Katechismus

12 Gottesdienst, Segenshandlungen und Seelsorge

12.1 Gottesdienst Nach oben

Gottesdienst ist Wirken Gottes am Menschen und Werk des Menschen für Gott.

12.1.1 Allgemeines zum Gottesdienst Nach oben

Die gottesdienstliche Gemeinde versammelt sich, um Gottes Wort zu hören und durchs Sakrament gesegnet zu werden. Der Mensch bringt Gott in Ehrfurcht und Demut Anbetung entgegen.

So ist Gottesdienst Begegnung von Gott und Mensch. Im anbetenden Dienen der Gläubigen und in wahrnehmbarer Gegenwart des dreieinigen Gottes erlebt die Gemeinde, dass Gott ihr in Liebe dient.

12.1.2 Gottesdienst im Alten Testament Nach oben

Der alttestamentliche Gottesdienst gründet in der Gottesbegegnung des Menschen. Die Formen der Gottesdienste entwickelten sich über einen langen Zeitraum hinweg. Gott hat sich immer wieder dem Menschen mitgeteilt und ihm seine Hilfe geschenkt.

Im Garten Eden richtet Gott sein Wort an die ersten Menschen. Nach dem Sündenfall lässt er sie nicht ohne Schutz; er spricht ihnen Trost zu und gibt Hoffnung auf künftiges Heil.

Vom ersten Altar, den Menschen bauen, um Gott zu dienen, ihn anzubeten, ihm zu danken und ihm Opfer zu bringen, wird in 1. Mose 8 berichtet. Noah errichtet einen Altar und bringt Gott ein Dankopfer dar. Der Herr antwortet darauf mit der Zusage, hinfort die Schöpfung zu erhalten.

Die Stätte, an der Gott zu ihm geredet hat, weiht Jakob und nennt sieBethel“, alsoHaus Gottes“ (1Mo 28,19).

Gott gab Mose im Gesetz Bestimmungen zur Errichtung eines Altars: „An jedem Ort, wo ich meines Namens gedenken lasse, da will ich zu dir kommen und dich segnen“ (2Mo 20,24 ff.). Außerdem erinnerte er daran, dass er den siebten Tag geheiligt hatte, und forderte dazu auf: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest“ (2Mo 20,8).

Während der Wüstenwanderung der Israeliten erwählte Gott aus ihnen Männer, die ihm als Priester dienen und den Opferdienst verrichten sollten. Sie erhielten den Auftrag, dem Volk den Segen Gottes in einem festgelegten Wortlaut zu übermitteln (4Mo 6,22-27). Dieser Segen lautet: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“ (Aaronitischer Segen).

Aus der Zeit des Königs David wird berichtet, dass im Gottesdienst Sänger und Musiker mitwirkten und Gott mit Psalmen priesen (1Chr 25,6).

König Salomo ließ den Tempel zu Jerusalem bauen. In ihm wurde Gottesdienst durchgeführt; dieser bestand in der Hauptsache in der täglichen Schlachtung der Opfertiere durch die Priester. Der Opferdienst wurde nun ausschließlich im Tempel zu Jerusalem verrichtet. Auch war der Tempel die Stätte, an der die israelitischen Festewie Passa, Laubhüttenfest (3Mo 23) — begangen wurden.

Nach der Zerstörung des Tempels konnte nach Auffassung der Israeliten kein Opferdienst mehr verrichtet werden. In der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft versammelten sich Gläubige in eigens erbauten Häusern, den Synagogen, um dort zu beten, die Heiligen Schriften zu lesen und auszulegen. Hier liegt ein Ursprung der späteren christlichen Form des Gottesdienstes.

EXTRAKT Nach oben

Gottesdienst ist Wirken Gottes am Menschen und Werk des Menschen für Gott. (12.1)

Der alttestamentliche Gottesdienst gründet in der Gottesbegegnung des Menschen. Die Formen der Gottesdienste entwickelten sich über einen langen Zeitraum hinweg. (12.1.2)

Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem wurde kein Opferdienst mehr verrichtet. In der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft versammelten sich Gläubige in Synagogen, um dort zu beten, die Heiligen Schriften zu lesen und auszulegen. Hier liegt ein Ursprung der späteren christlichen Form des Gottesdienstes. (12.1.2)

12.1.3 Gottesdienst im Neuen Testament Nach oben

Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus beginnt eine neue Dimension göttlichen Dienstes an den Menschen. Der Gottessohn kommt als wahrer Mensch und zugleich wahrer Gott auf die Erde. Er wurde in das Volk der Juden hineingeboren; er ging in den Tempel, nahm an Synagogen-Gottesdiensten teil und gestaltete sie mit. Daneben steht sein Handeln als Lehrer, dessen Predigt in göttlicher Vollmacht geschah (Mt 7,29). Darüber hinaus ließ er taufen und setzte das Heilige Abendmahl ein. So ist in Jesu Wort und Tat bereits angelegt, was den christlichen Gottesdienst prägen wird: Wort und Sakrament.

Jesu Handeln, das also normativ für den Gottesdienst ist, findet in seinem Tod am Kreuz die Krönung: Er bringt das vollkommene Opfer, das den Opferdienst des Alten Bundes übertrifft und ablöst (siehe 3.4). In jeder Abendmahlsfeier wird Christi Opfer vergegenwärtigt.

Noch vor seinem Opfertod verhieß Jesus Christus seinen Aposteln die Sendung des Heiligen Geistes, der die Lehrtätigkeit Christi fortführen und sein Evangelium bewahren würde: „Das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14, 24-26).

Der Heilige Geist inspirierte die Pfingstpredigt des Petrus. Das durch den Heiligen Geist gewirkte Wort Gottes ging dreitausend Zuhörerndurchs Herz“, machte sie bereit, Buße zu tun und sich auf Jesus Christus taufen zu lassen, woraufhin sie die Gabe des Heiligen Geistes empfingen. Pfingsten ist gewissermaßen der erste Gottesdienst der Kirche Christi. Von der urchristlichen Gemeinde zu Jerusalem sind vier grundlegende Elemente des neutestamentlichen Gottesdienstes bezeugt: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“ (Apg 2,42).

12.1.4 Entwicklung des christlichen Gottesdienstes Nach oben

Der christliche Gottesdienst wurde im Lauf der Jahrhunderte in verschiedenen Formen gefeiert. Stand ursprünglich die Liturgie im Vordergrund, hat sich später durch die Reformation innerhalb des Protestantismus der Predigtgottesdienst entwickelt. Der Gottesdienst in der Katholisch-apostolischen Kirche war ebenfalls durch eine ausgeprägte Liturgie gekennzeichnet. Der heutige Ablauf des neuapostolischen Gottesdienstes steht in der Tradition reformierter Gottesdienste.

12.1.5 Gottesdienst als Gottesbegegnung Nach oben

Die in der Urkirche vorhandenen vier Elemente eines Gottesdienstes zählen auch heute zu den prägenden Merkmalen, wenn die Gemeinde am Altar das immer neue Geheimnis einer Begegnung Gottes mit dem Menschen erlebt.

Die trinitarische EingangsformelIn dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistesist Anrufung Gottes und Vergewisserung seiner Gegenwart. So wird jede Begegnung mit dem Dreieinigen im Gottesdienst eingeleitet, und mit dem trinitarischen Segen wird jeder Gottesdienst beendet. Das macht dem Besucher des Gottesdienstes deutlich: Gott ist gegenwärtig.

Wird im Himmel Gott von den himmlischen Heerscharen gepriesen (Jes 6,3; Offb 4,8-11), so lobt und preist auf Erden die gottesdienstliche Gemeinde den dreieinigen Gott, seine Gnade und seine Barmherzigkeit.

Der Gottesdienst zielt darauf, die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi zu stärken und die Gläubigen auf das Erscheinen des Herrn vorzubereiten. Daher ist ihnen der Gottesdienst heilig. Leichtfertiges Versäumen der Gottesdienste gefährdet die Beständigkeit in der Lehre der Apostel, der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet, wie sie die ersten Christen praktizierten.

Bei dem, der dem Gottesdienst häufig ohne zwingenden Grund fernbleibt, kann das Verlangen nach dem Empfang des Sakraments und nach dem geistgewirkten Wort schwinden. Zudem fließen ihm die Kräfte aus dem Heiligen Abendmahl nicht zu, die Sünden werden ihm nicht vergeben und ihm entgeht der mit dem Gottesdienst verbundene Segen.

Wer Gott die ihm gebührende Anbetung verweigert, indem er den Gottesdienst und die angebotene Gnade bewusst ablehnt oder gering achtet, lädt Sünde auf sich, und zwar unabhängig davon, ob er dem Gottesdienst beiwohnt oder nicht.

12.1.5.1 Lehre der Apostel Nach oben

Jesus, der in Hebräer 3,1 alsApostel, den wir bekennenbezeichnet wird, sagte: „Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“ (Joh 7,16). Er, der Gesandte seines Vaters, sendet seinerseits die Apostel und gibt ihnen den Auftrag: „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ (Mt 28,20).

Die Apostel sind als Knechte Christi berufen und ausgesondert, das Evangelium zu predigen und den Gehorsam des Glaubens aufzurichten (Röm 1,1.5); die in ihrem Auftrag tätigen Amtsträger verkündigen ebenfalls die Lehre Jesu Christi in den Gemeinden.

Das durch den Heiligen Geist gewirkte Wort der Predigt dient der Stärkung des Glaubens, fördert Erkenntnis, vermittelt Trost, mahnt zum Handeln nach den Maßgaben des Evangeliums und hält die Erwartung der baldigen Wiederkunft Christi wach. So erleben die Gläubigen die Erfüllung der Zusage Jesu: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er´s nehmen und euch verkündigen“ (Joh 16,13.14). So zeichnet sich geistgewirkte Predigt dadurch aus, dass Christus als Heiland, als Erlöser, verherrlicht wird.

12.1.5.2 Brotbrechen Nach oben

Mit der Feier des Heiligen Abendmahls (siehe 8.2) erlebt die Gemeinde das zentrale Geschehen im Gottesdienst. Nach voraufgegangener Sündenvergebung treten die Gläubigen zum Altar und empfangen Leib und Blut Jesu in einer ausgesonderten Hostie aus Brot und Wein. Dabei erleben sie das Heilige Abendmahl als Danksagung und Gedächtnisfeier an das Opfer Christi (Lk 22,19). Es ist Bekenntnismahl, es ist ein Gemeinschaftsmahl, in das auch die Entschlafenensowohl diejenigen, die in Christus gestorben sind, als auch solche, denen Gottes Gnade Zutritt zum Altar gewährteinbezogen sind. Es bestärkt die Hoffnung auf den wiederkommenden Gottessohn (1Kor 11,26).

Der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls erhält dem Menschen das durch die Wiedergeburt geschenkte Leben; er gibt ihm zudem die Sicherheit, in Jesus zu bleiben und innigste Lebensgemeinschaft mit ihm zu behalten (Joh 6,51-58). Die so empfangenen Kräfte helfen, das zu überwinden, was dem Heil der Seele hinderlich sein könnte, und lassen in Jesu Wesen hineinwachsen. Auf diese Weise kann in jedem Gottesdienst die Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus gestärkt werden.

12.1.5.3 Gemeinschaft Nach oben

Im Gottesdienst kann der Gläubige erfahren, dass sich stets neu das Versprechen Jesu erfüllt: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Gottesdienst ist somit die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Er ist in seinem Wort inmitten der Gemeinde und in seinem Leib und Blut real gegenwärtig. Zudem ist Gottesdienst die Gemeinschaft der Glaubenden, die sich in Anbetung und Lobpreis Gottes vereinigt. Werden im Gottesdienst zusätzlich zum Heiligen Abendmahl die Sakramente der Heiligen Wassertaufe oder der Heiligen Versiegelung gespendet, umgeben die zur Gemeinde Gehörenden als Zeugen diejenigen, die das Sakrament empfangen. Darüber hinaus kann sich der Einzelne unter den Segenszuspruch stellen. Wer selbst getauft und versiegelt worden ist, ist aufgerufen, sich den Empfang der Sakramente so erneut zu vergegenwärtigen. Damit wird deutlich: Alle Wiedergeborenen stehen miteinander in voller Sakramentsgemeinschaft.

12.1.5.4 Gebet Nach oben

Gottesdienst ist untrennbar mit Gebet verbunden. Bereits vor dem Gottesdienst sucht der Gläubige im persönlichen Gebet Gottes Nähe. Während des Gottesdienstes verbindet sich die Gemeinde in den Gebeten mit den Worten des Gottesdienstleiters. In ihnen kommen Anbetung, Dank, Fürbitte und Bitte zum Ausdruck. Besondere Bedeutung kommt dem gemeinsam gesprochenen GebetUnser Vaterzu. Es wird nach dem Wortlaut in Matthäus 6,9-13 gesprochen und geht der Feier des Heiligen Abendmahls voraus. Hat der Gläubige Leib und Blut Jesu genossen, dankt er Christus für sein Opfer und die empfangene Gnade in einem stillen Gebet. Am Ende des Gottesdienstes spricht der Gottesdienstleiter ein Gebet.

EXTRAKT Nach oben

Mit Jesus Christus beginnt eine neue Dimension göttlichen Dienstes an den Menschen. In Jesu Wort und Tat ist angelegt, was den christlichen Gottesdienst prägt: Wort und Sakrament. (12.1.3)

Vier grundlegende Elemente des neutestamentlichen Gottesdienstes sind bezeugt: Lehre der Apostel, Gemeinschaft, Brotbrechen, Gebet. (12.1.3)

Der christliche Gottesdienst wurde im Lauf der Jahrhunderte in verschiedenen Formen gefeiert. Der heutige Ablauf des neuapostolischen Gottesdienstes steht in der Tradition reformierter Gottesdienste. (12.1.4)

Die trinitarische Eingangsformel ist Anrufung Gottes und Vergewisserung seiner Gegenwart. Damit wird jede Begegnung mit dem Dreieinigen im Gottesdienst eingeleitet und mit dem trinitarischen Segen beendet. (12.1.5)

Der Gottesdienst zielt darauf, die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi zu stärken und die Gläubigen auf das Erscheinen des Herrn vorzubereiten. (12.1.5)

Die Apostel sind berufen, das Evangelium zu verkündigen; die in ihrem Auftrag tätigen Amtsträger tun dies ebenfalls. (12.1.5.1)

Mit der Feier des Heiligen Abendmahls erlebt die Gemeinde das zentrale Geschehen im Gottesdienst. (12.1.5.2)

Gottesdienst ist Gemeinschaft mit Jesus Christus in Wort und Sakrament. Gottesdienst ist auch die Gemeinschaft der Glaubenden, die sich in Anbetung und Lobpreis Gottes vereinigt. (12.1.5.3)

Gottesdienst ist untrennbar mit Gebet verbunden. Anbetung, Dank, Fürbitte und Bitte kommen zum Ausdruck. (12.1.5.4)

12.1.6 Wortverkündigung Nach oben

In den Gottesdiensten wird der Wille Gottes für die Gegenwart verkündigt; diese Wortverkündigung wird alsPredigtbezeichnet.

Die Lebensnotwendigkeit des Wortes Gottes für die neue Kreatur bekunden die Worte Jesu: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Mt 4,4). Apostel Paulus weist darauf hin, dass ohne das gepredigte Wort kein Glaube an Jesus Christus entsteht (Röm 10,17). In 1. Petrus 1,24.25 wird die Vergänglichkeit des Menschen der Unvergänglichkeit des Wortes Gottes gegenüber gestellt: „Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist.“

12.1.6.1 Zum Begriff „Predigt“ Nach oben

Der BegriffPredigtgeht auf das lateinische Wortpraedicarezurück, das bedeutet: „etwas öffentlich ausrufen, etwas verkündigen“. Die Predigt im Gottesdienst ist eine an die Gemeinde gerichtete geistliche Rede eines Amtsträgers, die von der Kraft des Heiligen Geistes erweckt und durchwirkt ist. Der Predigt liegt ein biblischer Text zugrunde.

12.1.6.2 Wortverkündigung im Neuen Testament Nach oben

Hatten bereits in der Zeit des Alten Testaments gläubige Menschen aus der Kraft des Heiligen Geistes den Willen Gottes verkündigt, wurde mit der Geburt des Sohnes Gottes eine neue Dimension des Wortes Gottes Wirklichkeit. In Jesus Christus ist das Wort Gottes in Vollkommenheit zu den Menschen gekommen.

Jesus lehrte im Tempel in Jerusalem, in Synagogen und an anderen Orten. Vieles aus seinen Predigten überliefern uns die Evangelien, in denen Fundamente christlicher Lehre enthalten sind. In seiner Wortverkündigung verwandte Jesus Gleichnisse und legte das Alte Testament aus. Ferner gab er viele Hinweise für die Zukunft. So sprach er im Voraus von seiner Leidenszeit, seiner Auferstehung und Himmelfahrt und verhieß seine Wiederkunft. Die herausragende Art der Wortverkündigung Jesu zeigt sich in der Bergpredigt mit den Seligpreisungen und vielen bis dahin nie gehörten Aussagen. Wie dies wirkte, wird an der Reaktion der Zuhörer ersichtlich: „[Das] Volk entsetzte [sich] über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten" (Mt 7,28.29).

Hatte der Sohn Gottes den Aposteln bereits zur Zeit seiner Erdenwirksamkeit das Predigen aufgetragen (Mt 10,7), gab er ihnen nach der Auferstehung den Auftrag, in alle Welt zu gehen und allen das Evangelium zu predigen (Mk 16,15).

Die erste christliche Predigt hielt Apostel Petrus zu Pfingsten (Apg 2,14ff.). Weitere Predigten der ersten Apostel finden wir zum Beispiel in Apostelgeschichte 3,12-26 und 17,22-31. Überdies können manche Apostelbriefe, die in den Gemeinden vorgelesen wurden, Predigten verglichen werden. Ihre Inhalte waren auf die Gemeinden bzw. die jeweils herrschenden Verhältnisse zugeschnitten. Sie halten an zur Buße, zur Annahme der Gnade Gottes und zur Hinnahme der Sakramente; auch haben sie wegweisenden und ermahnenden Charakter. Sie künden vom Erlösungswillen Gottes, der den Menschen das ewige Leben in seiner Herrlichkeit schenken will.

12.1.6.3 Wortverkündigung heute Nach oben

Im neuapostolischen Gottesdienst nimmt die Verkündigung von Gottes Wort breiten Raum ein. Die Apostel und die hierzu von ihnen beauftragten Amtsträger sind berufen, das Wort Gottes in den Gemeinden zu verkündigen. Sie sind dazu durch die Ordination gesegnet und ausgerüstet worden.

Gottes Wort ist zunächst das, was in der Heiligen Schrift überliefert ist. Daran muss sich die Predigt orientieren. Grundlage der Predigt ist daher ein vorgegebenes Bibelwort, das mit Hinweisen zur Auslegung den Amtsträgern vom Stammapostel zur Vorbereitung auf die Gottesdienste zur Verfügung gestellt wird.

Die Auslegung dieses Bibelworts in freier Rede bildet den Kern der Predigt; sie wird vom Heiligen Geist erweckt. Das erlebt die Gemeinde bei den Worten dessen, der den Gottesdienst leitet, und ebenso bei den ergänzenden Predigtbeiträgen weiterer Amtsträger („mitdienen“). Die Verkündigung des Wortes Gottes durch mehrere Amtsträger mit unterschiedlichen Charakteren und entsprechenden Gaben trägt dazu bei, Aspekte der Predigt aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und dient somit der Vertiefung des Verständnisses für Gottes Willen.

12.1.6.3.1 Hauptinhalt der Wortverkündigung Nach oben

Im Mittelpunkt der Wortverkündigung steht das Evangelium Jesu Christi, die frohe Botschaft. Es kündet von Jesu Leben und Opfer, seiner Auferstehung und seinem Wiederkommen sowie von der Vollendung des Heilsplans.

Aber auch die Verherrlichung Gottes, das Rühmen seiner Taten zu allen Zeiten ist Inhalt der Predigt. Sie bietet überdies Orientierung für ein Leben nach Gottes Willen; dazu dient auch die Schilderung von Glaubenserlebnissen und Glaubenserfahrungen.

Weitere Elemente der Predigt bilden der Lobpreis der Gnade und der Versöhnungstat Jesu Christi. Darüber hinaus wird an die Versöhnungsbereitschaft der Gläubigen appelliert. Dies alles leitet hin zum Empfang der Sakramente.

12.1.6.3.2 Ziel der Wortverkündigung Nach oben

Die Predigt von Jesus Christus ruft die Hörer zum Gehorsam des Glaubens auf (Röm 16,25.26). Vorrangiges Ziel der Predigt ist es, den Glauben zu wecken und zu erhalten, den Jesus bei seiner Wiederkunft erwartet. Apostolische Wortverkündigung zeugt immer von dem Bestreben, die Gemeinde auf das Kommen Jesu Christi vorzubereiten (2Kor 11,2).

Der Glaube an das baldige Wiederkommen des Herrn wirkt sich auf das Verhalten der Gläubigen im täglichen Leben aus. Gemäß Galater 5,22.23 soll das Wirken des Heiligen Geistes dieFruchtLiebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit hervorbringen.

Das verkündigte Wort vermittelt Trost und Zuversicht, fördert die Erkenntnis und stärkt das Vertrauen zu Gott.

Durch das Wort Gottes wird dem Zuhörer gleichsam ein Spiegel vorgehalten, in dem er sich selbst erkennen und sich darüber bewusst werden kann, was notwendig ist, um in das Wesen Christi hineinzuwachsen (Jak 1,22-24). Dazu gehört auch, die durch Christus bewirkte Versöhnung mit Gott im Glauben anzunehmen und als Konsequenz daraus die Bereitschaft aufzubringen, sich allen Menschen gegenüber versöhnlich zu zeigen.

12.1.6.3.3 Ebenen der Wortverkündigung Nach oben

Gottes Wort ist vollkommen, lauter und untrüglichdoch wird es durch unvollkommene Menschen verkündigt. Deswegen kann die Predigt Fehlerhaftes enthalten. Doch legt Gott, der das herzliche Bitten des Predigenden und des Zuhörenden vernimmt, in die unzulänglichen menschlichen Worte der Predigt Kraft hinein. Es bestehen also zwei Ebenen. Die eine ist die menschliche: Ein Mensch redet, und Menschen hören zu. Auf dieser Ebene sind weder sprachliche und inhaltliche Fehler des Redners noch Verständnisfehler der Hörer ausgeschlossen. Die andere Ebene ist die göttliche: Der Heilige Geist spricht durch den gesandten Knecht Gottes zum Herzen des Zuhörers und stärkt bzw. erweckt in ihm Glauben. Die Unvollkommenheit geäußerter Worte und Sätze hindert also Gott nicht, Kraft hineinzulegen.

Auch der Hörer der Predigt muss Voraussetzungen erfüllen, um sie nicht als bloße Äußerungen eines Menschen wahrzunehmen. Das grundlegende Erfordernis hierfür ist der Glaube: Das meint, dass der Hörer sich im gläubigen Vertrauen dem Wort der Predigt öffnet, es annimmt und bereit ist, es mit in sein Leben zu nehmen. Dann erweckt das Wort der Predigt im Hörer auch Einsicht. Begangene Sünden werden erkannt, Reue und Buße und das Verlangen nach Gnade hervorgerufen.

Vor der Predigt soll der Hörer darum beten, dass der Herr ihm aus dem Wort Stärkung und Frieden zufließen lassen möge. Der Herr erhört das inständige Beten einer nach dem Wort Gottes verlangenden Gemeinde.

Nach der Predigt folgt die durch das Wort Gottes vorbereitete Feier des Heiligen Abendmahls.

EXTRAKT Nach oben

In den Gottesdiensten wird Gottes Wille verkündigt; diese Wortverkündigung wird alsPredigtbezeichnet. (12.1.6)

Jesus lehrte im Tempel in Jerusalem, in Synagogen und an anderen Orten. Ein Beispiel der Wortverkündigung Jesu ist die Bergpredigt. (12.1.6.2)

Die erste christliche Predigt hielt Apostel Petrus zu Pfingsten. (12.1.6.2)

Im neuapostolischen Gottesdienst nimmt die Wortverkündigung breiten Raum ein. Grundlage ist ein Bibelwort. Seine Auslegung in freier Rede bildet den Kern der Predigt; sie wird vom Heiligen Geist erweckt. (12.1.6.3)

Im Mittelpunkt der Wortverkündigung steht das Evangelium, das von Jesu Leben und Opfer, seiner Auferstehung und seinem Wiederkommen kündet. Sie bietet überdies Orientierung für ein Leben nach Gottes Willen. (12.1.6.3.1)

Apostolische Wortverkündigung zeugt immer vom Bestreben, die Gemeinde auf die Wiederkunft Jesu Christi vorzubereiten. (12.1.6.3.2)

Das verkündigte Wort stärkt den Glauben und das Vertrauen zu Gott, vermittelt Trost und Zuversicht, fördert Erkenntnis. (12.1.6.3.2)

Gottes Wort ist vollkommen, lauter und untrüglich. Doch es wird durch unvollkommene Menschen verkündigt und vernommen. Dies hindert Gott nicht, Kraft in die Predigt hineinzulegen. (12.1.6.3.3)

12.1.7 Das Gebet „Unser Vater“ Nach oben

Das GebetUnser Vaterist ein wertvolles Vermächtnis, das Jesus denen gegeben hat, die an ihn glauben. Mit ihm gab der Sohn Gottes ein Vorbild, wie man zum Vater im Himmel beten soll.

Dieses Gebet des Gottessohnes ist in einer Fassung mit fünf Bitten (Lk 11,2-4) und in einer ausführlicheren Version mit sieben Bitten überliefert (Mt 6,9-13).

12.1.7.1 „Unser Vater“ im Gottesdienst Nach oben

In der Liturgie des Gottesdienstes wird der Text aus Matthäus 6,9-13 in der Fassung der Luther-Bibel von 1984 verwendet:

Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.“

Das Vaterunser hat seinen festen Platz in der Liturgie. Es ist das einzige Gebet, das die Glaubenden in festgelegtem Wortlaut miteinander sprechen. Es ist auch ein Bußgebet, das vor der Sündenvergebung gesprochen wird und in dem der Gläubige vor Gott bekennt, dass er gesündigt hat.

12.1.7.2 Die sieben Bitten Nach oben

Nach der Anrufung Gottes folgen drei Bitten, die sich auf ihn beziehen: dein Name, dein Reich, dein Wille. Dem schließen sich vier Bitten an, die zugleich auch Fürbitten sein können: unser tägliches Brot, unsere Schuld, führe uns, erlöse uns. Den Abschluss bildet ein Lobpreis der Majestät Gottes.

12.1.7.2.1 „Unser Vater im Himmel“ Nach oben

Die AnredeUnser Vaterweist dieses Gebet als ein Gemeinschaftsgebet aus, in dem sich die Betenden als Kinder Gottes bekennen. In dieser Gemeinschaft ist Jesus Christus derErstgeborene unter vielen Brüdern“ (Röm 8,29); wenn er betete, sprach er Gott als Vater an (u.a. Lk 22,42; 23,46; Joh 11,41;17,1).

Das Verhältnis, das Jesus zu seinem himmlischen Vater hat, ist einzigartig. Wenn Christus lehrt, zu Gott alsVater im Himmelzu beten, nimmt er den Menschen in sein Verhältnis zum Vater hinein.

Spricht der Mensch Gott als seinenVateran, verbinden sich damit die Aspekte, dass Gott ihn erschaffen hat, sein Herr ist und für ihn sorgt. Gott ist Quelle und Bewahrer des von ihm Geschaffenen. Der Mensch darf ohne Furcht, in Liebe, vertrauensvollVaterzu ihm sagen.

Die Worteim Himmelbetonen Gottes Erhabenheit über das Erdendasein. Er, Gott, der Vater, ist größer und höher als allesund doch ist er in seiner Allgegenwart den Menschen nahe (Ps 139; Apg 17,27).

12.1.7.2.2 „Dein Name werde geheiligt“ Nach oben

Gott, der Dreieinige, ist heilig. Die Gläubigen sprechen voller Ehrfurcht von ihm. Indem sie Gott alle Ehre geben, ihn loben und preisen und sich bemühen, seinem Willen gemäß zu wandeln, tragen sie dazu bei, seinen Namen zu heiligen. Das GebetUnser Vatererinnert an das zweite Gebot (siehe 5.3.3) und macht es möglich, gemeinsam den Namen Gottes durch Worte zu heiligen und sich in Gottesfurcht und Demut vor der Größe des Ewigen zu verneigen.

Im Neuen Bund hat Gott seinen Namen in seinem Sohn offenbart: Jesus Christus. Dieser Name muss heilig gehalten werden; es ist der Name, „durch den wir sollen selig werden“ (Apg 4,10.12; vgl. Phil 2,9-11).

12.1.7.2.3 „Dein Reich komme“ Nach oben

Das Reich Gottes ist bereits in Christus angebrochen und in seiner Kirche gegenwärtig. „Dein Reich kommemeint, dass der Herr in der Gemeinde mehr und mehr wahrnehmbar werde.

Darüber hinaus ist damit das Offenbarwerden des künftigen Reiches Gottes angesprochen. Es wird mit der Hochzeit des Lammes beginnen (Offb 19,6.7). Insofern richtet sich die Bitte, Gottes Reich möge kommen, in erster Linie auf das Wiederkommen Christi zur Heimholung seiner Braut. Die Bitte geht aber noch weiter in die Zukunft: Nach der Hochzeit im Himmel wird der Gottessohn auf Erden sein Reich des Friedens aufrichten, in dem allen Menschen das Evangelium gepredigt wird. In vollkommener Herrlichkeit wird Gottes Reich dann erscheinen und ewig bestehen, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen hat.

12.1.7.2.4 „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ Nach oben

Gott ist allmächtig; sein Wille steht über allem. Im Himmel, dem Bereich, wo Gott thront, herrscht sein Wille uneingeschränkt.

Den in Sünde gefallenen Menschen will Gott aus den Folgen der Sünde helfen und das Heil schenken (1Tim 2,4). Um das zu ermöglichen, sandte er seinen Sohn. Jesus Christus brachte sich zum Opfer dar, worin sich der Wille des Vaters offenbarte (Hebr 10,9.10).

Der Wunsch, dass Gott auch auf Erden alles nach seinem Willen gestalten möge, kommt in der BitteDein Wille geschehezum Ausdruck. Aufgrund ihrer Sündhaftigkeit und derzwar gebrochenen, jedoch noch wirkendenMacht Satans können die Menschen dem nicht entsprechen. Das Bitten der Gläubigen geht dennoch dahin, dass es ihnen bereits heute im Erdenleben gelingen möge, nach Gottes Willen zu handeln.

Mit dieser Bitte wird überdies das Sehnen zum Ausdruck gebracht, dass Gott sein Erlösungswerk bald vollenden möge.

12.1.7.2.5 „Unser tägliches Brot gib uns heute“ Nach oben

Diese Bitte zielt im weiten Sinn auf die Erhaltung der Schöpfung. Ferner wird mit diesen Worten der Herr um Nahrung, Kleidung, Wohnung und alles gebeten, dessen der Mensch im irdischen Leben bedarf.

Die übertragene Bedeutung der Bitte ist die um das Wort Gottes alsSpeisefür die unsterbliche Seele (Jer 15,16).

Eine weitere Bedeutung der Bitte bezieht sich auf das Brot des Lebensdas Heilige Abendmahlgemäß den Worten Jesu: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt“ (Joh 6,48