Der Mensch kann sich nunmehr zwar bemühen, ein Leben zu führen, das dem Willen Gottes entspricht, er wird aber immer wieder scheitern, weil das Böse Macht über ihn ausübt. So muss er in seinem ganzen Leben „Knecht“ sein, das heißt er ist unfrei und durch die Sünde gebunden.

Doch der Mensch bleibt auch als Sünder nicht ohne Trost und Beistand Gottes, der ihn nicht im Tod lässt. In Gegenwart des Menschen richtet Gott die Worte an die Schlange: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen“ (1Mo 3,15) ein erster Hinweis auf das Opfer Jesu, durch das der Herr das Böse besiegt.

3.3.4 Der Mensch als Einheit von Geist, Seele und Leib Nach oben

Gott hat den Menschen als leibliches und als geistiges Wesen, nämlich Geist und Seele, erschaffen. Der Leib des Menschen ist sterblich, während Geist und Seele unsterblich sind (siehe 9.1).

Der Leib entsteht durch die Zeugung, insofern hat er Anteil an Wesen und Gestalt der Eltern. Die Seele dagegen verdankt sich nicht dem menschlichen Zeugungsakt, sondern wird unmittelbar von Gott geschaffen. An ihr wird also Gottes gegenwärtiges Schöpfersein evident.

Geist und Seele werden in der Bibel nicht eindeutig voneinander abgegrenzt. [5] Durch sie wird der Mensch befähigt, an der geistigen Welt teilzuhaben, Gott zu erkennen sowie Verbindung mit ihm zu haben.

Geist, Seele und Leib dürfen nicht als voneinander unabhängig verstanden werden; vielmehr sind sie aufeinander bezogen, sie durchdringen und beeinflussen sich, denn der Mensch ist eine Einheit: solange er auf Erden lebt, eine Einheit aus Geist, Seele und Leib (1Thess 5,23), die in enger Wechselwirkung miteinander stehen; nach dem Tod des Leibes eine Einheit aus Geist und Seele.

Mit dem Tod ist die Personalität des Menschen nicht aufgehoben. Sie drückt sich nunmehr durch Geist und Seele aus.

Bei der Auferstehung der Toten werden Geist und Seele mit einem Auferstehungsleib vereint (siehe 10.1.2).

[5] Die unsterbliche Seele darf nicht verwechselt werden mit der Psyche des Menschen, die umgangssprachlich ebenfalls als „Seele“ bezeichnet wird. Auch ist der dem unsterblichen Wesen zugehörige Geist vom Intellekt (umgangssprachlich: „menschlicher Geist“) zu trennen.

EXTRAKT Nach oben

Der Böse versucht den Menschen. Dieser erliegt der Versuchung und verstößt gegen das von Gott gegebene Gebot: Die Sünde ist in das Dasein des Menschen getreten. (3.3.3)

Folge der Sünde ist die Trennung von Gott. Außerdem erfährt die ursprüngliche Freiheit des Menschen eine entscheidende Einschränkung: Der Mensch kann sich zwar bemühen, ein Leben nach Gottes Willen zu führen, wird aber immer wieder scheitern. Auch als Sünder bleibt der Mensch nicht ohne Beistand Gottes. (3.3.3)

Gott hat den Menschen als leibliches und geistiges Wesen erschaffen: Der Leib ist sterblich, das geistige Wesen — Geist und Seele — besteht ewig fort. Mit dem Tod ist die Personalität des Menschen nicht aufgehoben. Sie drückt sich nunmehr in Geist und Seele aus. (3.3.4)

3.4 Gott, der Sohn Nach oben

Das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Sohn Gottes gehört zu den Grundlagen des christlichen Glaubens.

Die Aussage des zweiten Glaubensartikels: „Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn“, bringt diesen Glauben in wenigen Worten zur Sprache. Im Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (siehe 2.2.2) wird der Inhalt dieses Glaubens entfaltet: „Wir glauben [...] an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen.“

Wenn von „Gott, dem Sohn“ die Rede ist, dann ist damit die zweite Person der Trinität Gottes gemeint, die in der Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, und Gott, dem Heiligen Geist, von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt und regiert. Der Begriff „gezeugt“ ist nicht biologisch zu verstehen, sondern als Versuch, das geheimnisvolle Verhältnis zwischen Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn, sprachlich zu fassen.

Zwischen Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn, gibt es keinerlei Abstufung — auch wenn die Begriffe „Vater“ und „Sohn“ eine Abfolge bzw. eine Rangfolge nahelegen könnten. Vater und Sohn sind gleichermaßen wahrer Gott; sie sind wesensgleich. Dies wird in Hebräer 1,3 ausgedrückt: Der Sohn „ist [...] das Ebenbild seines [des Vaters] Wesens.“

In Jesus Christus ist Gott, der Sohn, Mensch geworden und zugleich Gott geblieben: Gott ist in die geschichtliche Wirklichkeit eingetreten und hat in ihr gehandelt. Der Glaube an Gott, den Sohn, ist untrennbar mit dem Glauben an Jesus Christus als einer in der Geschichte anwesenden und handelnden Person verbunden. Dies macht das Glaubensbekenntnis dadurch deutlich, dass es auf wesentliche Stationen im Leben des Fleisch gewordenen Gottessohnes verweist und diese zugleich als die Grundlage des heilsgeschichtlichen Geschehens kenntlich macht: „Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben, begraben, eingegangen in das Reich des Todes, am dritten Tag auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er wiederkommen.“

Jesus Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Er hat zwei Naturen, eine menschliche und eine göttliche, die beide unvermischt, unveränderlich, ungetrennt und unteilbar in ihm gegenwärtig sind.

Seiner menschlichen Natur nach ist er den anderen Menschen gleich; er unterscheidet sich nur darin von ihnen, dass er sündlos in die Welt gekommen ist, nie gesündigt hat und Gott, dem Vater, bis zum Tod am Kreuz gehorsam war (Phil 2,8).

Seiner göttlichen Natur nach ist er auch während seiner Erniedrigung auf Erden unverändert wahrer Gott in Allmacht und Vollkommenheit. In vielfältiger Weise hat Jesus das Geheimnis seiner Person offenbart, so beispielsweise mit den Worten in Matthäus 11,27: „Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.“ Die Erkenntnis, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, ist göttliche Offenbarung: „Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn dafür gegeben hat, dass wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1Joh 5,20).

3.4.1 Gottes eingeborener Sohn Nach oben

Die Aussage, Jesus Christus ist der eingeborene Sohn vom Vater (Joh 1,14), findet sich im zweiten Glaubensartikel wieder: „Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn“. Dies besagt: Jesus Christus ist in unvergleichlicher Weise Gottes Sohn. „Eingeboren“ in diesem Sinn heißt: Er ist vom Vater gezeugt und nicht erschaffen. „Er ist [...] der Erstgeborene vor aller Schöpfung“ (Kol 1,15). Der Gottessohn ist beim Vater vor aller Schöpfung (Präexistenz).

In Johannes 3,16 wird Jesus als „Gottes eingeborener Sohn“ bezeichnet. Er ist derjenige, der authentisch den Vater bezeugen kann. In Johannes 1,18 wird dies so ausgedrückt: „Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“

Der Gottessohn ist nicht Geschöpf wie der Mensch, er ist auch nicht den Engeln vergleichbar, die einen Anfang haben. Er ist ohne Anfang und Ende, wesensgleich mit dem Vater — eben „eingeboren“, ewig gezeugt. Den Begriff der „Zeugung“ verwendet Hebräer 1,5 in Anlehnung an Psalm 2,7, um die einzigartige Beziehung zwischen Vater und Sohn auszudrücken.

3.4.2 Das Fleisch gewordene Wort Nach oben

In Johannes 1,1-18 werden grundlegende Aussagen über das Sein Gottes und seine Offenbarung in der Welt gemacht. Es ist vom Anfang die Rede, vom Ursprung, der alles bedingt und von dem alles ausgeht. Dieser Anfang, der in sich voraussetzungslos ist und jenseits aller Zeitlichkeit liegt, wird in enge Verbindung mit dem im Griechischen verwendeten Begriff „logos“ gebracht, der üblicherweise mit „Wort“ übersetzt wird. Der Logos, diese Macht, setzt den Anfang der Schöpfung. Wort und Gott sind dabei unmittelbar aufeinander bezogen: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“ (Joh 1,1). Gott und Wort sind von Ewigkeit her.

In Johannes 1,14 wird die Gegenwart des Logos auf Erden bezeugt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Das überweltliche göttliche Wort, das im Anfang bei Gott ist, tritt nun in die Sphäre des Irdischen ein, mehr noch: Es selbst wird Fleisch — das ewige Wort wird wahrhaftiger Mensch.

Auf das Menschsein des Gottessohnes, auf die geschichtliche Wirklichkeit des „Fleisch gewordenen Wortes“, bezieht sich die Aussage: „Wir sahen seine Herrlichkeit.“ Hier wird auf den Kreis der Zeugen der Wirksamkeit Jesu auf Erden Bezug genommen. Die Apostel und Jünger hatten unmittelbare Gemeinschaft mit Jesus Christus, dem Fleisch gewordenen Wort (1Joh 1,1-3).

Die jenseitige Herrlichkeit des Vaters wird in der diesseitigen Herrlichkeit des Sohnes unmittelbar erfahrbare geschichtliche Wirklichkeit. Insofern kann der Sohn Gottes von sich sagen: „Wer mich sieht, der sieht den Vater!“ (Joh 14,9).

Hebräer 2,14 begründet, warum das Wort Fleisch geworden ist: „Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er´s [Jesus Christus] gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel“.

3.4.3 Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott Nach oben

Die Erkenntnis, dass Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist, also die Zwei-Naturen-Lehre, wurde auf dem Konzil zu Chalcedon (451) lehrmäßig festgeschrieben. Diese Lehre von der Doppelnatur Jesu übersteigt Erfahrungshorizont und Vorstellungswelt des Menschen; es handelt sich um ein Mysterium.

Die Menschwerdung des Sohnes Gottes wird in Philipper 2,6-8 als Selbsterniedrigung beschrieben: „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“

Jesus teilte mit den Menschen das ganze Spektrum körperlicher und seelischer Empfindungen. In seinem Menschsein hatte er einen Leib und entsprechende Bedürfnisse. Lukas 2,52 berichtet, dass Jesus an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen zunahm. Er freute sich auf der Hochzeit zu Kana mit den Fröhlichen. Er litt mit den Traurigen und weinte, als Lazarus gestorben war. Ihn hungerte, als er in der Wüste weilte; ihn dürstete, als er zum Jakobsbrunnen kam. Er litt Schmerz unter den Schlägen der Kriegsknechte. Angesichts seines bevorstehenden Todes am Kreuz bekannte er: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod“ (Mt 26,38).

Dass Jesus Christus tatsächlich wahrer Mensch ist, wird in Hebräer 4,15 gesagt. Hier wird zugleich der Unterschied zu allen anderen Menschen hervorgehoben: Er ist ohne Sünde.

Gleichermaßen ist Jesus Christus wahrer Gott.

Sowohl die Gottessohnschaft als auch das Gottsein Jesu Christi werden in der Heiligen Schrift bezeugt. Bei Jesu Taufe am Jordan war die Stimme vom Himmel zu hören: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Mt 3,17). Auch bei der Verklärung stellte der Vater die Gottessohnschaft Jesu mit dem Hinweis heraus, dass man ihn hören solle (Mt 17,5).

Die Worte Jesu „Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater“ (Joh 6,44) und „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh 14,6) sagen jeweils gleiche göttliche Autorität von Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn, aus. Der Vater zieht den Menschen zum Sohn, und der Sohn führt den Menschen zum Vater.

Nur als wahrer Gott konnte Jesus Christus bekunden: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30) und damit in einfachster Sprache seine Wesensgleichheit mit dem Vater zum Ausdruck bringen.

Weitere biblische Belege, dass Jesus Christus wahrer Gott ist, sind

  • die Handlungsweise der Apostel nach der Himmelfahrt: „Sie aber beteten ihn [Jesus Christus] an“ (Lk 24,52);

  • die Aussage in Johannes 1,18: „Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt“;

  • die Bezeugung des Apostels Thomas, nachdem er den Auferstandenen gesehen hat: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28);

  • das Bekenntnis vom Wesen Jesu in dem Christushymnus: „In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kol 2,9);

  • das Zeugnis in 1. Johannes 5,20: „Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“;

  • die Aussage: Gott „ist offenbart im Fleisch“ (1Tim 3,16).

3.4.4 Hinweise auf Jesus Christus im Alten Testament Nach oben

Schon das Alte Testament gibt Hinweise auf den kommenden Messias, Heiland und Erlöser. So liegt im Fluch über die Schlange unmittelbar nach dem Sündenfall bereits der erste Hinweis auf einen kommenden Erlöser verborgen (1Mo 3,15).

Der Schreiber des Hebräerbriefs sieht im Handeln des Priesterkönigs Melchisedek, der Abraham Brot und Wein bringt und ihn segnet (1Mo 14,17-20; Hebr 7), einen Hinweis auf Jesus Christus.

Gott, der Sohn, begleitete das Volk Israel durch die Geschichte. Apostel Paulus bezeugt ausdrücklich die Gegenwart Christi während der Wüstenwanderung: „Unsre Väter [...] haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken nämlich von dem geistlichen Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus“ (1Kor 10,1-4).

Alttestamentliche Propheten wiesen auf konkrete Einzelheiten im Zusammenhang mit dem Erscheinen des Erlösers hin:

  • Jesaja beschrieb ihn mit Namen, die seine Einzigartigkeit unterstreichen: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“ (Jes 9,5).

  • Micha verkündigte den Geburtsort des Herrn: „Du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist“ (Mi 5,1).

  • Maleachi prophezeite einen Wegbereiter des Gottessohnes: „Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt!, spricht der Herr Zebaoth“ (Mal 3,1). Dieser Wegbereiter ist Johannes, der Täufer (Mt 11,10).

  • Sacharja beschrieb den Einzug des Herrn in Jerusalem: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin“ (Sach 9,9).

So sind die Menschwerdung des Sohnes Gottes sowie sein Weg über die Erde im Alten Testament vorausgesagt worden.

3.4.5 Jesus Christus — der Erlöser Nach oben

Der Name „Jesus“ bedeutet: „Der Herr rettet“. Als der Engel Gabriel die Geburt Jesu ankündigte, gab er zugleich den Namen vor: „Dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden“ (Mt 1,21). So wird schon in der Namensgebung deutlich, dass Jesus der verheißene Retter und Erlöser ist.

In seinen Werken offenbarte sich Jesus Christus als der von Gott gesandte Heiland und Erlöser: „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt“ (Mt 11,5). Erlösung durch Jesus Christus reicht jedoch weit über die Dimension des Sichtbaren, Zeitlichen hinaus in den Bereich des Unsichtbaren, Ewigen. Sie nimmt dem Teufel das Anrecht am Menschen und führt heraus aus Sünde und Tod.

Die Erlösung des Menschen gründet auf dem Opfer Jesu Christi (Eph 1,7). Allein in ihm ist den Menschen das Heil erschlossen (Apg 4,12).

EXTRAKT Nach oben

Gott, der Sohn, ist die zweite Person der Trinität Gottes. In Jesus Christus ist er Mensch geworden und zugleich Gott geblieben: Er ist in die geschichtliche Wirklichkeit eingetreten. (3.4)

Jesus Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott, er hat also zwei Naturen. Seiner menschlichen Natur nach ist Jesus Christus den anderen Menschen gleich — jedoch sündlos. Seiner göttlichen Natur nach ist er auch während seiner Erniedrigung auf Erden unverändert wahrer Gott. (3.4)

Jesus wird als „Gottes eingeborener Sohn“ bezeichnet. Der Sohn Gottes, der „Eingeborene“, ist der vom Vater Gezeugte — also nicht geschaffen, sondern ewig, ohne Anfang und Ende, wesensgleich mit dem Vater. (3.4.1)

Das überweltliche göttliche Wort („logos“), das im Anfang bei Gott ist, tritt in Jesus in die Sphäre des Irdischen und Menschlichen ein. Es „ward Fleisch“ — das ewige Wort wird wahrhaftiger Mensch. Die jenseitige Herrlichkeit des Vaters wird in der diesseitigen Herrlichkeit des Sohnes unmittelbar erfahrbare geschichtliche Wirklichkeit. (3.4.2)

Die Doppelnatur Jesu Christi als wahrer Mensch und wahrer Gott ist ein Mysterium. Als wahrer Mensch teilte Jesus mit den Menschen das ganze Spektrum körperlicher und seelischer Empfindungen. Als wahrer Gott brachte er seine Wesensgleichheit mit dem Vater zum Ausdruck: „Ich und der Vater sind eins“. (3.4.3)

Das Alte Testament gibt Hinweise auf den kommenden Messias. Alttestamentliche Propheten wiesen auf konkrete Einzelheiten im Zusammenhang mit dem Erscheinen des Erlösers hin. So sind das ewige Sein, die Menschwerdung des Sohnes Gottes sowie sein Weg über die Erde im Alten Testament vorausgesagt worden. (3.4.4)

In seinen Werken offenbarte sich Jesus Christus als der von Gott gesandte Erlöser. Die Erlösung aus Tod und Sünde gründet auf dem Opfer Jesu Christi; allein in ihm ist den Menschen das Heil erschlossen. (3.4.5)

3.4.6 Hoheitstitel Jesu Nach oben

Mit „Hoheitstiteln“ sind Namen und Bezeichnungen für den Sohn Gottes gemeint, mit denen in der Heiligen Schrift unterschiedliche Merkmale seiner Einzigartigkeit angesprochen werden.

3.4.6.1 Messias — Christus — Gesalbter Nach oben

Alle drei Begriffe bezeichnen dasselbe: Vom hebräischen „maschiach“ ist „Messias“ abgeleitet, aus dem griechischen „Christos“ ist die lateinische Form „Christus“ entstanden; übersetzt bedeutet dies: „Gesalbter“.

In einigen Psalmen werden die Könige Israels als „Gesalbte Gottes“ bezeichnet (u.a. Ps 20,7). Ihre Salbung ist eng verbunden mit Aussagen über einen besonderen Bund Gottes mit David und dessen Nachfolgern. Die Verehrung des von Gott gegebenen gesalbten Königs ging mitunter so weit, dass er als Gott bezeichnet wurde (Ps 45,6-10).

Ausgehend von Aussagen der Propheten (u.a. Jes 61; Jer 31,31 ff.), entwickelten sich innerhalb des Volkes Israel Vorstellungen über den Messias, die zunehmend auf eine Gestalt abzielten, die über alles Menschliche hinausgeht und im tiefsten Sinn göttlichen Charakter besitzt.

Dass Jesus von Nazareth dieser Messias, dieser Christus, ist, wird im Neuen Testament einhellig bekannt. Der Hoheitstitel „Christus“ ist so eng mit Jesus verbunden, dass er zum Eigennamen wird: Jesus Christus. Wer an ihn glaubt, bekennt sich zu dem von Israel erwarteten Messias, dem von Gott gesandten Heilsbringer.

Wo immer im Neuen Testament von Jesus die Rede ist, geht es um den Christus, den Messias. Damit ist eine entscheidende Differenz markiert: Während heute noch viele Menschen jüdischen Glaubens die Ankunft des Messias erwarten, bekennen die Christen, dass der Messias in Jesus Christus bereits gekommen und gegenwärtig ist. Dieser Glaube wird in der gewichtigen Aussage zu Beginn des Markus-Evangeliums formuliert: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“ (Mk 1,1).

3.4.6.2 Herr Nach oben

Im Alten Testament kommt die Bezeichnung „Herr“ überwiegend dann vor, wenn vom Gott Israels die Rede ist. Im Neuen Testament wird dieser Hoheitstitel auch auf Jesus Christus bezogen.

Im Brief an die Römer ist zu lesen: „Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet“ (Röm 10,9). Daraus leitet sich die Aussage „Kyrios Iesous“ (aus dem Griechischen: „Herr ist Jesus“) ab, die zu den ältesten urchristlichen Bekenntnissen zählt. Dabei ist „Herr“ nicht respektvolle Anrede, sondern Bezeichnung der göttlichen Autorität Jesu Christi.

Dass Jesus „der Herr“ ist, wurde nach seiner Auferstehung für seine Jünger und Jüngerinnen zur unumstößlichen Gewissheit. Apostel Thomas redete den Auferstandenen so an: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28).

Wenn Jesus „der Herr“ genannt wird, geschieht dies auch, um damit auszudrücken, dass kein anderer als Gott selbst es ist, der in ihm Gestalt angenommen hat.

Apostel Paulus schreibt von dem Herrschersein Jesu, das alle anderen Herrscher — auch den für sich Göttlichkeit beanspruchenden römischen Kaiser — übertrifft: „Wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt“ (1Kor 2,7.8).

Weil Jesus der Herr der Herrlichkeit ist, kommt der Anrufung seines Namens und seiner Anbetung eine hohe Bedeutung zu (Phil 2,9-11).

3.4.6.3 Menschensohn Nach oben

Der Begriff „Menschensohn“ wird nach Daniel 7,13.14 verwendet für ein himmlisches Wesen, das nicht dem Menschengeschlecht zugehört.

Zu Jesu Zeit wurde in frommen jüdischen Kreisen der „Menschensohn“ erwartet, dem von Gott die Weltherrschaft übertragen werden sollte. Nach Johannes 3,13 gibt sich der Herr selbst als Menschensohn zu erkennen: „Niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.“ Als solcher hat er Vollmacht, Sünden zu vergeben (Mt 9,6), ist Herr über den Sabbat (Mt 12,8) und gekommen, „zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“ (Lk 19,10).

Schließlich kündigte Jesus das Leiden (Mt 17,12), den Opfertod (Mt 12,40; 20,28) und die Auferstehung des Menschensohns an (Mt 17,9). Wenn er vom „Menschensohn“ spricht, meint er stets sich selbst.

Die Göttlichkeit des Menschensohns bezeugte auch Stephanus: „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen“ (Apg 7,56). — Jesus Christus, der Menschensohn, ist nun wieder dort, von wo er ausgegangen ist (Joh 16,28).

3.4.6.4 Immanuel — Knecht Gottes — Sohn Davids Nach oben

Die Heilige Schrift nennt weitere Hoheitstitel Jesu: Immanuel, Knecht Gottes, Sohn Davids.

Der hebräische Name „Immanuel“ bedeutet „Gott mit uns“. Matthäus 1,22.23 greift, hinweisend auf Jesus, die Weissagung aus Jesaja 7,14 auf: „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns.“ Jesus Christus ist also derjenige, durch den Gott unmittelbar gegenwärtig und erfahrbar ist.

Die Bezeichnung „Knecht Gottes“ findet sich im Alten und Neuen Testament für herausragende Personen der Heilsgeschichte: Erzväter, Propheten, Apostel. Jesaja gab Hinweise auf einen Knecht Gottes, die sich in Jesus Christus erfüllten (u.a. Jes 42,1).

Im Neuen Testament ist „Sohn Davids“ eine geläufige Bezeichnung für Jesus Christus. Schon am Beginn des Matthäus-Evangeliums wird betont: „Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ (Mt 1,1). Das bedeutet, dass in dem Sohn Gottes die Verheißungen, die David gegeben wurden, Erfüllung finden.

EXTRAKT Nach oben

Mit „Hoheitstiteln“ sind Namen und Bezeichnungen gemeint, mit denen unterschiedliche Merkmale der Einzigartigkeit des Sohnes Gottes angesprochen werden. (3.4.6)

Dass Jesus von Nazareth der „Messias“ ist, wird einhellig im Neuen Testament bezeugt. (3.4.6.1)

Herr“ ist Bezeichnung der göttlichen Autorität Jesu Christi. (3.4.6.2)

Mit „Menschensohn“ wird ein himmlisches Wesen bezeichnet, das nicht dem Menschengeschlecht zugehört; der Herr selbst gab sich als dieser Menschensohn zu erkennen. (3.4.6.3)

Die Heilige Schrift nennt „Immanuel“ („Gott mit uns“), „Knecht Gottes“ und „Sohn Davids“ als weitere Hoheitstitel Jesu. (3.4.6.4)

3.4.7 Die Ämter Christi — König, Priester und Prophet Nach oben

Mit dem Titel „König“ verbindet sich die Vorstellung von Herrschen und Regieren. Der Priester ist im Opferdienst tätig, um die Versöhnung des Menschen mit Gott zu vermitteln. Von einem Propheten wird erwartet, dass er den göttlichen Willen verkündigt und kommende Ereignisse vorhersagt.

Herrschen und Regieren, Versöhnung mit Gott bewirken, Gottes Willen verkündigen und Künftiges vorhersagen: All dies ist in Jesus Christus in vollkommener Weise zu finden.

3.4.7.1 Jesus Christus — der König Nach oben

Als der Engel des Herrn der Jungfrau Maria die Geburt Jesu ankündigte, sprach er: „Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; [...] und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben“ (Lk 1,32.33).

Die Weisen aus dem Morgenland fragten nach dem neugeborenen König der Juden, den anzubeten sie gekommen waren (Mt 2,2).

In Jesus Christus erfüllte sich die Verheißung, die Gott dem Propheten Jeremia gegeben hatte: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird“ (Jer 23,5).

Nathanael, einer der ersten Jünger Jesu, bekannte: „Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!“ (Joh 1,49). Doch Jesu Königsein bezieht sich nicht auf irdische Regentschaft und wird auch nicht durch äußere Machtentfaltung deutlich, sondern zeigt sich in der Vollmacht, mit der er handelte, und durch die Zeichen, die er vollbrachte.

Vorstellungen, er strebe eine irdische Königsherrschaft an oder wolle eine politische Aufgabe übernehmen, erteilte Jesus eine entschiedene Absage.

Alle vier Evangelien berichten davon, wie Jesus vor seinem Leiden und Sterben in Jerusalem einzog. Er gab sich bei seinem Einzug als der König des Friedens und der Gerechtigkeit zu erkennen, den bereits der Prophet Sacharja angekündigt hatte (Sach 9,9). Das Volk hätte Jesus gern zum weltlichen König Israels gemacht und jubelte ihm zu (Joh 12,13).

Auch beim Verhör durch Pilatus machte Jesus deutlich, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei und er keinen Anspruch auf die Macht eines irdischen Herrschers stelle. Pilatus griff diese Worte Jesu auf: „So bist du dennoch ein König?“, und gab dem Gottessohn damit Gelegenheit, von seinem Königsein zu sprechen: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll.“ Jesus bekannte nun auch vor einem Vertreter der Weltmacht Rom und des Heidentums, dass er König und Zeuge der Wahrheit sei (Joh 18,33-37).

Der Tod am Kreuz bildet Höhepunkt und Abschluss einer Erniedrigung, die in Wahrheit der Weg zur Erhöhung Jesu Christi ist. „Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden [...]. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache“ (Joh 19,19.20). In einem tieferen Sinn diente diese Aufschrift in drei Sprachen dazu, das Königtum Jesu Christi aller Welt kundzutun.

Die königliche Würde Jesu Christi wird auch in der Offenbarung des Johannes betont: Jesus Christus ist „Herr über die Könige auf Erden“ (Offb 1,5). Wenn der siebte Engel die Posaune bläst, „sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Offb 11,15): Jetzt ist das Königtum Jesu Christi in allen Bereichen offenbar.

3.4.7.2 Jesus Christus — der Priester Nach oben

Vornehmliche Aufgabe der Priester im Alten Bund war es, Gott Opfer darzubringen, das Volk im Gesetz zu unterweisen, schwierige Rechtsfälle sowie alle Fragen der kultischen Reinheit zu entscheiden. Die Aufgabe des Hohepriesters bestand darin, die eigenen Sünden, die der Priester und die des Volkes vor Gott zu tragen. Dazu betrat er fürbittend einmal im Jahr — am Versöhnungstag (Jom Kippur) — das Allerheiligste. Er handelte hier stellvertretend für das Volk und wurde zum Bindeglied zwischen Gott und dem Volk Israel.

Mit Blick auf das Priestertum des Alten Bundes und auf die Opfer, die im Tempel dargebracht wurden, heißt es in Hebräer 8,5: „Sie dienen aber nur dem Abbild und Schatten des Himmlischen“. Im Licht des Evangeliums wird deutlich, dass das alttestamentliche Priestertum nur ein vorläufiges war, „denn das Gesetz konnte nichts zur Vollendung bringen“ (Hebr 7,19).

In der Menschwerdung des Gottessohnes wird ein Priestertum gegenwärtig, das jedes andere Priestertum übersteigt. Jesus Christus ist nicht nur ein Hohepriester in der Reihe der vielen Hohepriester Israels. In Jesus Christus tritt vielmehr der Hohepriester in Erscheinung, in dem die Erlösung der Welt begründet ist: Gott selbst überwindet den Abgrund der Sünde und versöhnt durch Jesus Christus die Welt mit sich selbst; kein anderes Priestertum kann dies bewirken. So ist Jesus Christus ewiger Hohepriester: „Weil er ewig bleibt, [hat er] ein unvergängliches Priestertum. Daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie“ (Hebr 7,24.25).

Jesus Christus bedurfte nicht wie der Hohepriester des Alten Bundes der Versöhnung mit Gott — er selbst ist der Versöhner. Er legt nicht nur Zeugnis von der Begegnung mit Gott ab, sondern in ihm selbst sind Mensch und Gott untrennbar vereint.

Im Priestertum Jesu Christi wird die Zuwendung Gottes zur Welt deutlich; in ihm hat der Mensch Zugang zu Gottes Heil.

Der Hebräerbrief entfaltet das hohepriesterliche Amt Christi, die Sünden des Volkes zu sühnen (Hebr 2,17). In Jesus Christus, dem ewigen Hohepriester, ist die Gewissheit der Sündenvergebung und die Verheißung ewigen Lebens gegeben.

In Hebräer 3,1 heißt es: „Schaut auf den Apostel und Hohenpriester, den wir bekennen, Jesus“. Jesus Christus übertrifft den Dienst des Hohepriesters im Alten Bund, indem er der wahre Hohepriester ist, und er ist Voraussetzung des Dienstes der Apostel im Neuen Bund. Der Inhalt apostolischer Aufgabe wird in 2. Korinther 5,20 deutlich: „So bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“

3.4.7.3 Jesus Christus — der Prophet Nach oben

In Jesus Christus erfüllte sich die Verheißung, die Gott Mose gegeben hatte: „Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde“ (5Mo 18,18).

Die Propheten im Alten Bund waren dazu berufen, Gottes Willen zu verkündigen. Ihre Botschaften wurden häufig mit dem Hinweis auf die Urheberschaft Gottes eingeleitet: „So spricht der Herr“. In Jesus Christus spricht Gott selbst zu den Menschen.

Gemäß Markus 1,15 begann der Sohn Gottes sein Wirken mit den Worten: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ Der Herr lehrte in Vollmacht, das heißt in göttlicher Autorität, die in den Worten zum Ausdruck kommt: „Ich aber sage euch ...“ (Mt 5-7).

Als Prophet offenbarte Jesus Christus auch Zukünftiges, wie es zum Beispiel in Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21 überliefert ist.

In den Abschiedsreden (Joh 13-16) verhieß er den Heiligen Geist, der in alle Wahrheit leiten werde.

Im Buch der Offenbarung enthüllt der Sohn Gottes den Gang der Heilsgeschichte bis zur neuen Schöpfung.

So wirkt Jesus Christus als Prophet: Er verkündigt den Willen Gottes, beleuchtet die Vergangenheit, enthüllt Verborgenes, weist den Weg des Lebens und verheißt Zukünftiges. Seine Aussagen sind in Ewigkeit gültig: „Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen“ (Mk 13,31).

EXTRAKT Nach oben

Das Königsein Jesu Christi zeigt sich in der Vollmacht, mit der er handelte, und durch die Zeichen, die er vollbrachte. (3.4.7.1)

Die Aufschrift am Kreuz in drei Sprachen diente in tieferem Sinn dazu, das Königtum Jesu Christi aller Welt kundzutun. (3.4.7.1)

Auch in der Offenbarung des Johannes wird die königliche Würde Jesu Christi zur Sprache gebracht. (3.4.7.1)

In Jesus Christus tritt der Hohepriester in Erscheinung, in dem die Erlösung begründet ist: Gott versöhnt durch Jesus Christus die Welt mit sich selbst. Jesus Christus bedurfte nicht wie der Hohepriester des Alten Bundes der Versöhnung mit Gott — er selbst ist der Versöhner. (3.4.7.2)

Im Priestertum Jesu Christi wird Gottes Zuwendung zur Welt deutlich: In ihm hat der Mensch Zugang zu Gottes Heil; in ihm ist die Gewissheit der Sündenvergebung und die Verheißung ewigen Lebens gegeben. (3.4.7.2)

Die Propheten im Alten Bund waren dazu berufen, Gottes Willen zu verkündigen. So wirkte auch Jesus Christus als Prophet: Er verkündigte den Willen Gottes, beleuchtete die Vergangenheit, enthüllte Verborgenes, wies den Weg des Lebens und verhieß Zukünftiges. (3.4.7.3)

3.4.8 Neutestamentliche Zeugnisse zu Person und Wirken Jesu Christi Nach oben

Die Evangelien zeugen vom Leben und Wirken Jesu Christi. Die Evangelisten berichten jedoch nicht als Biographen; vielmehr legen sie Zeugnis davon ab, dass dieser Jesus von Nazareth der von Israel erwartete Messias ist: Seine Geschichte ist die Geschichte vom rettenden Eingreifen Gottes in den Lauf der Welt, vom Anbruch des Reiches Gottes in seiner Person. Die wesentlichen Elemente des Christus-Bekenntnisses haben ihre Grundlage in den neutestamentlichen Zeugnissen über Jesus.

3.4.8.1 Empfängnis und Geburt Jesu Nach oben

In den Evangelien nach Matthäus und Lukas wird die Geburt Jesu geschildert. Jesus wurde zu der Zeit geboren, als Herodes in Judäa als König herrschte, Augustus in Rom Kaiser war und Quirinius dessen Statthalter in Syrien. Diese präzisen Angaben verweisen auf die reale geschichtliche Existenz Jesu und wehren den Versuch ab, die Geschichte des Jesus von Nazareth ins Reich der Mythen oder Legenden zu verbannen.

Die Einzigartigkeit des Menschen Jesus wird durch den Umstand der jungfräulichen Geburt herausgestellt, von der das Lukas-Evangelium berichtet. Der Engel Gabriel brachte der Jungfrau Maria die Botschaft: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben“ (Lk 1,31-33). Er gab Maria auch die Erklärung, wie die Empfängnis geschehen werde: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden“ (Lk 1,35).

Die Aussage im zweiten Glaubensartikel, dass Jesus „empfangen [ist] durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“, beschreibt, dass die Menschwerdung des Gottessohnes ein Geschehnis ist, das aus dem Naturzusammenhang herausgenommen ist. Jesus von Nazareth ist wahrer Mensch, doch schon seine Leiblichkeit und sein Menschsein sind untrennbar mit Gottes Heilswillen verknüpft: Seine Empfängnis und Geburt sind Heilsgeschehen und somit Bestandteil der Heilsgeschichte. Dies unterstreichen zeichenhafte Erscheinungen, die Jesu Geburt begleiteten:

  • Engel erschienen und verkündeten Hirten auf dem Feld die frohe Botschaft: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ (Lk 2,11; vgl. Mi 5,1).

  • Ein Stern kündete von der Geburt des neugeborenen Königs; die Weisen aus dem Morgenland folgten ihm und wurden nach Bethlehem geführt, wo sie das Kind anbeteten (Mt 2,1-11).

3.4.8.2 Jesu Taufe im Jordan Nach oben

Jesus Christus ist ohne Sünde. Gleichwohl ließ er sich von Johannes dem Täufer am Jordan taufen und unter die Sünder rechnen (2Kor 5,21). An diesem Taufakt — der Ausdruck von Buße war — wird deutlich, dass Jesus Christus sich erniedrigte und an sich das vollziehen ließ, was jedem Sünder aufgetragen war.

Bereits hier zeigt sich, dass Jesus Christus, der Sündlose, stellvertretend die Sünde auf sich nimmt und schließlich den Weg zur Gerechtigkeit vor Gott eröffnet.

Nach der Taufe fuhr der Heilige Geist sichtbar auf Jesus hernieder. In einer Stimme vom Himmel herab bezeugte der Vater: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (Lk 3,22). In diesem Offenbarungsgeschehen wird die Gottessohnschaft Jesu vom Vater aller Welt kundgemacht und seine Messianität proklamiert: Jesus ist der Christus, der Sohn Gottes.

Dass Johannes der Täufer in Jesus den leidenden Gottesknecht, den Erlöser, erkannte (Jes 53,5), machen seine Worte deutlich: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ Ihm war zuvor offenbart worden: „Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist´s, der mit dem Heiligen Geist tauft.“ Johannes bekräftigte dies: „Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn“ (Joh 1,29.33.34).

3.4.8.3 Jesu Versuchung in der Wüste Nach oben

Nach der Taufe im Jordan wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, „damit er von dem Teufel versucht würde“ (Mt 4,1). Er blieb vierzig Tage lang dort und wurde mehrfach vom Teufel versucht. Jesus widerstand der Versuchung und wies den Teufel ab.

Das Geschehen hat heilsgeschichtliche Bedeutung: Adam erlag der Versuchung und fiel in SündeChristus, „der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde“ (Hebr 4,15), widersteht als der neue Adam der Versuchung. Noch vor Beginn seines öffentlichen Wirkens erweist er sich als Sieger über den Satan.

EXTRAKT Nach oben

Die Geschichte des Jesus von Nazareth ist die Geschichte vom rettenden Eingreifen Gottes in den Lauf der Welt. Die Evangelien sind keine Biographien, sondern Zeugnisse des Glaubens. (3.4.8)

Die Einzigartigkeit des Menschen Jesus wird durch seine jungfräuliche Geburt herausgestellt. Seine Empfängnis und Geburt sind Heilsgeschehen und somit Bestandteil der Heilsgeschichte. (3.4.8.1)

Wenngleich Jesus Christus ohne Sünde ist, ließ er sich von Johannes dem Täufer taufen und unter die Sünder rechnen. Nach der Taufe wurde die Gottessohnschaft Jesu von Gott, dem Vater, aller Welt kundgemacht. (3.4.8.2)

Noch vor Beginn seines öffentlichen Wirkens wurde Jesus in der Wüste versucht. Er erwies sich als Sieger über den Satan. (3.4.8.3)

Im Mittelpunkt der Verkündigung Jesu stand das Reich Gottes in seiner gegenwärtigen und zukünftigen Gestalt. In Jesus Christus ist es personal gegenwärtig. (3.4.8.4)

3.4.8.4 Jesu Lehrtätigkeit Nach oben

Im Mittelpunkt der Verkündigung Jesu steht das Reich Gottes — die in der Geschichte sich verwirklichende Herrschaft Gottes — in seiner gegenwärtigen und zukünftigen Gestalt: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen“ (Mk 1,15). In Jesus Christus ist nunmehr das Reich Gottes personal gegenwärtig (Lk 17,21).

Grundlegender Inhalt des Evangeliums ist die in Jesus Christus offenbarte Gnade, Liebe und Versöhnung. Er ist Gottes Sohn und gekommen, die Werke des Teufels zu zerstören, den in Sünde gefallenen und der Sünde verhafteten Menschen zu erlösen und aus dem Anrecht des Teufels herauszunehmen. Durch sein Opfer eröffnet Jesus Christus dem Menschen die Versöhnung mit Gott und das Tor zum ewigen Leben. Durch sein Sterben und seine Auferstehung belegt er ein für alle Mal, dass er Herr ist über Tod und Teufel. An diesem Sieg hat der Mensch durch den Glauben Anteil (1Kor 15,57).

Jesus rief Jünger in seine Nachfolge. Er predigte in Vollmacht, in hoheitlicher Autorität und vergab Sünden. Dass mit ihm das Heil zu den Menschen gekommen war, machte er auch durch Wundertaten deutlich. Damit unterstrich er seine Botschaft von der anbrechenden Gottesherrschaft und von sich als dem Heiland.

3.4.8.5 Jesu Wunder Nach oben

Alle vier schriftlich überlieferten Evangelien berichten von Wundertaten Jesu als realen Geschehnissen, die seine Messianität bezeugen. Seine Wunder verdeutlichen die barmherzige Zuwendung Gottes zum leidenden Menschen. Sie sind Offenbarungsgeschehen, indem sie Christi Herrlichkeit (Joh 2,11) und seine göttliche Vollmacht zeigen (Joh 5,21).

Vielfältig sind die Wunder, die der Sohn Gottes vollbrachte: Heilungen von Kranken, Austreibungen böser Geister, Auferweckungen von Toten, Naturwunder, Speisungswunder, Geschenkwunder.

Heilungen von Kranken

Jesus heilte Kranke, Blinde, Lahme, Taube, Aussätzige. Diese Krankenheilungen verweisen auf das göttliche Wesen Jesu Christi, der ganz so handelte, wie Gott von sich zu Israel sprach: „Ich bin der Herr, dein Arzt“ (2Mo 15,26). Eines dieser Wunder ist die Heilung eines Gelähmten in Kapernaum (Mk 2,1-12), zu dem Jesus zunächst sprach: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“ (Vers 5). Die Schriftgelehrten betrachteten dies als Gotteslästerung — der Herr machte deutlich, dass er Vollmacht hatte, sowohl Sünden zu vergeben als auch zu heilen. Die Heilungswunder stehen im engen Zusammenhang mit dem Glauben der Menschen.

Austreibungen böser Geister

Zu den Wundertaten Jesu zählen die Austreibungen böser Geister (Mk 1,23-28). Jesus Christus wurde sogar von den Dämonen als Herr erkannt (Mk 3,11). Das Böse, so wird deutlich, ist keine selbständige Macht, sondern es ist der Macht Gottes unterworfen; die Zeit seiner zerstörerischen Herrschaft und seines Einflusses auf die Menschen ist mit dem Erscheinen Jesu Christi an ihr Ende gekommen (Lk 11,20).

Auferweckungen von Toten

Die Evangelien berichten von drei Fällen, in denen der Herr verstorbene Menschen ins Leben zurückrief: die Tochter des Jairus (Mt 9,18-26), den Jüngling zu Nain (Lk 7,13-15) und Lazarus (Joh 11,1-44). Vor der Auferweckung des Lazarus offenbarte sich Jesus mit den grundlegenden Worten: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“ (Joh 11,25.26). Jesus Christus hatte nicht nur die Macht, Tote zum Leben zu erwecken — er selbst ist das Leben, er selbst ist die Auferstehung. Die Auferweckung vom Tod verweist zeichenhaft darauf, dass der Glaube an Jesus Christus die Überwindung des Todes und damit ewiges Leben bedeutet.

Naturwunder

Als der Herr über Wind und Meer gebot, zeigte sich seine Macht über die Elemente (u.a. Mt 8,23-27). Die Herrschaft über die Naturgewalten unterstreicht das Schöpfersein des Gottessohnes, der als „das ewige Wort vom Vater“ vor aller Schöpfung war (Joh 1,1-3).

Speisungswunder

In allen Evangelien wird von der Speisung der Fünftausend berichtet (u.a. Mk 6,30-44), in Matthäus und Markus darüber hinaus von der Speisung der Viertausend (Mt 15,32-39; Mk 8,1-9). Diese Geschehen erinnern einerseits daran, dass Gott sein Volk in der Wüste speiste, andererseits verweisen sie auf das Heilige Abendmahl: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt“ (Joh 6,51).

Geschenkwunder

Zeichen der Göttlichkeit Jesu Christi und der Nähe des Gottesreiches sind auch die Wunder, in denen Menschen eine Fülle irdischer Gaben empfingen. Beispiele dafür sind der Fischzug des Petrus (Lk 5,1-11) und das Geschehen bei der Hochzeit zu Kana, als Jesus aus Wasser Wein machte (Joh 2,1-11).

EXTRAKT Nach oben

Grundlegender Inhalt des Evangeliums ist die in Jesus Christus offenbarte Gnade, Liebe und Versöhnung. (3.4.8.4)

Alle Evangelien berichten von Wundertaten als realen Geschehnissen. Diese bezeugen die Messianität Jesu und verdeutlichen die barmherzige Zuwendung Gottes zum leidenden Menschen. (3.4.8.5)

Vielfältig sind die Wunder, die der Sohn Gottes vollbrachte: Heilungen von Kranken, Austreibungen böser Geister, Auferweckungen von Toten, Naturwunder, Speisungswunder, Geschenkwunder. (3.4.8.5)

3.4.8.6 Jesu Gleichnisse und Bildworte Nach oben

Jesus gebrauchte in seinen Predigten viele Gleichnisse und nahm in diesen bildhaften Reden die Alltagswelt seiner Zuhörer auf. In Matthäus 13,34.35 heißt es: „Das alles redete Jesus in Gleichnissen zu dem Volk, und ohne Gleichnisse redete er nichts zu ihnen, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: ‚Ich will meinen Mund auftun in Gleichnissen und will aussprechen, was verborgen war vom Anfang der Welt an.'“

In den Gleichnisreden thematisierte Jesus wesentliche Elemente seiner Lehre und erschloss Geheimnisse des Himmelreichs: „Das Himmelreich gleicht ...“ (Mt 13, 1ff.).

Mehr als vierzig Gleichnisse sind in den ersten drei Evangelien überliefert. Mit ihnen veranschaulichte er wesentliche Aspekte des Evangeliums: die Nähe des Reiches Gottes, das Gebot der Nächstenliebe, die Gesinnung des Menschen, das Kommen des Menschensohns.

In Jesus Christus ist das Reich Gottes gegenwärtig

Im Gleichnis vom Senfkorn zeigte Jesus den bescheidenen Anfang des Reiches Gottes und sein Wachstum. Im Gleichnis vom Sauerteig machte er deutlich, dass am Ende Christus alles durchdringen wird (Mt 13,31-33).

Im Gleichnis vom Schatz im Acker sowie im Gleichnis von der kostbaren Perle wird der Mensch gezeigt, der den in Christus verborgenen Reichtum erkennt und die angebotene Möglichkeit zur Teilhabe am Reich Gottes wahrnimmt (Mt 13,44-46).

In diesem Reich Gottes, dem „Himmelreich, das nahe herbeigekommen ist“, teilt sich Gott als liebender himmlischer Vater mit. So zeigen die Gleichnisse vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und vom verlorenen Sohn (Lk 15,4-32) Gottes Versöhnungswillen und Liebe zum Sünder. Ohne Ansehen der Person lädt der Herr alle ein und bietet an, Gemeinschaft mit ihm zu haben.

Nächstenliebe

Die vornehmsten Gebote im Gesetz sind, Gott zu lieben und den Nächsten zu lieben. In der Erzählung vom barmherzigen Samariter (Lk 10,30-35) veranschaulichte Jesus, wer der Nächste ist und dass Nächstenliebe bedeutet, nicht die Augen vor der Not anderer zu verschließen, sondern Hilfe zu leisten. Wie sich das praktizieren lässt, ist auch abzuleiten aus dem Gleichnis vom Weltgericht (Mt 25,35.36).

Die Gesinnung des Menschen

Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (Lk 18,9-14) richtet sich auf die Gesinnung des Menschen: Nicht wer sich seiner Werke rühmt, sondern wer sich in Demut Gott naht und Gnade sucht, wird gerecht gemacht. Auch im Gleichnis vom Sämann wird unter anderem die Gesinnung des Menschen thematisiert: Es zeigt, dass zur rechten Aufnahme des Wortes Gottes ein gottesfürchtiges Herz erforderlich ist (u.a. Lk 8,15).

Das Gleichnis vom Schalksknecht betrifft ebenfalls die Gesinnung: Es handelt von der Vergebung und ruft diejenigen, die Gottes Gnade empfangen haben, dazu auf, den anderen ebenfalls gnädig zu begegnen. Wer die Größe der Liebe Gottes erkennt, dem ist die Versöhnung mit dem Nächsten ein Bedürfnis (Mt 18,21-35).

Das Kommen des Menschensohns

In den Gleichnissen vom Kommen des Menschensohns offenbarte Jesus zukünftige Ereignisse. In Matthäus 24,37-39 wird ein Vergleich zwischen der Zeit vor seinem Wiederkommen und den Tagen Noahs gezogen: Die Wiederkunft Christi wird plötzlich sein. In diesem Sinn schließt das Gleichnis vom Dieb in der Nacht mit der Aufforderung: „Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr´s nicht meint“ (Mt 24,44). Diese Botschaft vermittelt auch das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Mt 25,1-13): Es gilt zu wachen und für das plötzliche Wiederkommen des Herrn bereit zu sein. Das Gleichnis von den anvertrauten Zentnern fordert dazu auf, die Zeit vor Christi Wiederkunft zu nutzen (Mt 25,14-30).

Alle diese Gleichnisse vertiefen das Verständnis für die Aussagen Jesu über sein Wiederkommen, über Rettung und Gericht, über seine Herrschaft am Ende der Zeiten, über die Mächte der Welt und über das ewige Leben als eigentliche Bestimmung des Menschen.

Bildworte

Bildworte, die Jesu Wesen zum Ausdruck bringen und somit eine Selbstoffenbarung des Gottessohnes sind, finden sich im Johannes-Evangelium. In den „Ich-bin-Worten“ stellt er sich dar als „Brot des Lebens“ (Joh 6,35) und „Licht der Welt“ (Joh 8,12). Er ist ebenso die „Tür“ zur Errettung (Joh 10,9), der „gute Hirte“, der sein Leben für die Schafe lässt (Joh 10,11), und er ist der „Weinstock“ (Joh 15,5). Jesus Christus ist „Auferstehung“, „Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 11,25; 14,6); er allein eröffnet den Zugang zu Gott, dem Vater. Diese sieben „Ich-bin-Worte“ zeigen den hoheitsvoll göttlichen Anspruch Jesu: Er ist nicht nur der Gesandte des Vaters, sondern Gott selbst.

3.4.8.7 Jesus und das Gesetz Nach oben

Das mosaische Gesetz besaß für Israel höchste Autorität; seine Achtung und Erfüllung betrachtete man als Schlüssel für das Verhältnis des Menschen zu Gott. Jesus hob das Gesetz nicht auf, machte jedoch deutlich, dass er höhere Autorität besitzt und Herr über das Gesetz ist.

In der Bergpredigt (Mt 5-7) nahm er vor seinen Jüngern und dem Volk Stellung zum Gesetz. In den so genannten Antithesen („Ihr habt gehört, dass gesagt ist ... Ich aber sage euch ...“), anhand derer er das Gesetz präzisierte und die Zuhörer in das Verständnis des zugrunde liegenden Willens Gottes führte, stellte er sich vor als der, der allein das Gesetz in Vollmacht auszulegen berechtigt ist.

Indem er den Kern des mosaischen Gesetzes freilegte, machte er deutlich, dass das Gesetz — wie der gesamte Alte Bund — auf ihn verwies und er gekommen war, es zu erfüllen. Mit seinem Gehorsam ist er dem Ungehorsam des ersten Menschen entgegengetreten; mit seiner vollkommenen Erfüllung des Gesetzes hat er die uneingeschränkte Herrschaft der Sünde über den Menschen beendet.

3.4.8.8 Jesus und seine Apostel Nach oben

Zur Verbreitung des Evangeliums erwählte Jesus aus dem Kreis seiner Jünger zwölf Apostel (Lk 6,12-16; Mk 3,14). Sie bildeten sein nächstes Umfeld. Zu ihnen bestand ein besonderes Vertrauensverhältnis. Als ihn die anderen Jünger verließen, weil sie ihn nicht verstanden, blieben die Apostel bei ihm und bekannten, dass er der Christus ist.

Ihnen gab er ein Beispiel demütigen Dienens, als er die Fußwaschung vornahm (Joh 13,4 ff.). Nur die Zwölf waren bei ihm, als er das Abendmahl stiftete (Lk 22,14 ff.). An sie wandte er sich in den Abschiedsreden (Joh 13-16). Ihnen verhieß er den Heiligen Geist. Sie ließ er wissen, dass er zum Vater zurückkehren werde. Ihnen gab er die Verheißung seiner Wiederkunft. Für sie und für die, die durch ihr Wort an ihn glauben würden, trat er im hohepriesterlichen Gebet ein (Joh 17). Er heiligte sich selbst für sie, „damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit“ (Vers 19).

Ihnen zeigte er sich nach seiner Auferstehung wiederholt (Apg 1,2.3), und ihnen gab er vor seiner Himmelfahrt den Sendungsbefehl.

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In bildhaften Reden, den Gleichnissen, thematisierte Jesus wesentliche Elemente seiner Lehre. Die Gleichnisse Jesu zielen ab auf seine Wiederkunft und die Vorbereitung hierauf. (3.4.8.6)

In den Bildworten des Johannes-Evangeliums zeigt sich Jesus als wahrer Gott. (3.4.8.6)

Indem Jesus den Kern des mosaischen Gesetzes freilegte, machte er deutlich, dass das Gesetz und der gesamte Alte Bund auf ihn verwiesen. Er war gekommen, das Gesetz zu erfüllen. (3.4.8.7)

Zur Verbreitung des Evangeliums erwählte Jesus aus dem Kreis seiner Jünger zwölf Apostel. Zu ihnen bestand ein besonderes Vertrauensverhältnis. Ihnen zeigte er sich nach seiner Auferstehung wiederholt, und ihnen gab er vor seiner Himmelfahrt den Sendungsbefehl. (3.4.8.8)

3.4.9 Jesu Leidenszeit und Opfertod Nach oben

Die letzten Tage vor dem Opfertod Jesu werden in den Evangelien detailliert geschildert.

Als der Herr auf einem Esel in Jerusalem einzog, erfüllte sich die Prophetie aus Sacharja 9,9. Mit der Tempelreinigung machte Jesus deutlich, dass das Haus des Herrn heilig ist. Die Auseinandersetzungen mit den Pharisäern und Sadduzäern spitzten sich zu — sie trachteten ihm nach dem Leben (Lk 20).

Als Jesus mit kostbarer Narde gesalbt wurde, geschah dies nach seinen Worten im Blick auf seinen bevorstehenden Tod (Joh 12,7). Einige der Anwesenden wurden darüber unwillig, weil sie dies für Verschwendung hielten: Hätte man die Salbe verkauft, wäre der Erlös von 300 Silberlingen Armen eine große Hilfe gewesen. Judas Iskariot, einer der zwölf Apostel, ging zu den Hohepriestern. Sie boten ihm 30 Silberlinge für den Verrat Jesu, ein Betrag, der für einen Sklaven bezahlt wurde (2Mo 21,32). Damit erfüllte sich Sacharja 11,12.13 — der Herr wurde gleichsam auf die Stufe eines Sklaven gestellt.

3.4.9.1 Jesus stiftet das Abendmahl Nach oben

Zum Passafest war der Herr mit den zwölf Aposteln zusammen. Als sie zu Tisch saßen, stiftete der Sohn Gottes das Heilige Abendmahl: „Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach´s und gab´s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,26-28). Damit werden die Worte verständlich, deretwegen sich viele seiner Jünger vom Herrn abgewandt hatten, als er sagte: „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch“ (Joh 6,53).

Während des Mahls kennzeichnete der Herr seinen Verräter. Dieser verließ die Gemeinschaft, „und es war Nacht“ (Joh 13,30).

3.4.9.2 Jesus in Gethsemane Nach oben

Nach dem Abendmahl ging Jesus mit den Aposteln in den Garten Gethsemane. Die menschliche Natur des Gottessohnes wird in seiner Furcht vor dem bevorstehenden Kreuzestod erkennbar. Er fiel in Demut und Gottergebenheit nieder und rang im Gebet: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Lk 22,42). Danach erschien ein Engel, der ihn stärkte. Jesus stellte sich völlig unter den Willen seines Vaters — bereit, das Opfer zu bringen.

Danach wurde Jesus gefangen genommen. Judas Iskariot hatte ihn mit einem Kuss an die Kriegsknechte verraten. Der Herr machte nicht Gebrauch von himmlischen Mächten, um der Gefangennahme zu entgehen, sondern er trank den Leidenskelch, den ihm sein Vater gegeben hatte (Joh 18,11). Die Jünger verließen ihn und flohen.

3.4.9.3 Jesus vor dem Hohen Rat Nach oben

Der Hohe Rat sprach Jesus wegen Gotteslästerung des Todes schuldig. Die Gotteslästerung wurde darin gesehen, dass er beanspruchte, Gottes Sohn zu sein.

Während des Verhörs Jesu vor dem Hohen Rat leugnete Petrus, ein Jünger Jesu zu sein und ihn zu kennen (Lk 22,54-62). Auch unter dieser Verleugnung litt Christus. Dennoch verwarf er Petrus nicht.

Nachdem Jesus zum Tod verurteilt worden war, bereute Judas Iskariot den Verrat und wollte die 30 Silberlinge den Hohepriestern zurückgeben: „Ich habe Unrecht getan, dass ich unschuldiges Blut verraten habe“ (Mt 27,1-5). Da die Hohepriester das Geld nicht annehmen wollten, warf er es in den Tempel, ging fort und erhängte sich. Aus seinen Worten kann geschlossen werden, dass Judas den Tod Christi nicht wollte. Wenngleich mit seinem Verrat die Schrift erfüllt worden ist (Mt 27,9.10; Jer 32,9; Sach 11,12.13), enthebt ihn dies nicht von der Verantwortung für sein Handeln.

3.4.9.4 Jesus vor Pilatus und Herodes Nach oben

Die Juden führten Jesus zur Residenz des römischen Statthalters Pilatus, die streng gläubige Juden nicht betraten, um sich nicht zu verunreinigen (Joh 18,28). Jesus aber musste in das Richthaus hineingehen.

Im Verhör vor Pilatus verwies Jesus darauf, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei und er keine weltlichen Herrschaftsansprüche verfolge. Pilatus hielt ihn für unschuldig und überstellte ihn an König Herodes. Die zuvor einander feindlich gesonnenen Herrscher Herodes und Pilatus wurden an diesem Tag Freunde (Lk 23,12) — die weltlichen Mächte vereinigten sich gegen den Herrn.

Von den Römern wurde der Sohn Gottes gegeißelt. Das Volk forderte seine Kreuzigung und lastete ihm an, sich als „König der Juden“ gegen den Kaiser erhoben zu haben, worauf die Todesstrafe stand (Joh 19,12). Pilatus sah einen Weg, Jesus die Freiheit zu schenken: Das Volk sollte entscheiden, ob Jesus oder der Verbrecher Barabbas frei gelassen würde. Das Volk, aufgehetzt von den Hohepriestern und Ältesten, wählte Barabbas. Um zum Ausdruck zu bringen, dass er für das nun Folgende nicht verantwortlich sei, wusch sich Pilatus vor dem Volk die Hände und sprach: „Ich bin unschuldig an seinem Blut; seht ihr zu!“ Das Volk antwortete: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Mt 27,24.25). Pilatus ließ Jesus nochmals geißeln und übergab ihn den Soldaten zur Kreuzigung.

Durch die Mitwirkung des römischen Statthalters sind Verurteilung und Hinrichtung Jesu nicht allein Angelegenheit Israels, auch Heiden sind daran beteiligt — der Mensch schlechthin ist schuldig am Tod des Herrn.

3.4.9.5 Jesu Kreuzigung und Opfertod Nach oben

Auf dem Weg nach Golgatha folgte Jesus eine große Volksmenge. Zu den Frauen, die um ihn weinten, sprach der Herr: „Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder“ (Lk 23,28). Damit verwies er auf die bevorstehende Zerstörung Jerusalems.

Mit dem Herrn wurden zwei Verbrecher gekreuzigt. Das Kreuz Jesu stand in der Mitte. Hier erfüllte sich Jesaja 53,12: Der Herr wurde den Übeltätern gleich gerechnet. Die schweren Leiden Jesu mündeten in einem grausamen Todeskampf.

Die Worte Jesu, die er am Kreuz sprach, geben Zeugnis von seiner göttlichen Größe. Selbst im Leiden und Sterben wandte er sich noch erbarmend, vergebend, fürbittend und fürsorgend anderen zu und offenbarte so Gottes Liebe und Gnade.

Die kirchliche Tradition hat die letzten Worte Jesu, die in den Evangelien unterschiedlich überliefert sind, in eine Reihenfolge gebracht, der auch hier gefolgt wird:

„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34)

Der Sohn Gottes, auch am Kreuz der Barmherzige, trat vor seinem Vater für alle ein, die ihn ans Kreuz gebracht hatten und denen die Tragweite ihres Handelns nicht bewusst war. Hier erfüllte Jesus das Gebot der Feindesliebe auf einzigartige Weise (Mt 5,44.45.48).

„Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43)

Der Herr wandte sich dem mit ihm gekreuzigten Übeltäter zu, der ihn um Gnade gebeten und Jesus angesichts des Todes als Heiland erkannt hatte. Das Paradies, das der Herr dem reumütigen Sünder eröffnete, ist — der damaligen Vorstellung entsprechend — der jenseitige Aufenthaltsort der Frommen und Gerechten.

„Frau, siehe, das ist dein Sohn!“„Siehe, das ist deine Mutter!“ (Joh 19,26.27)

Jesus sorgte sich angesichts des Todes um Maria, seine Mutter, und vertraute sie seinem Jünger Johannes an. Hier zeigt sich die Fürsorge und Liebe Christi, der sich trotz eigener Not für den Nächsten einsetzte.

Maria wird in der christlichen Tradition als Sinnbild der Kirche gedeutet. Diese wird unter die Obhut des Apostelamts gestellt, repräsentiert durch Johannes.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34)

Mit diesen Worten aus Psalm 22 wenden sich fromme Juden in der Todesnähe an Gott. Sie beklagen damit einerseits das Gefühl seiner Ferne, bezeugen jedoch andererseits den Glauben an Gottes Macht und Gnade. Jesus wandte sich mit diesen Worten an seinen Vater.

Psalm 22 verweist aber auch auf Leiden und Gottvertrauen des Gerechten. Darüber hinaus ist dieser Psalm in weiten Passagen Hinweis auf den Opfertod Christi und damit ein alttestamentliches Zeugnis für den Messias Jesus.

„Mich dürstet“ (Joh 19,28)

Daraufhin wurde Psalm 69,22 erfüllt: „Sie geben mir Galle zu essen und Essig zu trinken für meinen Durst“. In einem übertragenen Sinn heißt dies, dass Jesus den Leidenskelch bis zur Neige trinken musste und damit den Willen des Vaters vollkommen erfüllte.

„Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30)

Es war um die neunte Stunde, also am frühen Nachmittag, als diese Worte gesprochen wurden. Ein wichtiger Abschnitt innerhalb der Heilsgeschichte ist zum Abschluss gekommen: Jesus hat das Opfer zur Erlösung der Menschen gebracht. Sein Opfertod beschließt den Alten Bund, der allein mit dem Volk Israel geschlossen worden war. Der Neue Bund tritt in Kraft (Hebr 9,16), zu dem auch Heiden Zugang haben.

„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ (Lk 23,46)

Aus diesem Zitat von Psalm 31,6 wird deutlich, dass Jesus Christus auch in diesem Augenblick völlig seinem Vater vertraute.

Dramatische Ereignisse begleiteten den Tod des Herrn: Die Erde erbebte, Felsen barsten; der Vorhang im Tempel, der das Allerheiligste vom Heiligtum trennte, zerriss in zwei Stücke. Damit ist zum einen angezeigt, dass der alttestamentliche Opferdienst im Tod Christi sein Ende gefunden und keine Bedeutung mehr hat; der Alte Bund ist erfüllt. Zum anderen ist dies ein Hinweis darauf, dass durch Jesu Opfertod, durch das „Zerreißen des Vorhangs“ — „das ist: durch das Opfer seines Leibes“ (Hebr 10,20) —, der Weg zum Vater offen ist.

Unter dem Eindruck des Geschehens riefen der römische Hauptmann und die Soldaten, die Jesus bewachten: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ (Mt 27,54). Es waren also Heiden, die Jesus bei seinem Sterben als Sohn Gottes bezeugten.

Josef von Arimathäa, der dem Hohen Rat angehörte, bat Pilatus um den Leichnam Jesu, damit er ihn bestatte. Zusammen mit Nikodemus, der einst vom Herrn über die Wiedergeburt aus Wasser und Geist belehrt worden war (Joh 3,5), legte er Jesus in ein zuvor nicht benutztes Felsengrab. Vor das Grab wurde ein Stein gewälzt; die Hohepriester ließen es von Kriegsknechten bewachen (Mt 27,57-66).

Das Leiden Jesu ist, wie sein Sterben, nach dem Zeugnis der Schrift stellvertretend für die Menschen geschehen und daher heilswirksam: „Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet; der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden“ (1Petr 2,21-24).

Als Leidender und Sterbender versöhnt Christus, der Mittler, die Menschen mit Gott und schafft Erlösung von Sünde und Tod. Damit erfüllte sich das Wort Johannes des Täufers: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ (Joh 1,29). Durch seinen Opfertod hat der Herr die Macht Satans gebrochen und den Tod überwunden (Hebr 2,14). Da Jesus Christus allen Versuchungen Satans widerstanden hatte, konnte er als Sündloser die Sünden der ganzen Menschheit auf sich nehmen (Jes 53,6) und durch sein Blut ein Verdienst erwerben, aus dem alle Sündenschuld getilgt werden kann: Sein Leben, das er für die Sünder hingegeben hat, ist das Lösegeld. Sein Opfertod eröffnet dem Menschen den Weg zu Gott.

3.4.9.6 Alttestamentliche Hinweise auf Jesu Leiden und Opfertod Nach oben

In Jesaja 53 wird der Knecht Gottes beschrieben, der erniedrigt wird und leiden muss. Damit ist Jesus Christus gemeint, „der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit“ (Vers 3). Seine Erniedrigung erfuhr ihren Abschluss in seinem bitteren Leiden und Sterben: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. [...] Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Verse 4.5). Hier ist auf den Leidensweg Christi und seinen Opfertod hingewiesen.

Nach Jesu Tod stach ihm ein Kriegsknecht mit der Lanze in die Seite; so erfüllte sich Sacharja 12,10: „Sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben“. Anders als bei den Übeltätern, die mit ihm gekreuzigt wurden, brachen die Soldaten Jesus die Beine nicht. Dies ist vorgezeichnet beim ersten Passa, bei dem Gott gebot, in welcher Weise das Lamm zu essen sei (2Mo 12,46; Joh 19,36).

Diese Beispiele machen deutlich, dass das Alte Testament nicht nur die Geschichte des Volkes Israel beschreibt — in der Rückschau vom Kreuz her wird erkennbar, dass das Alte Testament auf Jesus Christus ausgerichtet ist. In ihm findet es seine Erfüllung (siehe auch 1.2.5.2).

3.4.9.7 Jesu Hinweise auf sein Leiden und Sterben Nach oben

Die Evangelien berichten davon, dass der Herr zu verschiedenen Anlässen sein Leiden und Sterben, aber auch seine Auferstehung ankündigte. Beispielhaft seien erwähnt:

  • Nach dem Bekenntnis des Petrus zu Jesus: „Du bist der Christus Gottes!“ eröffnete der Herr den Jüngern: „Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferstehen“ (Lk 9,22).

  • Nach dem Geschehen auf dem Berg der Verklärung lehrte Jesus seine Jünger: „Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen“ (Mk 9,31).

  • Vor dem Einzug in Jerusalem wandte sich der Herr an die Zwölf: „Der Menschensohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden; und sie werden ihn zum Tode verurteilen und werden ihn den Heiden überantworten, damit sie ihn verspotten und geißeln und kreuzigen; und am dritten Tage wird er auferstehen“ (Mt 20,18.19).

  • Als die Schriftgelehrten und Pharisäer Zeichen sehen wollten, verwies Jesus auf die Geschichte des Propheten Jona: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein“ (Mt 12,40).

  • Ähnlich äußerte er sich anlässlich der Tempelreinigung: „Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn aufrichten“ (Joh 2,19). Erst nach seiner Auferstehung wurde den Jüngern klar, dass Jesus Christus damit vom Tempel seines Leibes gesprochen hatte (Joh 2,21.22).

3.4.9.8 Verweise auf Jesu Opfertod in den Briefen der Apostel Nach oben

Der Opfertod Jesu und der dadurch eröffnete Weg zur Erlösung für die Menschen sind zentrale Themen in den Briefen der Apostel. So heißt es in 1. Johannes 3,16: „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat“ (vgl. 1Petr 2,21-24).

Der Hebräerbrief zeigt den Neuen Bund im Vergleich zum Alten Bund und stellt das Opfer Christi in den Mittelpunkt der Heilsgeschichte. Die Hohepriester des Alten Bundes waren sündig und sterblich; ihr Priestertum endete. Jesus Christus hingegen ist sündlos und unsterblich; sein Priestertum ist unvergänglich. Die Priester im Alten Bund mussten immer wieder opfern, das Opfer Christi hingegen ist ein für alle Mal gebracht und ewig gültig (Hebr 9).

Aussagen zum Opfertod Jesu wurden in den Briefen der Apostel auch deshalb gemacht, weil Irrlehren aufgekommen waren. So entwickelte sich etwa die Vorstellung von einem Boten, der in die Welt trete und nur zum Schein Mensch werde, der weder leide noch am Kreuz sterbe. Andere Irrlehren leugneten die Auferstehung des Herrn. Apostel Paulus stellte dem entgegen, „dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift“ (1Kor 15,3.4).

In 2. Korinther 5,19 wird die Bedeutung des Opfertodes Jesu beschrieben: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber“.

3.4.9.9 Das Kreuz Nach oben

Der Kern des Evangeliums ist Jesus Christus, der durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung ewiges Heil geschaffen hat. Das Kreuz Christi wird zum Inbegriff des versöhnenden Handelns Gottes an den sündigen Menschen. Die Worte des Apostels Paulus in 1. Korinther 1,18 zeigen ein Spannungsfeld im Verständnis des Kreuzestodes auf: „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist´s eine Gotteskraft.“ Der Tod am Kreuz war gemeinhin Niederlage, schmachvolles Ende eines Verachteten und aus der menschlichen Gesellschaft Ausgeschlossenen. Hier aber ist nach Gottes Weisheit die scheinbare Niederlage tatsächlich ein Sieg, der ein Werk der Erlösung unfassbarer Größe begründet hat.

In der Auferstehung hat Gott den Gekreuzigten als den Christus bestätigt (Apg 2,36); in ihm allein ist ewiges Heil gegeben.

EXTRAKT Nach oben

Die letzten Tage vor dem Opfertod Jesu werden in den Evangelien detailliert geschildert: Im Kreis der Apostel stiftet Jesus Christus das Heilige Abendmahl. Bei seiner Gefangennahme wird er von Judas Iskariot verraten. Vor dem Hohen Rat wird er der Gotteslästerung angeklagt. (3.4.9; 3.4.9.1; 3.4.9.2; 3.4.9.3)

Durch die Mitwirkung des römischen Statthalters Pilatus sind Jesu Verurteilung und Hinrichtung nicht allein Angelegenheit Israels, auch Heiden sind daran beteiligt. Der Mensch schlechthin ist schuldig am Tod des Herrn. (3.4.9.4)

Sein Leiden ist, wie sein Sterben, stellvertretend für die Menschen geschehen und daher heilswirksam. Als Leidender und Sterbender versöhnt Jesus Christus, der Mittler, die Menschen mit Gott und schafft Erlösung von Sünde und Tod. Sein Opfertod am Kreuz eröffnet den Menschen den Weg zu Gott. (3.4.9.5)

Der Opfertod Jesu bestätigt die alttestamentlichen Hinweise. Jesus selbst hatte sein Leiden und Sterben und seine Auferstehung angekündigt. In den Briefen der Apostel wird die Bedeutung des Opfertodes Jesu beschrieben. (3.4.9.6; 3.4.9.7; 3.4.9.8)

Das Kreuz Christi wird zum Inbegriff des versöhnenden Handelns Gottes an den sündigen Menschen. (3.4.9.9)

3.4.10 Jesu Christi Wirken im Totenreich Nach oben

In 1. Petrus 3,18-20 heißt es, dass der Sohn Gottes nach seinem Tod am Kreuz denen predigte, die zur Zeit Noahs ungehorsam waren. Dies tat er, um das Heil anzubieten: „Dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt, dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben im Geist“ (1Petr 4,6). Das Heilshandeln Christi umfasst also auch die Toten. Wie sich der Sohn Gottes auf Erden den Sündern zugewandt hatte, tat er dies nun gegenüber solchen, die im irdischen Leben den göttlichen Willen missachtet hatten.

Seit Jesus das Opfer gebracht hat, ist auch für die Toten Erlösung möglich (siehe 9.6). Er selbst hatte gesagt: „Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben“ (Joh 5,25).

Durch seinen Opfertod hat der Sohn Gottes dem Teufel die Macht über den Tod genommen (Hebr 2,14.15). Er, Jesus Christus, hat die Schlüssel des Todes und der Hölle (Offb 1,18). „Hölle“ meint hier nicht den Ort der Verdammnis, sondern den Aufenthaltsort der Verstorbenen, und „die Schlüssel haben“ bedeutet, Herrschaft ausüben.

In Römer 14,9 heißt es: „Dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.“ Als Herr ist er vom Vater über alle erhöht worden: Gott „hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind“ (Phil 2,9.10).

Das Eingehen des Sohnes Gottes in das Reich des Todes ist Triumph des Siegers von Golgatha, der die Macht des Todes gebrochen und ihm die Endgültigkeit genommen hat.

EXTRAKT Nach oben

Das Heilshandeln Christi umfasst auch die Toten. (3.4.10)

Jesus Christus besitzt die Schlüssel des Todes und der Hölle. Das Eingehen des Sohnes Gottes in das Reich des Todes ist Triumph des Siegers von Golgatha, der die Macht des Todes gebrochen und ihm die Endgültigkeit genommen hat. (3.4.10)

3.4.11 Jesu Christi Auferstehung Nach oben

Die Auferstehung Jesu Christi ist die Tat des dreieinigen Gottes, die in nie dagewesener Weise geschehen ist:

  • Zum einen offenbart sich hier die Macht Gottes, des Vaters — er erweckt Jesus von den Toten (Apg 5,30-32).

  • Zum anderen erfüllen sich die Worte Gottes, des Sohnes: „Ich habe Macht, es [mein Leben] zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen“ (Joh 10,18).

  • Schließlich wird das Handeln Gottes, des Heiligen Geistes, bezeugt: „Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Röm 8,11).

Jesus Christus ist auferstanden, ohne dass ein Mensch Augenzeuge dieses Vorgangs geworden wäre. Jedoch wird in der Heiligen Schrift von vielen Zeugnissen der Auferstehung des Sohnes Gottes berichtet. Eines davon ist das leere Grab, das von Jüngerinnen und Jüngern bezeugt wird. Weitere Zeugnisse sind die unterschiedlichen Erscheinungen des Herrn in den vierzig Tagen zwischen seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Die Auferstehung Jesu Christi ist keine Wunschvorstellung seiner Anhänger, die die Nachwelt an ein Wunder glauben machen wollten; sie ist auch nicht Ausdruck mythologischen Denkens — die Auferstehung Christi ist eine Wirklichkeit in der Geschichte; sie hat tatsächlich stattgefunden.

3.4.11.1 Heilsbedeutung der Auferstehung Jesu Christi Nach oben

Die Auferstehung Jesu bezeugt die Macht Gottes über den Tod. Diese Macht ist Jesus Christus als dem Sohn Gottes wesensimmanent.

In der Auferstehung Jesu Christi haben sich alttestamentliche Verheißungen (Lk 24,44-46; Hos 6,2) erfüllt und ebenso die Voraussagen, die der Sohn Gottes selbst gegeben hat (Mk 9,30.31; 10,34).

Ohne den Glauben an seine Auferstehung ist der Glaube an Jesus Christus sinnlos: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich“ (1Kor 15,14). Erst durch die Auferstehung Christi hat der Gläubige eine berechtigte Hoffnung auf ewiges Leben, denn durch sie ist die Möglichkeit geschaffen, den im Sündenfall Adams begründeten Tod und die dadurch bewirkte Trennung des Menschen von Gott aufzuheben (1Kor 15,21.22).

Das Bekenntnis zu Jesus als dem Christus und der Glaube an seine Auferstehung sind für die Errettung des Menschen von fundamentaler Bedeutung (1Petr 1,3-12). Dieser Glaube an die Auferstehung des Erstlings Christus von den Toten legt den Grund für den Glauben an die Auferstehung der Toten in Christus und die Verwandlung der Lebenden bei seiner Wiederkunft: „Die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden“ (1Kor 15,52).

3.4.11.2 Erscheinungen des Auferstandenen Nach oben

Als Maria von Magdala und weitere Frauen bei Tagesanbruch zum Grab kamen, sahen sie, dass der Stein weggewälzt und das Grab leer war. Sie sind mithin die ersten Zeugen der geschehenen Auferstehung Jesu. Ein Engel verkündigte, dass Jesus auferstanden ist (Mt 28,5.6). Später gab sich der Auferstandene Maria von Magdala zu erkennen; er begegnete Petrus und den übrigen Aposteln.

Die nachösterlichen Erscheinungen des Herrn dokumentieren: Jesus Christus ist wahrhaftig auferstanden. Es sind konkret benannte Personen, denen er sich zeigte und die ihn erkannten. Dadurch wird der Spekulation der Boden entzogen, die Jünger hätten den Leichnam gestohlen, um eine Auferstehung vorzutäuschen (Mt 28,11-15).

Bei seinen Erscheinungen gab der auferstandene Sohn Gottes seinen Jüngern Orientierung und Hinweis auf das, was künftig zu tun sei. Er belehrte sie, erteilte ihnen Vollmachten und Aufträge.

Den Emmausjüngern erklärte der Herr die Schrift, und er brach mit ihnen das Brot (Lk 24,25-35).

Am Abend des Tages seiner Auferstehung trat er in den Kreis seiner Jünger. Sein Gruß „Friede sei mit euch!“ nahm ihnen Furcht und verschaffte ihnen Zuversicht. Der Herr erteilte ihnen den Auftrag: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Als Auferstandener und Herr über Tod und Sünde verlieh er den Aposteln Vollmacht und Vermögen, blies sie an und sprach: „Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“ (Joh 20,19-23).

Ein weiteres Mal erschien der Herr einigen Jüngern am See Tiberias. Apostel Petrus erhielt den Auftrag, die Lämmer und Schafe Christi, also die Gemeinde, zu weiden (Joh 21,15-17).

Der auferstandene Herr zeigte sich seinen Aposteln „durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes“ (Apg 1,3; vgl. Joh 21,1-14).

Dieses Zeugnis von der Auferstehung Christi trugen die Apostel hinaus in die Welt. Apostel Paulus spricht in 1. Korinther 15,6 davon, dass der Herr als Auferstandener von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal gesehen worden ist. Dann berichtet er, dass der Herr zuletzt von ihm selbst gesehen wurde. Das dabei angesprochene Geschehen vor Damaskus (Apg 9,3-6) hat allerdings eine andere Qualität: Hier handelt es sich um eine Offenbarung des erhöhten Christus vom Himmel her. Hingegen ist Zeuge der Auferstehung Christi im eigentlichen Sinn nur, wer Christus in der Zeit nach der Auferstehung bis zur Himmelfahrt auf Erden gesehen hat.

3.4.11.3 Jesu Christi Auferstehungsleib Nach oben

Der Auferstehungsleib Jesu Christi ist ein verherrlichter Leib. Seine Auferstehung bedeutet nicht eine Rückkehr in die irdische Existenz; sie unterscheidet sich grundlegend von der Auferweckung etwa des Lazarus (Joh 11,17-44), der später wieder starb. Der auferstandene Christus ist endgültig dem Tod entrissen: Wir „wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen“ (Röm 6,9). Gott hat Jesus auferweckt und seinen Leib nicht der Verwesung überlassen (Apg 13,34.35).

Christus lebt in der Kraft Gottes (2Kor 13,4). Nach der Auferstehung ist sein verherrlichter Leib herausgenommen aus der Endlichkeit und Sterblichkeit des Fleisches; er ist nicht an Raum und Zeit gebunden. In diesem Leib trat der Herr mitten unter seine Jünger (Lk 24,36), ging durch verschlossene Türen (Joh 20,19.26), brach mit den Jüngern das Brot (Lk 24,30), zeigte ihnen seine Wundmale und aß mit ihnen (Lk 24,40-43). Er machte dadurch deutlich, dass er nicht als ein „Geist“, sondern als Jesus Christus in leiblicher Gegenwart bei ihnen war.

Mit dem Auferstehungsleib Christi vergleicht Apostel Paulus den Leib, den die Toten in Christus nach ihrer Auferstehung tragen werden. Es ist dies ein geistlicher Leib, der auferstehen wird in Herrlichkeit und in Kraft (1Kor 15,42-44). Die Lebenden empfangen in der Verwandlung bei der Wiederkunft Christi einen Leib, der dem verherrlichten Leib Christi gleicht (Phil 3,21).

3.4.12 Jesu Christi Himmelfahrt Nach oben

Vierzig Tage nach seiner Auferstehung fuhr Jesus Christus aus dem Kreis seiner Apostel zu Gott, seinem Vater, auf gen Himmel. Zuletzt befahl er ihnen, „Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters“, denn sie sollten „mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen“ (Apg 1,4.5).

Während Jesus die Apostel segnete, wurde er zum Himmel emporgehoben; eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen hinweg. Als sie ihm noch nachsahen, standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen“ (Apg 1,11). Im Unterschied zum Auferstehungsgeschehen, für das es keine Augenzeugen gibt, erlebten die Apostel die Himmelfahrt Christi unmittelbar mit. Sie erkannten, dass der Auferstandene erhöht und zum Vater zurückgekehrt ist. Die menschliche Natur des Herrn tritt endgültig in die göttliche Herrlichkeit ein. Die Worte sind erfüllt: „Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater“ (Joh 16,28).

In Markus 16,19 heißt es: „Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.“ Er ist also nicht wie der Hohepriester des Alten Bundes in ein Heiligtum gegangen, das mit Händen gemacht ist, „sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen“ (Hebr 9,24). Zur Rechten Gottes vertritt er seine Auserwählten (Röm 8,33.34).

Das Bild, dass Christus zur Rechten Gottes sitzt, zeigt seine Teilhabe an der Machtfülle und Herrlichkeit Gottes, des Vaters. Diese Herrlichkeit will er zukünftig mit den Seinen teilen: „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen“ (Joh 17,24). Dies wird geschehen, wenn Christus die Seinen aus den Toten und Lebenden zu sich entrückt und sie dann bei ihm sein werden allezeit (1Thess 4,15-17).

EXTRAKT Nach oben

Die Auferstehung Jesu Christi ist Tat des dreieinigen Gottes. Sie geschah ohne Augenzeugen; der Auferstandene jedoch wurde von vielen Zeugen gesehen. Seine Auferstehung ist nicht Wunschvorstellung und auch nicht Ausdruck mythologischen Denkens, sondern sie hat tatsächlich stattgefunden. (3.4.11)

Durch die Auferstehung Jesu hat der Gläubige berechtigte Hoffnung auf ewiges Leben: Damit ist die Möglichkeit geschaffen, den im Sündenfall Adams begründeten Tod und die dadurch bewirkte Trennung des Menschen von Gott aufzuheben. (3.4.11.1)

Der Glaube an die Auferstehung des Erstlings Christus legt den Grund für den Glauben an die Auferstehung der Toten in Christus und die Verwandlung der Lebenden bei seiner Wiederkunft. (3.4.11.1)

Der auferstandene Herr zeigte sich den Jüngerinnen und Jüngern; Begegnungen mit dem Auferstandenen sind im Neuen Testament mehrfach bezeugt. Dieses Zeugnis von der Auferstehung Christi trugen die Apostel hinaus in die Welt. (3.4.11.2)

Nach der Auferstehung ist Jesu verherrlichter Leib herausgenommen aus der Endlichkeit und Sterblichkeit des Fleisches; er ist nicht an Raum und Zeit gebunden. (3.4.11.3)

Vierzig Tage nach seiner Auferstehung fuhr Jesus Christus aus dem Kreis seiner Apostel zu Gott, seinem Vater, auf gen Himmel: Die menschliche Natur des Herrn tritt endgültig in die göttliche Herrlichkeit ein. (3.4.12)

Im Unterschied zum Auferstehungsgeschehen, für das es keine Augenzeugen gibt, erlebten die Apostel die Himmelfahrt Christi unmittelbar mit. Dabei wurde ihnen die Wiederkunft Christi verheißen. (3.4.12)

3.4.13 Jesus Christus als Haupt der Kirche Nach oben

Jesus Christus ist zum Vater zurückgekehrt; im Heiligen Geist ist er auch nach der Himmelfahrt auf Erden gegenwärtig. Er, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, erfüllt somit seine Zusage: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20). Der Heilige Geist verherrlicht Christus (Joh 16,14) und bezeugt dessen Gegenwart in der Kirche.

Apostel Paulus verwendet verschiedentlich das Bild vom „Leib Christi“ für die Gemeinde. So wird Christus als „das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde“ (Kol 1,18), in einem Hymnus, einem Loblied zur Ehre Gottes, besungen.

Die Gemeinde des Herrn hat viele Glieder und ist doch ein Leib, „denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft“ (1Kor 12,13). An dieser Symbolik wird deutlich: Gemeinde des Herrn ist nicht Institution oder Organisation. Gemeinde des Herrn ist mehr als die Summe ihrer Glieder — sie ist lebendiger Organismus, gelenkt von Christus, dem Haupt. Sie ist Geschenk Gottes und herausgenommen aus der Verfügbarkeit des Menschen (siehe 6).

3.4.14 Jesus Christus als Haupt der Schöpfung Nach oben

Nach Epheser 1,20-23 ist Christus zum Haupt über alles gesetzt, „über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.“ Als der „Logos(siehe 3.4.2) ist Christus der Erstgeborene vor aller Schöpfung: „In ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare [...]; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen“ (Kol 1,16). Durch ihn hat Gott die Welt gemacht (Hebr 1,2). Als Haupt der Schöpfung führt Christus den der Sünde verhafteten Menschen aus „der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes" (Röm 8,19-22). Dies wird auch der Kreatur zugutekommen und sich in der neuen Schöpfung verwirklichen: „... der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Offb 21,4).

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Im Heiligen Geist ist Jesus Christus auch nach der Himmelfahrt auf Erden gegenwärtig. (3.4.13)

Im Neuen Testament wird das Bild vom „Leib Christi“ verwendet. Es zeigt, dass die Gemeinde Jesu Christi nicht Institution oder Organisation, sondern lebendiger Organismus ist, gelenkt von Christus, dem Haupt. (3.4.13)

Als der „Logos“ ist der Gottessohn der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Durch ihn hat Gott die Welt gemacht. (3.4.14)

3.4.15 Verheißung der Wiederkunft Jesu Christi Nach oben

Die Verheißung der Wiederkunft Jesu Christi ist ein zentrales Element neutestamentlicher Verkündigung. Begriffe wie „Tag des Herrn“, „Tag Christi“, „Zukunft unseres Herrn“, „Offenbarung der Herrlichkeit Christi“, „Erscheinung“, „Wiederkommen des Herrn“ stehen dabei immer für dasselbe Ereignis: Christus kommt wieder und nimmt die Seinen aus den Toten und Lebenden zu sich. Dieses Ereignis ist nicht Endgericht, sondern Heimholung der Braut Christi zur Hochzeit des Lammes (Offb 19,7).

Vielfältig sind die biblischen Zeugnisse zur Verheißung der Wiederkunft Christi; sie durchziehen das gesamte Neue Testament:

  • Zunächst ist es der Herr selbst, der zu seinen Aposteln sagte: „Wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin“ (Joh 14,3). Er mahnte seine Jünger zur Wachsamkeit und Bereitschaft: „Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr´s nicht meint“ (Lk 12,40). In den Gleichnissen vom Kommen des Menschensohns (siehe 3.4.8.6) wird betont, dass der Tag Christi plötzlich sein wird und eine Trennung herbeiführt: Einige werden angenommen, andere bleiben zurück.

  • Dann sind es Engel, die den Aposteln bei der Himmelfahrt Jesu seine Wiederkunft verheißen haben (Apg 1,11).

  • Schließlich wird in den Briefen der Apostel die Verheißung der Wiederkunft Christi bekräftigt. Beispiele sind: 1. Johannes 3,2 gibt mit wenigen Worten eine Beschreibung der großartigen Zukunft der Gotteskinder, die in der Vollendung dem Herrn gleichen werden. Apostel Jakobus fordert auf, bis zum Kommen des Herrn geduldig zu sein, „denn das Kommen des Herrn ist nahe“ (Jak 5,8). Der Schreiber des Hebräerbriefs mahnt ebenfalls zur Geduld: „Denn nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben“ (Hebr 10,37). Wenn Christus zum zweiten Mal kommen wird, „wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil“ (Hebr 9,28).

    Der zweite Petrusbrief wendet sich gegen alle, die die Erfüllung der Verheißung der Wiederkunft Christi leugnen. Auch die Möglichkeit einer Verzögerung dieser Verheißung wird ausgeschlossen (2Petr 3,9).

    Apostel Paulus bekräftigt die Verheißung der Wiederkunft Christi und greift dieses Ereignis wiederholt in seinen Briefen auf. Er macht darin konkrete Aussagen zur Auferstehung der Toten in Christus und der Verwandlung der Lebenden am Tag des Herrn (1Thess 4,13-18). Dieser Tag werde kommen „wie ein Dieb in der Nacht“ (1Thess 5,2). Den ersten Korintherbrief schließt der Apostel mit dem Gruß: „Maranata“ (1Kor 16,22) — „unser Herr kommt“.

  • In der Offenbarung des Johannes ist es wieder der Sohn Gottes, der zeigt, was in Kürze geschehen soll (Offb 1,1). Der Ruf „Siehe, ich komme bald“ ist die Kernbotschaft der Offenbarung. Auf diesen Ruf antworten der Geist und die Braut: „Amen, ja, komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,12.20).

Die zitierten Bibelstellen sprechen von der Wiederkunft Christi als einem Geschehen, das nahe ist und gewiss kommt, das Heil und Gemeinschaft mit Christus bringt und von daher Trost in Trübsal und Bedrängnis gibt (Röm 8,17.18). So ist die Verheißung der Wiederkunft Christi eine frohe Botschaft an alle Menschen. Diejenigen, die Christus angenommen haben, seinen Geist und sein Leben in sich tragen und trotz ihrer Sündhaftigkeit an dem Wort festhalten: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kol 1,27), werden an sich die Erfüllung der Verheißung erleben.

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Die Verheißung der Wiederkunft Christi ist zentrales Element neutestamentlicher Verkündigung. Mit dieser Wiederkunft Christi ist nicht das Endgericht verbunden. Vielmehr nimmt Christus diejenigen, die seinen Geist und sein Leben in sich tragen, aus den Toten und Lebenden zu sich. (3.4.15)

Zeugnisse zur Verheißung der Wiederkunft Christi durchziehen das gesamte Neue Testament. Dabei wird von ihr als einem Geschehen gesprochen, das nahe ist und gewiss kommt. (3.4.15)

3.5 Gott, der Heilige Geist Nach oben

Die Heilige Schrift gibt vielfach Zeugnis vom Heiligen Geist, dem Geist Gottes. Sie bezeugt, dass Erkenntnis Gottes nur durch den Geist Gottes gewirkt werden kann: „So weiß [...] niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes“ (1Kor 2,11). Apostel Paulus bringt die Erkenntnis, dass Jesus der Herr ist, in einen unbedingten Zusammenhang mit dem Heiligen Geist: „Niemand kann Jesus den Herrn nennen außer durch den Heiligen Geist“ (1Kor 12,3).

Im dritten Glaubensartikel wird bezeugt: „Ich glaube an den Heiligen Geist“. Dies entspricht dem Wortlaut des Apostolikums (siehe 2.2.1). Im Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel ist inhaltlich umfassender formuliert: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten“.

Der Heilige Geist ist wahrer Gott. Er geht vom Vater und vom Sohn aus und lebt ewig in der Gemeinschaft mit ihnen. Er wirkt mit in Schöpfung (siehe 3.3.1) und Heilsgeschichte. Der Heilige Geist ist göttliche Person (siehe 3.1.1), die mit dem Vater und dem Sohn als Herr angebetet und verherrlicht wird.

Der Heilige Geist wird in der Heiligen Schrift auch bezeichnet als „Geist Gottes“ (u.a. 1Mo 1,2; Röm 15,19), „Geist des Herrn“ (u.a. 1Sam 16,13; 2Kor 3,17), „Geist der Wahrheit“ (Joh 16,13), „Geist [Jesu] Christi“ (Röm 8,9; Phil 1,19), „Geist des Sohnes“ (Gal 4,6) und „Geist der Herrlichkeit“ (1Petr 4,14).

Das Neue Testament spricht vom Heiligen Geist als Tröster und Beistand (Joh 14,16), ebenso auch als „Kraft“ und „Gabe Gottes“ (Apg 1,8; 2,38). Diese Kraft Gottes ist vom Vater und vom Sohn verheißen und gesandt. Als Kraft und Gabe wird Heiliger Geist bei der Heiligen Versiegelung vermittelt, die gemeinsam mit der Heiligen Wassertaufe die Wiedergeburt aus Wasser und Geist bildet, wodurch der Gläubige die Gotteskindschaft erlangt.

3.5.1 Der Heilige Geist als göttliche Person Nach oben

Gott hat sich von Anfang an dem Menschen offenbart (siehe 1.1). Bereits bei der Schöpfung spricht und handelt Gott als Person. Personalität gehört zum Wesen Gottes (siehe 3.2.4) und wird offenbar im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist. Wie der Vater und der Sohn, ist der Heilige Geist Sprechender und Regierender, Angesprochener und Angebeteter; auch er ist „Herr" (2Kor 3,17).

Dem Heiligen Geist kommt göttliche Majestät zu. Aus dem Hinweis von Apostel Petrus in Apostelgeschichte 5,3.4 geht hervor: Wer den Heiligen Geist belügt, der belügt Gott. Dass der Heilige Geist Person ist, wird daran deutlich, dass er Menschen zur Verkündigung des Evangeliums sendet (Apg 13,4), sich dem Geist des Menschen mitteilen kann (Röm 8,16) und den Beter vor Gott vertritt (Röm 8,26).

Wirken des Heiligen Geistes wird deutlich

  • in der Menschwerdung Jesu Christi,

  • in den göttlichen Offenbarungen der Vergangenheit und Gegenwart,

  • in der Sendung und im Wirken der Apostel,

  • in den Sakramenten,

  • im Wort der Predigt, insbesondere im Wachhalten der Verheißung Jesu Christi, wiederzukommen.

3.5.1.1 Der Heilige Geist in der Einheit mit dem Vater und dem Sohn Nach oben

Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (siehe 2.2.2) besagt, dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht. Vater und Sohn sind gleichermaßen Sender des Heiligen Geistes gemäß den Worten Jesu: „Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir“ (Joh 15,26). Der Heilige Geist geht vom Vater aus (Joh 14,26) und er wird vom Sohn gesandt, geht also auch von diesem aus (Joh 16,7). Somit ist der Heilige Geist sowohl der Geist des Vaters als auch der Geist des Sohnes. Dies kommt auch in den Worten Jesu zum Ausdruck: „Er [der Heilige Geist] wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein“ (Joh 16,14.15).

So erschließt sich das Verständnis von dem, was der Heilige Geist ist, nur im Hinblick auf die Wesenseinheit mit dem Vater und dem Sohn. Der Heilige Geist ist wie der Vater und der Sohn „wahrer Gott von wahrem Gott“. Er ist ungeschaffen und eines Wesens mit dem Vater und dem Sohn und wirkt wie diese ewig.

3.5.1.2 Der Heilige Geist und die Menschwerdung des Sohnes Gottes Nach oben

Ein zentrales Ereignis der Heilsgeschichte ist die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Die Jungfrau Maria wurde schwanger von dem Heiligen Geist (Mt 1,18; Lk 1,35). Die biblische Aussage wird im neuapostolischen Glaubensbekenntnis aufgegriffen: „Ich glaube an Jesus Christus, [...], der empfangen ist durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“.

Der Heilige Geist ist es auch, der die Sendung des Sohnes bezeugt. Die göttliche Autorität des Mensch gewordenen Gottessohnes wird durch die Herabkunft des Geistes bei Jesu Taufe am Jordan sichtbar gemacht (Mt 3,16.17; Joh 1,32-34). Dabei vollzieht sich an Jesus, seiner menschlichen Natur nach, die Salbung mit dem Heiligen Geist, durch die Gott Jesus als den Messias, den „Gesalbten", bestätigt. Apostel Petrus lehrte im Hause des Kornelius: „Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft“ (Apg 10,37.38). Dass im Mensch gewordenen Gottessohn der Heilige Geist bleibend gegenwärtig ist, wird in den Evangelien bezeugt (u.a. Lk 4,1.14.18.21).

EXTRAKT Nach oben

Die Heilige Schrift bezeugt, dass Erkenntnis Gottes nur durch den Geist Gottes gewirkt werden kann. (3.5)

Der Heilige Geist ist wahrer Gott. Er geht vom Vater und vom Sohn aus und lebt ewig in der Gemeinschaft mit ihnen. Der Heilige Geist ist göttliche Person, die mit dem Vater und dem Sohn als Herr angebetet und verherrlicht wird. (3.5)

Im Neuen Testament wird von ihm auch als „Tröster“ und „Beistand“, als „Kraft“ und „Gabe Gottes“ gesprochen. Als Kraft und Gabe wird Heiliger Geist bei der Heiligen Versiegelung vermittelt. (3.5)

Personalität gehört zum Wesen Gottes und wird offenbar im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist. (3.5.1)

Der Heilige Geist geht vom Vater und vom Sohn aus. Der Heilige Geist ist wie der Vater und der Sohn wahrer Gott von wahrem Gott. Er ist ungeschaffen und eines Wesens mit dem Vater und dem Sohn und wirkt wie diese ewig. (3.5.1.1)

Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus bewirkte der Heilige Geist, denn die Jungfrau Maria wurde schwanger von ihm. Der Heilige Geist bezeugte die Sendung des Sohnes bei Jesu Taufe am Jordan. Dabei vollzog sich an Jesus, seiner menschlichen Natur nach, die Salbung mit dem Heiligen Geist. Gott bestätigte dadurch Jesus als den Messias, den „Gesalbten". (3.5.1.2)

3.5.2 Der Heilige Geist als Kraft — die Gabe des Heiligen Geistes Nach oben

Das griechische Wort „pneuma“, das in der Regel mit „Geist“ übersetzt wird, hat wie das hebräische „ruach" und das lateinische „spiritus" u.a. die Bedeutungen „Wind, Atem, Lebensgeist“. Vom Geist als göttlichem Lebensodem ist in 1. Mose 2,7 zu lesen. Er bewirkt das Lebendigsein an sich und beweist sich als göttliche Lebenskraft.

Im Verlauf der Heilsgeschichte ist der Geist Gottes als Kraft zu erkennen, die den Menschen ergreift und dazu befähigt, Werkzeug Gottes zu sein. Diese Kraft kann den Menschen beeinflussen, ihn erfüllen, ja ihn erneuern (Tit 3,5).

Jesus Christus handelte in der Kraft des Geistes und die „Kraft des Herrn war mit ihm“ (Lk 4,14; 5,17). Kurz vor seiner Himmelfahrt verhieß der Auferstandene den Aposteln: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird“ (Apg 1,8).

Nach seiner Pfingstpredigt sagte Apostel Petrus denen, die sich taufen ließen, den Empfang der Gabe des Heiligen Geistes zu (Apg 2,38).

Diese Gabe schenkt Gott durch Handauflegung und Gebet eines Apostels, wie es beispielhaft das Geschehen in Samarien zeigt (Apg 8,14-17). Der Gläubige wird mit Heiligem Geist und zugleich mit der Liebe Gottes erfüllt (Röm 5,5).

Es gilt, zwischen dem Heiligen Geist als Gabe Gottes und dem Heiligen Geist als Person der Gottheit zu unterscheiden. Die Gabe des Heiligen Geistes wird übermittelt aus Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.

3.5.3 Zeugnisse vom Wirken des Heiligen Geistes zur Zeit des Alten Testaments Nach oben

Aufgrund des ewigen Seins des Heiligen Geistes in der Einheit mit dem Vater und dem Sohn war und ist der Geist bei der Schöpfung und in der Heilsgeschichte wirksam. So ist in der Heiligen Schrift das Wirken des Geistes in alttestamentlicher Zeit vielfach bezeugt, obwohl zu jener Zeit eine Erkenntnis der Dreieinigkeit Gottes noch nicht vorhanden war und es eine Geistvermittlung im neutestamentlichen Sinn nicht gab. Durch den Heiligen Geist wurden in der Zeit des Alten Bundes Verheißungen hervorgebracht, die das Kommen des Messias und die Aufrichtung des Neuen Bundes betrafen.

3.5.3.1 Der Geist Gottes Nach oben

„Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ (1Mo 1,2). Dieser Hinweis zeigt, dass der dreieinige Gott, nämlich der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, schöpferische Wirksamkeit entfaltet (vgl. 1Mo 1,26).

Wenn das Alte Testament vom „Geist Gottes“ spricht, ist damit der Heilige Geist gemeint. Er wird noch nicht in seiner Personalität herausgestellt, sondern als eine Leben spendende Kraft beschrieben.

Beispiele für das Wirken des Geistes Gottes sind überliefert aus der Zeit Moses (2Mo 31,3; 4Mo 11,25-29) und der Richter in Israel (Ri 3,10; 6,34; 11,29; 13,25), die — vom Geist Gottes ergriffen — voller Mut und Kraft das Volk des Herrn im Kampf gegen seine Feinde führten.

Auch Könige des Volkes Israel wurden vom Geist Gottes erfüllt. Beispielhaft dafür stehen Saul (1Sam 10,6) und David (1Sam 16,13). Auf das Wirken des Heiligen Geistes durch König David hat später Jesus Christus mit den Worten verwiesen: „David selbst hat durch den Heiligen Geist gesagt: ,Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege´" (Mk 12,36). Hier wie auch an anderen Stellen des Neuen Testaments (u.a. Apg 1,16; 4,25) wird deutlich, dass schon David durch die Inspiration des Heiligen Geistes auf Jesus Christus hinwies.

In alttestamentlicher Zeit erfüllte der Heilige Geist den Menschen nur zeitweilig und nicht — wie im Neuen Bund — bleibend als sakramentale Gabe (1Sam 16,14; Ps 51,13).

3.5.3.2 Wirken des Heiligen Geistes in den alttestamentlichen Propheten Nach oben

Sowohl das Alte als auch das Neue Testament belegen, dass der Heilige Geist in den Propheten gewirkt und durch sie gesprochen hat (Hes 11,5; Mi 3,8; Sach 7,12; Apg 28,25). Im Neuen Testament wird betont, dass die Propheten auf Jesus Christus hinwiesen: „Gott aber hat erfüllt, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigt hat: dass sein Christus leiden sollte" (Apg 3,18).

EXTRAKT Nach oben

Jesus Christus handelte in der Kraft des Geistes. Vor seiner Himmelfahrt verhieß er den Aposteln, die Kraft des Heiligen Geistes werde auf sie kommen. (3.5.2)

Die Gabe des Heiligen Geistes schenkt Gott durch Handauflegung und Gebet eines Apostels. Es gilt, zwischen dem Heiligen Geist als Gabe Gottes und dem Heiligen Geist als Person der Gottheit zu unterscheiden. (3.5.2)

In alttestamentlicher Zeit erfüllte der Heilige Geist den Menschen nur zeitweilig und nicht — wie im Neuen Bund — bleibend als sakramentale Gabe. (3.5.3)

Beispiele für das Wirken des Heiligen Geistes sind überliefert aus der Zeit Moses, der Richter und Könige in Israel, ebenso wirkte der Heilige Geist in den Propheten. (3.5.3.1; 3.5.3.2)

3.5.4 Verheißung des Heiligen Geistes durch Jesus Christus Nach oben

Jesus Christus kündigte seinen Aposteln vor seinem Hingang zum Vater den Heiligen Geist als „Tröster“ und „Geist der Wahrheit“ an. Ebenso verhieß er den Heiligen Geist als göttlichen Beistand und als die Kraft aus der Höhe, die den Seinen vermittelt werde.

Jesus sprach davon, dass sein Weggehen aus dieser Welt Voraussetzung für das Kommen des Heiligen Geistes als Tröster sei (Joh 16,7). Auch die Vermittlung Heiligen Geistes als Gabe geschah erst, nachdem Christus durch seinen Tod, seine Auferstehung und seine Rückkehr zum Vater verherrlicht war (Joh 7,39).

3.5.4.1 Der Tröster Nach oben

Jesus Christus ist Beistand und Fürsprecher der Seinen (Mt 28,20; 1Joh 2,1). In den Abschiedsreden vor seiner Gefangennahme und Kreuzigung verhieß er einen weiteren Tröster, den „Parakleten“ (abgeleitet vom griechischen „parakletos“: „Beistand, Fürsprecher, Helfer oder Tröster“): „Ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit [...] Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh 14,16.26). Der Heilige Geist ist dieser „andere“, in der Gemeinde bleibende Tröster und Beistand. Er legt von Jesus Christus Zeugnis ab und verherrlicht ihn (Joh 16,14).

Seit der Himmelfahrt des Herrn und der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten hält dieser das Evangelium unter den Nachfolgern Christi wach und steht ihnen bei (Mt 10,19.20).

3.5.4.2 Der Geist der Wahrheit Nach oben

Jesus Christus bezeichnete den Heiligen Geist auch als den „Geist der Wahrheit“ (Joh 15,26). Dieser Geist macht deutlich, was Gott gefällt und was Gottes Willen entgegensteht: „Wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht" (Joh 16,8). Der Heilige Geist kennzeichnet Wahrheit und Lüge (Apg 13,9.10).

Während seines Erdenwirkens gab der Herr noch nicht umfassend Aufschluss über alle Wahrheit und den Lauf der Heilsgeschichte, er verwies jedoch auf künftige Offenbarungen des Heiligen Geistes: „Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen" (Joh 16,12.13). In dieser Weise wirkt der Heilige Geist auch in der Gegenwart (siehe 1.3).

Alles, was der Geist der Wahrheit offenbart, steht in Zusammenhang mit Christi Wesen und Werk. So bezeugt er die Herrschaft des Gottessohnes (1Kor 12,3). Er bekennt, dass Jesus Christus ins Fleisch gekommen ist (1Joh 4,2), und vermittelt die Erkenntnis, dass dieser als Sohn vom Vater kam und wiederkommen wird.

3.5.4.3 Die Kraft aus der Höhe Nach oben

Vor seiner Himmelfahrt verhieß der auferstandene Herr seinen Aposteln: „Siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe“ (Lk 24,49). Damit kündigte er die Ausgießung des Heiligen Geistes an, wie sie schon Gott durch den Propheten Joel verheißen hatte (Joel 3,1.2). Zu Pfingsten erfüllte sich diese Verheißung; damit verbunden war der Beginn des öffentlichen Wirkens der Apostel.

Die Wendung „Kraft aus der Höhe“ (gr.: „dynamis“ = „Kraft“) lässt das Erfüllende, Bewegende und Kräftigende der Wirksamkeit des Geistes anklingen und verweist auf ein machtvolles Eingreifen Gottes. So, wie sich der Vater und der Sohn innerhalb der geschichtlichen Welt offenbaren, geschieht die Selbstoffenbarung Gottes im Heiligen Geist als heilsgeschichtliches Ereignis zu Pfingsten. Der Heilige Geist stärkt die Kirche Christi in ihrem Bemühen, nach dem Wohlgefallen Gottes zu leben und sich so auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten.

EXTRAKT Nach oben

Jesus Christus, Beistand und Fürsprecher seiner Jünger, verhieß einen weiteren Tröster. Dieser legt von ihm Zeugnis ab und verherrlicht ihn, er hält das Evangelium unter den Nachfolgern Christi wach und steht der Gemeinde bei. (3.5.4; 3.5.4.1)

Jesus Christus bezeichnete den Heiligen Geist auch als den „Geist der Wahrheit“. Der Heilige Geist kennzeichnet Wahrheit und Lüge. (3.5.4.2)

Jesus verwies auf künftige Offenbarungen des Heiligen Geistes. Sie stehen alle im Zusammenhang mit Christi Wesen und Werk. (3.5.4.2)

Die Wendung „Kraft aus der Höhe“ verweist auf das machtvolle Eingreifen Gottes in der Wirksamkeit des Heiligen Geistes. (3.5.4.3)

Die Selbstoffenbarung Gottes im Heiligen Geist geschah zu Pfingsten. Damit verbunden war der Beginn des öffentlichen Wirkens der Apostel. (3.5.4.3)

3.5.5 Der Heilige Geist und die Kirche Nach oben

In den neutestamentlichen Briefen kommt zum Ausdruck, dass der Heilige Geist in den urchristlichen Gemeinden gegenwärtig war. Jesus Christus hat seinen Jüngern den Heiligen Geist als Beistand und Tröster verheißen und gesandt. Die Kirche wird als „Haus Gottes“, „Wohnung Gottes“ oder „Tempel Gottes“ bezeichnet (1Tim 3,15; Eph 2,22; 2Kor 6,16).

Im Alten Bund ist der Tempel Wohnstätte Gottes unter seinem Volk (1Kön 8,13). Dies wird als Bild im Neuen Testament aufgenommen und dazu verwendet, die bleibende Gegenwart Gottes und damit auch die Gegenwart des Heiligen Geistes in der Kirche zu veranschaulichen. Die Gläubigen sollen sich als „lebendige Steine zu einem geistlichen Haus“ erbauen (1Petr 2,5).

3.5.5.1 Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten Nach oben

Durch die Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten wird offenbar, dass Gott dreieinig ist: Vater, Sohn und Heiliger Geist (siehe 3.1.1). Der vom Vater und vom Sohn gesandte Heilige Geist erfüllte die Apostel und alle, die bei ihnen waren.

Damit wird die Kirche Christi (siehe 6.4.2) in der Geschichte erfahrbar. Dieses Geschehen zeigt, dass Heiliger Geist notwendige Voraussetzung für Kirche ist: Kirche und Heiliger Geist gehören zusammen.

In den von Aposteln geleiteten Gemeinden ist der Heilige Geist dauerhaft gegenwärtig, in ihnen ist göttliches Leben, das sich im Wirken und im Wort der Apostel zeigt und auch in Wort und Tat jedes Gläubigen hervortreten soll (Röm 8,14).

Durch den Empfang der Gabe des Heiligen Geistes hat der Mensch als Kind Gottes Gemeinschaft mit dem Dreieinigen. Diese Gemeinschaft erfährt ihre Vollendung für jene, die zum Herrn entrückt werden, bei der Wiederkunft Christi.

3.5.5.2 Wirken des Heiligen Geistes in den Sakramenten Nach oben

Die den Sakramenten innewohnende heilsvermittelnde Kraft ist darin begründet, dass alle drei göttlichen Personen in diesen Handlungen wirken.

In der Heiligen Wassertaufe ist somit auch der Heilige Geist wirkende Kraft: Gott — Vater, Sohn und Heiliger Geist — führt den Täufling aus der Gottferne heraus (siehe 8.1).

Die Aussonderung von Brot und Wein zum Heiligen Abendmahl ist nur möglich, weil der Heilige Geist in dieser Handlung wirkt; so schafft die Kraft des Heiligen Geistes mittels menschlicher Worte göttliche Wirklichkeit. Ein vollgültiges Abendmahl — die wahre Gegenwart von Leib und Blut Christi — kommt zustande, wenn es von der Kraft des Heiligen Geistes getragen ist und die Aussonderung (Konsekration) der Abendmahlselemente aufgrund der von Aposteln erteilten Vollmacht vollzogen wird (siehe 8.2.12).

Die Vermittlung der Gabe des Heiligen Geistes durch Apostel geschieht im Sakrament der Heiligen Versiegelung, der Geistestaufe. Dabei werden Gottes Kraft, Gottes Leben und Gottes Liebe dem Menschen geschenkt. Der Heilige Geist bewirkt in der Wiedergeburt aus Wasser und Geist die Einwohnung Gottes im Menschen (Röm 8,9).

3.5.5.3 Wirken des Heiligen Geistes im Apostelamt Nach oben

Die Apostel üben ihr Amt in der Kraft des Heiligen Geistes aus. Das Wirken des Heiligen Geistes verleiht ihrem Tun besondere Autorität. Dies erweist sich in der rechten Verwaltung und Vermittlung der Sakramente, in der rechten Verkündigung des Evangeliums auf der Grundlage der Heiligen Schrift, im Wachhalten der Verheißung der Wiederkunft Christi und dadurch in der Bereitung seiner Braut auf sein Wiederkommen. Durch die Apostel heutiger Zeit wirkt der Heilige Geist in der gleichen Fülle wie zur Zeit der ersten Apostel.

EXTRAKT Nach oben

Der Heilige Geist war in den urchristlichen Gemeinden gegenwärtig. Die Kirche wird als „Haus Gottes“, „Wohnung Gottes“ oder „Tempel Gottes“ bezeichnet. Damit wird die Gegenwart des Heiligen Geistes in der Kirche veranschaulicht. (3.5.5)

Der Heilige Geist ist notwendige Voraussetzung für Kirche: Kirche und Heiliger Geist gehören zusammen. (3.5.5.1)

Die Vermittlung Heiligen Geistes durch Apostel geschieht im Sakrament der Heiligen Versiegelung, der Geistestaufe. Auch in den Sakramenten der Heiligen Wassertaufe und des Heiligen Abendmahls ist der Heilige Geist wirkende Kraft. (3.5.5.2)

Die Apostel üben ihr Amt in der Kraft des Heiligen Geistes aus. (3.5.5.3)