Catechismus

2 Das Glaubensbekenntnis

Ein Glaubensbekenntnis fasst die wesentlichen Inhalte einer Glaubenslehre zusammen. Wer sich dazu bekennt, erfüllt eine der Voraussetzungen, zur jeweiligen Glaubensgemeinschaft zu gehören: Er glaubt, wozu sich auch alle übrigen Mitglieder in der Gemeinschaft bekennen. Eine Glaubensgemeinschaft definiert sich insoweit durch ihr Bekenntnis und unterscheidet sich dadurch von anderen.

2.1 Biblische Glaubensbekenntnisse Nach oben

Schon der Alte Bund hatte seine Bekenntnisformeln: Das Bekenntnis zu Jahwe als dem Gott Israels wird verbunden mit der geschichtlichen Heilstat Gottes an seinem Volk, der Errettung aus der ägyptischen Sklaverei (5Mo 26,5-9). Das Bekenntnis zu dem einen Gott bedingt die Absage an andere Götter (Jos 24,23).

Im Mittelpunkt des Synagogen-Gottesdienstes steht das Glaubensbekenntnis „Höre Israel“ („Schma Jisrael“), in dem es unter anderem heißt: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein [...] Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt“ (5Mo 6,4-7).

In den neutestamentlichen Bekenntnissen wird die Heilstat Gottes in Jesus Christus zum Ausdruck gebracht. Schon früh gab es Formeln, in denen die Christen bei der Taufe oder im Gottesdienst ihren Glauben ausdrückten.

Ein Beispiel dafür ist die Formel „Jesus ist der Herr“ (Röm 10,9). Eine wichtige Aussage in urkirchlichen Bekenntnissen ist die Bekundung der Auferstehung des Herrn: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden“ (Lk 24,34; vgl. 1Kor 15,3-5). Auch „Maranata“ (1Kor 16,22) — eine Übersetzung lautet: „Unser Herr kommt!“ — kann als Bekenntnis verstanden werden. Es war zuerst in den aramäisch sprechenden Gemeinden der Urkirche gebräuchlich.

Weitere Bekenntnisse zu Jesus Christus, seinem Wesen und Werk finden sich in den urchristlichen Hymnen, wie zum Beispiel in 1. Timotheus 3,16: „Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit“ (vgl. Phil 2,6-11; Kol 1,15-20).

2.2 Entstehung der altkirchlichen Glaubensbekenntnisse Nach oben

Als sich das Evangelium im Römischen Reich immer mehr ausbreitete, blieben viele, die Christ wurden, zu einem Teil ihren bisherigen religiösen oder philosophischen Auffassungen verhaftet. Durch die Verbindung dieser Anschauungen mit der christlichen Lehre kam es zu Irrlehren, wodurch die Gläubigen verunsichert wurden. Insbesondere über die Dreieinigkeit Gottes und die Lehre vom Wesen, von der Natur Jesu Christi entbrannte heftiger Streit. Um dem entgegenzutreten, bemühte man sich, Glaubensbekenntnisse zu formulieren, die für den Glauben der Gemeinde und damit auch des Einzelnen verbindlich sein sollten. Maßstab dafür, ob eine Aussage vom Wesen und Wirken Gottes Eingang in die Glaubensbekenntnisse fand, war ihre Übereinstimmung mit der Lehre Christi und seiner Apostel. Im Lauf der Zeit wurden Glaubensbekenntnisse formuliert: das Apostolische Glaubensbekenntnis (Apostolikum), das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel und das Athanasianische Glaubensbekenntnis.

2.2.1 Das Apostolische Glaubensbekenntnis Nach oben

Das Apostolische Glaubensbekenntnis hat seinen Ursprung in der frühen nachapostolischen Zeit. Wesentliche Aussagen gründen auf der Predigt, die Apostel Petrus im Haus des Kornelius hielt (Apg 10,37-43). Das Apostolikum wurde in seinen Grundzügen im zweiten Jahrhundert zusammengestellt und im vierten Jahrhundert leicht ergänzt. Es hat folgenden Wortlaut:

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige allgemeine [katholische] Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.“

2.2.2 Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel Nach oben

Im Jahr 325 berief Kaiser Konstantin das Konzil von Nizäa ein. Ungefähr zweihundertfünfzig bis dreihundert Bischöfe folgten der Einladung des Kaisers. Dieser sah in dem weit verbreiteten christlichen Glauben eine potenziell staatstragende Macht. Da die Einheit des Christentums wegen eines Streits über das Wesen Christi („Arianischer Streit“) gefährdet war, lag ihm daran, dass die Bischöfe eine einhellige Lehraussage formulierten.

Wichtigstes Ergebnis des Konzils war das Glaubensbekenntnis von Nizäa. Es wurde auf weiteren Konzilien — darunter das bedeutsame Konzil zu Konstantinopel (381) — bis zum achten Jahrhundert präzisiert und trägt die Bezeichnung „Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel“. Insbesondere wird in ihm — über das Apostolikum hinausgehend — das Bekenntnis zur Dreieinigkeit Gottes festgeschrieben und die Wesensmerkmale der Kirche werden herausgestellt.

Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel lautet:

„Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein. Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht [2], der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, allgemeine [katholische] und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.“

Ein in seinen Aussagen dem Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel entsprechendes Glaubensbekenntnis ist das wesentlich detailliertere Athanasianische Glaubensbekenntnis, das wohl im sechsten Jahrhundert entstanden ist und auf der Synode in Autun (um 670) öffentlich bekanntgemacht wurde.

[2] Die Aussage, dass der Heilige Geist auch „aus dem Sohn“ hervorgeht („filioque“), gehört nicht zum ursprünglichen Text des Bekenntnisses. Die Formulierung wurde im achten Jahrhundert innerhalb der westlichen Kirche eingefügt. Darüber kam es mit der Ostkirche zum Streit, die diesen Zusatz bis heute nicht akzeptiert. Dieser Streit war einer der Gründe für die Trennung in Ost- und Westkirche im Jahr 1054. Aus der Westkirche gingen die römisch-katholische Kirche, die altkatholischen Kirchen sowie die Kirchen der Reformation hervor, aus der Ostkirche die orthodoxen Nationalkirchen.

2.3 Die altkirchlichen Bekenntnisse und ihre Bedeutung für die Neuapostolische Kirche Nach oben

Die Lehre der Neuapostolischen Kirche beruht auf der Heiligen Schrift. In den altkirchlichen Glaubensbekenntnissen kommen die Grundlagen des christlichen Glaubens zur Sprache, wie sie im Alten und Neuen Testament bezeugt werden. Die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse gehen über das in der Heiligen Schrift Bezeugte nicht hinaus, sie fassen es vielmehr in prägnanten und verbindlichen Worten zusammen. Insofern reichen sie über die Konfessionsgrenzen hinaus und stellen — wie die Heilige Wassertaufe — ein die Christen verbindendes Glied dar.

Die Neuapostolische Kirche bekennt sich zu dem in den beiden altkirchlichen Bekenntnissen formulierten Glauben an den dreieinigen Gott, an Jesus Christus als wahren Gott und wahren Menschen, an seine Geburt durch die Jungfrau Maria, an die Sendung des Heiligen Geistes, an die Kirche, die Sakramente, die Erwartung der Wiederkunft Christi und die Auferstehung der Toten.

EXTRAKT Nach oben

Ein Glaubensbekenntnis fasst die wesentlichen Inhalte einer Glaubenslehre zusammen. Dadurch definiert sich eine Glaubensgemeinschaft und unterscheidet sich von anderen. (2)

Schon der Alte Bund hatte seine Bekenntnisformeln, in denen das Bekenntnis zu dem einen Gott verbunden wird mit seiner geschichtlichen Heilstat, der Errettung aus Ägypten. (2.1)

In den neutestamentlichen Bekenntnissen wird die Heilstat Gottes in Jesus Christus zum Ausdruck gebracht. (2.1)

Als über die Dreieinigkeit Gottes und die Lehre von der Natur Jesu Christi Streit entbrannte, wurden für die Kirche Glaubensbekenntnisse formuliert. Maßstab für ihre Formulierung war das Neue Testament, also die Lehre Christi und seiner Apostel. (2.2)

Es entstanden das Apostolische Glaubensbekenntnis (Apostolikum) und das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Das Apostolische Glaubensbekenntnis wurde in seinen Grundzügen im zweiten Jahrhundert zusammengestellt und im vierten Jahrhundert leicht ergänzt. Im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel wird insbesondere die Dreieinigkeit Gottes zum Ausdruck gebracht. (2.2.1; 2.2.2)

Die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse fassen das in der Heiligen Schrift Bezeugte prägnant und verbindlich zusammen. Insofern reichen sie über die Konfessionsgrenzen hinaus und stellen ein die Christen verbindendes Glied dar. (2.3)

Die Neuapostolische Kirche bekennt sich zu dem in den beiden altkirchlichen Bekenntnissen formulierten Glauben. (2.3)

2.4 Das neuapostolische Glaubensbekenntnis Nach oben

Die für den Glauben maßgebende Auslegung der Heiligen Schrift und der altkirchlichen Bekenntnisse ist Aufgabe des Apostolats. Ein wichtiges Ergebnis ist das neuapostolische Glaubensbekenntnis. In ihm kommen Glaube und Lehre der Neuapostolischen Kirche verbindlich zum Ausdruck.

Das neuapostolische Glaubensbekenntnis steht in engem Zusammenhang mit den altkirchlichen Bekenntnissen. Die ersten drei Artikel entsprechen weitgehend dem Apostolikum; sie betonen also die Bedeutung dieses altkirchlichen Bekenntnisses. Die darauffolgenden sieben Artikel stellen eine Auslegung, Weiterführung und Ergänzung dieser Bekenntnisse dar — die Ämter, die Sakramente, die Lehre von den letzten Dingen sowie das Verhältnis von Mensch und Gesellschaft betreffend.

Seit seinem Entstehen ist das neuapostolische Glaubensbekenntnis mehrfach geändert worden. Dies geschah, um einer sach- und zeitgemäßen Entfaltung der neuapostolischen Glaubenslehre gerecht zu werden. Auslegung ist ein Geschehen, das sich fortgesetzt vollziehen kann. Sie ist Bestandteil lebendiger Tradition, wie sie in den Schriften des Neuen Testaments selber und in der auf ihnen gründenden Interpretationsarbeit der nachfolgenden Generationen geschah. Lebendige Tradition ist somit nicht starr, sondern gekennzeichnet durch Bewahrung und Veränderung. Beides ist für Tradition, mithin auch für die Auslegung, von entscheidender Bedeutung: Bewahrung ist für die kirchliche Lehre unverzichtbar, will sie nicht geschichtsvergessen sein und sich von ihren Ursprüngen trennen; Veränderung ist für die kirchliche Lehre unverzichtbar, will sie nicht an den gegenwärtigen Generationen vorbeireden und in der je zeitgemäßen Erkenntnis erstarren.

Durch die Zeit hindurch wird im Bekenntnis der Glaube an den dreieinigen Gott, an Jesus Christus als den Mensch gewordenen Gott, an seinen Opfertod, seine Auferstehung und seine Wiederkunft, an die Kirche als heilsvermittelnde Instanz, an die Sendung der Apostel und an die Sakramente als Heilszuwendungen Gottes weitergetragen.

Neuapostolische Christen sollen sich zu den Glaubensartikeln bekennen. Das Glaubensbekenntnis soll ihre Glaubenshaltung prägen. Es dient auch dazu, andere Menschen in knapper Form mit wesentlichen Inhalten des neuapostolischen Glaubens bekanntzumachen.

Das neuapostolische Glaubensbekenntnis ist aus dem Wissen heraus formuliert, dass Gottes Liebe, Gnade und Allmacht in lehrmäßigen und bekenntnishaften Ausführungen nicht erschöpfend entfaltet werden können und dass sie immer noch größer sind als das, was Menschen von ihnen zu sagen vermögen. Das Glaubensbekenntnis zieht somit keine Grenze, die anderen Christen eine Teilhabe am Heil abspricht.

2.4.1 Der erste Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Nach oben

Der erste Artikel spricht vom Schöpfersein Gottes, des Vaters (siehe 3.3). Dass Gott Schöpfer ist, wird im Alten und im Neuen Testament bezeugt. Schöpfung umfasst Himmel und Erde, nämlich — wie es im Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel heißt — „die sichtbare und die unsichtbare Welt“. Das Materielle und das Geistige sind aufgrund von Gottes Schöpfertat vorhanden: Gott ist Urheber der gesamten Wirklichkeit und sie gibt Zeugnis von ihm.

Gott ist nicht nur allmächtig in Bezug auf sein Schöpfungswerk, sondern er ist stets der Allmächtige. Die Allmacht Gottes zeigt sich unter anderem darin, dass er der voraussetzungslose Urheber der Schöpfung ist: Der freie Willensakt Gottes schafft das Seiende aus dem Nichts („creatio ex nihilo“, vgl. Hebr 11,3).

Zwar wird im ersten Glaubensartikel von Gott, dem Vater, als Schöpfer gesprochen, doch sind Gott, der Sohn, und Gott, der Heilige Geist, in das Schöpfungsgeschehen einbezogen. Denn der dreieinige Gott ist insgesamt Schöpfer, was in 1. Mose 1,26 angedeutet wird: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.“ In Johannes 1,1 und Kolosser 1,16 wird ausdrücklich auf das Schöpfersein des Sohnes hingewiesen.

2.4.2 Der zweite Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben, begraben, eingegangen in das Reich des Todes, am dritten Tag auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er wiederkommen. Nach oben

Der zweite Glaubensartikel spricht von Jesus Christus, dem Grund und Inhalt christlichen Glaubens. Jede Aussage dieses Artikels hat einen unmittelbaren neutestamentlichen Bezug. Schon die Bezeichnung „Jesus Christus“ ist ein Bekenntnis, nämlich zu Jesus von Nazareth als dem verheißenen und von Israel erwarteten Messias (aus dem Hebräischen: „Gesalbter“, gr.: „Christus“).

Doch Jesus ist nicht nur Messias, sondern auch „Gottes eingeborener Sohn“ (Joh 1,14.18). Durch diese Formulierung wird das wesensmäßige Verhältnis zwischen Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn, zur Sprache gebracht. Was die Formel „eingeborener Sohn“ heißt, verdeutlicht das Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel: Der Sohn ist „aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“. Dieser „eingeborene Sohn“ ist „unser Herr“. „Herr“ ist im Alten Testament die Bezeichnung Gottes, im Neuen Testament wird sie auf Jesus übertragen, um so sein göttliches Wesen zu verdeutlichen. „Herr“ bedeutet hier auch, dass Jesus Christus die Herrschaft über Himmel und Erde innehat (Phil 2,9-11).

Die nachfolgenden Aussagen betreffen den göttlichen Ursprung des Menschen Jesus und seine wunderbare Geburt. Jesus ist empfangen durch den Heiligen Geist (Lk 1,35; Mt 1,18), er hat somit seinen Ursprung nicht in der natürlichen Zeugung durch einen Mann, denn Maria war Jungfrau, als sie Jesus gebar (Lk 1,27). Die Jungfrauengeburt ist nicht als etwas Nebensächliches oder nur als antike mythologische Vorstellung anzusehen, sondern sie gehört zu den christlichen Grundüberzeugungen. Die Erwähnung der Maria in den Evangelien zeigt, dass Jesus wirklicher Mensch war und eine Mutter hatte.

Die Geschichtlichkeit Jesu wird zudem durch die Nennung von „Pontius Pilatus“ deutlich. Dieser war in den Jahren 26 bis 36 n.Chr. römischer Statthalter in Palästina, sodass Jesu Leiden in der Zeit seiner Regierung geschehen sind (Joh 18,28 ff.).

Dann werden drei wesentliche Geschehnisse erwähnt, die Jesus betreffen: „gekreuzigt, gestorben, begraben“. Dies lässt noch einmal das wahre Menschsein Jesu deutlich werden: Er musste einen schimpflichen Tod, nämlich den Tod am Kreuz, erdulden. Er starb und wurde begraben; damit nahm er am allgemeinen Menschenschicksal teil. Das Besondere wird erst durch das Geschehen „am dritten Tag auferstanden von den Toten“ zum Ausdruck gebracht. Hier handelt es sich also um etwas, das die menschliche Erfahrungswelt weit hinter sich lässt und allein vom Glauben her ausgesagt und verstanden werden kann. Hinter dieser Formulierung steht eine Bekenntnisformel, die schon in 1. Korinther 15,3.4 Erwähnung findet: „Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift.“ Der zweimalige Verweis „nach der Schrift“ zeigt, dass es sich hier nicht um beliebige Ereignisse handelt, sondern um heilsgeschichtliche Notwendigkeiten. Jesus Christus „ist auferstanden von den Toten“, seine Auferstehung ist Voraussetzung und Verheißung der Auferstehung der Toten überhaupt.

Allerdings enthält das Apostolikum zwischen „gestorben“ und „am dritten Tage auferstanden“ noch den Einschub „eingegangen in das Reich des Todes“. Der neutestamentliche Beleg dazu findet sich in 1. Petrus 3,19. Dort ist die Rede davon, dass Jesus nach seinem Kreuzestod „gepredigt [hat] den Geistern im Gefängnis“.

Auf das Bekenntnis „auferstanden von den Toten“ folgt, dass Jesus Christus „aufgefahren [ist] in den Himmel“ (vgl. Apg 1,9-11). Das Erdenleben Jesu sowie seine unmittelbare Präsenz als Auferstandener haben damit ihren Abschluss gefunden. Die Aufnahme des Auferstandenen in den Himmel bedeutet seine Rückkehr zum Vater und seine Erhöhung. Das Erhöhtsein Jesu Christi findet seinen sprachlichen Ausdruck in der Formel: „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“ (vgl. Kol 3,1).

Am Ende des zweiten Glaubensartikels wird zum Ausdruck gebracht, dass der erhöhte Herr wiederkommen wird, um die Seinen zu sich zu holen (Joh 14,3).

2.4.3 Der dritte Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube an den Heiligen Geist, die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Nach oben

Zu Beginn des dritten Glaubensartikels wird der Glaube an den Heiligen Geist bekannt. Der Heilige Geist ist die dritte Person der Gottheit. Das göttliche Wesen des Heiligen Geistes, seine Einheit mit dem Vater und dem Sohn, bringt wieder das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel zum Ausdruck: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und uns lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten“. Der Gläubige bekennt sich zu dem Heiligen Geist und dessen Gottsein.

Ein Werk des Heiligen Geistes ist die Kirche. Die Kirche ist nicht etwas, was von Menschen ausgeht oder geschaffen wurde, sie ist vielmehr göttliche Stiftung. Sie ist die Versammlung derjenigen, die getauft sind, ihr Leben in der Nachfolge Christi führen und Jesus Christus als ihren Herrn bekennen. Die Bestimmung der Kirche Jesu Christi besteht zum einen darin, dem Menschen Heil und ewige Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott zugänglich zu machen, und zum anderen darin, Gott Anbetung und Lobpreis darzubringen.

Die Kirche Jesu Christi hat eine verborgene und eine offenbare Seite. In dieser Hinsicht entspricht sie den zwei Naturen Jesu Christi, der wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist. Die verborgene Seite der Kirche (siehe auch 6.3) lässt sich mit dem menschlichen Verstand nicht ergründen, erschließt sich aber durch den Glauben und wird beispielsweise erfahrbar in den Sakramenten und im gepredigten Wort Gottes, also in all den Zeichen göttlichen Heils und göttlicher Nähe. Die offenbare Seite der Kirche verweist auf das wahre Menschsein Jesu Christi. Wie der Mensch Jesus ist die Kirche Teil der Menschheitsgeschichte. Allerdings war der Mensch Jesus ohne Sünde, dies ist bei der sichtbaren Seite der Kirche nicht so, denn durch die in ihr handelnden Menschen hat sie Anteil an deren Sündhaftigkeit. Insofern finden sich in der Kirche auch die Fehler und Mängel der Menschheitsgeschichte.

Im Apostolikum ist lediglich von der „heiligen allgemeinen Kirche“ die Rede. Die Formulierung „die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche“ ist dem Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel entnommen. Diese Formulierung macht die wesentlichen Kriterien von Kirche Christi deutlich: Sie ist „eine“, sie ist „heilig“, sie ist „allgemein“ und sie ist „apostolisch“.

Die Kirche ist „eine“: Dass die Kirche Jesu Christi eine ist, ist begründet in dem Bekenntnis zu dem einen Gott. Gott, der Vater, ist der Schöpfer. Jesus Christus ist alleiniges Haupt der Kirche, er ist der eine Herr. Der eine Heilige Geist wirkt in dieser Kirche und erfüllt die Glaubenden mit der Erkenntnis der Wahrheit.

Die Kirche ist „heilig“: Die Heiligkeit ist der Kirche von Gott geschenkt worden. In ihr wird Heiliges sichtbar — etwa in den Sakramenten —, und der Heilige Geist wirkt in ihr.

Die Kirche ist „allgemein“ (gr.: „katholisch“): Die Allgemeinheit oder Katholizität der Kirche besagt, dass sie allumfassend ist, also das von Menschen Erfahrbare weit übersteigt. In der Kirche findet der universale Heilswille Gottes seinen unmittelbaren Ausdruck, insofern umschließt sie Diesseitiges und Jenseitiges, Vergangenes und Gegenwärtiges. Sie reicht auch in die Zukunft hinein und findet ihre Vollendung in der neuen Schöpfung.

Die Kirche ist „apostolisch“: Die Apostolizität der Kirche hat einen inhaltlichen und einen personalen Aspekt. Apostolisch ist die Kirche zunächst deshalb, weil in ihr das Evangelium von Tod, Auferstehung und Wiederkunft Christi, wie es die urchristlichen Apostel gepredigt haben, verkündigt wird. Die Kirche ist zum anderen apostolisch, weil in ihr das apostolische Amt in gegenwärtig wirkenden Aposteln geschichtliche Realisierung erfährt.

In ihrer geschichtlichen Verwirklichung wird die Kirche dem Gebot der Einheit, Heiligkeit, Allgemeinheit und Apostolizität nicht in vollem Umfang gerecht. Das liegt unter anderem auch an der Sündhaftigkeit der Menschen, die in ihr tätig sind. Trotz dieser Unzulänglichkeiten bleibt die Kirche Christi nicht in der Verborgenheit und Unzugänglichkeit. Sie ist dort am deutlichsten wahrnehmbar, wo das Apostelamt, die Spendung der drei Sakramente an Lebende und Tote sowie die rechte Wortverkündigung vorhanden sind. Dort ist das Erlösungswerk des Herrn [3] aufgerichtet, in dem die Braut Christi für die Hochzeit im Himmel bereitet wird.

Obwohl die Glaubenden insgesamt Anteil an der Heiligkeit der Kirche haben, ist doch die „Gemeinschaft der Heiligen“ im engeren Sinne eine eschatologische Größe. Sie besteht aus denjenigen, die zur Braut gehören werden. Sie wird also erst bei der Wiederkunft Christi offenbar werden. Im weiteren Sinne ist „Gemeinschaft der Heiligen“ aber auch eine gegenwärtige Größe: Ihr gehören alle an, die zur Kirche Christi zählen. Schließlich wird sich die „Gemeinschaft der Heiligen“ in der neuen Schöpfung in ihrer Vollendung zeigen.

Die Möglichkeit der „Vergebung der Sünden“, die durch das Opfer Christi geschaffen wurde, ist ebenfalls Bekenntnisgegenstand. Die grundlegende Befreiung von der Herrschaft der Sünde geschieht in der Heiligen Wassertaufe, in der die Erbsünde abgewaschen wird.

Der dritte Glaubensartikel endet mit zwei eschatologischen Hoffnungen, nämlich mit der auf „die Auferstehung der Toten" und der auf „das ewige Leben“. Der Glaube an die Auferstehung Jesu und die darin begründete Auferstehung der Toten gehört zu den wesentlichen christlichen Gewissheiten. „Auferstehung der Toten“ bedeutet, dass die in Christus Gestorbenen ihren verherrlichten Leib empfangen, wodurch sie an Gottes Herrlichkeit teilhaben können (1Kor 15,42-44).

Mit einem Ausblick auf das „ewige Leben“, auf die unaufhörliche Gemeinschaft mit Gott in der neuen Schöpfung, schließt der dritte Glaubensartikel.

[3] Unter dem Begriff „Erlösungswerk des Herrn“ versteht man im Allgemeinen die Heilstat Jesu, die abgeschlossen ist. Wird dieser Begriff hier verwendet, ist damit der Teil der Kirche gemeint, in dem die Apostel wirken und jene Heilsgaben vermitteln, die der Bereitung der Erstlinge, der Braut Christi, dienen.

2.4.4 Der vierte Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube, dass der Herr Jesus seine Kirche regiert und dazu seine Apostel gesandt hat und noch sendet bis zu seinem Wiederkommen mit dem Auftrag, zu lehren, in seinem Namen Sünden zu vergeben und mit Wasser und Heiligem Geist zu taufen. Nach oben

Der vierte Glaubensartikel spezifiziert den Glauben an die Kirche, von dem schon im dritten Artikel die Rede ist. Es geht in diesem Artikel zunächst um die Regentschaft Jesu Christi: Er ist es, der seine Kirche regiert; denn „er ist das Haupt des Leibes“ (Kol 1,18). Diese Regentschaft findet unter anderem ihren Ausdruck in der Sendung der Apostel. Der Missionsbefehl (Mt 28,19.20) zeigt, dass Evangeliumsverkündigung und Sakramentsspendung mit dem Apostolat ursächlich verbunden sind. Hier wird die Apostolizität von Kirche, von der im dritten Glaubensartikel schon grundsätzlich die Rede ist, noch einmal aufgenommen und in das konkrete Gefüge von Kirche innerhalb ihrer geschichtlichen Erfahrbarkeit gestellt.

Das Apostelamt ist innerhalb der Geschichte nicht auf die Epoche der Urkirche begrenzt, es soll seine Aufgabe bis „zu seinem [Jesu] Wiederkommen“ erfüllen. Was Jesus Christus durch seine Apostel wirkt und was für jeden Glaubenden erfahrbar ist, wird im Folgenden beschrieben: „zu lehren, in seinem Namen Sünden zu vergeben und mit Wasser und Heiligem Geist zu taufen“.

Der Auftrag „zu lehren“ betrifft die rechte Verkündigung des Evangeliums von Tod, Auferstehung und Wiederkunft des Herrn.

Eine weitere Aufgabe des Apostolats ist es, in Jesu Namen die Sünden zu vergeben (Joh 20,23), also die Sündenvergebung aus dem Opfer und Verdienst Jesu Christi dem Menschen verbindlich zuzusprechen.

Zum Abschluss des vierten Glaubensartikels wird auf die Sakramente Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung Bezug genommen. Das Apostolat hat die Aufgabe, mit Wasser und Heiligem Geist zu taufen, also jene Sakramentsspendungen zu vollziehen, durch die das neue Sein vor Gott möglich wird.

2.4.5 Der fünfte Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube, dass die von Gott für ein Amt Ausersehenen nur von Aposteln eingesetzt werden und dass aus dem Apostelamt Vollmacht, Segnung und Heiligung zu ihrem Dienst hervorgehen. Nach oben

Wie der vierte Glaubensartikel spricht auch der fünfte von der Bedeutung des Apostelamts. Wird im vierten Glaubensartikel der Zusammenhang von Apostelamt und rechter Lehre, Sündenvergebung sowie Sakramentsspendung herausgestellt, so geht es hier um das geistliche Amt. Gott ist es, der jemanden für ein Amt ausersieht. Von daher ist das Amt kein menschliches Werk und letztlich auch nicht das der Gemeinde, sondern es ist Gottes Gabe an seine Kirche. Der Mensch, so wird im Glaubensartikel ausgedrückt, trägt sein Amt aufgrund göttlichen Willens und nicht menschlicher Entscheidung. Verwirklicht oder umgesetzt wird dies durch das Apostelamt. Amt und Apostolat hängen unmittelbar zusammen. Wo das Apostelamt wirkt, gibt es folglich auch ein geistliches Amt (siehe 7). Es gibt daneben in der Kirche Christi vielfältige Dienste zur Verkündigung des Evangeliums und zum Wohl der Glaubenden, die auch ohne Ordination vollzogen werden können.

Die Amtsträger erhalten durch das ApostelamtVollmacht, Segnung und Heiligung zu ihrem Dienst“. Das Amt ist kein Selbstzweck, es ist nicht auf sich selbst ausgerichtet, sondern hat seinen Ort in der Kirche und meist in einer konkreten Gemeinde. Unter „Dienst“ wird Wirken im Zugewandtsein zu Jesus Christus und zur Gemeinde verstanden.

Die Ordination zum geistlichen Amt enthält drei Aspekte: „Vollmacht, Segnung und Heiligung“. Dabei ist vor allem bei priesterlichen Amtsträgern das Moment der „Vollmacht“ von entscheidender Bedeutung, denn sie haben die Bevollmächtigung, die Sündenvergebung im Auftrag des Apostels zu verkündigen und das Heilige Abendmahl auszusondern. An der rechten Sakramentsverwaltung durch die Apostel haben also die priesterlichen Amtsträger teil. Auch die rechte Verkündigung des universellen Heilswillens Gottes geschieht durch die „Vollmacht“, die das Apostolat verleiht. Durch die „Segnung“ werden die göttliche Begleitung und der Beistand des Heiligen Geistes bei der Ausübung sowohl des priesterlichen als auch des diakonischen Amtes zugesagt. Die „Heiligung“ weist darauf hin, dass Gott selbst in seiner Heiligkeit und Unantastbarkeit durch das Amt handeln will. „Heiligung“ ist auch deswegen notwendig, weil die Kirche eine „heilige“ ist.

Obwohl der Amtsträger von Gott ausersehen ist, kann es doch sein, dass er seinem Amt nicht gerecht wird oder gar an ihm scheitert. Trotzdem ist der ursprüngliche Ruf Gottes dadurch nicht in Frage gestellt.

Da aus dem Apostelamt „Vollmacht, Segnung und Heiligung zu ihrem [der Amtsträger] Dienst hervorgehen“, steht jeder Amtsträger in einer unaufhebbaren Relation zum Apostelamt.

2.4.6 Der sechste Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube, dass die Heilige Taufe mit Wasser der erste Schritt zur Erneuerung des Menschen im Heiligen Geist ist und dass dadurch der Täufling aufgenommen wird in die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben und ihn als ihren Herrn bekennen. Nach oben

Der sechste Glaubensartikel gilt der Heiligen Wassertaufe. Er bringt wesentliche Elemente der Wassertaufe zur Sprache. Durch sie wird die grundsätzliche Trennung des Menschen von Gott aufgehoben. Dies geschieht nicht durch das Verdienst des Menschen, durch seine freie Hinwendung zu Gott, sondern vielmehr dadurch, dass Gott sich dem Menschen zuneigt und ihn von der Herrschaft der Sünde befreit. Der Mensch hat durch diese Zuwendung Gottes Anteil am Opfer Christi, an seiner die Sünde überwindenden Macht. Unmittelbar deutlich wird dies dadurch, dass die Erbsünde durch die Wassertaufe abgewaschen und der Täufling in die Kirche Jesu Christi eingefügt wird; er wird also Christ.

Die Heilige Wassertaufe enthält noch nicht alles, was zum neuen Sein des Menschen vor Gott notwendig ist. Sie ist „der erste Schritt zur Erneuerung des Menschen im Heiligen Geist“. Dieses Erneuerungsgeschehen im Heiligen Geist, das mit der Heiligen Wassertaufe begonnen hat, findet seine Fortsetzung durch die Vermittlung Heiligen Geistes in der Heiligen Versiegelung. Erst dann ist der Mensch wiedergeboren aus Wasser und Geist.

Die Wassertaufe konstituiert nicht nur Gemeinschaft mit Gott, sondern auch Gemeinschaft der Christen untereinander, denn „der Täufling [wird] aufgenommen [...] in die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben und ihn als ihren Herrn bekennen“. Der Glaube an Jesus als den Christus und als den Herrn, nämlich als die das Leben bestimmende Macht, ist etwas, was die glaubenden Christen miteinander verbindet.

2.4.7 Der siebte Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube, dass das Heilige Abendmahl zum Gedächtnis an das einmal gebrachte, vollgültige Opfer, an das bittere Leiden und Sterben Christi, vom Herrn selbst eingesetzt ist. Der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls verbürgt uns die Lebensgemeinschaft mit Christus Jesus, unserm Herrn. Es wird mit ungesäuertem Brot und Wein gefeiert; beides muss von einem vom Apostel bevollmächtigten Amtsträger ausgesondert und gespendet werden. Nach oben

Nachdem der sechste Glaubensartikel der Heiligen Wassertaufe gilt, thematisiert der siebte das Heilige Abendmahl. Der erste Satz verweist auf seine Stiftung durch Jesus Christus. Der zweite Satz spricht von der Auswirkung, die der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls hat, und der Schlusssatz macht deutlich, dass zur Konsekration und Spendung des Mahls das bevollmächtigte Amt notwendig ist.

Zunächst wird bekannt, dass das Heilige Abendmahl ein Gedächtnismahl ist. Dieser Aspekt wird schon im ältesten tradierten Abendmahlstext betont; Jesus selbst ist es, der zum Gedächtnis auffordert (1Kor 11,24.25). Im Heiligen Abendmahl wird „an das einmal gebrachte, vollgültige Opfer, an das bittere Leiden und Sterben Christi“ erinnert. Gedacht wird zunächst an das Opfer Jesu und dessen überzeitliche Bedeutung. Damit verbindet sich das Gedächtnis an Jesu „Leiden und Sterben“, wie es in den Evangelien bezeugt wird. Das Heilige Abendmahl erinnert also an die konkreten Geschehnisse unmittelbar vor der Kreuzigung sowie an die bleibende Bedeutung des Kreuzestodes Christi.

Die Teilnahme am Heiligen Abendmahl hat große Auswirkung. Voraussetzung ist der „würdige Genuss“ (1Kor 11,27), der unter anderem durch Glaube, die Annahme der Sündenvergebung und ein bußfertiges Herz ermöglicht wird. Die „Lebensgemeinschaft mit Christus Jesus, unserm Herrn“ wird durch das würdig genossene Heilige Abendmahl „verbürgt“ (vgl. Joh 6,56). Insofern stärkt das Heilige Abendmahl den Glauben an Jesus Christus sowie den Willen und die Fähigkeit, ihm nachzufolgen. Im Heiligen Abendmahl hat der Glaubende mit Jesus Christus als seinem Herrn sakramentale Gemeinschaft und wird gestärkt, sein Leben dementsprechend zu gestalten.

Danach wird von der Beschaffenheit der Sakramentsmittel gesprochen: „Es wird mit ungesäuertem Brot und Wein gefeiert“. Damit Heiliges Abendmahl gefeiert werden kann, müssen „ungesäuertes Brot“ und „Wein“ — beides in Parallele zum Passamahl — vorhanden sein. Wie das Wasser bei der Heiligen Wassertaufe, so sind „ungesäuertes Brot“ und „Wein“ die sichtbaren Voraussetzungen für das Sakrament.

Nachdem von den äußeren Zeichen gesprochen wurde, werden zum Abschluss des siebten Artikels die Voraussetzungen genannt, durch die die sakramentale Wirklichkeit — nämlich die Gegenwart von Leib und Blut Christi — zustande kommt. Brot und Wein müssen „von einem vom Apostel bevollmächtigten Amtsträger ausgesondert und gespendet werden“. Durch das Apostelamt und die dadurch bevollmächtigten Amtsträger wird die Gegenwart von Leib und Blut Christi in Brot und Wein ermöglicht (siehe 8.2.22).

Das bevollmächtigte Amt, das für die Schaffung umfänglicher sakramentaler Wirklichkeit notwendig ist, vollzieht zweierlei: Es sondert aus und es spendet das Heilige Mahl. „Aussondern“ oder „konsekrieren“ bedeutet zunächst die Herausnahme von Brot und Wein aus dem üblichen Gebrauch („In dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, sondere ich aus Brot und Wein zum Heiligen Abendmahl“) sowie durch das Sprechen der Einsetzungsworte die Ermöglichung der verborgenen Gegenwart von Leib und Blut Christi in den sichtbaren Elementen Brot und Wein. „Spenden“ bedeutet in diesem Zusammenhang das Zugänglichmachen von Leib und Blut Christi für die Gemeinde, wie es etwa durch die Einladung zum Abendmahlsempfang und durch die Darreichung der konsekrierten Hostie zum Ausdruck kommt.

2.4.8 Der achte Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube, dass die mit Wasser Getauften durch einen Apostel die Gabe des Heiligen Geistes empfangen müssen, um die Gotteskindschaft und die Voraussetzungen zur Erstlingsschaft zu erlangen. Nach oben

Der achte Glaubensartikel handelt von der Heiligen Versiegelung oder der Geistestaufe, also von der Vermittlung der Gabe des Heiligen Geistes an den Glaubenden.

Die Heilige Versiegelung ist das Sakrament, das allein dem Apostelamt zugeordnet ist. Voraussetzung für seinen Empfang ist die Heilige Wassertaufe. Nur der Getaufte soll die Gabe des Heiligen Geistes erhalten.

Die Heilige Versiegelung hat eine präsentische und eine futurische Auswirkung: Die präsentische Auswirkung der Hinnahme der Gabe des Heiligen Geistes ist die „Gotteskindschaft“ (Röm 8,14-17). „Gotteskindschaft“ ist dem aus Wasser und Geist wiedergeborenen Christen zu eigen. Sie stellt gleichsam eine Vorwegnahme des zukünftigen Zustands der Erstlingsschaft und „königlichen Priesterschaft“ dar (1Petr 2,9). „Gotteskindschaft“ ist mithin jene Situation des Menschen vor Gott, die durch den Empfang aller Sakramente und durch die Ausrichtung des Lebens auf die Wiederkunft Christi gemäß der rechten Predigt des Evangeliums gekennzeichnet ist. Die futurische Auswirkung des Empfangs der Gabe des Heiligen Geistes ist die Erstlingsschaft. Allerdings hat der Versiegelte die Erstlingsschaft noch nicht, sondern er hat durch die Geistestaufe die Voraussetzung zu ihrer Erlangung erhalten. Der Glaubende kann, wenn er dem Tag Christi zustrebt, zur Brautgemeinde, zur „Gemeinschaft der Heiligen“, gehören. Dem Versiegelten ist die Aufgabe gestellt, in der Nachfolge Christi zu bleiben und sich durch Wort und Sakrament auf die Wiederkunft Jesu Christi vorbereiten zu lassen.

2.4.9 Der neunte Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube, dass der Herr Jesus so gewiss wiederkommen wird, wie er gen Himmel gefahren ist, und die Erstlinge aus den Toten und Lebenden, die auf sein Kommen hofften und zubereitet wurden, zu sich nimmt; dass er nach der Hochzeit im Himmel mit diesen auf die Erde zurückkommt, sein Friedensreich aufrichtet und sie mit ihm als königliche Priesterschaft regieren. Nach Abschluss des Friedensreiches wird er das Endgericht halten. Dann wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen und bei seinem Volk wohnen. Nach oben

Der neunte Glaubensartikel stellt eine eschatologische Präzisierung entsprechender Aussagen des zweiten und dritten Artikels dar (Wiederkunft Christi, Auferstehung der Toten, ewiges Leben). Die Ausführlichkeit dieses Artikels zeigt, welch großer Stellenwert den Zukunftsereignissen innerhalb des neuapostolischen Glaubens zukommt.

Der Beginn des Artikels verweist auf Apostelgeschichte 1,11: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ Darüber hinaus schließt der Artikel an die eschatologischen Aussagen des zweiten Glaubensartikels an.

Mit der Wiederkunft Jesu Christi ist verbunden, dass der Herr „die Erstlinge aus den Toten und Lebenden, die auf sein Kommen hofften und zubereitet wurden, zu sich nimmt“ (vgl. 1Thess 4,16.17). Die „Erstlinge aus den Lebenden und Toten“ werden mit einem geistlichen Leib versehen und zum wiederkommenden Christus entrückt. Die „Erstlinge“ sind diejenigen, die Gottes Eigentum geworden sind, die eine lebendige Erwartung des wiederkommenden Herrn hatten und die sich auf die Wiederkunft Christi vorbereiten ließen.

Die Wiederkunft Christi ist das zentrale Ereignis, von dem weitere eschatologische Ereignisse abhängen. Die Entrückung der „Lebenden und Toten“ hat die Gemeinschaft mit Jesus Christus zum Ziel, deren Bild die „Hochzeit im Himmel“ ist. Die „Hochzeit im Himmel“ ist der Beginn der unmittelbaren Gemeinschaft von Herrn und Brautgemeinde.

Die „Hochzeit im Himmel“ ist von begrenzter Dauer; nach ihrem Abschluss wendet sich Jesus Christus mit den Seinen all jenen Menschen zu, die an diesem Geschehnis keinen Anteil hatten. Dann erscheint Jesus Christus sichtbar auf Erden und richtet dort „sein Friedensreich“ auf (Offb 20,4.6). Als „königliche Priesterschaft“ (1Petr 2,9; Offb 20,6) hat die Brautgemeinde, deren Zahlensymbol „Hundertvierundvierzigtausend“ (Offb 14,1) ist, Anteil an der Regentschaft Christi. Das Evangelium wird allen Menschen, den Lebenden und den Toten, verkündigt.

Erst „nach Abschluss des Friedensreiches wird er [Jesus Christus] das Endgericht halten“. Dann zeigt sich der gesamten Schöpfung, dass Jesus Christus der gerechte Richter ist, vor dem nichts verborgen ist (Joh 5,22.26.27).

Der Schlusssatz des neunten Glaubensartikels vermittelt einen Ausblick auf Gottes zukünftiges Schaffen: „Dann wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen und bei seinem Volk wohnen.“ Von der neuen Schöpfung ist unter anderem in Offenbarung 21 und 22 die Rede; sie ist der Raum der vollkommenen Gegenwart Gottes. Wenn gesagt wird, dass Gott dann bei seinem Volk wohnen wird, ist damit ein völlig neues Sein mit Gott gemeint, nämlich das „ewige Leben“, von dem am Ende des dritten Artikels gesprochen wird.

2.4.10 Der zehnte Glaubensartikel Nach oben

Ich glaube, dass ich der weltlichen Obrigkeit zum Gehorsam verpflichtet bin, soweit nicht göttliche Gesetze dem entgegenstehen. Nach oben

Der zehnte Glaubensartikel unterscheidet sich von den voraufgehenden neun grundlegend: Sind in ihnen das Schöpfersein Gottes, der Sohn und der Heilige Geist, die Kirche, ihre Ämter und Sakramente sowie die Zukunftshoffnung Gegenstand des Bekenntnisses, so gilt der zehnte Artikel dem Verhältnis des Christen zum Staat.

Im zehnten Artikel wird deutlich: Das christliche Leben findet nicht außerhalb der staatlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit statt. Es zeigt sich, dass der christliche Glaube ein grundsätzlich positives Verhältnis zum Staat, der „weltlichen Obrigkeit“, hat. Dieses positive Verhältnis wird unter dem Begriff „Gehorsam“ zusammengefasst.

Schon in neutestamentlicher Zeit wurde das Verhältnis von Christengemeinde und staatlicher Obrigkeit reflektiert (1Petr 2,11-17). Bekannt sind die Ausführungen in Römer 13,1-7, in denen der Staat als „Gottes Diener“ bezeichnet wird. Dieser Passus hat viele Missverständnisse hervorgerufen, schien es doch so, als müsse man auch dem Unrechtsstaat bedingungslosen Gehorsam leisten. Bei dieser Deutung bleibt allerdings unberücksichtigt, dass der Staat Gottes Diener ist: dass also der göttliche Wille, wie er etwa in den Zehn Geboten deutlich wird, auch Maßstab staatlichen Rechts sein sollte.

Römer 13,1-7 ist auch der Hintergrund des zehnten Glaubensartikels. In ihm wird nicht nur „Gehorsam“ gegenüber der „Obrigkeit“ — also Loyalität zum Staat — gefordert, sondern zugleich von den Maßstäben gesprochen, die diese Gehorsamsleistung rechtfertigen: „soweit nicht göttliche Gesetze dem entgegenstehen“. Auch der Staat ist nicht vollkommen frei, sondern steht unter dem Vorbehalt göttlicher Ordnung. Seine Gesetze sollen der göttlichen Ordnung zumindest nicht widersprechen, besser noch mit ihr in Einklang sein. Stehen göttlicher Wille und staatliche Gesetzgebung nicht gegeneinander, sondern ergänzen sie sich in gewisser Weise sogar, dann ist der Christ verpflichtet, sie als etwas Positives und Verbindliches für sich anzunehmen. Stehen sie aber gegeneinander, so gilt für den Einzelnen: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29).

EXTRAKT Nach oben

Die für den Glauben maßgebende Auslegung der Heiligen Schrift und der altkirchlichen Bekenntnisse ist Aufgabe des Apostolats. Ein wichtiges Ergebnis ist das neuapostolische Glaubensbekenntnis. (2.4)

Der erste Glaubensartikel handelt vom Schöpfersein Gottes, des Vaters. (2.4.1)

Der zweite Glaubensartikel spricht von Jesus Christus, dem Grund und Inhalt christlichen Glaubens. (2.4.2)

Der dritte Glaubensartikel bekennt den Glauben an den Heiligen Geist, die dritte Person der Gottheit, den Glauben an die Kirche und an weiteres Heil. (2.4.3)

Der vierte Glaubensartikel spricht davon, dass Jesus Christus seine Kirche regiert und dass Ausdruck dieser Regentschaft die Sendung der Apostel ist. (2.4.4)

Der fünfte Glaubensartikel bringt zum Ausdruck, dass Gott jemanden für ein geistliches Amt ausersieht und dass die Amtsträger durch das Apostelamt Vollmacht, Segnung und Heiligung erhalten. (2.4.5)

Der sechste Glaubensartikel gilt der Heiligen Wassertaufe. (2.4.6)

Der siebte Glaubensartikel handelt vom Heiligen Abendmahl. (2.4.7)

Der achte Glaubensartikel thematisiert die Heilige Versiegelung. (2.4.8)

Der neunte Glaubensartikel spricht von der Wiederkunft Christi und den darauffolgenden Ereignissen. (2.4.9)

Der zehnte Glaubensartikel hat das Verhältnis von Christ und Staat zum Inhalt. (2.4.10)