Catechismus

1 Die Offenbarungen Gottes

Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, offenbart sich auf unterschiedliche Weise, in Natur und Geschichte, sodass die Natur als seine Schöpfung und die Geschichte als Heilsgeschichte erkannt werden kann.

Auf einzigartige Weise hat Gott sich in seinem Sohn Jesus Christus offenbart. Damit diese Offenbarung stets wachgehalten wird, hat der Ewige zu Pfingsten den Heiligen Geist gesandt, der Gott als den Dreieinigenals Vater, Sohn und Heiligen Geistoffenbart. Bei der Wiederkunft Christi wird für die, die dann entrückt werden, die Offenbarung Gottes vollkommen sein, denn sie werden Gott sehen, wie er ist (1Joh 3,2).

1.1 Gottes Selbstoffenbarung in der Schöpfung und in der Geschichte Nach oben

Der Mensch kann von sich aus Gottes Sein und Wesen, Gottes Walten und Willen nicht erkennen. Gott verbirgt sich jedoch nicht, sondern offenbart sich dem Menschen.

Offenbarung ist Kundgabe göttlichen Wesens, göttlicher Wahrheit und göttlichen Willens und als ein Zeichen von Gottes Zuwendung zu den Menschen zu sehen.

UnterSelbstoffenbarung Gottesist zu verstehen, dass Gott dem Menschen Einblicke in sein Wesen eröffnet. Gott macht sich so als Schöpfer des Himmels und der Erde, als Befreier Israels, als Versöhner der Menschen und als Neuschöpfer kund. Offenbarung ist jedoch nicht nur Selbstoffenbarung und Mitteilung des göttlichen Willens, sondern auch Begegnung, die Gott in seiner Liebe dem Menschen in Wort und Sakrament gewährt.

1.1.1 Gott offenbart sich als Schöpfer Nach oben

Die Selbstoffenbarung Gottes in der sichtbaren Schöpfung ist allen Menschen zugänglich. Von jeher nimmt der Mensch die Erhabenheit der Natur wahr und fragt nach deren Ursprung und Urheber. Die Beschäftigung mit dieser Frage sollte zum Glauben führen: Gott ist Schöpfer und Bewahrer der materiellen Welt, zu der auch der Mensch gehört.

Die materielle Welt ist Ausdruck göttlichen Willens und Handelns; auch in ihr ist somit eine Selbstoffenbarung Gottes zu erkennen. Die sichtbare Schöpfung bezeugt das Sein Gottes, des Schöpfers, sowie seine Weisheit und Macht: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk“ (Ps 19,2).

Auch Apostel Paulus weist darauf hin, dass Gott sich in seiner Schöpfung offenbart und von allen Menschen erkannt werden könnte: „Was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen [den nicht an Gott glaubenden Heiden] offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt“ (Röm 1,19.20).

Dass Gott sich durch die sichtbare Schöpfung offenbart, erkennen die Ungläubigen nicht, und sie ziehen deshalb aus dieser Selbstoffenbarung Gottes falsche Schlüsse, indem sie von Gott Geschaffenes anbeten. Sie bringen also die Ehre, die allein dem Schöpfer gebührt, dem Geschaffenen dar und machen es damit zum Götzen. Daher wird auch im Buch der Weisheit der Götzendienst kritisiert: „[Gott,] der aller Schönheit Meister ist, hat das alles geschaffen. Wenn sie [die Götzendiener] aber schon über ihre [der sichtbaren Güter] Macht und Kraft staunten, hätten sie merken sollen, um wie viel mächtiger der ist, der das alles bereitet hat. Denn es wird an der Größe und Schönheit der Geschöpfe ihr Schöpfer wie in einem Bild erkannt“ (Weish 13,3-5).

Selbst wenn der Mensch das Wunderbare der natürlichen Schöpfung wahrnimmt, muss er dies von sich aus nicht zwangsläufig auf den lebendigen Gott beziehen. Überdies kann er aus den Phänomenen der Schöpfung lediglich auf das Sein des lebendigen Gottes schließen. Erst im Zusammenhang mit der Selbstoffenbarung Gottes in der Geschichte, also durch sein an Menschen gerichtetes Wort, wird Gott in seinem Wesen und Willen vom Menschen erkennbar.

1.1.2 Gott offenbart sich in der Geschichte Israels Nach oben

Dass Gott sich in der Geschichte offenbart, wird zunächst am Werdegang des Volkes Israel deutlich, wie es das Alte Testament bezeugt.

Bei seiner Selbstoffenbarung im feurigen Dornbusch stellte Gott einen geschichtlichen Bezug her, indem er darauf hinwies, dass er sich bereits den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob offenbart hatte (2Mo 3,6).

Zentrales Heilsereignis für das Volk Israel ist die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei. Gott begleitete sein Volk dabei in einer Wolken- bzw. Feuersäule (2Mo 13,21.22). Von dieser Befreiung ist im Alten Testament immer wieder die Rede: Die Propheten nehmen Bezug auf diese Wohltat Gottes, und in den Psalmen wird sie besungen.

Neben der Führung aus Ägypten sind die Verheißung, Gottes Volk werde in Kanaan ein eigenes Land bekommen, und der Bundesschluss am Sinai göttliche Offenbarungen von entscheidender Bedeutung: Den Ort, an dem sein Volk wohnen sollte, hat Gott selbst bestimmt, und er hat am Sinai durch die Gesetzgebung Regeln und Maßstäbe für das Leben Israels erlassen.

Der Glaube Israels gründet sich auf Gottes Offenbarungen in der Geschichte des Volkes, die als Ausdruck von Gottes helfender Zuwendung bzw. strafender Gerichte erfahren werden.

Auf eindrucksvolle Weise bekunden Psalm 105 und 106, dass Gott sich in der Geschichte manifestiert und diese gestaltet. Auch die Ereignisse aus der Zeit der Richter und der Könige Israels und Judas, die Babylonische Gefangenschaft und die Rückführung aus dem Exil sind Beispiele dafür, dass Gott in die Geschichte eingreift.

Zudem offenbarte sich Gott durch seine Propheten: „Ich rede wieder zu den Propheten, und ich bin´s, der viel Offenbarung gibt und durch die Propheten sich kundtut“ (Hos 12,11). Es ist derselbe Gott, der sein Volk führte und Weisungen erteilte: „Ich aber bin der Herr, dein Gott, von Ägyptenland her, und du solltest keinen andern Gott kennen als mich und keinen Heiland als allein mich“ (Hos 13,4). Ebenso verhieß Gott durch Propheten den kommenden Messias (Jes 9,5.6; Mi 5,1).

1.1.3 Gott offenbart sich in seinem Sohn Nach oben

Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ist die geschichtliche Selbstoffenbarung Gottes, die alles Voraufgegangene übertrifft (Joh 1,14; 1Tim 3,16). Die Geburt des Sohnes Gottes wird in Lukas 2,1.2 ausdrücklich in einen geschichtlichen Rahmen gestellt: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.“

Die Geschichtlichkeit der Menschwerdung Gottes betont auch der erste Johannesbrief. Er wendet sich gegen Gruppen in der christlichen Gemeinde, die leugnen, dass Jesus Christus wirklichin das Fleisch gekommen ist“ (1Joh 4,2), und führt ferner aus: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens [...], was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ (1Joh 1,1-3).

1.1.4 Gott offenbart sich in der Zeit der Kirche Nach oben

Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten in Jerusalem hat sich Gott in seiner Dreieinigkeit als Vater, Sohn und Heiliger Geist den Menschen offenbart.

Neben den in der Heiligen Schrift bezeugten Offenbarungen Gottes aus alter Zeit gibt es in neuer Zeit Erkenntnisse aus dem Heiligen Geist, die der Kirche Christi durch das Apostelamt übermittelt werden. Die tieferen Einsichten in den Erlösungsplan, die der Heilige Geist schenkt, dienen dazu, auf die einzigartige Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus zu verweisen, diese im Bewusstsein zu halten und auf die Wiederkunft Christi hinzuleiten.

Die Offenbarung des Heiligen Geistes macht deutlich, dass die grundlegende Erneuerung des Menschen und der Schöpfung möglich geworden ist. Sie geschieht am Menschen durch die Sakramente. Am Ende der Zeiten werden auch Himmel und Erde neu geschaffen.

EXTRAKT Nach oben

Gott offenbart sich auf unterschiedliche Weise, in Natur und Geschichte, sodass die Natur als seine Schöpfung und die Geschichte als Heilsgeschichte erkannt werden kann. (1)

Der Mensch kann von sich aus Gottes Sein, Wesen, Walten und Willen nicht erkennen. (1.1)

Offenbarung ist Kundgabe göttlichen Wesens, göttlicher Wahrheit und göttlichen Willens und Zeichen von Gottes Zuwendung zu den Menschen. (1.1)

Selbstoffenbarung bedeutet, dass Gott sich als Schöpfer, als Befreier Israels, als Versöhner der Menschen und als Neuschöpfer kundmacht. (1.1)

Die Selbstoffenbarung Gottes in der sichtbaren Schöpfung ist allen Menschen zugänglich, jedoch kann sie nur im Glauben recht erkannt werden. (1.1.1)

Erst mit der Selbstoffenbarung Gottes in der Geschichte, also durch sein an Menschen gerichtetes Wort, wird Gott in seinem Wesen und Willen erkennbar. (1.1.1)

Gott offenbarte sich in der Geschichte Israels, wie dies im Alten Testament bezeugt wird. Zentrales Heilsereignis für das Volk Israel ist die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei. Zudem offenbarte sich Gott durch seine Propheten. (1.1.2)

Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ist die geschichtliche Selbstoffenbarung Gottes, die alles Voraufgegangene übertrifft. (1.1.3)

Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten hat sich Gott in seiner Dreieinigkeit als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart. (1.1.4)

Neben den in der Heiligen Schrift bezeugten Offenbarungen Gottes aus alter Zeit gibt es in neuer Zeit Erkenntnisse aus dem Heiligen Geist, die durch das Apostelamt übermittelt werden. (1.1.4)

1.2 Die Heilige Schrift Nach oben

Im Lauf vieler Jahrhunderte wurden von Menschen erfahrene Offenbarungen und heilsgeschichtliches Wirken Gottes schriftlich festgehalten. Die Schriften von Gottes Handeln, Verheißungen und Geboten besaßen schon in der Zeit nach dem babylonischen Exil, also in den Jahrhunderten vor Christi Geburt, im Judentum hohe Autorität und werden auch in den neutestamentlichen Briefen alsHeilige Schriftbezeichnet. Dass diese Schriften auf göttlicher Inspiration beruhen, wird im zweiten Timotheusbrief betont: „... dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre“ (2Tim 3,15.16).

Während Apostel Paulus mitHeiliger Schriftdie seinerzeit gebräuchliche Sammlung der heiligen Schriften des Judentums meint, wird der BegriffHeilige Schriftheute im christlichen Sprachgebrauch für die Sammlung der Schriften des Alten und des Neuen Bundes verwendet.

Der BegriffBibelleitet sich von dem griechischen Wortbibliaab und bedeutetBücher, Buchrollen“. Bei der Bibel handelt es sich um eine Sammlung von Büchern aus alttestamentlicher Zeit, die im Lauf von mehr als tausend Jahren entstanden sind, sowie Büchern aus neutestamentlicher Zeit, die im Verlauf von etwa siebzig Jahren verfasst wurden.

Urheber der Heiligen Schrift ist Gott, ihre Verfasser waren Menschen, die der Heilige Geist inspirierte (2Petr 1,20.21). Gott bediente sich ihrer Fähigkeiten, damit schriftlich festgehalten wurde, was nach seinem Willen überliefert werden sollte. Wohl haben die biblischen Bücher dem Inhalt nach ihren Ursprung im Heiligen Geist, hinsichtlich Form und Ausdrucksweise sind sie jedoch von den jeweiligen Verfassern und deren Vorstellungswelt geprägt. Es ist Gott zu verdanken, dass diese Texte über die Zeiten hinweg unverfälscht erhalten geblieben sind.

Die Heilige Schrift ist Zeugnis der Offenbarung Gottes, ohne den Anspruch zu erheben, vollständiger Bericht aller Gottestaten zu sein (u.a. Joh 21,25).

1.2.1 Inhalt und Gliederung der Heiligen Schrift Nach oben

Die Bibel umfasst zwei Hauptteile: das Alte und das Neue Testament. Die BezeichnungTestamentgeht auf die Verheißung desneuen Bundesin Jeremia 31,31-34 zurück [1]. Während die Schriften des Alten Testaments sich auf den Bund beziehen, den Gott mit Abraham, Isaak und Jakob sowie mit Mose schloss, bezeugen die Schriften des Neuen Testaments den Neuen Bund, den Gott durch die Sendung seines Sohnes begonnen hat.

Sowohl das Alte Testament als auch das Neue Testament zeugen vom Heilsplan Gottes für den Menschen und sind insofern miteinander verbunden. Die BezeichnungBibelfür das Alte und Neue Testament ist schon seit dem neunten Jahrhundert gebräuchlich.

[1] Der hebr. Begriff „berit“ für „Bund“ wird in der gr. Bibelübersetzung mit „diatheke“ übersetzt. Dieser gr. Begriff hat die Doppelbedeutung „Bund“ und „Testament“.

1.2.2 Das Alte Testament Nach oben

Das Alte Testament enthält Berichte über die Schöpfung, über einzelne Begebenheiten aus der Zeit nach dem Sündenfall sowie über Ursprung und Geschichte des Volkes Israel. Außerdem umfasst es Werke der jüdischen Weisheitsliteratur, den Psalter als Lieder- und Gebetsbuch Israels sowie Bücher, die Worte und Wirken von Propheten Gottes bezeugen.

1.2.2.1 Entstehung des alttestamentlichen Kanons Nach oben

Mit dem der griechischen Sprache entlehnten BegriffKanon“ (dt.: „Maßstab, Richtschnur“) wird seit Mitte des vierten Jahrhunderts die für die Christenheit verbindliche Sammlung heiliger Schriften bezeichnet.

Der christliche Kanon des Alten Testaments gründet auf dem hebräischen Kanon des Judentums. Bis in die Zeit Jesu und der ersten Apostel hinein besaß das Judentum noch keinen geschlossenen Kanon. Wohl gab es einen festen Grundbestand an heiligen Schriften (die Thora, die Prophetenbücher, die Psalmen), doch existierten weitere Bücher, die von einigen jüdischen Gruppen als heilig akzeptiert, von anderen hingegen abgelehnt wurden. Ende des ersten Jahrhunderts n.Chr. wurde der Umfang des hebräischen Kanons endgültig festgelegt. Der christliche Kanon des Alten Testaments war zu dieser Zeit noch lange nicht abgeschlossen. Bis heute gibt es keinen einheitlichen Kanon des Alten Testaments, der für alle christlichen Kirchen verbindlich ist.

1.2.2.2 Die Bücher des Alten Testaments Nach oben

In der im deutschsprachigen Raum verwendeten Lutherbibel wird das Alte Testament in drei Gruppen eingeteilt: Geschichtsbücher, Lehrbücher und prophetische Bücher.

Die 17 Geschichtsbücher sind:

Die fünf Bücher Mose (Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium)

Das Buch Josua

Das Buch der Richter

Das Buch Rut

Die zwei Bücher Samuel

Die zwei Bücher der Könige

Die zwei Bücher der Chronik

Das Buch Esra

Das Buch Nehemia

Das Buch Ester

Die fünf Lehrbücher sind:

Das Buch Hiob

Der Psalter

Die Sprüche Salomos

Der Prediger Salomo

Das Hohelied Salomos

Die 17 prophetischen Bücher sind:

Jesaja

Jeremia

Klagelieder Jeremias

Hesekiel

Daniel

Hosea

Joel

Amos

Obadja

Jona

Micha

Nahum

Habakuk

Zefanja

Haggai

Sacharja

Maleachi

1.2.3 Die alttestamentlichen Spätschriften Nach oben

Die in vielen Bibelausgaben enthaltenen alttestamentlichen Spätschriften werden auchApokryphen“ („verborgene Schriften“) genannt. Es handelt sich um jüdische Schriften, die zwischen dem dritten und dem ersten Jahrhundert v.Chr. entstanden sind. Sie stellen inhaltlich ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament dar. Wesentliche neutestamentliche Glaubensüberzeugungen werden in diesen Schriften vorbereitet. Die alttestamentlichen Spätschriften sind in der Neuapostolischen Kirche für Glauben und Lehre ebenso verbindlich wie die anderen kanonischen alttestamentlichen Schriften. In der Lutherbibel sind sie zwischen dem Alten und dem Neuen Testament angeordnet.

Die 14 apokryphen Bücher sind:

Das Buch Judit

Die Weisheit Salomos

Das Buch Tobias

Das Buch Jesus Sirach

Das Buch Baruch

Die zwei Bücher der Makkabäer

Stücke zum Buch Ester

Stücke zum Buch Daniel

Die Geschichte von Susanna und Daniel

Vom Bel zu Babel

Vom Drachen zu Babel

Das Gebet Asarjas

Der Gesang der drei Männer im Feuerofen

Das Gebet Manasses

1.2.4 Das Neue Testament Nach oben

Das Neue Testament enthält in den Evangelien und der Apostelgeschichte die überlieferten Aufzeichnungen von der Sendung und dem Wirken Jesu und seiner Apostel. Einblick in Gemeindeleben und Missionstätigkeit in urchristlicher Zeit geben Briefe der Apostel an Gemeinden und einzelne Personen. Diese Briefe geben auch Aufschluss über die Lehre, die von den Aposteln im Auftrag ihres Senders verkündigt wurde.

In derOffenbarung des Johannes“, dem prophetischen Buch des Neuen Testaments, ermahnt Jesus Christus seine Gemeinde in vielfältiger Weise, tröstet sie mit der Verheißung seiner Wiederkunft und weist auf zukünftige Ereignisse hin.

1.2.4.1 Entstehung des neutestamentlichen Kanons Nach oben

Für die urchristliche Gemeinde war das heutige Alte Testament die eigentliche Bibel. Daneben erhielten die überliefertenWorte des Herrn“ (Logien) bald besonderes Ansehen. Die Logien wurden zunächst mündlich weitergegeben. Noch bevor Berichte vom Wirken Jesu schriftlich festgehalten wurden, gab es in den Gemeinden Bekenntnisse und Hymnen, in denen Tod und Auferstehung Jesu Christi bezeugt wurden. Diese fanden auch Eingang in die Schriften der Apostel.

Die ältesten uns überlieferten urchristlichen Schriften sind die Briefe des Apostels Paulus. Man verlas sie in den Gottesdiensten und gab sie an benachbarte Gemeinden weiter.

Nach den Paulusbriefen ist das Markus-Evangelium das älteste schriftliche Zeugnis christlichen Glaubens. Mit ihm hängen die Evangelien nach Matthäus und Lukas in Aufbau und Inhalt eng zusammen.

Um die apostolische Tradition zu bewahren, weiterzugeben und sich von Irrlehren abzugrenzen, wurde es notwendig, eine für die Kirche verbindliche Sammlung neutestamentlicher Schriften zu erstellen. Ein Osterbrief des Bischofs Athanasius von Alexandrien zählt im Jahr 367 alle 27 Schriften des Neuen Testaments verbindlich auf. Diesen Kanon bestätigten schließlich die Synoden von Hippo Regius (393) und Karthago (397).

Der alt- und der neutestamentliche Kanon verdanken ihr Zustandekommen nicht allein menschlichen Überlegungen, sondern vor allem dem göttlichen Willen.

1.2.4.2 Die Bücher des Neuen Testaments Nach oben

Das Neue Testament wird in der Lutherbibel in die gleichen Kategorien eingeteilt wie das Alte Testament.

Die fünf Geschichtsbücher sind:

Das Evangelium nach Matthäus

Das Evangelium nach Markus

Das Evangelium nach Lukas

Das Evangelium nach Johannes

Die Apostelgeschichte des Lukas

Die 21 Lehrbücher sind:

Der Brief des Paulus an die Römer

Die zwei Briefe des Paulus an die Korinther

Der Brief des Paulus an die Galater

Der Brief des Paulus an die Epheser

Der Brief des Paulus an die Philipper

Der Brief des Paulus an die Kolosser

Die zwei Briefe des Paulus an die Thessalonicher

Die zwei Briefe des Paulus an Timotheus

Der Brief des Paulus an Titus

Der Brief des Paulus an Philemon

Die zwei Briefe des Petrus

Die drei Briefe des Johannes

Der Brief an die Hebräer

Der Brief des Jakobus

Der Brief des Judas

Das prophetische Buch ist:

Die Offenbarung des Johannes (Apokalypse)

EXTRAKT Nach oben

Urheber der Heiligen Schrift ist Gott. Ihre Verfasser waren Menschen, die der Heilige Geist inspirierte. Die biblischen Bücher sind in Form und Ausdrucksweise von der Vorstellungswelt ihrer jeweiligen Verfasser geprägt. (1.2)

Die Heilige Schrift ist Zeugnis der Offenbarung Gottes, ohne vollständiger Bericht aller Gottestaten zu sein. (1.2)

Die Bibelalso die Heilige Schriftbesteht aus dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Beide Teile zeugen vom Heilsplan Gottes mit den Menschen und sind insofern miteinander verbunden. (1.2.1)

Der christliche Kanon des Alten Testaments gründet auf dem hebräischen Kanon. Das Alte Testament besteht aus 17 Geschichtsbüchern, fünf Lehrbüchern und 17 prophetischen Büchern. (1.2.2.1; 1.2.2.2)

Die 14 alttestamentlichen Spätschriften (Apokryphen) stellen inhaltlich ein wichtiges Bindeglied zwischen alt- und neutestamentlichen Schriften dar und sind für Glaube und Lehre ebenso verbindlich wie die anderen kanonischen alttestamentlichen Schriften. (1.2.3)

Das Neue Testament enthält Aufzeichnungen von der Sendung und dem Wirken Jesu und seiner Apostel. Die 27 Schriften des Neuen Testaments werden seit dem vierten Jahrhundert als verbindlich (kanonisch) angesehen. Das Neue Testament besteht aus fünf Geschichtsbüchern, 21 Lehrbüchern und einem prophetischen Buch. (1.2.4; 1.2.4.1; 1.2.4.2)

1.2.5 Bedeutung der Heiligen Schrift für Lehre und Glauben Nach oben

Die Heilige Schrift ist die Grundlage für die Lehre der Neuapostolischen Kirche. Demgemäß gründet die Wortverkündigung in den Gottesdiensten auf der Heiligen Schrift. Sie ist Ausgangspunkt und Grundlage für die Predigt (siehe 12.1.6).

1.2.5.1 Auslegung der Heiligen Schrift durch den Heiligen Geist Nach oben

Das rechte Verständnis der Heiligen Schrift, die auf Inspiration des Heiligen Geistes beruht, kann nur derselbe Geist öffnen. Gottes Wille und somit auch die von ihm gegebene Heilige Schrift erschließen sich in ganzer Tiefe nur durch das Wirken des Heiligen Geistes (1Kor 2,10-12).

Die Apostel Jesu sind alsDiener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse“ (1Kor 4,1) auch beauftragt, die Heilige Schrift auszulegen. Dies vermögen sie nur durch den Heiligen Geist.

1.2.5.2 Jesus Christus — die Mitte der Schrift Nach oben

Das Alte Testament ist nach christlichem Verständnis im Kern darauf ausgerichtet, die Ankunft des Messias vorzubereiten und von ihm zu zeugen; dies bekräftigte Jesus selbst (Joh 5,39; Lk 4,17-21; 24,27). Er legte seinen Jüngern die Schrift in Bezug auf sein Wirken aus; dazu gab er den Hinweis: „Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen“ (Lk 24,44). Dementsprechend muss das Alte Testament vom Sohn Gottes ausgehend ausgelegt werden. Der Alte Bund ist in Christus erfüllt. Die Menschwerdung des Gottessohnes ist die zentrale Selbstoffenbarung Gottes und steht im Zentrum der Heilsgeschichte. Dieser Sachverhalt wird mit der Formel zum Ausdruck gebracht: „Jesus Christus ist die Mitte der Schrift.“

Welche Bedeutung für den Glauben und die Lehre Aussagen haben, die in den einzelnen alttestamentlichen Büchern bzw. den alttestamentlichen Spätschriften getroffen werden, bestimmt sich aus ihrer inhaltlichen Übereinstimmung mit dem, was das Evangelium lehrt.

1.2.5.3 Der persönliche Gebrauch der Heiligen Schrift Nach oben

Es ist jedem Gläubigen zu empfehlen, regelmäßig in der Heiligen Schrift zu lesen, denn sie tröstet und erbaut, gibt Wegweisung und Mahnung und dient der Förderung der Erkenntnis. Entscheidend ist dabei, in welcher Einstellung der Leser sich mit der Bibel befasst. Das Bemühen um Gottesfurcht und Heiligung, verbunden mit ernsthaftem Gebet um das rechte Verständnis, ist einem nutzbringenden Bibellesen zuträglich. Das intensive Lesen in der Heiligen Schrift trägt zum besseren Verständnis des Evangeliums bei. Dies fördert die Erkenntnis und stärkt die Sicherheit im Glauben.

EXTRAKT Nach oben

Die Heilige Schrift ist Grundlage für die Lehre der Neuapostolischen Kirche. (1.2.5)

Das rechte Verständnis der Heiligen Schrift erschließt sich in ganzer Tiefe nur durch das Wirken des Heiligen Geistes. Die Apostel Jesu sind auch beauftragt, die Heilige Schrift auszulegen. Dies vermögen sie nur durch den Heiligen Geist. (1.2.5.1)

Jesus Christus ist die Mitte der Schrift. Insofern bestimmt sich auch die Bedeutung der alttestamentlichen Schriften aus ihrer Übereinstimmung mit dem, was das Evangelium lehrt. (1.2.5.2)

Die Lektüre der Heiligen Schrift bietet für den Glaubenden Tröstung, Erbauung, Wegweisung, Mahnung und Förderung der Erkenntnis. (1.2.5.3)

1.3 Gegenwärtige Offenbarungen des Heiligen Geistes Nach oben

Ein grundlegender Hinweis darauf, dass der Heilige Geist nach dem Hingang Jesu Christi zu seinem Vater Neues offenbaren, also bisher Verborgenes enthüllen werde, findet sich in Johannes 16,12-14: „Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.“ Damit verhieß Jesus Christus seinen Aposteln, dass sie durch den Heiligen Geist weiteren Aufschluss über Gottes Wesen und Heilsplan empfangen würden.

Die urchristlichen Apostel erfuhren das Wirken des Heiligen Geistes in der vom Herrn angekündigten Weise. Die Briefe der Apostel zeugen davon, dass der Heilige Geist weitreichende Erkenntnisse über den Herrn (Phil 2,6-11; Kol 1,15-20) und zukünftiges Geschehen (1Kor 15,51-57) aufgeschlossen hat. Ihr Wirken und ihre Verkündigung waren durchdrungen von dem, was ihnen der Heilige Geist enthüllte (Eph 3,1-7).

Die Predigt der in der heutigen Zeit wirkenden Apostel Jesu gründet auf den Aussagen der Heiligen Schrift (siehe 1.2.5); sie werden in ihrem Lehrauftrag durch den Heiligen Geist geleitet. So erfüllt sich die oben genannte Verheißung des Gottessohnes auch heute: Der Heilige Geist hält die in Jesus Christus geschehene Selbstoffenbarung Gottes wach, vergegenwärtigt sie und leitet auf das Offenbarwerden des wiederkommenden Christus hin. Menschwerdung, Tod, Auferstehung und Wiederkunft des Gottessohnes stehen im Zentrum der gegenwärtigen Offenbarung.

Darüber hinaus vermittelt der Heilige Geist dem Apostolat neue Einsichten über Gottes Wirken und seinen Heilsplan, die in der Heiligen Schrift zwar angedeutet, aber noch nicht vollständig enthüllt sind. Als wichtiges Beispiel dafür ist die Lehre von der Heilsvermittlung für Entschlafene zu nennen (siehe 9.6.3).

Es obliegt dem Stammapostel aufgrund seiner lehramtlichen Vollmacht, derartige Aufschlüsse aus dem Heiligen Geist zu verkündigen und zur verbindlichen Lehre der Neuapostolischen Kirche zu erklären.

EXTRAKT Nach oben

Jesus Christus verhieß seinen Aposteln, dass sie durch den Heiligen Geist weiteren Aufschluss über Gottes Wesen und Heilsplan empfangen würden. (1.3)

Der Heilige Geist schenkt dem Apostolat neue Einsichten über Gottes Wirken und seinen Heilsplan, die in der Heiligen Schrift angedeutet sind. (1.3)

1.4 Der Glaube als Antwort des Menschen auf Gottes Offenbarungen Nach oben

Glaube gehört zu den Grundgegebenheiten im menschlichen Leben. Zunächst ist damit nicht eine bestimmte Lehre oder Vorstellungswelt, sondern eine mehr oder weniger begründete Überzeugung gemeint, ein Dafürhalten, das sich vom überprüfbaren Wissen unterscheidet. Glaube im nichtreligiösen Sinn bezeichnet ferner die subjektive Haltung des Zutrauens zu jemandem.

Jeder Mensch glaubt, unabhängig davon, ob er sich zu einer religiösen Lehre bekennt oder nicht. Bei der Gestaltung seines Lebens lässt er sich im Wesentlichen von dem leiten, was er glaubt. Insofern formt der individuelle Glaube des Menschen auch seine Persönlichkeit.

Glaube im religiösen Bereich zeigt sich darin, dass der Mensch sich an eine Gottheit bzw. an ein göttliches Prinzip bindet.

Grund und Inhalt christlichen Glaubens ist der dreieinige Gott. Der Glaube an Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist ist durch Jesus Christus dem Menschen zugänglich geworden.

In Hebräer 11 finden sich grundlegende Aussagen über den Glauben: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“ (Vers 1). Der Glaube wird als unerlässlich herausgestellt, um in Gottes Nähe gelangen zu können: „Aber ohne Glauben ist´s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt“ (Vers 6).

Dabei bleibt es eine Gnadenerweisung Gottes, wenn der Mensch durch den Glauben zu ihm findet. Der Glaubende soll den Glauben als Geschenk erkennen und in seinem Lebensvollzug realisieren (siehe 4.2.1.5).

1.4.1 Der Glaube an Gott, den Vater Nach oben

Die Heilige Schrift bezeugt, dass sich Gott zu allen Zeiten und auf vielfältige Weise offenbart hat (siehe 1.1).

Offenbarungen, durch die Gott dem Menschen erkennbar wird, sind zunächst die Werke der Schöpfung (Röm 1,18-20). Sie werden von den Glaubenden beispielhaft in den Psalmen gepriesen.

Im Weiteren offenbart sich Gott durch sein Wort dem Menschen und greift machtvoll in dessen Leben ein. Gott rief beispielsweise Abraham auf, sein Vaterland zu verlassen. Dieser gehorchte Gott und folgte seiner Wegweisung in vorbehaltlosem Vertrauen (1Mo 12,1-4). Damit zeigte er, dass er Gott glaubte.

Immer, wenn Gott sich offenbart, ruft er den Menschen zum Glauben: Die einzig angemessene Antwort, die der Mensch auf Gottes Ansprache geben kann, besteht darin, zu glauben, sich also der Offenbarung zu öffnen und sie anzunehmen. Zudem bindet sich der Glaubende freiwillig und bedingungslos an Gott und bemüht sich, das Leben im Gehorsam ihm gegenüber zu gestalten.

Im Alten Bund ging es um den Glauben an Gott, den Schöpfer, Erhalter und Befreier, der sich auch schon als Vater offenbarte. So ist beim Propheten Jesaja zu lesen: „So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! [...] Du, Herr, bist unser Vater“ (Jes 63,15.16; vgl. 5Mo 32,6).

1.4.2 Der Glaube an Gott, den Sohn Nach oben

Mit der Menschwerdung Gottes, des Sohnes, erfüllten sich die alttestamentlichen Verheißungen, die auf den kommenden Messias hinwiesen. Jesus Christus ruft dazu auf: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Joh 14,1). Damit ist der Glaube an Gott gefordert, der sich in seinem