Katechismus

3 Der dreieinige Gott

Vater, Sohn und Heiliger Geist sind der eine Gott. Dass Gott von Ewigkeit dreieinig ist, bezeugt die Selbstoffenbarung Gottes innerhalb der Heilsgeschichte, die deutlich macht, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist von Anfang an sind, schaffen, wirken und erhalten.

Im Alten Bund offenbarte sich vor allem Gott, der Vater, während das Wirken des Sohnes und des Heiligen Geistes den Menschen weitgehend noch verborgen blieb. Aus der Sicht des Neuen Testaments bekundete Apostel Paulus, dass der Gottessohn schon beim Zug des Volkes Israel durch die Wüste gegenwärtig war (1Kor 10,4). Ferner heißt es in Markus 12,36 und Hebräer 3,7, dass der Heilige Geist bereits im Alten Bund gesprochen hat.

Die Menschwerdung, der Tod und die Auferstehung des Gottessohnes sowie die Sendung des Heiligen Geistes lassen Gott als den Dreieinigen erkennen. Jesus Christus stellt in Johannes 16,13-15 die Wirkungen der Dreieinigkeit Gottes heraus: Was dem Sohn gehört, gehört auch dem Vater, und was der Heilige Geist verkündigt, nimmt er vom Vater und vom Sohn.

Der dreieinige Gott ist ein Gott der Gemeinschaft von Vater, Sohn und Geist; diese seine Gemeinschaft möchte er dem Menschen zugänglich machen.

3.1 Das Wesen Gottes Nach oben

Gott ist in seinem Wesen und Wirken von uns Menschen mit dem Verstand nicht zu erfassenZugang zu Gott, seiner Allmacht und Größe ist allein durch den Glauben möglich. Jesus Christus hat den Menschen Gott als liebenden, barmherzigen und gnädigen Vater offenbar und erlebbar gemacht. Weitere Offenbarungen von Gott gibt der Heilige Geist, der den Gläubigen in die Tiefen der Gottheit führt (1Kor 2,6-16).

Merkmale des Wesens Gottes sind: Er ist der Eine (Einzige), der Heilige, der Allmächtige, der Ewige, der Liebende, der Gnädige, der Gerechte, der Vollkommene. Gott ist nicht unbekannt, nicht verborgen; er neigt sich den Menschen zu, spricht zu ihnen und gewährt ihnen, zu ihm zu sprechen.

Die Beschreibung von göttlichen Wesensmerkmalen will die Vollkommenheit und Absolutheit Gottes zum Ausdruck bringen, doch müssen jegliche aus der menschlichen Erfahrungswelt entlehnten Begriffe hinter der Wirklichkeit Gottes zurückbleiben.

3.1.1 Ein Gott in drei Personen Nach oben

Die Dreieinigkeit Gottes ist ein Geheimnis. In der trinitarischen FormelIn dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geisteswird nicht die Mehrzahldie Namen“, sondern die Einzahlder Namebenutzt: Der eine Gott ist der Dreieine. Jesus hat in seinen Worten an die Apostel die Dreieinigkeit Gottes erkennbar gemacht; sie solltenauf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19) taufen. Wenn von Gott alsdem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geistgesprochen wird, dann sind damit nicht drei unterschiedliche Götter gemeint, sondern drei Personen (Hypostasen), die der eine Gott sind.

3.1.2 Gott, der Eine Nach oben

Der Glaube an den einen Gott gehört zu den grundlegenden Bekenntnissen des Alten und Neuen Testaments. Gott sprach Mose gegenüber von der Einheit und Treue zu sich selbst, die sich in seinem Namen ausdrückt: „Ich werde sein, der ich sein werde“ (2Mo 3,14). Das Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes — „der Herr ist unser Gott, der Herr allein“ (5Mo 6,4) — hat das alte Bundesvolk durch seine Geschichte begleitet.

Wenngleich es schon im ersten Gebot mit aller Klarheit heißt: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“ (2Mo 20,3), war es für Israel doch ein langer Weg, bis das Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes alle anderen Götter und deren Anbetung ausschloss; immer wieder mussten die Propheten dem Volk die Verehrung fremder Götter vorwerfen. In Jesaja 45,21.22 finden sich die Worte Gottes: „Es ist sonst kein Gott außer mir, ein gerechter Gott und Heiland, und es ist keiner außer mir. Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott, und sonst keiner mehr.“ Nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft trat das Bekenntnis zu dem einzigen Gott (Monotheismus) als wesentliches Unterscheidungsmerkmal von den Heiden ins Bewusstsein der Juden. Der Glaube, der im Buch der Weisheit ausgesprochen wird, ist kennzeichnend für das Judentum bis heute: „Es gibt außer dir keinen Gott“ (Weish 12,13).

Dieses Bekenntnis ist auch im christlichen Glauben von den frühesten Gemeinden an bis in die Gegenwart hinein verankert. Apostel Paulus vertrat den Monotheismus ohne jede Einschränkung. Mit Blick auf die Vielgötterei (Polytheismus) der griechischen und römischen Religionen schrieb er: „So wissen wir, dass es [...] keinen Gott als den einengibt (1Kor 8,4).

3.1.3 Gott, der Heilige Nach oben

Im Alten Testament wird Gott wiederholtder Heiligegenannt (Jes 43,3; Jer 50,29; Hab 1,12). Heiligkeitdamit sind Majestät, Unantastbarkeit, Abgeschiedensein vom Profanen gemeintgehört zum Wesen Gottes, zu seinem Sein und Walten. Dies wird in Offenbarung 4,8 mit den Worten bezeugt: „Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt“ (vgl. Jes 6,3). Sein Wort und Wille sind ebenso heilig.

Die Nähe Gottes, die Gegenwart des Heiligen, die in der Heilsgeschichte wiederholt erlebt wird, gebietet Ehrfurcht vor ihm. Dass Gottes Nähe heilig und Ehrfurcht gebietend ist, erfuhr Mose, als er den brennenden Dornbusch sah und die Stimme Gottes vernahm: „Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!“ (2Mo 3,5). Die Heiligkeit Gottes heiligt den Ort, die Stätte seiner Offenbarung.

Die Teilhabe an der Heiligkeit Gottes ist Geschenk und Aufgabe zugleich: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott“ (3Mo 19,2; vgl. 1Petr 1,15.16). So ist jeder einzelne Gläubige aufgerufen, nach der Heiligkeit zu streben, die aus der Heiligkeit Gottes erwächst. Dadurchheiligter den Namen Gottes, wie es auch im GebetUnser Vaterzum Ausdruck kommt: „Dein Name werde geheiligt“ (Mt 6,9).

3.1.4 Gott, der Allmächtige Nach oben

Mit dem Bekenntnis im ersten GlaubensartikelIch glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erdewird bezeugt: Gott vermag alles, nichts ist ihm unmöglich, für ihn gibt es keinerlei Begrenzungen bei der Durchsetzung seines Willens. In Psalm 135,6 wird dies so ausgedrückt: „Alles, was er will, das tut er im Himmel und auf Erden, im Meer und in allen Tiefen.“

Deutlich zeigt sich den Menschen auch in der Schöpfung die Allmacht Gottes. Allein durch sein Wort ist alles aus Nichts geschaffen (Hebr 11,3). Gott setzt in seiner Allmacht Anfang und Ende: „Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige“ (Offb 1,8). So wird auch die neue Schöpfung Ausdruck von Gottes Allmacht sein.

Auch Jesus Christus sprach von der Allmacht Gottes: „Alle Dinge sind möglich bei Gott“ (Mk 10,27); ebenso wurde sie von Engeln bezeugt: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich“ (Lk 1,37).

Zur Allmacht Gottes gehören Allwissenheit und Allgegenwart. Die Allwissenheit Gottes wird in Psalm 139,2-4 angesprochen: „Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest.“ Im selben Psalm wird zudem auf die Allgegenwart Gottes hingewiesen: „Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten“ (Verse 8-10).

3.1.5 Gott, der Ewige Nach oben

Gott, „der Ewige“, hat weder Anfang noch Ende. Zeitliche Begrenzungen gibt es für ihn nicht. „Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Ps 90,2). Gott ist Schöpfer und Herr der Zeit: Anders als die materielle Welt, die der Zeitlichkeit unterliegt, bestimmt Gott souverän über die Zeit, schenkt Zeit oder nimmt sie auch.

Gottes Ewigkeit übersteigt den menschlichen Erfahrungshorizont. Sie ist unendlich, jedoch keine Zeitlosigkeit. Vielmehr sind vor Gott Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen präsent. Dass Gott über die Zeitdimensionen erhaben ist und über ihnen steht, klingt in 2. Petrus 3,8 an: „Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.“

3.1.6 Gott, der Liebende Nach oben

Im Alten wie im Neuen Bund zeigt sich Gott als der Liebende. Aus Liebe hat er das Volk Israel erwählt und aus der ägyptischen Gefangenschaft befreit. Gott offenbarte sich aber nicht allein dem Volk Israel in seiner geschichtlichen Tat als Liebender, sondern schließlich in Jesus Christus der gesamten Menschheit: So sehr hat Gott die Welt geliebt, „dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3,16).

Gott wendet sich nicht nur der Welt liebend zu, sondern Gott ist die Liebe (1Joh 4,16).

3.1.7 Gott, der Gnädige und Gerechte Nach oben

Gott ist der Gnädige. Seine Gnade ist Teil seiner Gerechtigkeit. Er erweist den Menschen Gnade, Barmherzigkeit, Geduld und Güte (Ps 103,8). Gott gewährt nach seiner Gerechtigkeit seinem Volk Gnade, selbst wenn es auf Abwege gerät oder den Bund nicht hält: „Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser“ (Jes 54,8).

Dass Gott der Gnädige ist, zeigt sich im Neuen Bund daran, dass er sich dem in Sünde verstrickten Menschen zuwendet und Sünde vergibt. Apostel Paulus bezeugt, dass Gott in Christus war und die Welt mit sich selber versöhnte (2Kor 5,19). Aus Gnaden spricht Gott den Ungerechten gerecht; der Sünder wird der Vergebung teilhaftig, der Heilsbedürftige erfährt Heil, also Erlösung.

Gott ist gerecht: „Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht“ (5Mo 32,4). Aussagen wieDer Sünde Sold ist der Tod“ (Röm 6,23) oderAllmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht“ (Offb 16,7) machen seine Gerechtigkeit deutlich. Er ist derjenige, der im Neuen Bund dem Sünder ohne Verdienst Gerechtigkeit durch Jesus Christus schenkt (Röm 3,24-26; 5,18).

3.1.8 Gott, der Vollkommene Nach oben

Gott ist vollkommen. Er bedarf keiner Verbesserung, irgendeiner Veränderung oder Weiterentwicklung. Er ist der Unwandelbare und von allen Bedingungen und Zwängen Freie. Sein Tun geschieht nicht aufgrund von äußerer Notwendigkeit, sondern allein aufgrund seines völlig souveränen Willens.

Mose gegenüber gab sich Gott als der mit sich völlig Identische und Vollkommene zu erkennen: „Ich werde sein, der ich sein werde“ (2Mo 3,14).

Vollkommenheit und Gutsein Gottes stehen in einem engen Verhältnis: Alles, was in Gott geschieht, alles, was von ihm ausgeht oder geschaffen wird, ist vollkommen und gut. Gottes Vollkommenheit zeigt sich auch darin, dass es zwischen Willen und Tat, zwischen Absicht und Verwirklichung keinerlei Differenz gibt. Bei Gott findet sich auch kein Misslingen oder etwas, das in sich unvollkommen wäre. Die Schöpfung hat Anteil an Gottes Vollkommenheit und Gutsein, von daher befindet Gott seine Schöpfung alssehr gut“ (1Mo 1,31).

Zur Vollkommenheit Gottes gehört auch die Wahrheit. Bei Gott finden sich keine Lüge, Täuschung oder Unsicherheit. „Dein Wort ist nichts als Wahrheit“ (Ps 119,160). Das göttliche Wort ist zuverlässig, Gott bindet sich an seine Zusagen und ist treu.

Die Wahrheit Gottes korrespondiert mit der Weisheit. Gott regiert und erfüllt die gesamte Schöpfung mit ihr: „Kraftvoll erstreckt sie sich von einem Ende zum andern und regiert das All vortrefflich“ (Weish 8,1).

Unmittelbar erfahrbar wird Gottes Vollkommenheit in Jesus Christus, „dem Anfänger und Vollender des Glaubens“ (Hebr 12,2), denn er ist in seinem Sprechen und Handeln vollkommen. Jesus Christus ist das Vorbild und der Lehrer für die Vollkommenheit, die der Mensch anstreben soll (Phil 2,5).

Dasvorgesteckte Ziel“, „der Siegespreis der himmlischen Berufung“ (Phil 3,12-16) — also die Vollkommenheit —, ist eschatologischer Natur. Vollkommenheit kann vom sündhaften Menschen wohl angestrebt, doch nicht verwirklicht werden. Durch die Annahme bei der Wiederkunft Christi und die Teilhabe an der neuen Schöpfung schenkt Gott dem Menschen schließlich umfassenden Anteil an seiner Vollkommenheit.

EXTRAKT Nach oben

Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind der eine Gott, der von Anfang ist, schafft, wirkt und erhält. (3)

Gott ist in seinem Wesen und Wirken vom Menschen mit dem Verstand nicht zu erfassenZugang zu ihm ist allein durch den Glauben möglich. (3.1)

Der eine Gott ist der Dreieine: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Damit sind nicht drei Götter gemeint, sondern drei Personen (Hypostasen). (3.1.1)

Der Glaube an den einen Gott (Monotheismus) gehört zu den grundlegenden Bekenntnissen des Alten und Neuen Testaments und ist im christlichen Glauben von den frühesten apostolischen Gemeinden an bis in die Gegenwart hinein verankert. (3.1.2)

HeiligkeitMajestät, Unantastbarkeit, Abgeschiedensein vom Profanengehört zum Wesen Gottes, zu seinem Sein und Walten. Sein Wort und Wille sind ebenso heilig. (3.1.3)

Gott vermag alles, für ihn gibt es keinerlei Begrenzungen. Zu seiner Allmacht gehören Allwissenheit und Allgegenwart. (3.1.4)

Gott hat weder Anfang noch Ende. Gottes Ewigkeit ist unendlich, jedoch keine Zeitlosigkeit. Er ist Schöpfer der Zeit und über alle Zeitdimensionen erhaben. Vor ihm sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen präsent. (3.1.5)

Gott ist die Liebe. Er zeigt sich auch in der Geschichte als der Liebende. Dies wird vor allem deutlich in der Hingabe seines Sohnes für die gesamte Menschheit. (3.1.6)

Gott ist der Gnädige und der Gerechte. Seine Gnade zeigt sich auch daran, dass er Sünde vergibt. Er schenkt dem Sünder Gerechtigkeit durch Jesus Christus. (3.1.7)

Gott ist der Vollkommene. Seine Werke und Wege sind ohne Mangel. Sein Tun geschieht allein aufgrund seines völlig souveränen Willens. Gott bindet sich an seine Zusagen und ist treu. Unmittelbar erfahrbar wird Gottes Vollkommenheit in Jesus Christus. (3.1.8)

3.2 Gott — Vater, Sohn und Heiliger Geist Nach oben

Gott hat sich selbst offenbart als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist. So lässt sich Gott als der Dreieinige erkennen. Diese Selbstoffenbarung Gottes bildet die Grundlage der Lehre von der Dreieinigkeit (Trinität). Gottes Wirken in der Geschichte und der Schöpfung findet jeweils als das des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes statt. Gott offenbart sich als Schöpfer, als Erlöser und Versöhner und als Neuschöpfer. Im Leben Jesubei seiner Taufe, Verklärung, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrtsowie bei der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten gab Gott sein dreieiniges Wesen kund: Er ist Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Das Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes kommt im Alten und Neuen Testament in unterschiedlicher Weise zur Sprache. Dabei findet sich aber in der Heiligen Schrift weder der Begriff noch eine Lehre von der Dreieinigkeit. Sie wurde in der frühen Kirche aufgrund biblischer Zeugnisse erkannt und formuliert.

3.2.1 Hinweise auf den dreieinigen Gott im Alten Testament Nach oben

Ein erster Hinweis auf das Wirken des dreieinigen Gottes steht im ersten Schöpfungsbericht (1Mo 1,1-31; 2,1-4). Dort wird gesagt: „Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ (1Mo 1,2), sowie: „Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“ (1Mo 1,26). Die im hebräischen Text verwendete GottesbezeichnungElohimist Mehrzahl, bedeutetdas Göttlicheund auchGötterund ist im Licht des Evangeliums als Hinweis auf den dreieinigen Gott zu verstehen.

Die unterschiedlichen göttlichen ManifestationenEngel des Herrn“ (1Mo 16,7-11.13; 2Mo 3,2-5; Ri 6,11-16), „Geist GottesoderGeist des Herrn“ (Ri 3,10; 1Sam 16,13) werden als Andeutungen des Geheimnisses der Dreieinigkeit Gottes aufgefasst. Auch sprechen dazu die Begebenheiten und Hinweise, in denen die Dreizahl erscheint:

  • Die drei Gottesboten, die zu Abraham kommen (1Mo 18), werden in der christlichen Tradition als Andeutung des Geheimnisses der göttlichen Dreieinigkeit verstanden.

  • Ebenso wird das Wirken des dreieinigen Gottes aus dem Aaronitischen Priestersegen in Mose 6,24-26 gedeutet: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“

  • Auch der dreifache Lobpreis des Engels in der Berufungsvision des Propheten Jesaja wird als Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes angesehen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ (Jes 6,3).

3.2.2 Hinweise auf den dreieinigen Gott im Neuen Testament Nach oben

Wenn sich auch im Neuen Testament keine ausformulierte Lehre von der Trinität findet, sind doch Geschehnisse und Formulierungen überliefert, die die göttliche Dreieinigkeit in ihrer heilsgeschichtlichen Wirksamkeit deutlich machen. Ein Beispiel für die Gegenwart des dreieinigen Gottes findet sich gleich zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu, als bei seiner Taufe der Vater und der Heilige Geist die Sendung des Mensch gewordenen Gottessohnes bezeugen: „Alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (Mk 1,10.11). Der Gottessohn, so zeigt sich an dieser Stelle, wirkt in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist.

Vater, Sohn und Heiliger Geist werden auch im Taufbefehl genannt, den Jesus Christus vor seiner Himmelfahrt den Aposteln gab (Mt 28,18.19).

Hinweise auf die Zusammengehörigkeit der göttlichen Personen finden sich im Johannes-Evangelium, wenn von der Einheit des Sohnes mit dem Vater die Rede ist und Jesus Christus spricht: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30; vgl. Joh 1,1.18). Auch die Verheißung des Heiligen Geistes verweist auf die Trinität Gottes (Joh 16,13-15).

In den Briefen des Neuen Testaments gibt es weitere Hinweise auf die Dreieinigkeit Gottes. Sie finden sich im Lobpreis Gottes oder auch in Segensformeln. So heißt es in 1. Korinther 12,4-6: „Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.“ Die Einzigkeit Gottes wird hier ebenso angesprochen wie die unterschiedlichen personalen Selbstoffenbarungen. Dass das Wirken Gottes Hinweise auf sein trinitarisches Wesen enthält, bezeugt auch Epheser 4,4-6: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“ Auch in 1. Petrus 1,2 wird vom Heilshandeln des dreieinigen Gottes gesprochen: „[...] die Gott, der Vater, ausersehen hat durch die Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi.“

Einen deutlichen Verweis auf die Dreieinigkeit Gottes stellt die Segensformel am Schluss des zweiten Korintherbriefs dar: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2Kor 13,13).

3.2.3 Entwicklung der Lehre von der Dreieinigkeit Nach oben

Das Erkennen der Dreieinigkeit Gottes und ihre Darstellung in Lehrsätzen setzten schon kurz nach Abfassung der neutestamentlichen Schriften ein. Um diese Zusammenhänge sprachlich zu fassen, wurden antike philosophische Begriffe wiePersonoderHypostasesowieSubstanzbenutzt. Eine Lehre von der Dreieinigkeit zu formulieren, diente zum einen dazu, die aus dem Glauben gewonnene Erkenntnis zu versprachlichen; zum anderen ging es darum, den Glauben vor Irrlehren zu schützen, die ein Gottesbild zu vermitteln suchten, das dem des neutestamentlichen Zeugnisses nicht entsprach. Die Lehre von der Dreieinigkeit wurde auf den ersten Konzilien des vierten und fünften Jahrhunderts ausformuliert.

Der BegriffTrinitätwurde von Theophilos von Antiochia, der in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts lebte, geprägt; der Kirchenlehrer Tertullian (* um 160, † um 220) machte ihn populär. Tertullian betonte die Einheit Gottes — „eine [göttliche] Substanz [in] drei Personen“ (lat.: „una substantia tres personae“) — und bezog erstmals den BegriffPersonauf Vater, Sohn und Heiligen Geist.

Auf dem Konzil von Nizäa (325) wurde die göttliche Wesenseinheit von Vater und Sohn ausdrücklich festgehalten. Unmittelbaren Anlass hierfür gab die Lehre des Arius († 336), der behauptete, dass der präexistente Sohn vom Vater aus dem Nichts erschaffen worden, also die erste Schöpfertat Gottes gewesen sei. Dagegen bestand das Konzil darauf, dass der Sohn kein Geschöpf, sondern von Ewigkeit her Teil der Dreieinigkeit Gottes ist.

Diese alsArianischer Streitbekannte Kontroverse war mit dem Konzil von Nizäa nicht beendet, sondern zog sich bis zum Konzil von Konstantinopel (381) hin. Auf diesem Konzil wurde zum Ausdruck gebracht, dass der Heilige Geist ebenso Person und wahrer Gott ist wie der Vater und der Sohn.

In den darauffolgenden Jahren wurde bis auf wenige Ausnahmen die Trinitätslehre in der Christenheit allgemein anerkannt. Allerdings waren die Überlegungen zur Trinitätslehre noch nicht abgeschlossen. Vor allem durch den Einfluss des Kirchenvaters Augustinus (* 354, † 430) wurde später in der Westkirche betont, dass der Heilige Geist gleichermaßen vom Vater und vom Sohn ausgehe. Dagegen beharrte die Ostkirche auf einer älteren Fassung des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel, die besagt, dass der Heilige Geist vom Vater durch den Sohn ausgehe.

Die Reformatoren haben den Glauben an die Dreieinigkeit Gottes von der alten Kirche (zweites bis sechstes Jahrhundert) übernommen. Die Lehre von der Trinität istbis auf die oben genannte abweichende Auffassung über den Heiligen Geistallen christlichen Kirchen gemein. Sie gehört zu den grundlegenden Aussagen des christlichen Glaubens und ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den beiden anderen abrahamitischen Religionen, dem Judentum und dem Islam.

Auf der elften Kirchensynode von Toledo (675) wurde verkündigt: „Der Vater ist dasselbe wie der Sohn, der Sohn dasselbe wie der Vater, der Vater und der Sohn dasselbe wie der Heilige Geist, nämlich von Natur ein Gott.“

3.2.4 Die Einheit der drei göttlichen Personen Nach oben

Christen bekennen den einen dreieinigen Gott. Jede der göttlichen PersonenVater, Sohn und Heiliger Geistist wahrer Gott. Der christliche Glaube besagt, dass Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, schon immer, das heißt von Ewigkeit her, ist.

Vater“, „SohnundHeiliger Geistsind demnach nicht nur Namen, die unterschiedliche Seins- oder Offenbarungsweisen Gottes bezeichnen, sondern die drei Namen stehen für die in ihrem Sein voneinander verschiedenen göttlichen Personen. Tatsächlich ist der Vater nicht derselbe wie der Sohn, und der Sohn ist nicht derselbe wie der Vater; der Heilige Geist ist nicht derselbe wie der Vater oder der Sohn: Denn der Vater ist der Zeugende, der Sohn ist der Gezeugte und der Heilige Geist ist der aus beiden Hervorgehende.

Die drei göttlichen Personen beziehen sich immerwährend aufeinander und sind ewig eins. Die Verschiedenheit der drei göttlichen Personen zerteilt die Einheit Gottes nicht, denn sie sind eine Natur bzw. Substanz. In ihnen gibt es keinen Gegensatz des Willens. Der Vater ist ganz im Sohn, ganz im Heiligen Geist; der Sohn ist ganz im Vater, ganz im Heiligen Geist; der Heilige Geist ist ganz im Vater, ganz im Sohn.

Christen bekennen, dass alle Taten Gottes in Schöpfung, Erlösung und Neuschöpfung Taten des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes sind. Zwar sind alle göttlichen Taten zugleich Taten des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, doch nicht immer in gleicher Weise. Zwar ist die Schöpfung das Werk Gottes, des Vaters, und Gottes, des Sohnes, nicht aber ist Gott, der Vater, oder Gott, der Heilige Geist, Mensch geworden, sondern allein Gott, der Sohn. Nicht der Vater oder der Sohn, sondern allein der Heilige Geist ist ausgegossen. In der christlichen Tradition wird den drei göttlichen Personen jeweils ein Schwerpunkt zugeordnet (Appropriation): Gott, der Vater, ist Schöpfer, der Sohn Erlöser und der Heilige Geist Neuschöpfer.

EXTRAKT Nach oben

Gottes Wirken in Schöpfung und Geschichte ist Handeln des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. (3.2)

Hinweise auf die Dreieinigkeit Gottes finden sich im ersten Schöpfungsbericht, in den drei Gottesboten bei Abraham, im dreifachen Aaronitischen Segen und im dreifachen Lobpreis des Engels in der Berufungsvision des Propheten Jesaja. (3.2.1)

Ein Beispiel für die Gegenwart des dreieinigen Gottes findet sich bei der Taufe Jesu, bei der der Vater und der Heilige Geist die Sendung des Sohnes bezeugen. Vater, Sohn und Heiliger Geist werden auch in Jesu Taufbefehl genannt sowie in der Segensformel in 2. Korinther 13,13. (3.2.2)

Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist auf den Konzilien des vierten und fünften Jahrhunderts formuliert worden. Auf dem Konzil von Nizäa wurde die göttliche Wesenseinheit von Vater und Sohn verbindliche Lehre. Auf dem Konzil von Konstantinopel wurde die Wesenseinheit des Heiligen Geistes mit dem Vater und dem Sohn festgeschrieben. (3.2.3)

Vater“, „SohnundHeiliger Geistsind in ihrem Sein verschiedene göttliche Personen, sie beziehen sich immerwährend aufeinander und sind ewig eins. (3.2.4)

In der christlichen Tradition wird den drei göttlichen Personen jeweils ein Schwerpunkt zugeordnet: Gott, der Vater, ist Schöpfer, Gott, der Sohn, ist Erlöser, Gott, der Heilige Geist, ist Neuschöpfer. (3.2.4)

3.3 Gott, der Vater Nach oben

Gott offenbart sich als Vater in nicht zu überbietender Weise in der Menschwerdung Gottes, des Sohnes: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. [...] Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt“ (Joh 1,14.18). Von Ewigkeit her zeugt Gott, der Vater, seinen eingeborenen (das heißt: einzig geborenen) Sohn (siehe 3.4.1). Dieses Geheimnis erschließt sich nur dem, dem es der Sohn offenbart: „Niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will“ (Mt 11,27).

Wenn der Glaubende den BegriffVaterim Zusammenhang mit Gott verwendet, verbinden sich damit die Gesichtspunkte des Erschaffens, der Autorität und der Fürsorge. Gott ist Ursprung und Erhalter des von ihm Geschaffenen. Insofern darf jeder Mensch Gott, der sein Schöpfer ist, als Vater ansprechen.

In alttestamentlicher Zeit offenbarte sich Gott als liebender und sorgender Vater in Hinsicht auf das Volk Israel. Zu Mose sagte er: „Und du sollst zu ihm [dem Pharao] sagen: So spricht der Herr: Israel ist mein erstgeborener Sohn; und ich gebiete dir, dass du meinen Sohn ziehen lässt, dass er mir diene“ (2Mo