Katechismus

13 Der neuapostolische Christ und sein Glaubensleben

13.1 Das Gebet Nach oben

In vielen Religionen sind Gebete Ausdruck von Hinwendung zu einem höheren Wesen. Beten gilt allgemein als Äußerungsform von Frömmigkeit.

Der Christ versteht unter dem Gebet eine dem Menschen von Gott gegebene Möglichkeit, mit ihm in Verbindung zu treten. Im Gebet erfährt der Glaubende: Gott ist gegenwärtig, Gott hört, Gott antwortet. So verneigt sich der gläubige Mensch in Demut vor Gottes Majestät und Liebe. Das Gebet steht in engem Bezug zum Heiligen Geist (Röm 8,26).

Im Alten und im Neuen Testament ist Beten sprachlicher Ausdruck des Glaubens an den Gott, der sich als Schöpfer, Erhalter und Erlöser offenbart hat. Gott hat den Menschen zuerst angesprochen; deswegen ist Gebet stets Antwort des Menschen auf Gottes ergangenes Wort.

Die bildhafte Vorstellung vom Beten als „Atmen der Seele“ verdeutlicht die Notwendigkeit des Betens für den Glauben. Ein Glaube ohne Gebet ist kein lebendiger Glaube. Im Gebet kommen Liebe und Ehrfurcht Gott gegenüber zum Ausdruck. Bitten werden in der Gewissheit vor Gott getragen, dass der Allmächtige alle Dinge zum Wohl des Beters und zu dessen ewigem Heil lenken wird.

13.1.1 Gebete im Alten Testament Nach oben

Ein erster biblischer Hinweis auf das Gebet findet sich in 1. Mose 4,26: „Zu der Zeit fing man an, den Namen des Herrn anzurufen.“ Daraus wird ein Grundzug deutlich, der fortan den Gebeten eigen ist: Der Mensch wendet sich Gott zu und ruft zu ihm in dem festen Glauben, dass Gott ihn hört.

Psalm 95,6 fordert auf: „Kommt, lasst uns anbeten“. Zeugnisse der Anbetung Gottes finden sich in vielen alttestamentlichen Liedern und Psalmen; beispielhaft sei das Lied Moses erwähnt: „Ich will den Namen des Herrn preisen. Gebt unserm Gott allein die Ehre! Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er“ (5Mo 32,3.4).

„Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich“, fordert der Psalmdichter (Ps 106,1). Dank dem ewigen Gott gegenüber wird im Gebet mit Loben und Preisen bekundet.

„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus“ (Ps 51,12-14): Gerade solche Bitten — neben denen, die sich auf das irdische Leben beziehen — geben Zeugnis von dem, was gläubigen Betern wichtig ist.

„Mose bat für das Volk“ (4Mo 21,7), als Gott aufgrund des Murrens der Israeliten giftige Schlangen gesandt hatte. In der Fürbitte haben Nächstenliebe und Barmherzigkeit ihren Platz.

Im Buch der Psalmen spiegelt sich der geistige Reichtum des alttestamentlichen Gebets wider. Es weist bereits in Richtung neutestamentlichen Betens. Ein Beispiel ist Hannas Gebet: Sie trägt Gott ihre Bitte um einen Sohn vor; die Heilige Schrift sagt, sie habe ihr „Herz vor dem Herrn ausgeschüttet“ (1Sam 1,15). Ihr Dankgebet nach der gnädigen Erhörung ist Vorbild für tief gehendes Gotteslob, inhaltlich eng verwandt mit dem Lobgesang, dem „Magnifikat“ der Maria (1Sam 2,1-10; Lk 1,46-55).

13.1.2 Jesus lehrt beten Nach oben

Durch Jesus Christus hat sich das Verhältnis des Menschen zu Gott grundlegend geändert. Auf der Grundlage dieser neuen Gottesbeziehung lehrt der Herr ein Beten, wie es zuvor nicht bekannt war: Es ist zum einen das Gebet des Kindes, das mit Gott als seinem liebenden Vater im Himmel spricht (Mt 6,9), zum anderen das Gebet „im Geist und in der Wahrheit“ (Joh 4,24).

Jesu Jünger waren gläubige Juden; daher war ihnen das Beten zwar vertraut, sie wollten jedoch lernen, so zu beten wie er. Einer seiner Jünger bat ihn: „Herr, lehre uns beten“ (Lk 11,1). Darauf sprach Jesus das Gebet „Unser Vater“ (siehe 12.1.7).

Die Bergpredigt enthält einige Hinweise zum Beten (Mt 6,5-8): Man soll sein Beten nicht zur Schau stellen und außerdem nicht viele Worte machen, denn „euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet“. Das Gebet soll vielmehr von Herzen kommen.

In drei Gleichnissen hob Jesus wichtige Aspekte des Betens hervor: Im Gleichnis vom bittenden Freund stellte er heraus, dass ein inständiges Gebet Wirkung hat (Lk 11,5-10). Das Gleichnis von der bittenden Witwe fordert zu beharrlichem und geduldigem Beten auf (Lk 18,1-8). Mit dem Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner zeigte er die Bedeutung der Demut beim Beten (Lk 18,10-14).

Ein Hinweis des Herrn zum Beten im Blick auf seine Wiederkunft steht in Lukas 21,36: „So seid allezeit wach und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.“ So ist mit dem Gebet auch die Wachsamkeit im Hinblick auf das Kommen Jesu Christi verbunden.

13.1.3 Jesus betet Nach oben

Im Lukas-Evangelium wird berichtet, dass Jesus insbesondere vor entscheidenden Ereignissen betete:

  • bevor der Heilige Geist auf ihn herabkam (Lk 3,21.22);

  • bevor er die zwölf Apostel erwählte (Lk 6,12);

  • bevor er Petrus als den Felsen bezeichnete, auf den er seine Gemeinde baut (Lk 9,18-21; dazu auch Mt 16,13-20);

  • bevor der Vater ihn vor den Zeugen aus dem Diesseits und dem Jenseits verklärte (Lk 9,28-36);

  • bevor sein bitteres Leiden begann (Lk 22,41-46);

  • bevor er am Kreuz starb (Lk 23,46).

Die Evangelien bezeugen das reiche Gebetsleben Jesu: Er zog sich öfter zurück, um mit seinem Vater Zwiesprache zu halten (Mt 14,23; Mk 1,35). Er pries ihn (Mt 11,25-27) und er dankte bereits, bevor sein Gebet Erhörung gefunden hatte (Joh 11,41.42).

In Johannes 17 ist das hohepriesterliche Gebet überliefert. In der Fürbitte für die Apostel und die Gemeinde — „Ich bitte aber nicht allein für sie [die Apostel], sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien“ (Joh 17,20.21) — lässt sich erkennen, wie Jesus Christus als Fürsprecher beim himmlischen Vater eintritt (1Joh 2,1).

Vor seinem Leiden betete Jesus. Er kniete nieder und beugte sich demütig unter den Willen seines Vaters: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Dieses Gebet war ein Ringen der Seele. Gott ließ das Flehen nicht unbeantwortet: Es erschien ein Engel und stärkte Jesus (Lk 22,41-44). Selbst als der Herr am Kreuz hing, betete er für seine Peiniger (Lk 23,34). Noch seine letzten Worte vor dem Tod waren Gebet: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ (Lk 23,46).

13.1.4 Das Gebet der ersten Christen Nach oben

Einen Einblick in das ernsthafte Beten der frühen Gemeinden gibt Apostelgeschichte 4,23-31. Die ersten Christen pflegten von Anfang an das gemeinschaftliche Beten (Apg 1,14). Von intensiven Gebeten wird im Zusammenhang mit wesentlichen Geschehnissen berichtet, so zum Beispiel bei der Erwählung des Matthias zum Apostel oder der Aussonderung der ersten sieben Diakone (siehe 7.5). Auch wurden die Apostel in Gefahrensituationen von innigen Gebeten begleitet (Apg 1,24.25; 6,6; 12,12).

In den Briefen der Apostel wird die Bedeutsamkeit des Gebets hervorgehoben (Jak 5,15.16). Die Apostel berichteten, dass sie für die Gemeinde beteten (Eph 1,16-23), und ermunterten zur Beständigkeit im Gebet (1Thess 5,17).

Aus 1. Timotheus 2,1 geht hervor, dass die Gebete der Gläubigen alle Menschen einschließen sollen: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen.“

13.1.5 Das Gebet der neuapostolischen Christen Nach oben

Eine wesentliche Funktion kommt dem gemeinschaftlichen Gebet im Gottesdienst zu: Nach der trinitarischen Anrufung Gottes beginnt das Eingangsgebet, in dem Anbetung, Lob und Dank für göttliche Bewahrung und Begleitung, Bitten und Fürbitten dargebracht werden. Mit dem Vaterunser spricht die Gemeinde gemeinsam das Gebet des Gottessohnes. Vor der Aussonderung des Heiligen Abendmahls wird das Opfergebet gesprochen, in dem für das Opfer Christi, die geschehene Sündenvergebung, für die Sendung der Apostel und die Verheißung der Wiederkunft Christi gedankt wird. Zum Abschluss des Gottesdienstes wird ein Gebet gesprochen, in dem für das im Gottesdienst Empfangene gedankt, um Schutz und Wegbegleitung Gottes gebetet und die Sehnsucht nach dem Tag des Herrn zum Ausdruck gebracht wird. In den Fürbitten finden neben den Belangen der Glaubensgeschwister auch die aller Menschen ihren Platz. Außerdem wird darum gebetet, Gott möge die Opfer annehmen und jene, die geopfert haben, segnen.

Neben den gemeinsamen Gebeten in den Gottesdiensten pflegen neuapostolische Christen ein individuelles Gebetsleben. Sie beginnen und beenden den Tag mit Gebet. Ebenso beten sie vor den Mahlzeiten. Auch wenden sie sich im Lauf des Tages immer wieder einmal an Gott, um seine Nähe zu spüren und seine Hilfe zu suchen. In den Familien beten Eltern mit ihren Kindern und führen sie so in ein eigenes Gebetsleben hinein.

Das Gebet ist an keine äußere Form gebunden. Gleichwohl kann die Intensität des Betens gefördert werden, beispielsweise durch das Schließen der Augen, das Falten der Hände oder das Knien. Der Betende zieht sich damit von der Geschäftigkeit des Alltags zurück, er hält inne und beugt sich in Demut vor Gott.

Es ist nicht erforderlich, sich beim Beten gewählt auszudrücken; Gott kennt das Herz des Beters. Ist dessen Einstellung von Demut, Glauben, Vertrauen und Liebe zu ihm geprägt, gefällt das Gebet dem Allmächtigen wohl. Die Worte des Betenden müssen nicht ausgesprochen werden; auch stille Gebete dringen zu Gott.

Inhaltlich ist das Gebet im Allgemeinen bestimmt von Anbetung, Dank, Bitte und Fürbitte. Das Wissen um die Majestät Gottes und die Gnade, ihn Vater nennen zu dürfen (Röm 8,15), drängen dazu, Gott anzubeten. Der Dank schließt alles ein, was aus Gottes Güte hervorgegangen ist: Dazu gehört vor allem das, was Gott durch Wort, Gnade und Sakrament am Menschen Großes getan hat und noch tut. Darüber hinaus wird für die irdischen Gaben, wie Nahrung, Kleidung, Wohnung, aber auch Engelschutz und Bewahrung gedankt. In den Bitten werden Gott alle Anliegen dargebracht, so um Bewahrung im Glauben und göttliche Hilfe im Alltag. Die bedeutendste Bitte richtet sich auf die baldige Wiederkunft Christi und darauf, die Würdigkeit dafür zu erlangen. Die Fürbitte ist nicht auf die eigene Familie oder die Gemeinde begrenzt. Vielmehr umschließt sie alle, die der Hilfe Gottes bedürfen, sei es im Diesseits oder im Jenseits.

Nicht jedes Gebet muss alle vier Bestandteile enthalten — Gott hört auch das kurze Stoßgebet in besonderer Lebenssituation. Depressionen, Angstzustände, körperliche Schmerzen oder tiefes Leid können dazu führen, dass sich die Gedanken nicht mehr finden, ein Gebet auszuformulieren. Auch dann ist der Beter nicht von Gottes Hilfe und Nähe abgeschnitten. Dazu spricht Römer 8,26: „Desgleichen hilft auch der Geist unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich´s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“ Hilfreich kann dann auch sein, das Vaterunser zu beten oder einen Psalm zu sprechen, zum Beispiel Psalm 23.

Das Gebet endet mit dem hebräischen Wort „Amen“, was bedeutet: „So sei es!“ Unerheblich ist dabei, ob man das Gebet selbst gesprochen oder im Geist mitgebetet hat.

13.1.6 Auswirkungen des Gebets Nach oben

Das bewusste Gebet erschließt dem Menschen das Verständnis: „Ich bin in meinem ganzen Dasein auf Gott angewiesen!“ Die Haltung des Beters ist geprägt von kindlichem Vertrauen, Demut und Gottesfurcht. Sie kommt auch in Formulierungen wie „um Jesu Willen“ oder „in Jesu Namen“ zum Ausdruck.

Findet eine im Gebet geäußerte Bitte Erhörung, stärkt dies den Glauben und erhöht die Dankbarkeit. Der Beter macht aber auch die Erfahrung, dass nicht jede Bitte erfüllt wird. Daran zerbricht das Vertrauen des Glaubenden nicht: Er trägt die Gewissheit in sich, dass Gott jedes Gebet hört und in seiner Liebe letztlich alles zum Besten derer lenkt, die ihn lieben (Röm 8,28).

EXTRAKT Nach oben

Gebet ist Antwort des Menschen auf Gottes ergangenes Wort. Im Gebet erfährt der Glaubende: Gott ist gegenwärtig, Gott hört, Gott antwortet. (13.1)

Ein wichtiges Zeugnis für das Gebet im Alten Testament geben die Psalmen. In ihnen finden sich Anbetung Gottes, Dank, Bitte und Fürbitte. (13.1.1)

Jesus Christus lehrte, wie ein Kind zu beten, das Gott als „Vater“ anspricht, und zu beten „im Geist und in der Wahrheit“. Das von ihm gelehrte Vaterunser ist Vorbild für das Gebet des Christen. (13.1.2)

Die Evangelien bezeugen das reiche Gebetsleben Jesu. In Johannes 17 ist das hohepriesterliche Gebet überliefert, in dem Jesus Christus Fürbitten für die Apostel und die Gemeinde zum Ausdruck brachte. (13.1.3)

Die ersten Christen pflegten von Anfang an das gemeinschaftliche Gebet. (13.1.4)

Neben gemeinsamen Gebeten im Gottesdienst ist neuapostolischen Christen ein individuelles Gebetsleben wichtig. (13.1.5)

Inhaltlich ist das Gebet bestimmt von Anbetung, Dank, Bitte und Fürbitte. Die bedeutendste Bitte richtet sich auf die baldige Wiederkunft Christi und die Würdigkeit dafür. (13.1.5)

13.2 Opferbereitschaft Nach oben

Unter „Opferbereitschaft“ versteht man die innere Bereitschaft eines Menschen, seine Kräfte und Gaben zum Wohl anderer einzusetzen, indem er auf die Verwirklichung eigener Interessen ganz oder zum Teil verzichtet.

Der Begriff „Opfer“ hat unterschiedliche Aspekte. So werden im allgemeinen Sprachgebrauch als „Opfer“ Gaben bezeichnet, die einem höheren Wesen dargebracht werden, ebenso Taten von Menschen, die sich im Dienst für andere hingeben. Geldmittel, die für religiöse Zwecke gespendet werden, sind im religiösen Sprachgebrauch „Opfer“.

Im Opfer drücken sich Gottesverehrung, Dankbarkeit, Hingabe und Ergebenheit aus.

13.2.1 Vom alttestamentlichen Opferdienst zur Hingabe des Lebens an Gott Nach oben

Opfer und Opferdienst spielten in nahezu allen Religionen des Altertums eine wichtige Rolle, so auch in Israel. Das Opfer sollte die Gottheit gnädig stimmen, Strafe abwenden, Versöhnung herbeiführen. Opfer wurden in vielfältiger Form dargebracht.

Die ersten in der Bibel erwähnten Opfer bringen die Söhne Adams und Evas: Kain opfert von den Früchten des Feldes, Abel schlachtet Tiere aus seiner Herde (1Mo 4,3.4). Gott sieht die beiden Opferer mit ihren Opfergaben an: Das aus dem Glauben gebrachte Opfer Abels nimmt er gnädig an, Kain und dessen Opfer lehnt er ab (Hebr 11,4 und 1Mo 4,4.5). Gott hat also nicht an jedem Opfer Gefallen; entscheidend dafür, ob er ein Opfer gnädig annimmt, ist die Gesinnung dessen, der es ihm darbringt.

Das mosaische Gesetz schrieb einen komplexen, streng ritualisierten Opferdienst vor. Er umfasste Brandopfer, Speisopfer, Dankopfer, Sündopfer und Schuldopfer, die Gott dargebracht wurden (3Mo 1-7). Außer täglichen Morgen- und Abendopfern wurden durch die Priester an bestimmten Tagen im Jahresablauf Opfer für das Volk gebracht. Dadurch wurden die Sünden des Volkes Israel zugedeckt. Daneben standen Opfer, die der Einzelne für unterschiedliche Zwecke darbrachte, etwa für unbewusste Vergehen (3Mo 4ff.) oder für leibliche Verunreinigung (3Mo 15,14 ff.).

Der gesamte alttestamentliche Opferdienst, der nach Gottes Willen festgelegt war, hat mit dem Opfer Christi ein für alle Mal seine Bedeutung verloren (Hebr 8-10,18).

Im Neuen Bund bekommt das Opfer eine andere Dimension. So ruft Apostel Paulus die Christen auf, ihre Leiber hinzugeben „als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist“ (Röm 12,1). Dies bedeutet, dass man sein Leben nach der Maßgabe des Evangeliums gestaltet: Der Christ gibt sich mit allem, was er hat und ist, Gott hin.

13.2.2 Jesus Christus — das Vorbild der Opferbereitschaft Nach oben

Der in Römer 12,1 aufgezeigte Opfergedanke ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass Jesus Christus seinen Leib, das heißt, sich selbst aus Liebe zu den Menschen gegeben hat als Gabe und Opfer (Eph 5,2; Hebr 10,10). Dem Gläubigen steht das Opfer Jesu als heilig und unvergleichlich vor Augen. Er weiß: Allein das Opfer Christi hat erlösende Wirkung.

Wenn auch kein anderes Opfer mit dem des Herrn verglichen werden kann, steht doch seine Opferbereitschaft als Vorbild da, das zur Nachfolge aufruft.

Bereits vor seinem Leiden und Sterben trat in der Selbsterniedrigung Christi seine Opferbereitschaft zutage (Phil 2,6-8). Seine hingebungsvolle Liebe zeigte sich schon darin, dass er die Herrlichkeit beim Vater verließ, sich seiner göttlichen Gestalt entäußerte und in die Niedrigkeit menschlicher Natur kam. Diese Gesinnung macht Apostel Paulus zur Richtschnur für das Verhalten jedes Christen: „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient“ (Phil 2,3.4). Dies erfordert eine Opferbereitschaft, die sich auch im Gemeindeleben zeigen soll.

13.2.3 Opferbereitschaft aus Glaube, Dankbarkeit und Liebe Nach oben

Opfer im christlichen Sinn darf nicht erzwungene Pflicht sein; es soll auch nicht in Erwartung einer Gegenleistung geschehen, sondern freiwillig, im Glauben, aus Dankbarkeit und Liebe gebracht werden. Opfert man in dieser Einstellung, wird das Opfer, selbst wenn es großen Einsatz erfordert, oft nicht mehr als solches empfunden. So bewerten es vielfach die Glaubenden nicht als Belastung, sondern als Vorzug, sich mit ihren Gaben und Kräften für das Wohl der Gemeinde und des Nächsten einbringen zu können.

Opferbereitschaft erwächst aus der Liebe. Ist die Bereitschaft zum Opfern von der Liebe getragen, wird damit der Wille Gottes erfüllt und im Sinne Jesu gehandelt.

Wer von dem, was er empfangen hat, abgibt — sei es von materiellen oder immateriellen Gütern —, setzt Zeichen der Dankbarkeit und Liebe. In Hebräer 13,16 steht die Aufforderung: „Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.“

Opferbereitschaft äußert sich in vielfältiger Weise. Ein großer Teil des Gemeindelebens wird ermöglicht durch den Opfersinn der Gemeindemitglieder, aus tiefer Überzeugung und Liebe zu Gott und seinem Werk. So stellen zahlreiche Glaubensgeschwister ohne Vergütung einen nicht unerheblichen Teil ihrer Freizeit, Kraft und Begabung in den Dienst Gottes und der Gemeinschaft: Viele wirken im Musik- und Unterrichtswesen der Kirche mit, andere übernehmen Dienste zur Pflege der Kirchengrundstücke und Kirchengebäude, zum Schmücken des Altars und weitere Aufgaben. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Amtsträger ehrenamtlich tätig; Gottesdienste, Sakramentsspendungen, Segenshandlungen sowie Trauerfeiern werden unentgeltlich durchgeführt. Familien und Kranke werden regelmäßig betreut, Altgewordenen, Behinderten und Alleinstehenden wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. So wird dem Doppelgebot der Liebe Rechnung getragen.

Im Übrigen gilt die Aufforderung, notleidenden Glaubensgeschwistern Gutes zu tun (Gal 6,10). Ferner veranlasst die Nächstenliebe, Menschen in Notlagen beizustehen (Mt 25,34-46) und bei Katastrophen zu helfen; dies kann auch mittels Geld- und Sachspenden geschehen. Auch die Hilfswerke, die die Kirche im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung unterhält und mit denen sie weltweit Nothilfe leistet, werden grundsätzlich durch freiwillige Beiträge finanziert.

Opferbereit zu sein ist für neuapostolische Christen Herzenssache. Es ist dem Gläubigen ein Anliegen, seine Dankbarkeit und Liebe Gott gegenüber auch in konkreten Gaben (Opfern) auszudrücken, seien es Geldmittel oder Naturalien. Er kann sich dabei, abgeleitet von Maleachi 3,10, am „Zehnten“ orientieren. Die Opfer werden üblicherweise in die bei Gottesdiensten und sonstigen kirchlichen Veranstaltungen aufgestellten Opferkästen gelegt oder auf Bankkonten der Kirche überwiesen. Zum Erntedank wird in vielen Regionen ein zusätzliches Dankopfer dargebracht.

Alle finanziellen Mittel werden freiwillig und zumeist anonym gegeben. So ist es möglich, sämtliche Aufwendungen ohne Erhebung von Kirchensteuern oder Mitgliedsbeiträgen zu bestreiten. Mit dem Opfer wird Gott gedankt und ein Beitrag zum Bau und zur Vollendung seines Werkes geleistet.

Bei allem Opfern ist die Gesinnung entscheidend. Jesus beobachtete einst, „wie die Reichen ihre Opfer in den Gotteskasten einlegten. Er sah aber auch eine arme Witwe, die legte dort zwei Scherflein ein. Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt. Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluss zu den Opfern eingelegt; sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte“ (Lk 21,1-4).

Ein Opfer im weiteren Sinne, das die Glaubenden erbringen können, ist die Hingabe des eigenen Herzens. Darunter ist der Einsatz aller Gaben und Kräfte sowie das vollständige Vertrauen auf Gott zu verstehen. So kann es in bestimmten Situationen auch ein Opfer bedeuten, den eigenen Willen unter den Willen Gottes zu stellen. Dies sind geistliche Opfer, wie sie Apostel Petrus anmahnte (1Petr 2,5). Darüber hinaus wird viel Zeit und Kraft in den Dienst Gottes und seines Werkes gestellt und auf manche Weise Verzicht geübt. Letztlich ist alles Opfer, was der Glaubende aus Liebe zu Gott tut oder unterlässt.

13.2.4 Opfer und Segen Nach oben

Es gefällt Gott wohl, wenn ihm Opfer in der rechten Gesinnung dargebracht werden. Damit ist auch Segen verbunden. „Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk“ (2Kor 9,6-8). Aus diesen Worten lässt sich ableiten, dass mit Opfern nicht unbedingt erkennbarer materieller Segen verbunden sein muss. Der Glaube lässt erkennen, dass die aus reinem Herzen gebrachten Opfer Segen nach sich ziehen, wenngleich dieser oftmals der unmittelbaren Wahrnehmung verborgen bleibt.

In den Gottesdiensten wird um den Segen für die Opferer und die erbrachten Opfer gebetet. Gott legt Segen auf die materiellen Opfer, aber auch auf den Einsatz von Zeit, Gaben und Fähigkeiten für ihn und sein Werk sowie auf den Verzicht auf persönliche Vorteile. Der Segen Gottes kann in irdischen Belangen erlebt werden, in erster Linie jedoch ist er geistlicher Art. Darunter wird die Zuwendung göttlicher Heilsgüter aus dem Verdienst Christi verstanden (Eph 1,3-7).

EXTRAKT Nach oben

Im Opfer drücken sich Verehrung, Dankbarkeit, Hingabe und Ergebenheit Gott gegenüber aus. (13.2)

Mit dem Opfer Jesu Christi kann kein anderes Opfer verglichen werden. Dennoch ist Jesu Opferbereitschaft Vorbild, das zur Nachfolge aufruft. (13.2.2)

Opferbereitschaft erwächst aus der Liebe. (13.2.3)

Der Glaubende drückt seine Dankbarkeit und Liebe zu Gott unter anderem in konkreten Gaben aus, seien es Geldmittel oder Naturalien. (13.2.3)

Im Gemeindeleben äußert sich Opferbereitschaft dadurch, dass Glaubensgeschwister ohne Vergütung einen nicht unerheblichen Teil ihrer Zeit, Kraft und Begabung in den Dienst Gottes und der Gemeinschaft stellen. (13.2.3)

Der mit dem Opfer verbundene Segen kann in irdischen Belangen erlebt werden, in erster Linie jedoch ist er geistlicher Art. (13.2.4)

13.3 Ehe und Familie Nach oben

Die Ehe ist die von Gott gewollte und unter seinem Segen stehende Lebensgemeinschaft von Mann und Frau; sie bildet die Grundlage für die Familie. Ihr liegt ein auf freier Willensentscheidung beider Ehepartner beruhendes öffentliches Treueversprechen zugrunde. Gegenseitige Liebe und Treue sind für das Gelingen der Ehe unerlässlich.

Gottes Segen ist ein wertvolles Grundelement für die Ehe und Familie.

13.3.1 Ehe als göttliche Einrichtung Nach oben

Die monogame Ehe von Mann und Frau ist eine göttliche Einrichtung und nicht nur eine menschliche Institution. Die polygame Ehe (Vielehe) steht nicht in Übereinstimmung mit der christlichen Lehre und Tradition.

Bedeutung und Wert der Ehe werden auch daraus deutlich, dass Gott den Schutz dieser Einrichtung ausdrücklich in den Zehn Geboten verankert hat (siehe 5.3.7).

Gott hat den Menschen als Mann und Frau füreinander geschaffen. Wesentliche Aussagen dazu sind in der Schöpfungsgeschichte festgehalten:

  • „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan“ (1Mo 1,27.28). — Beide, Mann und Frau, sind also zum Ebenbild Gottes geschaffen. Unterschiedlich, aber gleichwertig stehen beide unter Gottes Segen und leben unter dem Wort des Schöpfers, sich zu vermehren und die Erde als den ihnen anvertrauten Teil der Schöpfung nach Gottes Willen zu gestalten und zu bewahren.

  • „Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei“ (1Mo 2,18). — Der Mensch ist auf Gemeinschaft hin angelegt; Mann und Frau haben in ihrem Ehepartner ein Gegenüber, dem sie eine Hilfe sein sollen.

  • „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch“ (1Mo 2,24). — Mit der Eheschließung werden Mann und Frau zu einer Einheit zusammengefügt, die auf das ganze Leben angelegt ist.

Auch Jesus hat sich zur Ehe geäußert. Im Zusammenhang mit der Frage, ob Ehescheidung erlaubt sei, griff er die vorstehend erwähnten Aussagen auf: „Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau und sprach [...]: ‚Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein'? So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden“ (Mt 19, 4-6).

Apostel Paulus stellt die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde als Vorbild für die eheliche Beziehung dar. Er ruft Eheleute auf, einander zu lieben und zu ehren (Eph 5,21-33).

13.3.2 Ehe und Ehesegen Nach oben

Die Rechtsnormen für Eheschließung, Ehestand und Ehescheidung sind von Land zu Land verschieden; sie unterliegen dem Wandel, der sich aus den stetigen Veränderungen der Gesellschaft ergibt. Die Neuapostolische Kirche tritt für den Schutz von Ehe und Familie ein.

Der Empfang des kirchlichen Ehesegens ist von hoher Bedeutung (siehe 12.2.3.1). Der Segen kann sich auf vielfältige Weise auswirken: Er bestärkt die Kraft zur dauerhaften Liebe und Treue; er fördert die Bereitschaft zum Dienen, Helfen und Verstehen; er trägt dazu bei, dass Fehler verziehen werden und man sich aussöhnt. Jedoch kann sich der empfangene Segen nur dann auswirken, wenn die Eheleute in ihrem Verhalten dafür Sorge tragen.

Es ist erstrebenswert, dass beide Partner in Glaubensfragen übereinstimmen. Das Erfassen von Wort und Gnade, das gemeinsame Gebet und das Erleben des Glaubens festigen den Ehebund und stärken die Familie. Allerdings ist die Tatsache, dass beide Partner Christen sind, für sich genommen keine Garantie für ein harmonisches Eheleben.

Vor der Heirat — insbesondere mit einem Partner aus einer anderen Kultur, Religion oder Konfession — sollten alle Fragen eines gemeinsamen Lebens geklärt werden, um ein Gelingen der Ehe zu begünstigen.

Ehebruch ist ein schwerwiegender Vertrauensbruch und eine Sünde (siehe 5.3.7.2). Aufrichtige Reue und Buße, Vergebungsbereitschaft und die Gnade Gottes können den Ehepartnern eine Fortführung der Ehe ermöglichen. Die Kirche rät, alle Möglichkeiten zum Erhalt und zur Stabilisierung der Ehe auszuschöpfen.

Kommt es zur Scheidung der Ehe, soll darauf geachtet werden, dass verletzende Äußerungen und Handlungen unterbleiben. Vor allem sollte Kindern aus der Ehe gegenüber ein Verhalten an den Tag gelegt werden, das es ihnen ermöglicht, auch künftig Achtung und Zuneigung gegenüber beiden Elternteilen zu bewahren.

13.3.3 Sexualität und Familienplanung in der Ehe Nach oben

Die Ehe dient auch dem Fortbestand des menschlichen Geschlechts: „Gott segnete sie [die ersten Menschen] und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch“ (1Mo 1,28).

Die Sexualität in der Ehe soll von Wertschätzung und Einfühlungsvermögen geprägt sein. Wenn gegenseitiges Einverständnis und Liebe im Vordergrund stehen, kann die Sexualität als ein wichtiges Bindeglied die eheliche Gemeinschaft stärken und zum Wohlbefinden beider Ehepartner beitragen.

Die Familienplanung ist Angelegenheit der Ehepartner. Jedoch lehnt die Kirche empfängnisverhütende Methoden und Mittel ab, die als wesentliche Wirkung haben, dass bereits befruchtete Eizellen abgetötet werden. Der künstlichen Befruchtung wird grundsätzlich zugestimmt. Es werden aber alle Maßnahmen abgelehnt, durch die Leben aufgrund menschlicher Auswahl vernichtet wird.

EXTRAKT Nach oben

Die Ehe ist die von Gott gewollte Lebensgemeinschaft von einem Mann und einer Frau. Gott hat Mann und Frau füreinander geschaffen. (13.3; 13.3.1)

Die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde ist Vorbild für die eheliche Beziehung. (13.3.1)

Die Neuapostolische Kirche tritt für den Schutz von Ehe und Familie ein. (13.3.2)

Der kirchliche Ehesegen ist von hoher Bedeutung. Er kann sich stärkend auf Liebe und Treue auswirken, jedoch nur dann, wenn die Eheleute in ihrem Verhalten dafür Sorge tragen. (13.3.2)

Ehebruch ist ein Vertrauensbruch und eine Sünde. Bei einer Scheidung sollen verletzende Äußerungen und Handlungen unterbleiben. (13.3.2)

Die Sexualität in der Ehe soll von Liebe, Wertschätzung und Einfühlungsvermögen geprägt sein. Familienplanung ist Angelegenheit der Ehepartner. (13.3.3)

13.3.4 Pflichten der Eltern Nach oben

Weil Kinder eine Gabe Gottes sind, haben Eltern nicht nur ein hohes Maß an Verantwortung den Kindern und der Gesellschaft, sondern vor allem Gott gegenüber. Mutter und Vater sind gemeinsam die Hauptverantwortlichen für die Erziehung. Nur mit Liebe und Weisheit können sie dieser Verantwortung gerecht werden.

Kinder bedürfen der Geborgenheit und liebevoller Zuwendung. Die Eltern erziehen ihre Kinder gemeinsam im Glauben und leiten sie dazu an, sich an sittlichen Werten zu orientieren. Dies erfordert ein erhebliches Maß an Zeit; eigene Interessen müssen gegebenenfalls zugunsten der Kinder zurückgestellt werden.

Bei der Erfüllung ihres Erziehungsauftrags sollten sich Eltern bewusst sein, dass sie durch ihr eigenes Verhalten — nicht zuletzt auch in der ehelichen Gemeinschaft — eine wichtige Vorbildfunktion für die Kinder ausüben.

Fürsorgliche Eltern fördern im Rahmen ihrer Möglichkeiten die schulische und berufliche Entwicklung ihrer Kinder im Hinblick auf deren künftige Lebensgrundlage.

Eltern haben die Aufgabe, ihre Kinder im Glauben und in Gottesfurcht zu erziehen und zu festigen. Dazu gehört, dass sie die Kinder mit Gottes Wort und Willen vertraut machen (5Mo 6,6.7), mit ihnen beten, mit ihnen die Gottesdienste besuchen und ihnen die Teilnahme an den kirchlichen Unterrichten ermöglichen. So werden Grundlagen geschaffen, dass die Kinder später selbst ihr Leben als überzeugte Christen führen und sich auf die Wiederkunft Christi vorbereiten.

13.3.5 Pflichten der Kinder Nach oben

Die Pflichten der Kinder ihren Eltern gegenüber ergeben sich aus dem vierten Gebot (siehe 5.3.5): Sie sollen den Eltern die ihnen zustehende Achtung und Ehrerbietung entgegenbringen. Dies zeigt sich in einem Verhalten, das von Dankbarkeit, Liebe, Vertrauen und Gehorsam geprägt ist. Eltern gebührt auch dann Zuwendung, wenn die Kinder nicht mehr in häuslicher Gemeinschaft mit ihnen leben.

Sind in der Familie mehrere Kinder, sollen alle im geschwisterlichen Umgang miteinander zu einem harmonischen Familienleben beitragen.

EXTRAKT Nach oben

Weil Kinder eine Gabe Gottes sind, haben Eltern ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber den Kindern, der Gesellschaft und vor allem Gott. (13.3.4)

Aufgabe der Eltern ist es, ihre Kinder im Glauben und in Gottesfurcht zu erziehen und so Grundlagen zu schaffen, damit die Kinder als überzeugte Christen leben und sich auf die Wiederkunft Christi vorbereiten. (13.3.4)

Die Pflichten der Kinder ihren Eltern gegenüber ergeben sich aus dem vierten Gebot. (13.3.5)

13.4 Pflichterfüllung in Beruf und Gesellschaft Nach oben

Aus den religiösen, sozialen und beruflichen Bindungen, in denen sich der Mensch befindet, ergeben sich unterschiedliche Handlungsnotwendigkeiten. Ausgangspunkt für die Erfüllung dieser Pflichten ist für den Christen der Glaube an Gott, der Ordnung schafft, begründet und erhält. Das Auferlegen von Pflichten und die Forderung ihrer Erfüllung sind wesentliche Merkmale des mosaischen Gesetzes. Auch im Neuen Bund ist der Mensch nicht von Pflichten entlastet; ihre Erfüllung wird als Ausdruck des Glaubens an das Evangelium verstanden.

Orientierung bei der Erfüllung von Pflichten geben die Zehn Gebote. So ist aus dem vierten Gebot zum Beispiel die Achtung und Dankbarkeit der Kinder gegenüber ihren Eltern ebenso wie die Verantwortlichkeit der Eltern für ihre Kinder abzuleiten. Letztlich geht es darum, Autoritäten bis hin zu Gott zu respektieren und zu akzeptieren. Auch das dritte Gebot enthält Hinweise für das Verhalten im täglichen Leben.

Das dritte Gebot gebietet, den Feiertag heilig zu halten; der Bibeltext fährt fort: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun“ (2Mo 20,9). Der Einzelne ist demzufolge in der Pflicht, seine Kräfte für sein und seiner Familie Wohl sowie zum Wohl von Staat und Gesellschaft einzusetzen (1Mo 2,15; 3,17). Gott will den Menschen das tägliche Brot geben, sie müssen dazu jedoch ihren Teil beitragen. Dem Christen ist es eine Verpflichtung, im täglichen Leben den ihm gestellten Aufgaben gewissenhaft nachzukommen.

Pflichterfüllung muss sich in bestimmten Grenzen vollziehen. Sie darf nicht zu einem Karrierestreben werden, das über dem eigenen Wohlergehen oder dem der Umgebung steht.

Apostel Paulus betont die Pflicht des Gläubigen, die Vorschriften der staatlichen Gewalt zu befolgen (Röm 13,1 ff.). Über allem aber steht der Grundsatz: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29). Paulus fügt hinzu, dass jeder für das Gemeinwohl mitverantwortlich ist (Röm 13,7).

13.5 Die Neuapostolische Kirche als Teil der Gesellschaft Nach oben

In der Neuapostolischen Kirche wird das Evangelium Christi verkündigt. Dazu gehört, dass die Gläubigen in die Nachfolge Jesu gerufen werden, seinem Beispiel zu folgen und Gott von ganzem Herzen und den Nächsten wie sich selbst zu lieben (Mk 12,30.31). Das bedeutet für die Mitglieder, allen Menschen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, ihrem Alter, ihrer Sprache und anderer Unterschiede mit Achtung und Toleranz zu begegnen.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihres Auftrags hilft die Kirche als Institution, das Gemeinwohl zu fördern und ist so integrativer Bestandteil der Gesellschaft.

Die Neuapostolische Kirche tritt ein für Frieden in der Welt, ruft zur Versöhnung und mahnt zur Vergebung. Jegliche Art von Gewalttätigkeit lehnt sie ab.

Neuapostolische Christen betätigen sich im öffentlichen Leben. Auf die politischen Auffassungen und Tätigkeiten ihrer Mitglieder übt die Kirche keinen Einfluss aus.

13.5.1 Stellung zum Staat Nach oben

Die Neuapostolische Kirche legt Wert auf offene und konstruktive Beziehungen zu Regierungen, Behörden und Religionsgemeinschaften. Sie ist parteipolitisch neutral. In ihrem Handeln richtet sie sich nach den Gesetzen des jeweiligen Landes unter Berücksichtigung von Römer 13,1: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet“ (vgl. Tit 3,1 und 1Petr 2,13). Das bedeutet allerdings nicht, dass alle von der „Obrigkeit“ ausgehenden Anordnungen von Gott sind, denn diese kann ihre Aufgabe verfehlen, ja grob verletzen. Auch die Staatsgewalt muss sich an göttlichen Geboten messen lassen.

Die Kirche erfüllt ihre aus den Gesetzen und Verordnungen des jeweiligen Landes bestehenden Verpflichtungen; sie erwartet auch, dass sie in ihrer Position respektiert und anerkannt wird.

Von ihren Mitgliedern erwartet die Kirche, dass sie die Gesetze und staatsbürgerlichen Pflichten ihres Landes erfüllen, soweit sie im Einklang mit den göttlichen Geboten stehen. Dabei kann das, was in Apostelgeschichte 4 von Petrus und Johannes berichtet wird, eine Orientierungshilfe sein: Als ihnen verboten wurde, im Namen Jesu zu lehren, achteten sie ihre Gehorsamspflicht gegenüber Gott für höher als die gegenüber der Staatsgewalt: „Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, dass wir euch mehr gehorchen als Gott“ (Apg 4,18.19). Später verantworteten sie sich vor dem Hohen Rat mit den Worten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29). Hieran erkennt man, dass ein Christ der Staatsgewalt grundsätzlich untertan ist, die Staatsgewalt jedoch ist den göttlichen Gesetzen untergeordnet. Diese Position formuliert der zehnte Glaubensartikel: „Ich glaube, dass ich der weltlichen Obrigkeit zum Gehorsam verpflichtet bin, soweit nicht göttliche Gesetze dem entgegenstehen.“ Zwischen irdischen und göttlichen Gesetzen kann also ein Spannungsfeld bestehen. Der Einzelne muss dann eigenverantwortlich entscheiden, ob er sich unter Hinweis auf seine Glaubensüberzeugung einer vorgegebenen Regelung widersetzt, die gegen göttliche Gesetze verstößt. Unter „vorgegebenen Regelungen“ sind Anordnungen zu verstehen, die übergeordnete Instanzen treffen.

13.5.2 Verhältnis zu anderen Religionen und Religionsgemeinschaften Nach oben

Die Neuapostolische Kirche und ihre Mitglieder achten die Religionsausübung anderer Menschen und enthalten sich abwertender Äußerungen über Andersgläubige, andere Religionen und Religionsgemeinschaften. Sie bemühen sich um ein gutes, friedliches Verhältnis auf der Basis gegenseitigen Respekts. Jede Art von religiösem Fanatismus lehnt die Kirche ab.

Das Verhältnis der Neuapostolischen Kirche zu anderen christlichen Kirchen ist unter Wahrung des jeweiligen Selbstverständnisses offen und betont Gemeinsamkeiten des christlichen Glaubens (siehe 6.5).

13.5.3 Soziales Engagement Nach oben

Die Neuapostolische Kirche ist dem Evangelium und den Geboten christlicher Ethik verpflichtet. Sie sieht ihre Aufgabe unter anderem in „praktizierter Nächstenliebe“, die den Menschen ohne Ansehen von Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Nationalität und Religion zugutekommt. So wird im Rahmen der Möglichkeiten Menschen geholfen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Getragen wird diese Arbeit durch das ehrenamtliche Engagement vieler Helfer aus den Gemeinden, aber auch durch materielle Hilfeleistung.

Die Kirche plant, fördert und unterstützt, soweit möglich, gemeinnützige, karitative und der allgemeinen Wohlfahrt dienende Projekte, Einrichtungen sowie Hilfsaktionen in aller Welt, auch in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen.

EXTRAKT Nach oben

Bei der Erfüllung von Pflichten in Beruf und Gesellschaft geben die Zehn Gebote Orientierung. (13.4)

Die Gläubigen sind verpflichtet, die Vorschriften der staatlichen Gewalt zu befolgen. Über allem aber steht der Grundsatz aus Apostelgeschichte 5,29: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (13.4)

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihres Auftrags hilft die Kirche als Institution, das Gemeinwohl zu fördern. (13.5)

Die Neuapostolische Kirche ist parteipolitisch neutral. (13.5.1)

Die Religionsausübung anderer Menschen ist zu achten. Jede Art von religiösem Fanatismus lehnt die Kirche ab. (13.5.2)

Die Kirche ist dem Evangelium und den Geboten christlicher Ethik verpflichtet. Im Rahmen der Möglichkeiten werden — auch in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen — gemeinnützige, karitative und der Wohlfahrt dienende Projekte unterstützt. (13.5.3)