Catechismus

12 Gottesdienst, Segenshandlungen und Seelsorge

12.1 Gottesdienst Nach oben

Gottesdienst ist Wirken Gottes am Menschen und Werk des Menschen für Gott.

12.1.1 Allgemeines zum Gottesdienst Nach oben

Die gottesdienstliche Gemeinde versammelt sich, um Gottes Wort zu hören und durchs Sakrament gesegnet zu werden. Der Mensch bringt Gott in Ehrfurcht und Demut Anbetung entgegen.

So ist Gottesdienst Begegnung von Gott und Mensch. Im anbetenden Dienen der Gläubigen und in wahrnehmbarer Gegenwart des dreieinigen Gottes erlebt die Gemeinde, dass Gott ihr in Liebe dient.

12.1.2 Gottesdienst im Alten Testament Nach oben

Der alttestamentliche Gottesdienst gründet in der Gottesbegegnung des Menschen. Die Formen der Gottesdienste entwickelten sich über einen langen Zeitraum hinweg. Gott hat sich immer wieder dem Menschen mitgeteilt und ihm seine Hilfe geschenkt.

Im Garten Eden richtet Gott sein Wort an die ersten Menschen. Nach dem Sündenfall lässt er sie nicht ohne Schutz; er spricht ihnen Trost zu und gibt Hoffnung auf künftiges Heil.

Vom ersten Altar, den Menschen bauen, um Gott zu dienen, ihn anzubeten, ihm zu danken und ihm Opfer zu bringen, wird in 1. Mose 8 berichtet. Noah errichtet einen Altar und bringt Gott ein Dankopfer dar. Der Herr antwortet darauf mit der Zusage, hinfort die Schöpfung zu erhalten.

Die Stätte, an der Gott zu ihm geredet hat, weiht Jakob und nennt sie „Bethel“, also „Haus Gottes“ (1Mo 28,19).

Gott gab Mose im Gesetz Bestimmungen zur Errichtung eines Altars: „An jedem Ort, wo ich meines Namens gedenken lasse, da will ich zu dir kommen und dich segnen“ (2Mo 20,24 ff.). Außerdem erinnerte er daran, dass er den siebten Tag geheiligt hatte, und forderte dazu auf: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest“ (2Mo 20,8).

Während der Wüstenwanderung der Israeliten erwählte Gott aus ihnen Männer, die ihm als Priester dienen und den Opferdienst verrichten sollten. Sie erhielten den Auftrag, dem Volk den Segen Gottes in einem festgelegten Wortlaut zu übermitteln (4Mo 6,22-27). Dieser Segen lautet: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“ (Aaronitischer Segen).

Aus der Zeit des Königs David wird berichtet, dass im Gottesdienst Sänger und Musiker mitwirkten und Gott mit Psalmen priesen (1Chr 25,6).

König Salomo ließ den Tempel zu Jerusalem bauen. In ihm wurde Gottesdienst durchgeführt; dieser bestand in der Hauptsache in der täglichen Schlachtung der Opfertiere durch die Priester. Der Opferdienst wurde nun ausschließlich im Tempel zu Jerusalem verrichtet. Auch war der Tempel die Stätte, an der die israelitischen Feste — wie Passa, Laubhüttenfest (3Mo 23) — begangen wurden.

Nach der Zerstörung des Tempels konnte nach Auffassung der Israeliten kein Opferdienst mehr verrichtet werden. In der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft versammelten sich Gläubige in eigens erbauten Häusern, den Synagogen, um dort zu beten, die Heiligen Schriften zu lesen und auszulegen. Hier liegt ein Ursprung der späteren christlichen Form des Gottesdienstes.

EXTRAKT Nach oben

Gottesdienst ist Wirken Gottes am Menschen und Werk des Menschen für Gott. (12.1)

Der alttestamentliche Gottesdienst gründet in der Gottesbegegnung des Menschen. Die Formen der Gottesdienste entwickelten sich über einen langen Zeitraum hinweg. (12.1.2)

Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem wurde kein Opferdienst mehr verrichtet. In der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft versammelten sich Gläubige in Synagogen, um dort zu beten, die Heiligen Schriften zu lesen und auszulegen. Hier liegt ein Ursprung der späteren christlichen Form des Gottesdienstes. (12.1.2)

12.1.3 Gottesdienst im Neuen Testament Nach oben

Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus beginnt eine neue Dimension göttlichen Dienstes an den Menschen. Der Gottessohn kommt als wahrer Mensch und zugleich wahrer Gott auf die Erde. Er wurde in das Volk der Juden hineingeboren; er ging in den Tempel, nahm an Synagogen-Gottesdiensten teil und gestaltete sie mit. Daneben steht sein Handeln als Lehrer, dessen Predigt in göttlicher Vollmacht geschah (Mt 7,29). Darüber hinaus ließ er taufen und setzte das Heilige Abendmahl ein. So ist in Jesu Wort und Tat bereits angelegt, was den christlichen Gottesdienst prägen wird: Wort und Sakrament.

Jesu Handeln, das also normativ für den Gottesdienst ist, findet in seinem Tod am Kreuz die Krönung: Er bringt das vollkommene Opfer, das den Opferdienst des Alten Bundes übertrifft und ablöst (siehe 3.4). In jeder Abendmahlsfeier wird Christi Opfer vergegenwärtigt.

Noch vor seinem Opfertod verhieß Jesus Christus seinen Aposteln die Sendung des Heiligen Geistes, der die Lehrtätigkeit Christi fortführen und sein Evangelium bewahren würde: „Das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14, 24-26).

Der Heilige Geist inspirierte die Pfingstpredigt des Petrus. Das durch den Heiligen Geist gewirkte Wort Gottes ging dreitausend Zuhörern „durchs Herz“, machte sie bereit, Buße zu tun und sich auf Jesus Christus taufen zu lassen, woraufhin sie die Gabe des Heiligen Geistes empfingen. Pfingsten ist gewissermaßen der erste Gottesdienst der Kirche Christi. Von der urchristlichen Gemeinde zu Jerusalem sind vier grundlegende Elemente des neutestamentlichen Gottesdienstes bezeugt: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“ (Apg 2,42).

12.1.4 Entwicklung des christlichen Gottesdienstes Nach oben

Der christliche Gottesdienst wurde im Lauf der Jahrhunderte in verschiedenen Formen gefeiert. Stand ursprünglich die Liturgie im Vordergrund, hat sich später durch die Reformation innerhalb des Protestantismus der Predigtgottesdienst entwickelt. Der Gottesdienst in der Katholisch-apostolischen Kirche war ebenfalls durch eine ausgeprägte Liturgie gekennzeichnet. Der heutige Ablauf des neuapostolischen Gottesdienstes steht in der Tradition reformierter Gottesdienste.

12.1.5 Gottesdienst als Gottesbegegnung Nach oben

Die in der Urkirche vorhandenen vier Elemente eines Gottesdienstes zählen auch heute zu den prägenden Merkmalen, wenn die Gemeinde am Altar das immer neue Geheimnis einer Begegnung Gottes mit dem Menschen erlebt.

Die trinitarische Eingangsformel „In dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ ist Anrufung Gottes und Vergewisserung seiner Gegenwart. So wird jede Begegnung mit dem Dreieinigen im Gottesdienst eingeleitet, und mit dem trinitarischen Segen wird jeder Gottesdienst beendet. Das macht dem Besucher des Gottesdienstes deutlich: Gott ist gegenwärtig.

Wird im Himmel Gott von den himmlischen Heerscharen gepriesen (Jes 6,3; Offb 4,8-11), so lobt und preist auf Erden die gottesdienstliche Gemeinde den dreieinigen Gott, seine Gnade und seine Barmherzigkeit.

Der Gottesdienst zielt darauf, die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi zu stärken und die Gläubigen auf das Erscheinen des Herrn vorzubereiten. Daher ist ihnen der Gottesdienst heilig. Leichtfertiges Versäumen der Gottesdienste gefährdet die Beständigkeit in der Lehre der Apostel, der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet, wie sie die ersten Christen praktizierten.

Bei dem, der dem Gottesdienst häufig ohne zwingenden Grund fernbleibt, kann das Verlangen nach dem Empfang des Sakraments und nach dem geistgewirkten Wort schwinden. Zudem fließen ihm die Kräfte aus dem Heiligen Abendmahl nicht zu, die Sünden werden ihm nicht vergeben und ihm entgeht der mit dem Gottesdienst verbundene Segen.

Wer Gott die ihm gebührende Anbetung verweigert, indem er den Gottesdienst und die angebotene Gnade bewusst ablehnt oder gering achtet, lädt Sünde auf sich, und zwar unabhängig davon, ob er dem Gottesdienst beiwohnt oder nicht.

12.1.5.1 Lehre der Apostel Nach oben

Jesus, der in Hebräer 3,1 als „Apostel, den wir bekennen“ bezeichnet wird, sagte: „Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“ (Joh 7,16). Er, der Gesandte seines Vaters, sendet seinerseits die Apostel und gibt ihnen den Auftrag: „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ (Mt 28,20).

Die Apostel sind als Knechte Christi berufen und ausgesondert, das Evangelium zu predigen und den Gehorsam des Glaubens aufzurichten (Röm 1,1.5); die in ihrem Auftrag tätigen Amtsträger verkündigen ebenfalls die Lehre Jesu Christi in den Gemeinden.

Das durch den Heiligen Geist gewirkte Wort der Predigt dient der Stärkung des Glaubens, fördert Erkenntnis, vermittelt Trost, mahnt zum Handeln nach den Maßgaben des Evangeliums und hält die Erwartung der baldigen Wiederkunft Christi wach. So erleben die Gläubigen die Erfüllung der Zusage Jesu: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er´s nehmen und euch verkündigen“ (Joh 16,13.14). So zeichnet sich geistgewirkte Predigt dadurch aus, dass Christus als Heiland, als Erlöser, verherrlicht wird.

12.1.5.2 Brotbrechen Nach oben

Mit der Feier des Heiligen Abendmahls (siehe 8.2) erlebt die Gemeinde das zentrale Geschehen im Gottesdienst. Nach voraufgegangener Sündenvergebung treten die Gläubigen zum Altar und empfangen Leib und Blut Jesu in einer ausgesonderten Hostie aus Brot und Wein. Dabei erleben sie das Heilige Abendmahl als Danksagung und Gedächtnisfeier an das Opfer Christi (Lk 22,19). Es ist Bekenntnismahl, es ist ein Gemeinschaftsmahl, in das auch die Entschlafenen — sowohl diejenigen, die in Christus gestorben sind, als auch solche, denen Gottes Gnade Zutritt zum Altar gewährt — einbezogen sind. Es bestärkt die Hoffnung auf den wiederkommenden Gottessohn (1Kor 11,26).

Der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls erhält dem Menschen das durch die Wiedergeburt geschenkte Leben; er gibt ihm zudem die Sicherheit, in Jesus zu bleiben und innigste Lebensgemeinschaft mit ihm zu behalten (Joh 6,51-58). Die so empfangenen Kräfte helfen, das zu überwinden, was dem Heil der Seele hinderlich sein könnte, und lassen in Jesu Wesen hineinwachsen. Auf diese Weise kann in jedem Gottesdienst die Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus gestärkt werden.

12.1.5.3 Gemeinschaft Nach oben

Im Gottesdienst kann der Gläubige erfahren, dass sich stets neu das Versprechen Jesu erfüllt: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Gottesdienst ist somit die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Er ist in seinem Wort inmitten der Gemeinde und in seinem Leib und Blut real gegenwärtig. Zudem ist Gottesdienst die Gemeinschaft der Glaubenden, die sich in Anbetung und Lobpreis Gottes vereinigt. Werden im Gottesdienst zusätzlich zum Heiligen Abendmahl die Sakramente der Heiligen Wassertaufe oder der Heiligen Versiegelung gespendet, umgeben die zur Gemeinde Gehörenden als Zeugen diejenigen, die das Sakrament empfangen. Darüber hinaus kann sich der Einzelne unter den Segenszuspruch stellen. Wer selbst getauft und versiegelt worden ist, ist aufgerufen, sich den Empfang der Sakramente so erneut zu vergegenwärtigen. Damit wird deutlich: Alle Wiedergeborenen stehen miteinander in voller Sakramentsgemeinschaft.

12.1.5.4 Gebet Nach oben

Gottesdienst ist untrennbar mit Gebet verbunden. Bereits vor dem Gottesdienst sucht der Gläubige im persönlichen Gebet Gottes Nähe. Während des Gottesdienstes verbindet sich die Gemeinde in den Gebeten mit den Worten des Gottesdienstleiters. In ihnen kommen Anbetung, Dank, Fürbitte und Bitte zum Ausdruck. Besondere Bedeutung kommt dem gemeinsam gesprochenen Gebet „Unser Vater“ zu. Es wird nach dem Wortlaut in Matthäus 6,9-13 gesprochen und geht der Feier des Heiligen Abendmahls voraus. Hat der Gläubige Leib und Blut Jesu genossen, dankt er Christus für sein Opfer und die empfangene Gnade in einem stillen Gebet. Am Ende des Gottesdienstes spricht der Gottesdienstleiter ein Gebet.

EXTRAKT Nach oben

Mit Jesus Christus beginnt eine neue Dimension göttlichen Dienstes an den Menschen. In Jesu Wort und Tat ist angelegt, was den christlichen Gottesdienst prägt: Wort und Sakrament. (12.1.3)

Vier grundlegende Elemente des neutestamentlichen Gottesdienstes sind bezeugt: Lehre der Apostel, Gemeinschaft, Brotbrechen, Gebet. (12.1.3)

Der christliche Gottesdienst wurde im Lauf der Jahrhunderte in verschiedenen Formen gefeiert. Der heutige Ablauf des neuapostolischen Gottesdienstes steht in der Tradition reformierter Gottesdienste. (12.1.4)

Die trinitarische Eingangsformel ist Anrufung Gottes und Vergewisserung seiner Gegenwart. Damit wird jede Begegnung mit dem Dreieinigen im Gottesdienst eingeleitet und mit dem trinitarischen Segen beendet. (12.1.5)

Der Gottesdienst zielt darauf, die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi zu stärken und die Gläubigen auf das Erscheinen des Herrn vorzubereiten. (12.1.5)

Die Apostel sind berufen, das Evangelium zu verkündigen; die in ihrem Auftrag tätigen Amtsträger tun dies ebenfalls. (12.1.5.1)

Mit der Feier des Heiligen Abendmahls erlebt die Gemeinde das zentrale Geschehen im Gottesdienst. (12.1.5.2)

Gottesdienst ist Gemeinschaft mit Jesus Christus in Wort und Sakrament. Gottesdienst ist auch die Gemeinschaft der Glaubenden, die sich in Anbetung und Lobpreis Gottes vereinigt. (12.1.5.3)

Gottesdienst ist untrennbar mit Gebet verbunden. Anbetung, Dank, Fürbitte und Bitte kommen zum Ausdruck. (12.1.5.4)

12.1.6 Wortverkündigung Nach oben

In den Gottesdiensten wird der Wille Gottes für die Gegenwart verkündigt; diese Wortverkündigung wird als „Predigt“ bezeichnet.

Die Lebensnotwendigkeit des Wortes Gottes für die neue Kreatur bekunden die Worte Jesu: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Mt 4,4). Apostel Paulus weist darauf hin, dass ohne das gepredigte Wort kein Glaube an Jesus Christus entsteht (Röm 10,17). In 1. Petrus 1,24.25 wird die Vergänglichkeit des Menschen der Unvergänglichkeit des Wortes Gottes gegenüber gestellt: „Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist.“

12.1.6.1 Zum Begriff „Predigt“ Nach oben

Der Begriff „Predigt“ geht auf das lateinische Wort „praedicare“ zurück, das bedeutet: „etwas öffentlich ausrufen, etwas verkündigen“. Die Predigt im Gottesdienst ist eine an die Gemeinde gerichtete geistliche Rede eines Amtsträgers, die von der Kraft des Heiligen Geistes erweckt und durchwirkt ist. Der Predigt liegt ein biblischer Text zugrunde.

12.1.6.2 Wortverkündigung im Neuen Testament Nach oben

Hatten bereits in der Zeit des Alten Testaments gläubige Menschen aus der Kraft des Heiligen Geistes den Willen Gottes verkündigt, wurde mit der Geburt des Sohnes Gottes eine neue Dimension des Wortes Gottes Wirklichkeit. In Jesus Christus ist das Wort Gottes in Vollkommenheit zu den Menschen gekommen.

Jesus lehrte im Tempel in Jerusalem, in Synagogen und an anderen Orten. Vieles aus seinen Predigten überliefern uns die Evangelien, in denen Fundamente christlicher Lehre enthalten sind. In seiner Wortverkündigung verwandte Jesus Gleichnisse und legte das Alte Testament aus. Ferner gab er viele Hinweise für die Zukunft. So sprach er im Voraus von seiner Leidenszeit, seiner Auferstehung und Himmelfahrt und verhieß seine Wiederkunft. Die herausragende Art der Wortverkündigung Jesu zeigt sich in der Bergpredigt mit den Seligpreisungen und vielen bis dahin nie gehörten Aussagen. Wie dies wirkte, wird an der Reaktion der Zuhörer ersichtlich: „[Das] Volk entsetzte [sich] über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten" (Mt 7,28.29).

Hatte der Sohn Gottes den Aposteln bereits zur Zeit seiner Erdenwirksamkeit das Predigen aufgetragen (Mt 10,7), gab er ihnen nach der Auferstehung den Auftrag, in alle Welt zu gehen und allen das Evangelium zu predigen (Mk 16,15).

Die erste christliche Predigt hielt Apostel Petrus zu Pfingsten (Apg 2,14ff.). Weitere Predigten der ersten Apostel finden wir zum Beispiel in Apostelgeschichte 3,12-26 und 17,22-31. Überdies können manche Apostelbriefe, die in den Gemeinden vorgelesen wurden, Predigten verglichen werden. Ihre Inhalte waren auf die Gemeinden bzw. die jeweils herrschenden Verhältnisse zugeschnitten. Sie halten an zur Buße, zur Annahme der Gnade Gottes und zur Hinnahme der Sakramente; auch haben sie wegweisenden und ermahnenden Charakter. Sie künden vom Erlösungswillen Gottes, der den Menschen das ewige Leben in seiner Herrlichkeit schenken will.

12.1.6.3 Wortverkündigung heute Nach oben

Im neuapostolischen Gottesdienst nimmt die Verkündigung von Gottes Wort breiten Raum ein. Die Apostel und die hierzu von ihnen beauftragten Amtsträger sind berufen, das Wort Gottes in den Gemeinden zu verkündigen. Sie sind dazu durch die Ordination gesegnet und ausgerüstet worden.

Gottes Wort ist zunächst das, was in der Heiligen Schrift überliefert ist. Daran muss sich die Predigt orientieren. Grundlage der Predigt ist daher ein vorgegebenes Bibelwort, das mit Hinweisen zur Auslegung den Amtsträgern vom Stammapostel zur Vorbereitung auf die Gottesdienste zur Verfügung gestellt wird.

Die Auslegung dieses Bibelworts in freier Rede bildet den Kern der Predigt; sie wird vom Heiligen Geist erweckt. Das erlebt die Gemeinde bei den Worten dessen, der den Gottesdienst leitet, und ebenso bei den ergänzenden Predigtbeiträgen weiterer Amtsträger („mitdienen“). Die Verkündigung des Wortes Gottes durch mehrere Amtsträger mit unterschiedlichen Charakteren und entsprechenden Gaben trägt dazu bei, Aspekte der Predigt aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und dient somit der Vertiefung des Verständnisses für Gottes Willen.

12.1.6.3.1 Hauptinhalt der Wortverkündigung Nach oben

Im Mittelpunkt der Wortverkündigung steht das Evangelium Jesu Christi, die frohe Botschaft. Es kündet von Jesu Leben und Opfer, seiner Auferstehung und seinem Wiederkommen sowie von der Vollendung des Heilsplans.

Aber auch die Verherrlichung Gottes, das Rühmen seiner Taten zu allen Zeiten ist Inhalt der Predigt. Sie bietet überdies Orientierung für ein Leben nach Gottes Willen; dazu dient auch die Schilderung von Glaubenserlebnissen und Glaubenserfahrungen.

Weitere Elemente der Predigt bilden der Lobpreis der Gnade und der Versöhnungstat Jesu Christi. Darüber hinaus wird an die Versöhnungsbereitschaft der Gläubigen appelliert. Dies alles leitet hin zum Empfang der Sakramente.

12.1.6.3.2 Ziel der Wortverkündigung Nach oben

Die Predigt von Jesus Christus ruft die Hörer zum Gehorsam des Glaubens auf (Röm 16,25.26). Vorrangiges Ziel der Predigt ist es, den Glauben zu wecken und zu erhalten, den Jesus bei seiner Wiederkunft erwartet. Apostolische Wortverkündigung zeugt immer von dem Bestreben, die Gemeinde auf das Kommen Jesu Christi vorzubereiten (2Kor 11,2).

Der Glaube an das baldige Wiederkommen des Herrn wirkt sich auf das Verhalten der Gläubigen im täglichen Leben aus. Gemäß Galater 5,22.23 soll das Wirken des Heiligen Geistes die „Frucht“ Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit hervorbringen.

Das verkündigte Wort vermittelt Trost und Zuversicht, fördert die Erkenntnis und stärkt das Vertrauen zu Gott.

Durch das Wort Gottes wird dem Zuhörer gleichsam ein Spiegel vorgehalten, in dem er sich selbst erkennen und sich darüber bewusst werden kann, was notwendig ist, um in das Wesen Christi hineinzuwachsen (Jak 1,22-24). Dazu gehört auch, die durch Christus bewirkte Versöhnung mit Gott im Glauben anzunehmen und als Konsequenz daraus die Bereitschaft aufzubringen, sich allen Menschen gegenüber versöhnlich zu zeigen.

12.1.6.3.3 Ebenen der Wortverkündigung Nach oben

Gottes Wort ist vollkommen, lauter und untrüglich — doch wird es durch unvollkommene Menschen verkündigt. Deswegen kann die Predigt Fehlerhaftes enthalten. Doch legt Gott, der das herzliche Bitten des Predigenden und des Zuhörenden vernimmt, in die unzulänglichen menschlichen Worte der Predigt Kraft hinein. Es bestehen also zwei Ebenen. Die eine ist die menschliche: Ein Mensch redet, und Menschen hören zu. Auf dieser Ebene sind weder sprachliche und inhaltliche Fehler des Redners noch Verständnisfehler der Hörer ausgeschlossen. Die andere Ebene ist die göttliche: Der Heilige Geist spricht durch den gesandten Knecht Gottes zum Herzen des Zuhörers und stärkt bzw. erweckt in ihm Glauben. Die Unvollkommenheit geäußerter Worte und Sätze hindert also Gott nicht, Kraft hineinzulegen.

Auch der Hörer der Predigt muss Voraussetzungen erfüllen, um sie nicht als bloße Äußerungen eines Menschen wahrzunehmen. Das grundlegende Erfordernis hierfür ist der Glaube: Das meint, dass der Hörer sich im gläubigen Vertrauen dem Wort der Predigt öffnet, es annimmt und bereit ist, es mit in sein Leben zu nehmen. Dann erweckt das Wort der Predigt im Hörer auch Einsicht. Begangene Sünden werden erkannt, Reue und Buße und das Verlangen nach Gnade hervorgerufen.

Vor der Predigt soll der Hörer darum beten, dass der Herr ihm aus dem Wort Stärkung und Frieden zufließen lassen möge. Der Herr erhört das inständige Beten einer nach dem Wort Gottes verlangenden Gemeinde.

Nach der Predigt folgt die durch das Wort Gottes vorbereitete Feier des Heiligen Abendmahls.

EXTRAKT Nach oben

In den Gottesdiensten wird Gottes Wille verkündigt; diese Wortverkündigung wird als „Predigt“ bezeichnet. (12.1.6)

Jesus lehrte im Tempel in Jerusalem, in Synagogen und an anderen Orten. Ein Beispiel der Wortverkündigung Jesu ist die Bergpredigt. (12.1.6.2)

Die erste christliche Predigt hielt Apostel Petrus zu Pfingsten. (12.1.6.2)

Im neuapostolischen Gottesdienst nimmt die Wortverkündigung breiten Raum ein. Grundlage ist ein Bibelwort. Seine Auslegung in freier Rede bildet den Kern der Predigt; sie wird vom Heiligen Geist erweckt. (12.1.6.3)

Im Mittelpunkt der Wortverkündigung steht das Evangelium, das von Jesu Leben und Opfer, seiner Auferstehung und seinem Wiederkommen kündet. Sie bietet überdies Orientierung für ein Leben nach Gottes Willen. (12.1.6.3.1)

Apostolische Wortverkündigung zeugt immer vom Bestreben, die Gemeinde auf die Wiederkunft Jesu Christi vorzubereiten. (12.1.6.3.2)

Das verkündigte Wort stärkt den Glauben und das Vertrauen zu Gott, vermittelt Trost und Zuversicht, fördert Erkenntnis. (12.1.6.3.2)

Gottes Wort ist vollkommen, lauter und untrüglich. Doch es wird durch unvollkommene Menschen verkündigt und vernommen. Dies hindert Gott nicht, Kraft in die Predigt hineinzulegen. (12.1.6.3.3)

12.1.7 Das Gebet „Unser Vater“ Nach oben

Das Gebet „Unser Vater“ ist ein wertvolles Vermächtnis, das Jesus denen gegeben hat, die an ihn glauben. Mit ihm gab der Sohn Gottes ein Vorbild, wie man zum Vater im Himmel beten soll.

Dieses Gebet des Gottessohnes ist in einer Fassung mit fünf Bitten (Lk 11,2-4) und in einer ausführlicheren Version mit sieben Bitten überliefert (Mt 6,9-13).

12.1.7.1 „Unser Vater“ im Gottesdienst Nach oben

In der Liturgie des Gottesdienstes wird der Text aus Matthäus 6,9-13 in der Fassung der Luther-Bibel von 1984 verwendet:

„Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.“

Das Vaterunser hat seinen festen Platz in der Liturgie. Es ist das einzige Gebet, das die Glaubenden in festgelegtem Wortlaut miteinander sprechen. Es ist auch ein Bußgebet, das vor der Sündenvergebung gesprochen wird und in dem der Gläubige vor Gott bekennt, dass er gesündigt hat.

12.1.7.2 Die sieben Bitten Nach oben

Nach der Anrufung Gottes folgen drei Bitten, die sich auf ihn beziehen: dein Name, dein Reich, dein Wille. Dem schließen sich vier Bitten an, die zugleich auch Fürbitten sein können: unser tägliches Brot, unsere Schuld, führe uns, erlöse uns. Den Abschluss bildet ein Lobpreis der Majestät Gottes.

12.1.7.2.1 „Unser Vater im Himmel“ Nach oben

Die Anrede „Unser Vater“ weist dieses Gebet als ein Gemeinschaftsgebet aus, in dem sich die Betenden als Kinder Gottes bekennen. In dieser Gemeinschaft ist Jesus Christus der „Erstgeborene unter vielen Brüdern“ (Röm 8,29); wenn er betete, sprach er Gott als Vater an (u.a. Lk 22,42; 23,46; Joh 11,41;17,1).

Das Verhältnis, das Jesus zu seinem himmlischen Vater hat, ist einzigartig. Wenn Christus lehrt, zu Gott als „Vater im Himmel“ zu beten, nimmt er den Menschen in sein Verhältnis zum Vater hinein.

Spricht der Mensch Gott als seinen „Vater“ an, verbinden sich damit die Aspekte, dass Gott ihn erschaffen hat, sein Herr ist und für ihn sorgt. Gott ist Quelle und Bewahrer des von ihm Geschaffenen. Der Mensch darf ohne Furcht, in Liebe, vertrauensvoll „Vater“ zu ihm sagen.

Die Worte „im Himmel“ betonen Gottes Erhabenheit über das Erdendasein. Er, Gott, der Vater, ist größer und höher als alles — und doch ist er in seiner Allgegenwart den Menschen nahe (Ps 139; Apg 17,27).

12.1.7.2.2 „Dein Name werde geheiligt“ Nach oben

Gott, der Dreieinige, ist heilig. Die Gläubigen sprechen voller Ehrfurcht von ihm. Indem sie Gott alle Ehre geben, ihn loben und preisen und sich bemühen, seinem Willen gemäß zu wandeln, tragen sie dazu bei, seinen Namen zu heiligen. Das Gebet „Unser Vater“ erinnert an das zweite Gebot (siehe 5.3.3) und macht es möglich, gemeinsam den Namen Gottes durch Worte zu heiligen und sich in Gottesfurcht und Demut vor der Größe des Ewigen zu verneigen.

Im Neuen Bund hat Gott seinen Namen in seinem Sohn offenbart: Jesus Christus. Dieser Name muss heilig gehalten werden; es ist der Name, „durch den wir sollen selig werden“ (Apg 4,10.12; vgl. Phil 2,9-11).

12.1.7.2.3 „Dein Reich komme“ Nach oben

Das Reich Gottes ist bereits in Christus angebrochen und in seiner Kirche gegenwärtig. „Dein Reich komme“ meint, dass der Herr in der Gemeinde mehr und mehr wahrnehmbar werde.

Darüber hinaus ist damit das Offenbarwerden des künftigen Reiches Gottes angesprochen. Es wird mit der Hochzeit des Lammes beginnen (Offb 19,6.7). Insofern richtet sich die Bitte, Gottes Reich möge kommen, in erster Linie auf das Wiederkommen Christi zur Heimholung seiner Braut. Die Bitte geht aber noch weiter in die Zukunft: Nach der Hochzeit im Himmel wird der Gottessohn auf Erden sein Reich des Friedens aufrichten, in dem allen Menschen das Evangelium gepredigt wird. In vollkommener Herrlichkeit wird Gottes Reich dann erscheinen und ewig bestehen, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen hat.

12.1.7.2.4 „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ Nach oben

Gott ist allmächtig; sein Wille steht über allem. Im Himmel, dem Bereich, wo Gott thront, herrscht sein Wille uneingeschränkt.

Den in Sünde gefallenen Menschen will Gott aus den Folgen der Sünde helfen und das Heil schenken (1Tim 2,4). Um das zu ermöglichen, sandte er seinen Sohn. Jesus Christus brachte sich zum Opfer dar, worin sich der Wille des Vaters offenbarte (Hebr 10,9.10).

Der Wunsch, dass Gott auch auf Erden alles nach seinem Willen gestalten möge, kommt in der Bitte „Dein Wille geschehe“ zum Ausdruck. Aufgrund ihrer Sündhaftigkeit und der — zwar gebrochenen, jedoch noch wirkenden — Macht Satans können die Menschen dem nicht entsprechen. Das Bitten der Gläubigen geht dennoch dahin, dass es ihnen bereits heute im Erdenleben gelingen möge, nach Gottes Willen zu handeln.

Mit dieser Bitte wird überdies das Sehnen zum Ausdruck gebracht, dass Gott sein Erlösungswerk bald vollenden möge.

12.1.7.2.5 „Unser tägliches Brot gib uns heute“ Nach oben

Diese Bitte zielt im weiten Sinn auf die Erhaltung der Schöpfung. Ferner wird mit diesen Worten der Herr um Nahrung, Kleidung, Wohnung und alles gebeten, dessen der Mensch im irdischen Leben bedarf.

Die übertragene Bedeutung der Bitte ist die um das Wort Gottes als „Speise“ für die unsterbliche Seele (Jer 15,16).

Eine weitere Bedeutung der Bitte bezieht sich auf das Brot des Lebens — das Heilige Abendmahl — gemäß den Worten Jesu: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt“ (Joh 6,48-51). Gott trägt dafür Sorge, dass uns auch dieses Brot immer neu bereitet wird.

12.1.7.2.6 „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ Nach oben

Alle Menschen laden aufgrund ihrer Sünden Schuld auf sich. Mit der Bitte „Vergib uns unsere Schuld“ bekennen sich die Glaubenden vor Gott als Sünder und bitten ihn um Gnade. Dass das Gebet „Unser Vater“ auch den Aspekt der Buße aufweist, wird hier deutlich. Die Gnade der Vergebung der Sünden und der Tilgung der Schuld erhält der Gläubige aufgrund des Opfers Christi, denn „in ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade“ (Eph 1,7).

Der Sohn Gottes band die Erfüllung dieser Bitte an die Voraussetzung, zunächst denen zu vergeben, die einem selbst Unrecht zufügten oder etwas schuldig blieben. Wie wichtig dies zum Erlangen der Vergebung ist, wird auch daran ersichtlich, dass Jesus sie im Anschluss an das Vaterunser wiederholt und bekräftigt hat (Mt 6,14.15). Auch aus dem Gleichnis vom Schalksknecht geht klar die Verpflichtung hervor, den eigenen Schuldnern zu vergeben (Mt 18, 21-35).

12.1.7.2.7 „Und führe uns nicht in Versuchung" Nach oben

Mit der Bitte, nicht in Versuchung geführt zu werden, flehen die Gläubigen darum, dass Gott ihnen helfen möge, mit ganzer Kraft der Sünde zu widerstehen. Außerdem bitten sie, dass die Glaubensprüfungen nicht zu hart sein bzw. dass sie vor manchen Angeboten Satans bewahrt bleiben mögen. Allerdings lässt Gott Versuchungen im Sinne von Prüfungen zu, um dem Gläubigen Gelegenheit zu geben, sich zu bewähren. Ein Beispiel dafür, sich im Glauben zu bewähren, ist die harte Prüfung Abrahams, als er Isaak opfern sollte (1Mo 22,1-18).

Gott wacht darüber, dass die Treue zu ihm nicht zerbrechen muss: „Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt“ (1Kor 10,13).

Apostel Jakobus schrieb von der Versuchung zur Sünde: „Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde, die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod“ (Jak 1,13-15). Hier wird die Gewissheit bestärkt, dass der himmlische Vater — der durch den Heiligen Geist zu allem guten Werk treibt und uns in Leib und Blut Jesu Kraft zum Überwinden unserer Unvollkommenheiten zuteilwerden lässt — nie zur Sünde versucht, sondern zur Bewährung im Glauben prüft.

12.1.7.2.8 „Erlöse uns von dem Bösen“ Nach oben

Die Bitte „Erlöse uns von dem Bösen“ drückt den Wunsch aus, Gott möge von Bedrängnissen befreien, die zur Sünde führen. Im Weiteren besteht das Böse, von dem Gott erlösen möge, in allem, was von Satan ausgeht. Letztlich ist es die endgültige Befreiung von ihm, dem Bösen, selbst.

Die Erlösung hat Jesus Christus durch sein Opfer ermöglicht. Im Sohn Gottes ist „die Erlösung, nämlich die Vergebung der Sünden“ (Kol 1,14). Die Erlösung ist ein fortwährender Prozess, an dessen Ende vollkommene Freiheit vom Anrecht Satans steht — erst dann ist die Erlösung vollendet.

12.1.7.2.9 „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ Nach oben

Nach den Bitten folgt ein Lobpreis Gottes (Doxologie) [15], in dem dem Allerhöchsten die Ehre dargebracht wird, die ihm gebührt. Er, der Herr seines Reiches, hilft mit seiner Kraft dem Glaubenden, dass er in Ewigkeit Gottes Herrlichkeit teilen kann. Das erfüllt sich für die Brautgemeinde bei der Wiederkunft Christi: „Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit“ (Kol 3,4).

[15] Die Doxologie ist nicht in allen Bibelübersetzungen enthalten.

12.1.7.2.10 „Amen“ Nach oben

Das aus dem Hebräischen stammende Wort „Amen“ heißt übersetzt: „So sei es!“ — Damit wird das Vaterunser beendet und jede Bitte und Aussage, die Gott in diesem Gebet entgegengebracht wurde, nochmals bekräftigt.

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Mit dem Gebet „Unser Vater“ gab Jesus ein Beispiel, wie man zu Gott beten soll. (12.1.7)

Es ist das einzige Gebet, das die Gemeinde im Gottesdienst miteinander in festgelegtem Wortlaut — nach Matthäus 6,9-13 — spricht. Es wird in Verbindung mit der Sündenvergebung und der Abendmahlsfeier gebetet. (12.1.7.1)

Nach der Anrufung Gottes folgen die Bitten. Den Abschluss bildet ein Lobpreis Gottes. (12.1.7.2)

Die Gläubigen heiligen Gottes Namen, indem sie ihm alle Ehre geben und sich bemühen, seinem Willen gemäß zu leben. (12.1.7.2.2)

Die Bitte „Dein Reich komme“ meint, dass der Herr in der Gemeinde gegenwärtig mehr und mehr wahrnehmbar werde. Darüber hinaus ist damit das Offenbarwerden des künftigen Reiches Gottes angesprochen, das mit der Hochzeit im Himmel beginnt. (12.1.7.2.3)

„Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ bringt zum Ausdruck, Gott möge auch auf Erden alles nach seinem Willen gestalten. Die Gläubigen bitten, dass es ihnen gelingen möge, nach Gottes Willen zu handeln. (12.1.7.2.4)

„Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Damit wird um alles gebetet, dessen der Mensch bedarf. Die Bitte zielt im weiten Sinn auf die Erhaltung der Schöpfung. (12.1.7.2.5)

„Vergib uns unsere Schuld“: Damit bekennen sich die Glaubenden vor Gott als Sünder und bitten ihn um Gnade. „... wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“: Um Vergebung zu erlangen, ist es wichtig, denen zu vergeben, die einem selbst Unrecht zufügten. (12.1.7.2.6)

Die Bitte, nicht in Versuchung geführt zu werden, besagt, Gott möge helfen, der Sünde zu widerstehen, und er möge verhindern, dass Glaubensprüfungen zu hart werden. (12.1.7.2.7)

„Erlöse uns von dem Bösen“ drückt den Wunsch aus, Gott möge von Bedrängnissen befreien, die zur Sünde führen, und letztlich die endgültige Befreiung vom Bösen schenken. (12.1.7.2.8)

Im Lobpreis Gottes wird dem Allerhöchsten Ehre dargebracht. (12.1.7.2.9)

Jede Bitte und Aussage wird mit „Amen“ — im Sinne von „So sei es!“ — am Ende des Gebets bekräftigt. (12.1.7.2.10)

12.1.8 Vergebung der Sünden im Gottesdienst Nach oben

Dass Sündenvergebung möglich ist, ist einzig der Gnade Gottes zu verdanken. Seine Liebe zu dem sündigen Menschen zeigt sich in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und dessen Tod am Kreuz. Dieses vollkommene, ewig gültige Opfer ist die Grundlage der Sündenvergebung.

Die Vergebung der Sünden (Absolution) ist kein Sakrament, wohl aber Voraussetzung zum würdigen Empfang der Sakramente. Sie wird im Anschluss an das von der Gemeinde gemeinsam gesprochene Gebet „Unser Vater“ mit den Worten verkündigt:

„Im Auftrag meines Senders, des Apostels, verkündige ich euch die frohe Botschaft: In dem Namen unseres Herrn Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, sind euch die Sünden vergeben. Der Friede des Auferstandenen sei mit euch! Amen.“

Die Gemeinde bestätigt die gläubige Annahme der Vergebung mit „Amen“.

12.1.8.1 Gott — der Vergebende Nach oben

Der dreieinige Gott ist es, der die Sünden tilgt. Der Mensch ist aus eigener Kraft dazu nicht in der Lage (Mt 16,26; Lk 5,21-24; Röm 4,8).

Wenn auch das ewig gültige Opfer Jesu Christi die Grundlage der Sündenvergebung ist, kann Gott in seiner Allmacht doch immer Sünden vergeben. Jesus Christus hatte von daher die Vollmacht, Sünden zu vergeben, auch bevor er sein sündloses Leben als Opfer dargebracht hatte (Mk 2,5.10).

12.1.8.2 Gottes Geduld — der Opferdienst im Alten Testament Nach oben

Gott hatte den alttestamentlichen Opferdienst geboten (3Mo 19,22). Mit dem vom Priester dargebrachten Opfer suchten die Menschen um Gottes Gnade nach. Jedoch konnten jene Opfer keine Sünden tilgen, sondern hatten lediglich aufschiebende Wirkung bis zum Opfertod Jesu. Bis dahin blieben die sündigen Menschen des Alten Bundes unter göttlicher Geduld (Röm 3,25.26). Propheten kündigten an, dass eine Vergebung der Sünden kommen werde, die mehr sein werde als nur Bedeckung, nämlich Tilgung (Jes 1,18).

12.1.8.3 Das Opfer Christi — Grundlage der Sündenvergebung Nach oben

Das vollkommene Opfer Christi löste den alttestamentlichen Opferdienst ab. Jesus Christus führte ein Leben ohne Sünde. Durch sein Opfer, die freiwillige Hingabe seines Lebens (Joh 10,17.18), hat er die Macht Satans gebrochen und den Teufel und dessen Werke, nämlich Sünde und Tod, besiegt (2Kor 5,21). Seitdem ist Vergebung der Sünden im Sinne von Tilgung (Hebr 10,18) sowie Erlösung von Sünde und Tod möglich (Röm 3, 24).

12.1.8.4 Voraussetzungen zur Erlangung der Sündenvergebung Nach oben

Um Sündenvergebung zu erlangen und dem geistlichen Tod entrissen zu werden, ist der Glaube des Sünders an Jesus Christus als den Erlöser die erste Voraussetzung (Joh 8,24). Neben dem Glauben, dass Sündenvergebung den Menschen durch die Apostel Jesu Christi zugesprochen wird (Joh 20,23), sind erforderlich:

  • Intensive Selbstprüfung, um die eigenen Verfehlungen wahrzunehmen,

  • die Erkenntnis, gesündigt zu haben und der Gnade zu bedürfen,

  • das herzliche Verlangen, mit Gott versöhnt zu werden,

  • das Bekennen der Sünden vor Gott im Vaterunser mit der Bitte „Vergib uns unsere Schuld“,

  • Buße und Reue mit dem ernsthaften Vorsatz, Fehler und Schwächen zu überwinden,

  • der Wille zur Versöhnung mit seinem Schuldner,

  • das gläubige Ergreifen der Freisprache.

12.1.8.5 Buße und Reue Nach oben

Buße erfolgt aus der Erkenntnis der eigenen Fehlerhaftigkeit bzw. des eigenen Fehlverhaltens. Sie umfasst Reue — das Gefühl von Leid über durch Tat oder Unterlassung begangenes Unrecht — und das ernstliche Bemühen um Sinnesänderung und Besserung. Wie konkret die Buße als Voraussetzung zur Vergebung sein muss, kann abhängig sein von dem Bewusstsein, Sünder zu sein, und von der Einsicht in die begangenen Sünden. Zudem besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen bewusstem und unbewusstem Sündigen.

Auch im Blick auf die mit der Buße verbundene Reue bestimmt nicht der Mensch, sondern Gott allein das erforderliche Maß. Ist Reue aufrichtig und tief empfunden und drückt sich die Bußfertigkeit in der Bereitschaft zur Änderung von Gesinnung und Verhalten aus, darf auf Gottes Gnade gehofft werden.

Bei besonders belastenden Vorkommnissen, in denen jemand trotz des gläubigen Ergreifens der Freisprache keinen inneren Frieden findet, besteht die Möglichkeit zur Beichte (siehe 12.4.4).

Aufrichtige Reue und der Wille zur Versöhnung mit dem Nächsten gehören zusammen. Soweit möglich, muss auch der angerichtete Schaden wieder gutgemacht werden (4Mo 5,6.7; Lk 19,8).

12.1.8.6 Sünde, die nicht vergeben wird Nach oben

Es gibt Sünde, die nicht vergeben wird: die Lästerung gegen den Heiligen Geist. Davon sagte der Sohn Gottes: „Wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig“ (Mk 3,29). Lästerung gegen den Heiligen Geist begeht, wer aus feindseligen oder niedrigen Beweggründen bewusst und mutwillig den Heiligen Geist als teuflisch und verführerisch darstellt.

12.1.8.7 Verkündigung und Vollmacht Nach oben

Sündenvergebung muss verkündigt werden. Jesus hat einzelnen Menschen Sündenvergebung zugesprochen (u.a. Lk 7,48).

Die Sündenvergebung erfolgt durch die Freisprache, die Bevollmächtigte im Namen Jesu Christi verkündigen. Sie wird im Allgemeinen im Gottesdienst der ganzen Gemeinde verkündigt. Sie wirkt sich aber nur an dem aus, der sie im Glauben ergreift und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt.

Die Vollmacht, im Namen Jesu die Vergebung der Sünden zu verkündigen, liegt im Amt der Versöhnung, im Apostelamt (Joh 20,23). Die priesterlichen Amtsträger verkündigen im Auftrag des Apostels die Freisprache im Namen Jesu. Dies hat die gleiche Wirkung, wie wenn es der Apostel tut.

12.1.8.8 Wirkungen der Sündenvergebung Nach oben

Die in Vollmacht verkündigte Freisprache im Namen Jesu, im Glauben erfasst, tilgt die Sünde (1Joh 2,12) und hebt die Schuld auf, die Gott gegenüber besteht (Mt 6,12). Von der Sündenvergebung unbenommen bleiben aber die materiellen, moralischen und rechtlichen Konsequenzen und Verantwortlichkeiten aus dem sündhaften Verhalten.

Den Gläubigen, denen die Sünden vergeben worden sind, wird der Friede aus Jesus Christus mit den Worten zugesprochen: „Der Friede des Auferstandenen sei mit euch!“ Wenn dieser Friede einkehrt, wird die Furcht vor den Folgen der Sünde Gott gegenüber weichen.

EXTRAKT Nach oben

Grundlage der Sündenvergebung ist das vollkommene, ewig gültige Opfer Jesu Christi. (12.1.8)

Die Sündenvergebung ist kein Sakrament, wohl aber Voraussetzung zum würdigen Empfang der Sakramente. (12.1.8)

Der dreieinige Gott ist es, der die Sünden tilgt. Der Mensch ist dazu nicht in der Lage. (12.1.8.1)

Durch den alttestamentlichen Opferdienst konnten Sünden nicht getilgt werden, doch hatte er aufschiebende Wirkung bis zum Opfertod Jesu. Seit dem Opfer Christi ist Vergebung der Sünden im Sinne von Tilgung sowie Erlösung von Sünde und Tod möglich. (12.1.8.2; 12.1.8.3)

Um Sündenvergebung zu erlangen, ist der Glaube an Jesus Christus als Erlöser Voraussetzung. Auch Erkennen und Bekennen der Sünden, Buße, Reue und Versöhnungswille sind erforderlich. (12.1.8.4)

Die Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit ist Voraussetzung zur Buße. Diese umfasst Reue und das Bemühen um Sinnesänderung und Besserung. Sind Reue und Bußfertigkeit aufrichtig, darf auf Gottes Gnade gehofft werden. (12.1.8.5)

Die Lästerung gegen den Heiligen Geist wird nicht vergeben. (12.1.8.6)

Sündenvergebung muss verkündigt werden. Sie erfolgt durch die Freisprache im Namen Jesu Christi und wirkt sich an dem aus, der sie im Glauben ergreift. Die Vollmacht zur Verkündigung liegt im Amt der Versöhnung, dem Apostelamt. (12.1.8.7)

Die Sünden derer, die gläubig die Freisprache erfassen, sind getilgt und die Schuld Gott gegenüber ist aufgehoben. Es wird ihnen der Friede aus Jesus Christus zugesprochen. (12.1.8.8)

12.1.9 Spendung der Sakramente im Gottesdienst Nach oben

Die Spendung der Sakramente ist zentrales Ereignis im Gottesdienst. Die Vermittlung der Sakramente dient zur Teilhabe am Heil und an der Erlösung, die durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, seinen Opfertod und seine Auferstehung möglich geworden ist (siehe 8). Es sind heilige Handlungen, die in der Kraft des Heiligen Geistes vollzogen werden.

Die sakramentalen Handlungen der Heiligen Wassertaufe und des Heiligen Abendmahls werden von Aposteln oder von priesterlichen Amtsträgern im Auftrag der Apostel durchgeführt. Die Heilige Versiegelung wird ausschließlich von Aposteln gespendet.

Das Heilige Abendmahl wird grundsätzlich in jedem Gottesdienst gefeiert, der von einem Apostel oder priesterlichen Amtsträger geleitet wird. Zu bestimmten Anlässen (zum Beispiel Trauungen, Trauergottesdienste) werden Wortgottesdienste ohne Abendmahlsfeier durchgeführt.

Dem Empfang der ausgesonderten Hostie geht die Sündenvergebung voraus. Dies geschieht, damit der Mensch der in Jesus Christus geschehenen Heilstat Gottes, die in dem Sakrament zugänglich ist, in würdigem Zustand teilhaftig werden kann.

Bei der Heiligen Wassertaufe und der Heiligen Versiegelung bilden die Teilnehmer des Gottesdienstes die Zeugen des sakramentalen Heilsgeschehens und des Treuegelöbnisses, das von denen, die das Sakrament empfangen, vor Gott und der Gemeinde abgelegt wird.

Alle drei Sakramente sind auch Kindern zugänglich. Diese nehmen, wenn möglich, mit der Gemeinde im Gottesdienst an der Feier des Heiligen Abendmahls teil.

Am Sonntag und an kirchlichen Feiertagen spenden der Stammapostel bzw. die Bezirksapostel oder von ihnen beauftragte Apostel nach der Feier des Heiligen Abendmahls mit der Gemeinde dieses Sakrament auch den Entschlafenen. Zwei Amtsträger nehmen dabei stellvertretend Leib und Blut Christi entgegen. Dreimal im Jahr finden besondere Gottesdienste statt, in denen der Stammapostel, die Bezirksapostel oder von ihnen beauftragte Apostel alle drei Sakramente den Entschlafenen spenden; auch diese Handlungen werden an zwei Amtsträgern stellvertretend vollzogen.

12.1.10 Der Schlusssegen Nach oben

Am Ende des Gottesdienstes wird allen Anwesenden der Segen des dreieinigen Gottes gespendet. Zusammen mit der trinitarischen Eingangsformel bildet der „Schlusssegen“ den Rahmen, der das gottesdienstliche Geschehen umschließt und anzeigt, dass alles von dem dreieinigen Gott ausgeht und alles auf ihn bezogen ist. Dieser Segen wird der Gemeinde zugesprochen mit den Worten aus 2. Korinther 13,13:

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“

12.1.11 Segenshandlungen im Ablauf des Gottesdienstes Nach oben

Die Segenshandlungen — mit Ausnahme des vorgeburtlichen Segens — finden in der Regel im Gottesdienst statt. Die Konfirmation steht in direktem Zusammenhang mit den Sakramenten Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung; sie wird unmittelbar vor der Feier des Heiligen Abendmahls durchgeführt. Alle anderen Segenshandlungen finden nach der Abendmahlsfeier statt.

Die Handlung der Aufnahme von Gästen in die Gemeinde, die in einer anderen Kirche die Heilige Wassertaufe formgerecht empfangen haben, ist als Segenshandlung zu verstehen. In ihr bekennen sich die Aufzunehmenden zum neuapostolischen Glauben und es wird ihnen der Zugang zum Heiligen Abendmahl auf Dauer eröffnet. Die Aufnahme wird im Gottesdienst vor der Abendmahlsfeier im Namen des dreieinigen Gottes vollzogen.

In erweitertem Sinn zählt auch die Weihe eines Kirchengebäudes bzw. einer Versammlungsstätte der Gemeinde zu den Segenshandlungen. Sie wird beim ersten Gottesdienst vor dem eigentlichen Predigtteil vorgenommen.

12.1.12 Ordination, Beauftragung, Amtsbestätigung, Ruhesetzung Nach oben

Die Ordination ist die Einsetzung in ein geistliches Amt. Sie wird ausnahmslos durch Apostel vollzogen.

Liturgisch schließt sich die Amtseinsetzung an die Spendung der Sakramente an und erfolgt nach der Feier des Heiligen Abendmahls. Die zu Ordinierenden werden nach einer Ansprache vom Apostel gefragt, ob sie das Amt annehmen, es in der Treue zu Gott, der Lehre Jesu und dem neuapostolischen Glaubensbekenntnis entsprechend, in der Liebe zu den Gläubigen und im Gehorsam gegenüber den Aposteln Jesu auszuüben bereit sind. Dies geloben sie mit ihrem „Ja“ vor Gott, der sie zum Dienst ruft, und vor der Gemeinde. Kniend empfangen sie durch Handauflegung und Gebet des Apostels das Amt.

Eine Beauftragung zum Vorsteher einer Gemeinde oder eines Bezirks — die gleichfalls grundsätzlich durch den Apostel erfolgt — geschieht unter Zuspruch göttlichen Segens. Sie ist nicht mit einer Ordination gleichzusetzen.

Verzieht ein Amtsträger außerhalb des Bereichs, für den sein Amtsauftrag gilt, bedarf es einer Bestätigung, um das Amt in dem neuen Bereich ausüben zu können. Die Bestätigung führt der Apostel oder ein von ihm beauftragter Amtsträger durch.

In der Regel erfolgt die Beendigung der aktiven Ausübung eines Amtes mit der Ruhesetzung. Sie wird grundsätzlich vom Apostel im Gottesdienst durchgeführt. Der Apostel dankt dem Amtsträger für alles, was im Geist der Liebe Christi gewirkt wurde, und entbindet ihn von seiner aktiven Amtstätigkeit.

EXTRAKT Nach oben

Die Sakramente der Heiligen Wassertaufe und des Heiligen Abendmahls werden von Aposteln oder priesterlichen Amtsträgern im Auftrag der Apostel gespendet, die Heilige Versiegelung ausschließlich von Aposteln. Alle drei Sakramente sind auch Kindern zugänglich. (12.1.9)

Das Heilige Abendmahl wird grundsätzlich in jedem Gottesdienst gefeiert. Zu bestimmten Anlässen (z.B. Trauergottesdienst) werden Gottesdienste ohne Abendmahlsfeier durchgeführt. (12.1.9)

Am Ende des Gottesdienstes wird allen Anwesenden der Segen des dreieinigen Gottes mit den Worten aus 2. Korinther 13,13 gespendet. (12.1.10)

Ordinationen, Beauftragungen und Ruhesetzungen erfolgen im Gottesdienst im Anschluss an die Spendung der Sakramente. (12.1.12)

12.1.13 Gottesdienst für Entschlafene Nach oben

Dreimal jährlich — jeweils am ersten Sonntag im März, Juli und November — finden Gottesdienste für Entschlafene statt. Im Hinblick darauf beten die neuapostolischen Christen auch dafür, dass unerlöst Verstorbene das Heil in Christus finden.

Gottes Erlösungswille umfasst alle Menschen. Jesus Christus ist Herr über die Lebenden und die Toten (Röm 14,9).

Bereits in der Gemeinde zu Korinth wurden Lebende für Tote getauft (1Kor 15,29). Diese Praxis setzt sich fort in den Gottesdiensten für Entschlafene, die der Stammapostel und die Bezirksapostel durchführen: In ihnen empfangen zwei Amtsträger für die Verstorbenen die Heilige Wassertaufe, die Heilige Versiegelung und das Heilige Abendmahl. Die Sakramente werden in der gleichen Weise vollzogen, wie dies ansonsten geschieht. In den übrigen Gemeinden wird nach der Feier des Heiligen Abendmahls in einem besonderen Gebet der Entschlafenen gedacht.

Die Gottesdienste für Entschlafene haben im neuapostolischen Kirchenjahr einen wichtigen Platz. Am Sonntag zuvor bereiten sich die Gemeinden im Gottesdienst darauf vor. Barmherzigkeit und Mitempfinden sollen zur Fürbitte für unerlöst Verstorbene anregen.

EXTRAKT Nach oben

Dreimal jährlich finden Gottesdienste für Entschlafene statt. (12.1.13)

Neuapostolische Christen beten dafür, dass unerlöst Verstorbene das Heil in Christus finden. (12.1.13)

12.1.14 Musik im Gottesdienst Nach oben

Die Musik im Gottesdienst hat die Aufgabe, Gott zu loben und zu ehren (Ps 150). Sie hat dienende Funktion und kann vielfältige Aufgaben erfüllen: Sie kann im Innersten bewegen, stimmt die Gemeinde auf die Wortverkündigung ein und unterstreicht das Wort Gottes. Durch Gesang von Gemeinde, Chor oder durch Instrumentalmusik werden Mut, Kraft und Zuversicht ausgedrückt und vermittelt. In Traurigkeit und Bedrängnis kann durch Musik Trost erfahren werden. Nicht zuletzt fördert die Musik bei den Hörern wie auch bei den Musizierenden den Gemeinschaftssinn.

Um alle Gottesdienstteilnehmer zu erreichen, umfasst die musikalische Literatur der Kirche eine Vielfalt von Gattungen, Stilrichtungen und Schwierigkeitsgraden. Weltweit tätig, bemüht sich die Kirche, im Gottesdienst und den weiteren kirchlichen Veranstaltungen musikalische Traditionen der unterschiedlichen Kulturen zu bewahren und zu pflegen.

Musik und Andacht vor dem Gottesdienst dienen der inneren Sammlung der Gottesdienstbesucher und bereiten die Wortverkündigung vor. Zu Beginn des Gottesdienstes singt die Gemeinde; so sind alle Anwesenden aktiv in das gottesdienstliche Geschehen einbezogen. Vor der Feier des Heiligen Abendmahls kann die Gemeinde in einem entsprechenden Lied bußfertige Gesinnung bezeugen. Das zur Feier des Heiligen Abendmahls gesungene Lied bietet Gelegenheit, die Empfindungen von Liebe und Dankbarkeit zu Jesus Christus bei der Hinnahme des Sakraments zum Ausdruck zu bringen.

Nach dem Schlusssegen beendet das von der Gemeinde gesungene „dreifache Amen“ den Gottesdienst. In der Regel singt danach Gemeinde oder Chor ein Lied oder es wird ein Musikstück vorgetragen.

So kann das Gottesdiensterleben durch die Musik vertieft werden: „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen“ (Kol 3,16).

EXTRAKT Nach oben

Musik im Gottesdienst hat die Aufgabe, Gott zu loben und zu ehren. Sie hat dienende Funktion. (12.1.14)

12.2 Segenshandlungen Nach oben

In der Neuapostolischen Kirche wird zu folgenden Ereignissen im Leben der Gläubigen ein spezieller Segen erteilt: Konfirmation, Verlobung, Trauung und Hochzeitsjubiläen. Diese Segenshandlungen finden im Regelfall im Gottesdienst statt. Der vorgeburtliche Segen wird außerhalb des Gottesdienstes gespendet.

In der Segensspendung wendet sich Gott dem aufrichtig bittenden Menschen zu und bringt auf diese Weise sein Wohlgefallen an ihm zum Ausdruck. Durch Apostel und priesterliche Amtsträger spricht Gott dem Gläubigen seine Hilfe, Gnade und Barmherzigkeit zu. Ein alttestamentliches Vorbild solchen Segnens ist der Aaronitische Segen, den Gott den Priestern aufgetragen hatte (4Mo 6,24-26).

12.2.1 Vorgeburtlicher Segen Nach oben

Schwangerschaft und Geburt eines Kindes werden von den Eltern als besondere Lebensphase erlebt. Sie erfahren durch die Seelsorge in dieser Zeit eine angemessene Begleitung.

Eltern sind von Anfang an gemeinsam für das neue Leben verantwortlich.

Als erste sichtbare Handlung Gottes am Menschen wird ein vorgeburtlicher Segen gespendet. Die Segenshandlung wird an der Mutter auf ihren Wunsch hin vollzogen. Dadurch stärkt Gott die Mutter, ihr Kind glaubensmäßig in der vorgeburtlichen Entwicklung zu fördern und zu pflegen. Der Segen kommt auch der Seele des Ungeborenen zugute und vermittelt so der Mutter die Gewissheit, dass sowohl sie als auch ihr Kind in der Hand des Herrn geborgen sind.

Solange das Kind im Leib der Mutter heranwächst, ist es in allem mit ihr verbunden. Es nimmt nicht nur das auf, was die Mutter ihrem Leib zuführt, sondern die Seele des Kindes wird von dem beeinflusst, was die Mutter empfindet und erlebt. Daher kann die Mutter durch Gebet und bewusstes Einbeziehen des heranwachsenden Kindes in ihr Glaubensleben viel zu einer Gott wohlgefälligen vorgeburtlichen Seelenpflege beitragen.

Mit dem vorgeburtlichen Segen ist keine Zusage einer problemlosen Schwangerschaft oder der Geburt eines gesunden Kindes verbunden.

12.2.2 Konfirmation Nach oben

Konfirmation (lat.: „confirmatio“ = „Bestärkung, Bestätigung“) ist jene Segenshandlung, bei der junge neuapostolische Christen Verpflichtungen übernehmen, die ihre Eltern bei der Taufe und Versiegelung stellvertretend für sie eingegangen sind. Von nun an trägt der mündige Christ vor Gott die uneingeschränkte Verantwortung für sein Tun und Lassen. Er verpflichtet sich zur Treue gegenüber Gott und bekennt sich öffentlich zum neuapostolischen Glauben.

12.2.2.1 Konfirmationsalter und Konfirmationsvoraussetzungen Nach oben

Das Konfirmationsalter ist unterschiedlich; es orientiert sich an der Religionsmündigkeit bzw. der Lebensphase, in der Heranwachsende im Allgemeinen die Konsequenzen ihres Handelns selbst einschätzen und Verantwortung für ihr Glaubensleben übernehmen können.

Die Heranwachsenden werden im Elternhaus, in den Gottesdiensten und durch kirchliche Unterrichte zum Glauben erzogen. Der Konfirmandenunterricht als letzter Abschnitt im kirchlichen Unterrichtswesen dient neben der Vorbereitung auf die Konfirmation vor allem dazu, dass die Konfirmanden

  • die wesentlichen Grundzüge der Glaubenslehre, insbesondere die zehn Glaubensartikel, kennen,

  • den Wert des Glaubens immer mehr schätzen,

  • ernsthaft suchen, ihr Leben dem Evangelium entsprechend zu führen, und

  • sich am Glaubensziel, der Wiederkunft Christi, orientieren.

Der Besuch der Gottesdienste und des Konfirmandenunterrichts ist Voraussetzung, um konfirmiert zu werden.

12.2.2.2 Konfirmationsgelübde und Konfirmationssegen Nach oben

Die Konfirmation wird im Rahmen eines Gottesdienstes gefeiert. Zunächst beantworten die Konfirmanden die Frage, ob sie Gott die Treue halten wollen, mit „Ja“. Danach sprechen sie gemeinsam das Konfirmationsgelübde, das auf den Text einer alten Taufliturgie aus dem dritten Jahrhundert zurückgeht. Es wird vor Gott und der Gemeinde abgelegt und lautet:

„Ich entsage dem Teufel und all seinem Werk und Wesen und übergebe mich dir, o dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, im Glauben, Gehorsam und ernstlichen Vorsatz: Dir treu zu sein bis an mein Ende. Amen.“

Es kommt damit der Grundsatz zur Sprache, dass sich die Konfirmanden bemühen, alles Böse, Widergöttliche zu meiden und konsequent den Weg des Evangeliums zu gehen. Sie bekennen sich im Glauben zum dreieinigen Gott und bekunden den Willen, ihr Leben im Glauben und Gehorsam Gott gegenüber zu führen.

Die jungen Christen empfangen nach Gebet des Gottesdienstleiters den Konfirmationssegen, der ihnen unter Handauflegung gespendet wird. Dieser Segen bestärkt sie in ihrem Bestreben, ihr Gelübde zu halten, sich zu Jesus Christus in Wort und Tat zu bekennen.

12.2.3 Trauung, Hochzeitsjubiläen, Verlobung Nach oben

Die Ehe ist die von Gott gewollte, auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaft zweier Menschen verschiedenen Geschlechts. Ihr liegt ein freier Willensakt zugrunde, in dem sich Mann und Frau gegenseitig in ihrer leiblichen und seelischen Persönlichkeit annehmen. Der kirchliche Segen hat hohe Bedeutung für das gemeinsame Leben der Eheleute. Der kirchlichen Trauung muss die zivilrechtliche bzw. die traditionelle Eheschließung vorausgegangen sein.

Im öffentlichen Treueversprechen wird ausgedrückt, dass beide Ehepartner von nun an den Lebensweg gemeinsam gehen und gestalten wollen. Mit der Trauung wird die eingegangene Ehe unter Gottes Segen gestellt.

12.2.3.1 Trausegen Nach oben

Die kirchliche Trauung findet grundsätzlich in einem Gottesdienst statt. In der Ansprache vor dem Trausegen werden den Ehepartnern Hinweise für einen gesegneten Ehestand gegeben. Der Gottesdienstleiter fragt, ob sie unter Gottes Segen in gegenseitiger Treue einander in allen Verhältnissen beistehen und in Liebe miteinander den Lebensweg gehen wollen. Dies geloben die beiden vor Gott und der Gemeinde mit ihrem Jawort. Sie empfangen den Segen des dreieinigen Gottes, auch um dieses Gelübde halten zu können.

Liebe zu Gott und zum Ehepartner sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass der Segen in der Ehe ungeschmälert bleibt und die Ehepartner die Kraft finden, das gemeinsame Leben harmonisch zu führen und mit Gottes Hilfe schwierige Situationen zu meistern. Eine weitere wichtige Aufgabe für neuapostolische Ehepaare ist es, dass ein Ehepartner den anderen darin unterstützt, das Ziel des Glaubens zu erreichen.

12.2.3.2 Segen zu Hochzeitsjubiläen Nach oben

Auf Wunsch wird Ehepaaren der Segen zu folgenden Ehejubiläen gespendet:

  • silberne Hochzeit (25 Jahre)

  • Rubinhochzeit (40 Jahre)

  • goldene Hochzeit (50 Jahre)

  • diamantene Hochzeit (60 Jahre)

  • eiserne Hochzeit (65 Jahre)

  • Gnadenhochzeit (70 Jahre)

  • Kronjuwelenhochzeit (75 Jahre)

Auf den Ehebund wird erneut der Segen Gottes gelegt und die Ehepartner werden der weiteren Fürsorge und Begleitung Gottes anbefohlen.

12.2.3.3 Verlobungssegen Nach oben

Die Verlobung stellt ein ernsthaftes Eheversprechen dar. Auf Wunsch kann der Verlobungssegen im Gottesdienst gespendet werden. Das Verlobungspaar bekundet öffentlich vor der Gemeinde, dass es sich in Gott wohlgefälliger Weise auf die Ehe vorbereiten will. Dazu empfängt es den Segen Gottes.

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In der Kirche wird zu herausragenden Ereignissen im Leben der Gläubigen — Konfirmation, Verlobung, Trauung, Hochzeitsjubiläen — ein spezieller Segen erteilt. (12.2)

Als erste sichtbare Handlung Gottes am Menschen wird ein vorgeburtlicher Segen gespendet. Der Segen kommt der Mutter und ihrem Kind zugute. (12.2.1)

Bei der Konfirmation verpflichten sich die jungen Christen zur Treue gegenüber Gott und bekennen sich öffentlich zum neuapostolischen Glauben. Das Konfirmationsgelübde wird vor Gott und der Gemeinde abgelegt. Der Konfirmationssegen soll die Jugendlichen begleiten und bestärken, das Gelübde zu halten. (12.2.2; 12.2.2.2)

Bei der Trauung geloben die Ehepartner vor Gott und der Gemeinde, in gegenseitiger Treue einander beizustehen und in Liebe miteinander den Lebensweg zu gehen. Dazu empfangen sie den Trausegen. Auf Wunsch wird zu bestimmten Ehejubiläen der Ehebund erneut gesegnet. (12.2.3.; 12.2.3.1; 12.2.3.2)

12.2.4 Weihe von Kirchengebäuden Nach oben

Ein Kirchengebäude wird anlässlich des ersten Gottesdienstes geweiht. Bis auf den Weiheakt — den zumeist der Bezirksapostel oder Apostel vornimmt — entspricht der Ablauf des Weihegottesdienstes dem der sonstigen Gottesdienste.

Der Weihegottesdienst steht unter einem Bibelwort, das auf dieses Ereignis hinweist. Einleitende Worte des Gottesdienstleiters bringen die Dankbarkeit Gott gegenüber zum Ausdruck. Dank für die Opferbereitschaft der Glaubensgeschwister, die den Bau ermöglicht haben, sowie für den Einsatz der am Bau Beteiligten findet zumeist ebenfalls Erwähnung. Auch wird auf die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde eingegangen.

Im Weihegebet wird das Gotteshaus im Namen des dreieinigen Gottes seiner sakralen Bestimmung übergeben. Das Gebäude wird so zur Offenbarungsstätte des Heiligen Geistes geweiht. Hier wird fortan Gottes Wort verkündigt, und es werden die Sakramente gespendet. Alles Wirken in diesem Haus soll der Vollendung der Heilsverlangenden auf die Wiederkunft Jesu Christi dienen. Das Kirchengebäude und alle, die sich darin versammeln, werden Gottes Schutz und dem Dienst seiner Engel anbefohlen.

Die geweihte Kirche ist nun ein Ort der Anbetung Gottes und auch ein Zufluchtsort für Heil suchende Menschen und dient dazu, göttlichen Trost, Stärkung des Glaubens und Seelenfrieden in den Gottesdiensten anzubieten.

Wird ein Kirchengebäude nicht mehr für Gottesdienste genutzt, findet ein Gottesdienst zur Entwidmung (Profanierung) des Gebäudes statt. In diesem letzten Gottesdienst wird die in der Weihe vorgenommene Bestimmung des Kirchengebäudes als heilige Stätte göttlichen Wirkens aufgehoben. Es ist nach der Entwidmung wieder ein gewöhnliches Gebäude, das einer anderen Verwendung zugeführt werden kann.

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Bei der Weihe wird das Gebäude in dem Namen des dreieinigen Gottes seiner sakralen Bestimmung übergeben und zur Offenbarungsstätte des Heiligen Geistes geweiht. (12.2.4)

Wird ein Kirchengebäude nicht mehr für Gottesdienste genutzt, findet eine Entwidmung statt. (12.2.4)

12.3 Kirchliche Trauerfeier Nach oben

Der Tod eines nahestehenden Menschen löst bei denen, die zurückbleiben, Schmerz und Trauer aus. Die Trauernden empfinden in dieser Situation die Zuwendung anderer Menschen als wohltuend. Der Tröstung und Stärkung der Hinterbliebenen dient die kirchliche Trauerfeier, ein Gottesdienst mit eigenem Gepräge; das in ihm verkündigte Wort gilt aber auch der unsterblichen Seele des Verstorbenen, die der Gnade Gottes anbefohlen wird.

Die zur Trauerfeier versammelte Trauergemeinde umgibt die Hinterbliebenen, um ihnen Anteilnahme zu bekunden und das Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Darüber hinaus wird damit dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen.

Die Trauerfeier ist — wie jeder Gottesdienst — geprägt vom Wirken des Heiligen Geistes. Das durch diesen erweckte Wort bringt göttlichen Trost für die Hinterbliebenen und die Trauergemeinde. Dieser liegt vor allem in der Hoffnung auf die Wiederkunft Christi, auf die damit verbundene Auferstehung der in Christus Gestorbenen und die Vereinigung mit ihnen (1Thess 4,13-18). Trost finden die Trauernden ebenso in der Gewissheit auf das Wiedersehen mit ihnen in der jenseitigen Welt.

Während der Trauerfeier wird üblicherweise auch das Leben des Verstorbenen in angemessener Weise gewürdigt.

Mit feierlichen Worten wird der entseelte Leib seiner Bestimmung (1Mo 3,19) übergeben. Seele und Geist werden der Gnade und dem Erbarmen des Erlösers Jesus Christus mit segnendem Zuspruch anbefohlen, dass er sie bewahren möge zur Auferstehung zum ewigen Leben.

Die Bestattungsgebräuche sowie die Bedeutung, die Trauerfeiern beigemessen wird, sind von Land zu Land unterschiedlich. Ob und in welcher Weise ein Leichnam bestattet wird, ist für die Auferstehung des Verstorbenen ohne Belang.

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Die kirchliche Trauerfeier dient der Tröstung und Stärkung der Hinterbliebenen. Der Trost liegt vor allem in der Hoffnung auf die Wiederkunft Christi und die Auferstehung der in Christus Gestorbenen. (12.3)

Der entseelte Leib wird bestattet, Seele und Geist werden der Gnade Gottes anbefohlen. (12.3)

Ob und in welcher Weise ein Leichnam bestattet wird, ist für die Auferstehung des Verstorbenen ohne Belang. (12.3)

12.4 Seelsorge Nach oben

Was Seelsorge bedeutet, lässt sich aus den Berichten über das Verhalten Jesu erkennen. Er wandte sich ohne Ansehen der Person den Sündern zu und ließ sie seine Liebe empfinden. Er hörte zu, half, tröstete, gab Rat, mahnte, stärkte, betete, lehrte.

Jesus ist für alle Menschen gekommen, aber nicht alle nehmen ihn an. Die Seinen sind ihm vom Vater anvertraut. Er will alle Anvertrauten bewahren und keinen verlieren (Joh 17,12).

Jesu Christi Wort und Tat sind das vollkommene Vorbild für die Seelsorge; am Sohn Gottes soll sich jeder Seelsorger orientieren. Dazu gibt Jesus das Bild vom guten Hirten, der die Seinen kennt, mit ihnen spricht und ihnen vorangeht: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe [...] Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen“ (Joh 10,11.27.28). Davon abgeleitet, haben die Seelsorger die Aufgabe, die Herde Christi zu „weiden“ und auf das Wiederkommen des Erzhirten Jesus Christus vorzubereiten. Dies tun sie „freiwillig“ und „von Herzensgrund“ (1Petr 5,2-4).

Im Weiteren ist Seelsorge auch eine Aufgabe der ganzen Gemeinde. Sie bezieht sich auch auf praktische Lebenshilfe; es gelten die Worte: „Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen“ (Mt 25,35.36).

Die Seelsorge in der Neuapostolischen Kirche hat zum Ziel, dem Nächsten beizustehen auf dem Weg, der zur Erlösung von Sünde und Tod sowie zur Gestaltung zum Ebenbild Christi führt. Die Grundlage und das Vermögen dazu finden sich einzig im Opfer Jesu Christi. Das ernsthafte Bemühen des Gläubigen, in Christi Wesen hineinzuwachsen, wird durch einfühlsame seelsorgerische Begleitung unterstützt.

Den Auftrag, mittels seines Verdienstes für Sünder zu sorgen und sie Versöhnung mit Gott erfahren zu lassen, gab Jesus seinen Aposteln gemäß Matthäus 28,18-20. Apostel Paulus betont diesen wesentlichen Aspekt des apostolischen Seelsorgeauftrags: „So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2Kor 5,20).

Die Apostel und die durch sie beauftragten Amtsträger haben die Aufgabe, den Gläubigen zu helfen, bei der Wiederkunft Christi bereit und würdig zu sein. Bis dahin begleiten sie die Anvertrauten seelsorgerisch auf ihrem persönlichen Weg in den unterschiedlichsten Lebenssituationen.

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Jesu Wort und Tat sind Vorbild für die Seelsorge. (12.4)

Die Seelsorge hat zum Ziel, den Glaubenden beizustehen und sie auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Die Seelsorger begleiten die Anvertrauten in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. (12.4)

Seelsorge, auch bezogen auf praktische Lebenshilfe, ist eine Aufgabe der gesamten Gemeinde. (12.4)

12.4.1 Unterweisung der Kinder Nach oben

Kinder sind eine Gabe Gottes (Ps 127,3); sie werden von den Eltern nach besten Kräften umsorgt und erzogen. Sie schenken dem Kind ihre ganze Liebe.

Bereits im Alten Bund gebietet Gott, dass Eltern ihre Kinder über seine Taten und Ordnungen unterweisen; dies gehört zu einer verantwortungsbewussten Erziehung: „Er richtete ein Zeugnis auf in Jakob und gab ein Gesetz in Israel und gebot unsern Vätern, es ihre Kinder zu lehren, damit es die Nachkommen lernten, die Kinder, die noch geboren würden; die sollten aufstehen und es auch ihren Kindern verkündigen, dass sie setzten auf Gott ihre Hoffnung und nicht vergäßen die Taten Gottes, sondern seine Gebote hielten“ (Ps 78,5-7; vgl. 5Mo 6,6.7; 11,18.19).

Dieser von Gott begründete Auftrag zur religiösen Erziehung der Kinder ist auch heute für die Eltern verpflichtend. Im Bewusstsein der sich daraus ergebenden Verantwortung sind sie aufgerufen, ihre Kinder in eigenverantwortliches Handeln nach den Grundwerten des Evangeliums hineinzuführen. Dazu gehört, sie zur Liebe zu Gott und dem Nächsten anzuleiten. Ebenso sind sie gehalten, ihnen im Gebetsleben und in der Opfertreue ein Vorbild zu sein.

Wichtige Aufgabe für die Amtsträger und die als Lehrkräfte beauftragten Brüder und Schwestern ist es, die Eltern in ihrer Verantwortung zu unterstützen, dass die Kinder zu überzeugten neuapostolischen Christen heranwachsen.

Dazu dienen auch die Kindergottesdienste, die in vielen Gebietskirchen stattfinden. In ihnen erleben die Heranwachsenden die Nähe Gottes und werden in kindgerechter Weise im Glauben gefördert.

12.4.1.1 Kirchliche Unterrichte Nach oben

In den kirchlichen Unterrichten werden die Heranwachsenden angeleitet, ihr Leben verantwortungsbewusst vor Gott zu führen. Die Förderung der Gemeinschaft und des Zusammengehörigkeitsgefühls ist ein wesentliches Ziel.

Das Unterrichtsangebot ist auf Alter und Entwicklungsstufe der Kinder abgestimmt, das Lernziel wird durch das Evangelium bestimmt.

Die Lehrkräfte werden in ihre Aufgaben eingeführt und in ihrer Tätigkeit begleitet.

12.4.1.1.1 Vorsonntagsschule Nach oben

Wo immer möglich, wird in den Gemeinden — im zeitlichen Umfeld des Sonntagsgottesdienstes — Vorsonntagsschule für die noch nicht schulpflichtigen Kinder durchgeführt. Sie hat das erklärte Ziel einer kindgemäßen Hinführung zu Gott und seinem Wirken. So kann in den Kindern eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott und Jesus Christus entstehen und wachsen; die Kinder empfinden: „Gott hat mich lieb! Ihm darf ich alles sagen; ihm kann ich vertrauen.“

In der Vorsonntagsschule geht es nicht in erster Linie um Wissensvermittlung. Vielmehr soll das Gefühl der Geborgenheit vermittelt und Freude am Glauben in die Herzen der Kinder gelegt werden.

12.4.1.1.2 Sonntagsschule Nach oben

Mit Eintritt in die Schule bzw. das schulpflichtige Alter besuchen Kinder die Sonntagsschule. Auch diese findet im zeitlichen Umfeld des Sonntagsgottesdienstes statt.

Ziele der Sonntagsschule sind:

  • die Freude an der Gemeinschaft der Gotteskinder sowie an den Gottesdiensten zu wecken und zu stärken,

  • den Kindern anhand von biblischen Geschichten Gottes Wirken zu vermitteln,

  • den Glauben an göttliche Verheißungen zu festigen,

  • den Kindern den Ablauf der Gottesdienste, die Bedeutung der Sakramente und Segenshandlungen sowie der kirchlichen Feiertage zu erklären.

Die Lehrkräfte helfen den Kindern, gemeinsam erarbeitete Erkenntnisse mit Erlebnissen aus deren Erfahrungswelt zu verknüpfen: Was die Kinder aus dem eigenen Erleben nachvollziehen können, wird zu einer Leitlinie für ihren Lebensweg. Dies ist allerdings nur zu erreichen, wenn die Eltern ihrer Verantwortung für die religiöse Erziehung gerecht werden.

So tragen Eltern und Lehrkräfte dazu bei, die Kinder mit Gott und seinem Handeln vertraut zu machen.

Die Kinder nehmen regelmäßig am Heiligen Abendmahl in der Gemeinde teil. Von Zeit zu Zeit feiert ein priesterlicher Amtsträger das Heilige Abendmahl im Kreis der Kinder.

12.4.1.1.3 Religionsunterricht Nach oben

Auf der Sonntagsschule baut der Religionsunterricht auf. In ihm werden altersgerecht Kenntnisse über die biblische Geschichte, die Entstehung und Ausbreitung des Christentums im Allgemeinen und der Neuapostolischen Kirche im Besonderen vermittelt. Es wird das Bewusstsein gestärkt, in das Erlösungswirken Gottes einbezogen zu sein. Dadurch wird die Bereitschaft gefördert, an der Vollendung des Werkes Gottes mitzuarbeiten. Die Kinder sollen auf der Grundlage des Evangeliums in die „Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes“ geführt werden (Eph 4,13.14).

Sie lernen im Religionsunterricht durch Berichte von Erfahrungen, die Menschen mit Gott machten: Die Heilsgeschichte alter und neuer Zeit wird mit Bezug auf das Glaubensleben der Kinder behandelt. Glaubensinhalte werden vertieft, Erkenntnisse gefördert und Zusammenhänge in Gottes Heilsplan erläutert. So werden Werte vermittelt, die Bestand haben. Im Weiteren soll der Religionsunterricht die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzen, ihren Glauben freimütig zu bekennen.

12.4.1.1.4 Konfirmandenunterricht Nach oben

Inhaltlicher Schwerpunkt des Konfirmandenunterrichts ist die Beschäftigung mit dem Glaubensbekenntnis und den Zehn Geboten. Die Heranwachsenden werden darauf vorbereitet, im Konfirmationsgottesdienst vor der Gemeinde ihr Treuegelübde Gott gegenüber abzulegen und als mündige Christen die Verantwortung für ihr Glaubensleben zu übernehmen.

12.4.2 Jugendbetreuung Nach oben

Die seelsorgerische Betreuung und Begleitung der jugendlichen Glaubensgeschwister bildet einen Schwerpunkt der kirchlichen Arbeit.

12.4.2.1 Situation der Jugendlichen Nach oben

Jugendliche befinden sich im Übergang von der durch die Eltern maßgeblich bestimmten Kindheit in das selbstbestimmte Erwachsenenalter. Dies wird von den Heranwachsenden zumeist als eine schwierige Lebensphase empfunden. Eigene Lebensziele und Lebensmaßstäbe werden gesucht, bestehende Werte und Normen des Umfeldes kritisch hinterfragt. So geraten die jungen Gläubigen insbesondere in der industrialisierten Welt auch in das Spannungsfeld zwischen den Maßstäben des Evangeliums und mannigfachen religiösen und ethischen Anschauungen einer in vielen Teilen zunehmend säkularisierten Gesellschaft: Die Jugendlichen erleben, wie der christliche Glaube zurückgedrängt wird und die Kirchen an Bedeutung verlieren; zunehmend gelten Kirchen als anonyme Institutionen und werden als moralische Instanz nicht mehr akzeptiert. Außerdem stehen Jugendliche vielfach unter dem Druck eines kirchenfernen Umfelds; auch müssen sie aus der Informationsflut und dem breiten Spektrum von Freizeitangeboten eine Auswahl treffen.

12.4.2.2 Ziel der Jugendbetreuung Nach oben

Ein wichtiges Ziel der Jugendbetreuung in der Neuapostolischen Kirche ist die Pflege der Gemeinschaft untereinander. Weiter sollen die Jugendlichen in den Werten des christlichen Glaubens gefestigt und für sie begeistert werden, damit sie ihnen als Entscheidungsgrundlagen in ihrer Lebensführung dienen.

Die seelsorgerische Betreuung will den Jugendlichen helfen, sich zu glaubensstarken und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten zu entwickeln.

12.4.2.3 Angebote bei der Jugendbetreuung Nach oben

Die Jugendlichen erfahren eine altersgemäße Betreuung und Begleitung; dabei bilden sie jedoch keine abgegrenzte Gruppe innerhalb der Gemeinde. Sie werden ermutigt, sich nach der Konfirmation in die vielfältigen Betätigungsfelder der Gemeinde einzubringen und den Glauben zu praktizieren und in ihrer Umgebung zu bekennen und zu vertreten.

Von der Kirche unterwiesene und unterstützte Jugendbetreuer begleiten die Jugendlichen auf Gemeinde- und Bezirksebene. Sie stehen ihnen als persönliche Ansprechpartner auch für vertrauliche Gespräche in unterschiedlichen Lebenssituationen und Glaubensfragen zur Seite.

Zum Angebot an die Jugendlichen zählen der in vielen Gebietskirchen jährlich stattfindende Jugendtag und die Jugendgottesdienste auf Bezirksebene. Jugendstunden bieten Gelegenheit, Gespräche zu Glaubensfragen und Lebensfragen zu führen, sich zu informieren und auszutauschen.

Engagierte junge Glaubensgeschwister finden vielfältig Möglichkeiten, sich mit ihren Gaben innerhalb und außerhalb der Gemeinde einzubringen und den Aufruf zur Nächstenliebe mit Leben zu füllen.

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Eltern sollen ihre Kinder zu eigenverantwortlichem Handeln nach den Grundwerten des Evangeliums anleiten. Aufgabe der Amtsträger und kirchlichen Lehrkräfte ist es, die Eltern darin zu unterstützen. (12.4.1)

In Kindergottesdiensten erleben die Heranwachsenden die Nähe Gottes und werden in kindgerechter Weise im Glauben gefördert. (12.4.1)

In den kirchlichen Unterrichten werden die Kinder angeleitet, ihr Leben verantwortungsbewusst vor Gott zu führen. (12.4.1.1)

In der Vorsonntagsschule — für die noch nicht schulpflichtigen Kinder — erfolgt eine kindgemäße Hinführung zum Glauben. (12.4.1.1.1)

In der Sonntagsschule erhalten die Kinder anhand von biblischen Geschichten einen Eindruck von Gottes Wirken. Inhaltliche Schwerpunkte sind außerdem: Ablauf der Gottesdienste, Bedeutung der Sakramente und Segenshandlungen, kirchliche Feiertage. (12.4.1.1.2)

Im Religionsunterricht werden altersgerecht Kenntnisse über die biblische Geschichte, die Entstehung, Entwicklung und Ausbreitung der Kirche Christi vermittelt. Die Heilsgeschichte wird mit Bezug auf das Glaubensleben der Kinder behandelt. (12.4.1.1.3)

Im Konfirmandenunterricht werden die Heranwachsenden darauf vorbereitet, als mündige Christen die Verantwortung für ihr Glaubensleben zu übernehmen. (12.4.1.1.4)

Die Jugendlichen werden seelsorgerisch begleitet. Ziel ist es, sie in den Werten des christlichen Glaubens zu festigen. Sie sollen sich zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten entwickeln, die ihren Glauben praktizieren und bekennen. (12.4.2; 12.4.2.1; 12.4.2.2)

12.4.3 Seelsorgebesuch Nach oben

Jedem neuapostolischen Christen wird eine persönliche seelsorgerische Betreuung angeboten.

Sie geschieht in der Ausrichtung auf das Vorbild Jesu. Er kehrte zum Beispiel öfter in Betanien bei Maria, Marta und Lazarus ein. Dadurch entstand ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen ihnen: „Jesus aber hatte Marta lieb und ihre Schwester und Lazarus“ (Joh 11,5). Auch Jesu Einkehr bei Zachäus in Jericho stand im Zeichen der dienenden und helfenden Liebe: „Als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren“ (Lk 19,5). Dieser Besuch wirkte sich segensreich aus: „Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren“ (Lk 19,9).

Aus dem, was uns von Jesus überliefert ist, leiten wir Sinn und Zweck der heutigen Seelsorgebesuche ab. Jedes Gemeindemitglied hat einen für die persönliche Seelsorge zuständigen Priester, der auch für die Besuche verantwortlich ist. Er wird dabei üblicherweise von einem Diakonen unterstützt.

Bei der Betreuung der Glaubensgeschwister steht das Bemühen im Vordergrund, die Liebe zu Gott und seinem Werk zu vertiefen, das Glaubensleben zu fördern und die Erkenntnis über Gottes Heilswirken zu vermehren. Vornehmlich geschieht es dadurch, dass ein Gedankenaustausch über Glaubensfragen stattfindet.

Den Gläubigen wird besondere Zuwendung in allen Lebensverhältnissen zuteil, indem die Amtsträger sie im Seelsorgebesuch in ihren Sorgen und Fragen begleiten. So wird das Vertrauensverhältnis zwischen Seelsorger und Gläubigen gefestigt. Inwieweit die Glaubensgeschwister nach den gegebenen Ratschlägen handeln, bleibt ihnen überlassen. Die dem Einzelnen obliegende Eigenverantwortung wird respektiert und gefördert. Selbstverständlich erfolgen Seelsorgebesuche nicht gegen den Willen der Glaubensgeschwister.

Ein wichtiges Element im Seelsorgebesuch ist das gemeinsame Gebet. Darüber hinaus werden die Glaubensgeschwister durch den Seelsorger fürbittend begleitet.

Eine besondere Betreuung wird denen zuteil, die in Leid und Trauer gekommen sind. Im Krankheitsfall, der eine Situation besonderer physischer und psychischer Belastung darstellt, erfährt der neuapostolische Christ Zuwendung durch Besuche, sei es zu Hause oder im Krankenhaus. Der zuständige Amtsträger besucht Kranke und nimmt Anteil an ihrem Befinden. Er stärkt sie im Glauben, tröstet sie und legt ihre Sorgen ins Gebet. Wenn möglich, feiert er das Heilige Abendmahl mit ihnen. In gleicher Weise werden auch alte und behinderte Glaubensgeschwister, denen der Gottesdienstbesuch nicht mehr möglich ist, regelmäßig besucht.

Gläubige, die nicht oder nur eingeschränkt besucht werden können, beispielsweise Seeleute, Soldaten oder Inhaftierte, erhalten seelsorgerische Betreuung oft auch in brieflicher Form.

Gerade in einer Gesellschaft, die mehr und mehr durch Vereinsamung, Isolation und Ausgrenzung vieler Menschen geprägt ist, erfährt der neuapostolische Christ in seinem Alltagsleben Fürsorge und Begleitung durch seine Seelsorger.

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Neuapostolischen Christen wird eine persönliche seelsorgerische Betreuung auch durch Besuche angeboten. (12.4.3)

Wichtiges Element im Seelsorgebesuch ist das gemeinsame Gebet. Die Eigenverantwortung des Einzelnen wird respektiert und gefördert. (12.4.3)

Seelsorgerische Betreuung erfahren insbesondere diejenigen, die in Leid, Trauer und Not gekommen sind. (12.4.3)

12.4.4 Beichte Nach oben

Unter „Beichte“ versteht man im religiösen Sprachgebrauch das Sündenbekenntnis bzw. das Eingestehen von Schuld vor einem Geistlichen. Dieser unterliegt einer strengen Schweigepflicht.

Zur Vergebung der Sünden bedarf es keiner Beichte. Wenn jedoch jemand durch besonders belastende Vorkommnisse keinen inneren Frieden findet, besteht die Möglichkeit, sich direkt an den Apostel zu wenden und ihm mündlich oder schriftlich zu beichten.

In Fällen von besonderer Dringlichkeit, in denen ein Apostel nicht erreichbar ist, beispielsweise bei Sterbenden, kann ausnahmsweise jeder priesterliche Amtsträger die Beichte abnehmen und Vergebung verkündigen. Der Apostel wird über diese Handlung unverzüglich informiert.

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Beichte ist im religiösen Sprachgebrauch ein Sündenbekenntnis bzw. das Eingestehen von Schuld vor einem Geistlichen. (12.4.4)

Zur Vergebung der Sünden bedarf es keiner Beichte. Wird jedoch kein innerer Friede gefunden, kann sich der Betreffende an den Apostel wenden und ihm gegenüber beichten. (12.4.4)

In Ausnahmefällen kann jeder priesterliche Amtsträger eine Beichte abnehmen. (12.4.4)

12.4.5 Sterbebegleitung und Trauerbegleitung Nach oben

Der leibliche Tod, das Ende irdischen Lebens, ruft Angst hervor. Sterben bereitet Schmerz und Leid, sowohl beim Sterbenden als auch bei den ihm Nahestehenden; der Sterbende wie auch seine Angehörigen benötigen Beistand und Trost.

12.4.5.1 Umgang mit Todkranken und Sterbenden Nach oben

Viele Menschen verdrängen Sterben und Tod und vermeiden deshalb den Umgang mit Todkranken. Dies kann unterschiedliche Gründe haben, wie zum Beispiel Angst vor möglichen Fragen des Sterbenden oder die Erkenntnis der Begrenztheit des irdischen Daseins.

Das Sterben anderer macht die eigene Sterblichkeit bewusst. Oftmals sind Menschen überfordert, Sterbenden Hilfe durch Zuwendung zu geben. Gerade diese aber benötigt der dem Tod nahe Mensch am meisten. Er hat möglicherweise Angst vor unstillbaren Schmerzen und Leiden, vor qualvollem Dahinscheiden, vor psychischen, physischen und vielleicht auch existenziellen Sorgen der Angehörigen, vor den Folgen des gelebten Lebens, vor der Ungewissheit und vor dem Daseinsende.

Der Glaube an den lebendigen Gott schenkt eine Gewissheit, die über das irdische Leben hinausreicht: die Gewissheit des ewigen Lebens. Sie erleichtert es, Abschied zu nehmen und sich ganz der Gnade Gottes anzubefehlen.

Der neuapostolische Christ, der seines Glaubens lebt, stirbt nicht unvorbereitet. Zum einen weiß er, dass seine Seele weiterlebt. Zum anderen glaubt er an die Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben in immerwährender Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott. Das Ergreifen der Gnade aus dem Opfer Jesu Christi hat ihn von der Sünde frei gemacht. Er ist wiedergeboren aus Wasser und Geist, er hat die Verheißung des ewigen Lebens (Röm 6,22).

Im Sterben ist es ihm ein besonderer Trost, aus Gnaden frei geworden zu sein von der Herrschaft der Sünde und mit Blick auf Leiden, Sterben und Auferstehen Christi zum ewigen Leben mit Christus Jesus bestimmt zu sein (Röm 6,8-11).

Letztlich bleibt jedoch selbst gläubigen Menschen die Angst vor Sterben und Tod. Deshalb muss diese Angst ernst genommen und darf nicht als Zeichen mangelnden Glaubens gedeutet werden. Es gilt, die Hoffnung auf ein Leben mit Gott und den in dieser Hoffnung enthaltenen Trost wachzuhalten. Dem Sterbenden müssen keine abschließenden Antworten auf Fragen nach dem Sinn des Lebens, des Leidens oder Sterbens gegeben werden. Sterbebegleitung heißt in erster Linie, den Sterbenden in all seinen Ängsten und Nöten anzunehmen. Auf dem schweren Weg, den der Sterbende zu gehen hat, sollte man ihm nahe sein und auch eigene Ängste und Schwächen eingestehen. In demütigem Erkennen des unumstößlichen Endes menschlichen Lebens kann eine tragfähige Verbindung zwischen dem Sterbenden und dem ihn Begleitenden entstehen, die der Sterbende zu fühlen imstande ist.

Auch die Zuversicht des Wiedersehens mit denen, die bereits in das Jenseits voraufgegangen sind, trägt den Sterbenden durch die Phase des Abschiednehmens.

Zur Sterbebegleitung gehört, dass der Seelsorger dem Sterbenden die Sündenvergebung verkündigt, ihm den Frieden des Auferstandenen zuspricht und mit ihm das Heilige Abendmahl feiert. Der Genuss von Leib und Blut des Herrn verbürgt die Lebensgemeinschaft mit dem Gottessohn. So wird der Sterbende getröstet und gestärkt, damit er den schweren Weg, den er vor sich hat, leichter zu gehen vermag.

Wichtig ist auch die Betreuung der Angehörigen. Sie müssen in dieser Phase den Verlust eines ihrer Lieben vergegenwärtigen sowie gefühlsmäßig und gedanklich bewältigen. Es ist für Angehörige stärkend, wenn ihnen gegenüber hinreichend gewürdigt wird, was sie für den Sterbenden tun konnten.

12.4.5.2 Begleitung von Trauernden Nach oben

Trauer muss zugelassen werden. Trauernden wird Begleitung durch Seelsorger angeboten. Wichtig ist es, die Leidtragenden aufzusuchen, Anteilnahme zu bekunden und mit den Trauernden zu beten. Häufig ist es schwer, das Herz der Leidtragenden überhaupt zu erreichen — ohne das Bemühen, sich in die Trauernden einzufühlen, wird dies letztlich nicht gelingen.

Eine Trost bewirkende seelsorgerische Betreuung der Angehörigen kann sich über Wochen und Monate, mitunter sogar Jahre über den Tod des geliebten Menschen hinaus erstrecken.

Oft besteht die Befürchtung, gegenüber den Trauernden falsche Worte zu wählen und dadurch Wunden aufzureißen. Wichtig ist, das Gefühl wahren Mitempfindens zu vermitteln. Trotz möglicher Berührungsängste sollen die Nächsten — Anverwandte, Glaubensgeschwister, Freunde, Seelsorger — auf die Leidtragenden zugehen: „Lass die Weinenden nicht ohne Beistand, sondern traure mit den Trauernden“ (Sir 7,38).

12.4.5.3 Trauerbewältigung Nach oben

Trauerbegleitung und Trauerbewältigung gehören zusammen. Die Trauerbegleitung dient der Ermutigung des Trauernden, über den Verlust zu sprechen und seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Traurigkeit, Angst, Wut, Hadern mit Gott und Schuldgefühle dürfen zur Sprache kommen und dem Seelsorger gegenüber vorbehaltlos geäußert werden. Es liegt in der seelsorgerischen Aufgabe, gerade in solchen Momenten auch an das Positive, an beglückende Erlebnisse oder Erfahrungen mit dem Entschlafenen zu erinnern.

In Gemeinschaft mit anderen Leidtragenden fühlt sich der Trauernde in seinem Leid verstanden und angenommen.

Vor allem ist zur Trauerbewältigung hilfreich, wenn bewusst gemacht wird, dass auch Jesus Christus gelitten hat und gestorben ist. In Jesu Auferstehung ist auch die Auferstehung des Entschlafenen begründet; er hat Anteil am Sieg Christi über den Tod: „Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei" (Röm 14,7-9).

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Sterbende und ihre Angehörigen benötigen Beistand und Trost. (12.4.5)

Der Glaube schenkt die Gewissheit des ewigen Lebens. Sie erleichtert Sterben und Abschiednehmen. (12.4.5.1)

Angst vor dem Tod darf nicht als Zeichen mangelnden Glaubens gedeutet werden. (12.4.5.1)

Ein besonderer Bestandteil der Sterbebegleitung besteht darin, dass der Seelsorger mit dem Sterbenden das Heilige Abendmahl feiert. (12.4.5.1)

Trauer muss zugelassen werden. Trauernden wird seelsorgerische Begleitung angeboten. Sie kann sich mitunter über Jahre hinaus erstrecken. Wesentlich ist, die Trauernden aufzusuchen und das Gefühl wahren Mitempfindens zu vermitteln. (12.4.5.2)

Trauerbegleitung dient der Ermutigung des Trauernden, über den Verlust zu sprechen und seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Zur Trauerbewältigung ist es hilfreich, wenn man sich bewusst macht, dass auch Jesus Christus gelitten hat und gestorben ist. (12.4.5.3)

12.5 Kirchliche Feiertage Nach oben

Die kirchlichen Feiertage verweisen auf wesentliche Ereignisse in der Heilsgeschichte. In Ehrfurcht und Dankbarkeit wird dieser Geschehen gedacht.

In der Neuapostolischen Kirche werden nachstehende Feste begangen, deren Bedeutung durch einen speziellen Gottesdienst hervorgehoben wird; regionale Unterschiede finden dabei Berücksichtigung.

12.5.1 Weihnachten Nach oben

Das Weihnachtsfest erinnert an die Geburt Jesu Christi und verweist somit auf eines der zentralen Geschehen der Heilsgeschichte: Jesus Christus, der empfangen ist durch den Heiligen Geist, wurde von der Jungfrau Maria geboren. Im Erscheinen Christi auf Erden vollzieht sich die Selbsterniedrigung Gottes, der in Jesus Christus Fleisch wird (Joh 1,14). Die vielfältigen alttestamentlichen Verheißungen bezüglich des erwarteten Messias haben sich damit erfüllt. Das Gedenken an das mit dem Verstand nicht fassbare Wunder des ersten Kommens des Gottessohnes bestärkt auch in dem Glauben an sein baldiges Wiederkommen.

12.5.2 Palmsonntag Nach oben

Mit Palmsonntag beginnt die Karwoche. An diesem Festtag wird an den Einzug Jesu in Jerusalem anlässlich der Feier des jüdischen Passafests erinnert: In Erfüllung einer Verheißung des Propheten Sacharja ritt der Herr auf einem Esel in die Stadt (Sach 9,9). Die Menschen bereiteten ihm einen triumphalen Empfang und bekannten in dem Ruf „Hosianna dem Sohn Davids!“ (Mt 21,9) Jesus als Messias und Retter.

12.5.3 Karfreitag Nach oben

An Karfreitag wird der Kreuzigung und des Opfertodes Jesu Christi gedacht. Da sein Opfer, Leiden und Sterben von zentraler heilsgeschichtlicher Bedeutung sind, wird dieser Festtag in etlichen Sprachen „Heiliger Freitag“ genannt. Durch seinen Opfertod hat der Gottessohn die Macht Satans gebrochen und den Tod überwunden (Hebr 2,14). Als Sündloser nahm er freiwillig die Sünden der Menschen auf sich und erwarb durch sein Blut ein Verdienst, aus dem alle Sündenschuld bezahlt werden kann. Wohl kaum deutlicher als in Jesu Opfer zeigt sich Gottes Liebe zu den Menschen (1Joh 4,9.10). Mit dem Karfreitagsgeschehen ist eine Wende in der Heilsgeschichte angebrochen: Der Alte Bund ist erfüllt, der Neue Bund beginnt. Als beim Tod Christi der Vorhang zerriss, der im Tempel das Allerheiligste vom Heiligtum getrennt hatte, wurde offenkundig: In Jesus Christus schenkt Gott den Menschen Heil und Gemeinschaft mit sich.

12.5.4 Ostern Nach oben

Dieses Fest wird zum Gedächtnis an die Tatsache gefeiert: Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten vollzog sich am ersten Tag der Woche, am Sonntag. Daher feierten die ersten Christen das Heilige Abendmahl zum Gedächtnis an Jesu Opfer und Auferstehung an jedem ersten Tag der Woche. Später wurde ein Sonntag — in der Westkirche der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond — im Jahresablauf für das Osterfest festgelegt.

Die Auferstehung Jesu geschah, ohne dass ein Mensch Augenzeuge dieses Vorgangs geworden wäre. Sie ist ein Wunder und ein Geheimnis. Die Heilige Schrift berichtet jedoch von vielen, die den Auferstandenen gesehen haben: Er zeigte sich unmittelbar nach seiner Auferstehung Maria von Magdala und anderen Frauen, den Aposteln Petrus und Johannes sowie den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Am Abend des Auferstehungstags trat er in die Mitte seiner Apostel. Apostel Paulus spricht außerdem von mehr als fünfhundert Brüdern, die den auferstandenen Herrn gesehen hatten (1Kor 15,3-7).

Die Auferstehung Jesu Christi wird als Kernstück des Evangeliums von Beginn der Lehrtätigkeit der Apostel an verkündigt; sie begründet die Hoffnung auf das ewige Leben. Christus hat die Möglichkeit geschaffen, den Tod und die Trennung des Menschen von Gott aufzuheben. Der Glaube an die Auferstehung des Erstlings Christus von den Toten ist die Grundlage des Glaubens an die Auferstehung der Toten in Christus und die Verwandlung der Lebenden bei seiner Wiederkunft.

12.5.5 Himmelfahrt Nach oben

Jesus Christus hat verschiedentlich auf seine Rückkehr zum Vater hingewiesen (Joh 3,13; 16,28; 20,17). Am vierzigsten Tag nach Ostern ging er mit den Aposteln zum Ölberg und gab ihnen Weisung für ihre Mission. Dann wurde er „zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg." Durch zwei Engel empfingen die Apostel die Verheißung: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen“ (Apg 1,3-11). Diese Worte werden im neunten Artikel des neuapostolischen Glaubensbekenntnisses aufgenommen: „Ich glaube, dass der Herr Jesus so gewiss wiederkommen wird, wie er gen Himmel gefahren ist“.

12.5.6 Pfingsten Nach oben

Das Pfingstfest wird zum Gedächtnis an den Tag begangen, an dem der Heilige Geist ausgegossen wurde; man spricht von Pfingsten als dem „Tag der Offenbarung des Heiligen Geistes“ und auch als dem „Geburtstag der Kirche Christi“. Die Aussendung des Heiligen Geistes — fünfzig Tage nach Jesu Auferstehung — hatte der Gottessohn den Aposteln in seinen Abschiedsreden verheißen. Mit den Aposteln stand eine Schar gläubiger Männer und Frauen in Jerusalem in Verbindung. Das Pfingstwunder, die Ausgießung des Heiligen Geistes, ist in Apostelgeschichte 2,1 ff. überliefert. Die Apostel und die mit ihnen versammelten Gläubigen wurden vom Heiligen Geist erfüllt.

Apostel Petrus, der von Jesus Christus bestimmte „Fels“, hielt nach der Ausgießung des Heiligen Geistes eine Predigt, in der der gekreuzigte, auferstandene und gen Himmel gefahrene Christus im Mittelpunkt stand. Ungefähr dreitausend Menschen wurden daraufhin zur Gemeinde hinzugetan. So ist Pfingsten auch ein Vorbild für die Kraft geistgewirkter Predigt und für das Wachstum der Gemeinde durch das Wirken der Apostel. Pfingsten ist zudem ein Fest der Freude darüber, dass der Heilige Geist in der Kirche gegenwärtig ist und wirkt.

12.5.7 Erntedank Nach oben

Erntedank ist das Fest, das an das Schöpfersein Gottes gemahnt. An einem Sonntag im Jahr — dem Erntedanksonntag — wird ein Gottesdienst gehalten, an dem für Gottes Treue seiner Schöpfung gegenüber gedankt wird. Zu dieser Gelegenheit sind die Gläubigen zu einem besonderen Dankopfer aufgerufen.

12.5.8 Gestaltung der Gottesdienste an Feiertagen Nach oben

Die Liturgie der Gottesdienste an den genannten Feiertagen entspricht grundsätzlich derjenigen des Gottesdienstes mit Feier des Heiligen Abendmahls. Es können darüber hinaus Bibellesungen stattfinden, in denen das heilsgeschichtliche Ereignis thematisiert wird. Bei der Wortverkündigung wird auf die in der Heiligen Schrift geschilderten heilsgeschichtlichen Ereignisse und auf deren Bedeutung für die Gegenwart und das Heil der Menschen hingewiesen.